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Kurz gesagt: #Islam und #Aufklärung

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der große deutsche Geschichtsphilosoph und Kulturhistoriker Oswald Spengler (gest. 1936) in seinem opus magnum „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“ (1918) die Sendung des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – („622“ n. chr. Zeitr.) in den geistesgeschichtlichen „Sommer“ der „arabischen Kultur seit Chr.“ einordnete.

Die darauf folgende geistesgeschichtliche Epoche des „Herbstes“ beginnt mit der Aufklärung. Hier verortet Spengler die arabisch-muslimische Kultur bereits etwa 200 Jahre später, und zwar parallel mit dem Auftreten der „Mutazilisten“ und des „Sufismus“, sowie der Gelehrten an-Nazzâm und Alkindi.

Die abendländische Aufklärung hingegen findet laut Spengler erst mit dem Auftreten von Locke (gest. 1704), Voltaire (gest. 1778) und Rousseau (gest. 1778) statt.

Letztendlich bedeutet dies, dass die muslimische Aufklärung bereits 200 Jahre nach der Sendung des „Religionsstifters“ ihren Beginn nahm, während die christlich-abendländische Aufklärung nach der Sendung ihres „Religionsstifters“ über 1700 Jahre dafür brauchte.

Kurz gesagt: Kein religiöses Lob für neue Konvertiten

Ein Tipp für Geschwister die Umgang mit Konvertiten pflegen:

Das Schlimmste für die gesunde Entwicklung des Konvertiten ist das Lob seines Umfeldes. Konvertiten starten nicht selten mit Vollