Archiv für den Monat: September 2012

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (3/3)

Bei der Verbreitung ihres Glaubens haben die Wahaby die Grundregel aufgestellt, alle ihre Feinde zu töten, die sie bewaffnet finden, mögen es nun fremde Ketzer (z. B. Syrische, Mesopotamische, ober Ägyptische Soldaten, oder Landbauern), oder auch Araber sein, die dem Oberhaupt sich widersetzt, oder gegen dasselbe rebelliert haben. Die Befolgung dieser Regel (eine Nachahmung der ersten Verbreiter des Islam) macht eben den Namen der Wahaby so gefürchtet. Während des vierjährigen Krieges mit den Soldaten des Mohammed Aly Pascha ist nicht ein einziger Fall bekannt, dass die Wahaby jemals einem Türken Pardon gegeben hätten. Als Kerbela (oder Mesched Hossein) und Tayf genommen wurden, wurde die ganze männliche Bevölkerung niedergemetzelt; und in ersterer Stadt wurde Haret el Abasieh, oder das Quartier der Abassiden, bloß um dessen Willen verschont, weil Saud für das Andenken der Abassiden-Khalifen eine besondere Hochachtung hegte. Wenn Beduinenlager angegriffen werden, findet dasselbe statt: alle, die mit den Waffen in der Hand ergriffen werden, sind ohne Gnade Kinder des Todes. Diese wilde Gewohnheit hat den Wahaby einen fürchterlichen Fanatismus eingeflößt, der sie zum Schrecken ihrer Gegner macht. Insofern hat derselbe auch dazu beigetragen, die Verbreitung ihres Glaubens zu erleichtern.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (2/3)

Es ist leicht einzusehen, dass die Wahaby sich gemeiniglich im Zustande des Krieges befinden. Saud pflegte jedes Jahr zwei, oder drei große Kriegszüge zu machen. Die Nachbarschaft von Basra (reich an Vieh und Datteln), die Ufer des Schat el Arab und des Euphrat bis hinauf nach Anah waren die Gegenden, in welche er seine jährlichen Überfälle richtete. Seine Truppen überschritten sogar den Euphrat und verbreiteten Schrecken in Mesopotamien; auch an der südlichen Grenze seines Gebietes boten die noch uneroberten Provinzen von Jemen, Hadramaut und Oman ein fruchtbares Feld für Beute dar. Saud war nicht immer persönlich bei diesen kriegerischen Unternehmungen, sondern ließ sie von einem seiner Söhne, oder irgendeinem ausgezeichneten Scheikh anführen, ja wir haben sogar seinen schwarzen Sklaven Hark an der Spitze mehrerer Wahaby-Korps gesehen.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (1/3)

Zwischen den Wahaby und den Beduinen findet in Militärangelegenheiten nur geringer Unterschied statt. Ohne eine stehende Armee zu haben, sammelt der Scheikh eines Stammes die kriegerischen Araber seines Lagers zu einer Unternehmung gegen den Feind, und das Korps wird wieder aufgelöst, sobald sie zurückkehren. So verhält es sich auch mit den Wahaby. Bis auf einige Hundert auserlesene Männer, welche in Derayeh unterhalten werden, hatte weder Saud, noch sein Vater jemals eine stehende Armee, oder Truppencorps. Wenn das Oberhaupt einen Angriff vorhat, so bescheidet es die Scheikhs der Stämme und Distrikte auf einen gewissen Tag an einen bestimmten Ort, in der Regel an einen Brunnen in der Wüste. Manchmal verlangt das Oberhaupt vom Scheikh eine gewisse Zahl Soldaten, der sie dann mittels einer Art Konskription[1] von jedem, unter seiner Kontrolle befindlichen, Dorf und Lager aushebt. Werden z. B. vom Scheikh der Provinz Kasym 1000 Mann verlangt, so muss jede Stadt dieser Provinz nach Maßgabe ihrer Bevölkerung dazu beitragen. Die Bewohner der Städte (oder in Lagern die Beduinen) machen dann die Sache unter sich in Güte ab. Alle, welche deluls oder Kamele zum Reiten besitzen, teilen sich in zwei Klassen. Die eine davon geht jetzt in den Krieg und die andere beim nächsten Aufgebot. Alle Mannspersonen von 18 bis 60 Jahren, verheiratet, oder ledig, oder Familienväter, sind militärpflichtig. Alle diejenigen, welche Stuten besitzen, müssen bei jedem Aufgebot erscheinen, es müsste denn ausdrücklich bemerkt worden sein, dass keine Reiterei nötig ist. Wenn sich einer versteckt, so nimmt das Oberhaupt seine Stute, sein Kamel, oder mehrere Schafe, als Buße dafür. Saud war sehr streng in Eintreibung dieser Bußen, und die schweren Militärpflichten, welche denen aufgelegt waren, die Pferde besaßen, bewog sie, diese wertvollen Tiere zu verkaufen, wodurch die Zahl der Pferde in Sauds Gebiete sehr vermindert wurde.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (2/2)

Diese Gelder sind für öffentliche Zwecke bestimmt und werden deshalb in vier Teile geteilt. Ein Viertel wird in den Fiskus nach Derayeh gesendet; ein anderes Viertel wird zur Unterstützung der Armen im Distrikte des Beit el Mal verwendet; ferner um die Ulama zu bezahlen, welche da sind, um die kadhy und die Kinder zu unterrichten; ferner um die Moscheen in Bau und Besserung zu erhalten, um öffentliche Brunnen zu graben u. s. w. Die Hälfte wird zur Unterstützung armer Soldaten verwendet, die mit Lebensmitteln versehen werden, wenn sie an einem Kriegszug Anteil nehmen, oder im Falle der Not wohl auch mit Kamelen. Diese Hälfte wird ferner benutzt zur Bewirtung von Gästen. Das für Gäste bestimmte Geld wird den Scheikhs ausgezahlt, die eine Art öffentlicher Häuser halten, wo alle Fremde einkehren können und unentgeltlich bewirtet werden. Man hält es für gerecht, dass zu solchen Kosten die ganze Gemeinde beitrage. So bekommt z. B. Ibn Aly, der Scheikh des Stammes Beni Schammar in Dschebel Schammar, jedes Jahr aus dem Fiskus seiner Provinz 200 Kamelsladungen Getreide, 200 Kamelsladungen Datteln und 1000 Spanische Dollars: Für dieses Geld kauft er Fleisch, Butter und Kaffee, und alles wird auf die Bewirtung von 2 bis 300 Fremden aller Art verwendet, welche jeden Tag in seinen öffentlichen Räumen aufgenommen und gespeist werden.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (1/2)

Das Einkommen der Wahaby ist ebenso fundiert, wie zur Zeit Mohammeds. Es besteht:

1) In den fünften Teile der Beute, welche den Ketzern abgenommen wird. Dieser Teil muss für das Oberhaupt bei Seite gelegt werden, gleichviel ob er, oder einer seiner Beamten bei der Expedition gegenwärtig gewesen sind; und der Scheikh des entferntesten Stammes ist verantwortlich für die Übersendung dieses Fünftels, wie klein und unbedeutend der Betrag desselben auch sein möge. Saud machte nie den Versuch, die übrigen vier Fünftel seinen Soldaten zu entziehen. In den gewöhnlichen Kriegen mit Arabern (wenn keine Städte geplündert werden) besteht die Beute gemeiniglich in Pferden, Kamelen und Schafen, und diese werden unmittelbar nach der Schlacht an den Meistbietenden abgelassen. Das auf diese Weise erlangte Geld wird unter die Truppen verteilt. Ein Reiter hat drei Teile (nämlich einen für sich und zwei, wie die Araber sagen, für seine Stute); jeder Kamelreiter hat einen Teil (vor Sauds Zeit hatte er deren zwei), und jeder Fußsoldat hat ebenfalls einen Teil. Sobald in der Schlacht ein Wahaby einen feindlichen Reiter tötet und sich in den Besitz seiner Stute setzt, so darf er dieselbe als sein Eigentum und als Belohnung seiner Tapferkeit behalten. Ich brauche hier nicht zu wiederholen, dass Mohammed den fünften Teil aller Beute nahm.

2) In dem Tribut, oder wie es die Wahaby nennen, dem Almosen. Ein Grundgesetz des Islams bezieht sich auf die Entrichtung dieser Almosen. Mohammed bestimmte den Betrag, und an diese Bestimmung hält sich auch der Gesetzgeber der Wahaby. Ähnliche Almosen sind auch den Türken vorgeschrieben, nur dass die Verteilung derselben jedem nach seinem Gewissen überlassen bleibt. Die Wahaby müssen sie aber zur Verteilung an ihr Oberhaupt abliefern. Das Muselmännische Gesetz hat genau bestimmt, in welchem Verhältnisse die Almosen zum Eigentum stehen, und die Wahaby haben in dieser Anordnung keine Veränderung gemacht. Die Summen, welche im Verhältnisse zur Zahl der Pferde, Schafe und Kamele gezahlt werden, stehen im Einklang mit den Vorschriften der Sunna, und ein Näheres darüber kann man in D’Ohsson’s trefflichem Werke nachlesen. Saud teilte den von seinen Untertanen erhobenen Tribut in zwei Teile. Derjenige von den Beduinen floss ganz in seinen Privatschatz; aber die Almosen von den Bewohnern der Städte und von allen denen, welche Landbau trieben, gehörten dem öffentlichen Schatz (Beit el Mal).

Von Feldern, die bloß vom Regen bewässert werden, nahm Saud den 10ten Teil des Ertrages; von Feldern dagegen, die durch das Wasser der Brunnen, oder Quellen befeuchtet werden, wozu mühsame und teure Wasserleitungen erforderlich waren, nahm er nur den 20sten Teil des Ertrages.

Die Kaufleute zahlen jährlich 2,5 Prozent ihres Kapitals und müssen den Betrag desselben eidlich dem Steuereinehmer angeben. Es ist indessen wohlbekannt, dass sie selten mehr, als den vierten Teil ihres Eigentums angeben. Einem Kaufmanne von Khadera in der Provinz Kasym waren 3000 Dollars bar Geld geraubt worden. Er wendete sich um Hilfe an Saud, und dieser befahl dem Beamten des Beit el Mal (oder des öffentlichen Schatzes zu Khadera), nachzusehen, wie hoch der Kaufmann sein Vermögen angegeben habe; und es fand sich, dass er es nur zu 1000 Dollars angegeben habe, und zur Strafe dafür konfiszierte Saud die Stute und die Kamele des Kaufmanns.

Die Almosen oder zeka sind unter Sauds Herrschaft den Arabern besonders ärgerlich, da sie sonst von Taxen irgendeiner Art ganz frei waren. Entfernte Stämme haben sich häufig dieser Abgabe halber aufgelehnt und die Steuereinnehmer fortgejagt. Nichts, als Zwang, oder Not kann einen Beduinen je dahin bringen, sich Besteuerung gefallen zu lassen. Die Befreiung von dieser Abgabe ist auch schuld daran, dass die Beduinen in Hedschaz weniger feindselig gesinnt gegen Mohammed Aly Pascha waren, als es sonst der Fall gewesen sein dürfte; denn seine erste Maßregel war die Erklärung, dass nicht nur die Beduinen, sondern auch alle landbautreibenden Einwohner der Provinz Hedschaz ganz frei von Steuern sein sollten.

3) Den beträchtlichsten Teil des Einkommens bezieht das Oberhaupt der Wahaby aus seinen Privatbesitzungen. Saud hat es als Regel aufgestellt, dass, wenn irgendein Distrikt, oder eine Stadt gegen ihn rebelliert, er dieselbe, wenn es der erste Versuch ist, ausplündern lässt. Geschieht es zum zweiten Male, so erfolgt nicht bloß Plünderung, sondern auch Konfiskation, sodass alle Länderei dem Staatsschatz anheimfällt. Saud verleiht dann manche Teile dieser Länderei an Fremde, lässt aber das Meiste in den Händen der vorigen Eigentümer, welche jetzt bloß seine Pächter sind und je nach den Umständen, entweder den dritten Teil, oder die Hälfte des Ertrages abgeben müssen. Das Eigentum derer, welche den tätigsten Teil an der Rebellion genommen haben, wird an andere verpachtet, während die vorigen Eigentümer entweder entfliehen, oder hingerichtet werden.

Da die Araber das Regierungssystem der Wahaby nur erst nach wiederholten Kämpfen angenommen haben, so wurden auf diese Weise beträchtliche Distrikte vom Oberhaupt konfisziert; und wenn die Wahaby in Hedschaz jemals wieder zu dem Besitze der vorigen Macht gelangen, so wird auf gleiche Weise das Eigentum aller derer konfisziert werden, welche es mit Mohammed Aly Pascha gehalten haben. Gegenwärtig gehört das meiste Grundeigentum in Nedschid dem Beit el Mal, oder dem Staatsschatz; alles Grundeigentum der Provinz Kasym, deren Einwohner beständig rebellierten, ist an letztere pachtweise abgelassen. Viele Dörfer von Hedschaz und die Gebirge gegen Jemen hin gehören ebenfalls dem Staatsschatz.

4) Bußen, welche für Übertretung des Gesetzes gezahlt werden. Das Verbrechen des Ungehorsams wird in der Regel mit Geld bestraft. Es ist eine Maxime der Tribunale bei den Wahaby, dass ein Araber, welcher einen anderen falsch anklagt, eine Buße an den Fiskus zahlen muss.

Alle diese Einkünfte, ausgenommen die Almosen oder zeka von den Beduinen, fließen in den Fiskus, oder Beit el Mal. Jede Stadt, oder jedes Dorf von einiger Bedeutung hat seinen Fiskus, in welchen jeder Bewohner seine Quote zahlt. Jeder Fiskus hat einen Schreiber, welchen das Oberhaupt der Wahaby mit der Instruktion angestellt hat, zu verhindern, dass der Scheikh des Ortes keinen unerlaubten Gewinn vom Einkommen ziehe. Den Scheikhs ist nicht gestattet, das zu zahlende Geld zu sammeln und darüber Rechnung abzulegen.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (3/3)

Ich will hier einige Gesetze der Wahaby erwähnen, welche auf den Koran und die Traditionen Mohammeds gegründet sind:

Ein haramy oder Räuber muss die gestohlenen Güter, oder ihren Wert zurückgeben; ist aber der Diebstahl ohne Anwendung von Gewalt ausgeführt worden, so kommt er ohne weitere Bestrafung davon, außer einer Buße in den Fiskus. Ist eine Tür erbrochen worden bei Ausführung des Raubes, so wird dem Diebe die Hand abgeschnitten.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (2/3)

Das Vergehen, welches Saud am häufigsten zu bestrafen hatte, war der Verkehr seiner Araber mit Ketzern. Zur Zeit, wo der Glaube der Wahaby erst eingeführt worden war, waren die bestimmtesten Befehle gegeben, alle Verbindung zwischen Wahaby und anderen Nationen zu verbieten, die noch nicht die neue Lehre angenommen hatten, denn es galt der Satz, dass das Schwert allein als Beweismittel gegen letztere gebraucht werden müsse.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (1/3)

Das ganze offene Land von Arabien und alle Städte des inneren waren ehedem demselben ungeordneten Zustande des Gesetzes unterworfen, der noch immer unter denjenigen Stämmen besteht, welche sich den Wahaby noch nicht unterworfen haben, und die ich in meiner Schilderung der Beduinen beschrieben habe. Abd el Azyz und Saud lehrten ihre Araber dem Gesetze gehorchen, öffentlichen Frieden zu erhalten und in ihren Streitigkeiten sich an den Ausspruch eines Tribunales zu halten, ohne zu den Waffen zu greifen. Abd el Azyz sendete zuerst Kadhis in alle Distrikte, welche unter ihm standen. Er wählte dieselben aus den Tüchtigsten und Redlichsten seiner Gelehrten, wies ihnen jährliche Besoldungen aus dem öffentlichen Schatz an und verbot ihnen, Sporteln[1] oder Bestechungen von den streitenden Parteien anzunehmen. Diese Kadhis mussten nun nach den Gesetzen des Koran und der Sunna entscheiden. Alle Araber hatten ihre Streitigkeiten denselben vorzutragen, konnten aber nach der Zeit an das allgemeine Oberhaupt appellieren.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 03 – Regierung der Wahaby (1/1)

Diese ist eine Aristokratie, an deren Spitze die Familie Sauds steht. Er teilte sein Gebiet in mehrere Regentschaften oder Gouvernements ein, in welche auch die Araberstämme mit gehörten, welche sich dem Landbau gewidmet haben. Jeder große Beduinenstamm hat auch einen Regenten oder Scheikh, und unter demselben stehen mehrere kleinere Häuptlinge. Die großen Beduinen-Scheikhs, welchen die kleineren Stämme Achtung bezeigen müssen, empfangen von dem Oberhaupt der Wahaby den Ehrentitel Emir el Omera. Die Hauptgouvernements sind diejenigen der Distrikte el Hassa, el Aredh (welches Saud selbst verwaltete und von welcher Provinz Derayeh die Hauptstadt ist), el Kasym, Dschebel Schammar, el Harameyn (Mekka und Medinah), el Hedschaz (bedeutet bei den Beduinen die Gebirge südlich von Tayf) und el Jemen.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 02 – Von Sauds Person und Familie (2/2)

Saud war außerordentlich unwillig, wenn ein Araber es versuchte, ihn durch eine Falschheit zu hintergehen. Bei solchen Gelegenheiten ergriff er manchmal einen Stock und prügelte den Mann mit eigener Hand; aber diese Anfälle der Leidenschaft bereute er sehr bald und wünschte, dass die Beistehenden immer vermittelnd eingreifen und ihn abhalten möchten, irgendjemand zu schlagen, sobald sie ihn zornig sähen. Dies geschah auch häufig, und er bedankte sich für diese Einmischung. Während seines Aufenthaltes zu Derayeh verließ Saud sehr selten sein Haus, außer wenn er des Freitags in die benachbarte Moschee ging.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 02 – Von Sauds Person und Familie (1/2)

Saud, der Hauptverbreiter der neuen Lehre, war der älteste Sohn des Abd el Azyz, welcher im Jahr 1803 ermordet wurde. Außer Saud hatte seine Mutter, die Tochter des Abd el Wahab, noch zwei Söhne, Abderrahman und Abdallah. Saud starb in einem Alter von 45, oder 50 Jahren im April 1814 an einem Fieber zu Derayeh. Und seinem Tode muss das Missgeschick zugeschrieben werden, welches seine Nation bald nachher erfuhr. Er soll ein ausnehmend schöner Mann gewesen sein und die schönen Gesichtszüge besessen haben, durch welche seine Familie ausgezeichnet war. Er trug einen längeren Bart, als man ihn gewöhnlich bei den Beduinen findet, und so viel Haare um seinen Mund herum, dass ihn die Einwohner von Derayeh Abu Schowareb, oder den Vater der Schnurrbärte, nannten.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 01 – Einleitung (4/4)

Im Herbst 1815 wurden zwei Abgeordnete von dem Oberhaupt der Wahaby in diese Stadt gesendet, und einer derselben war ein vollkommen gelehrter Wahaby. Mohammed Aly Pascha wünschte, dass sie den ersten Gelehrten in Kairo eine Erklärung ihrer Lehrsätze geben möchten, und sie hatten demgemäß wiederholte Zusammenkünfte mit ihnen. Die Wahaby hatten es bei diesem Colloquium[1] am besten, weil sie jeden Satz mit einer Stelle aus dem Koran und dem Hadith, oder der Tradition bewiesen, was sie alles auswendig wussten, und was deshalb als unverletzliche Autorität galt. Die Ulama erklärten, dass sie im Glauben der Wahaby keine Ketzerei finden könnten; und da sie diese Erklärung gewissermaßen gegen sich selbst geben mussten, so ist sie umso weniger verdächtig. Es war auch ein Buch nach Kairo gekommen, welches verschiedene, von Abb el Wahab geschriebene Aufsätze über religiöse Gegenstände enthielt. Viele Ulama hatten es gelesen und erklärten einmütig, dass, wenn die Meinungen der Wahaby von solcher Beschaffenheit wären, sie alle diesem Glauben angehörten.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 01 – Einleitung (3/4)

Die Wahaby erklärten, dass alle Menschen in den Augen Gottes gleich seien, und dass selbst die Tugendhaftesten bei ihm keine Vorbitte tun könnten; dass es folglich sündhaft sei, gestorbene Heilige anzurufen und ihre sterblichen Überreste mehr, als diejenigen anderer Personen zu ehren. Wohin die Wahaby ihre Waffen trugen, da zerstörten sie alle Kuppeln und mit Zierraten umgebene Gräber, — ein Umstand, welcher dazu diente, den Fanatismus ihrer Anhänger zu entzünden und einen auffallenden Unterschied zwischen ihnen und ihren Gegnern herzustellen, worauf auf immer die Politik des Gründers einer Sekte gesehen hat, und was sich bei der gemeinen Masse der Wahaby umso nötiger machte, da diese nicht im Stande war, die anderen Punkte des Streites richtig zu beurteilen.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 01 – Einleitung (2/4)

Die wenigen verständigen Syrier, oder Ägypter, die während der Wallfahrt Gelegenheiten gefunden hatten, mit gut unterrichteten Anhängern dieser Sekte sich zu unterhalten, werden sich wahrscheinlich überzeugt haben, dass dieser Beduinen-Glaube ganz derjenige des Islams sei; und wenn auch die Meinungen beider Teile nicht in allen Punkten übereinstimmen, so werden sie es doch für ungerecht halten, die Wahaby Ungläubige zu nennen. Aber das Zeugnis solcher Personen, wenn sie ein solches überhaupt geben dürften, ohne sich selbst der Beschuldigung auszusetzen, dass sie schlechte Muselmänner seien, konnte in dem allgemeinen Geschrei nicht durchdringen; und besonders nach dem Jahr 1803, wo die Pilgerkarawanen endlich unterbrochen wurden, herrschte überall die Meinung, dass die Wahaby als entschiedene Feinde der muselmännischen Religion angesehen werden müssten.

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Materialien zur Geschichte der Wahaby – 01 – Einleitung (1/4)

Über die Wahaby sind verschiedene widersprechende und falsche Angaben in den wenigen, bis jetzt erschienenen, Nachrichten über dieselben aufgestellt worden. Einige Anekdoten über diese merkwürdigen Sektierer, aus den besten Quellen gesammelt, zu welchen ich im Morgenland nur Zugang erhalten konnte, dürften vielleicht vielen Lesern interessant sein. Ich muss indessen bedauern, dass während meines Aufenthaltes in Hedschaz diese Provinz wegen des Krieges mit Mohammed Aly Pascha den Bewohnern von Nedschid unzugänglich war, die vor allen anderen am besten im Stande waren, wahrhafte und richtige Auskunft über die Wahaby zu geben, während dagegen die Beduinen der gemeinen Klassen, welche dem neuen Glauben beigetreten waren, im Allgemeinen seine wirkliche Bedeutung und seine Lehrsätze gar nicht kannten.

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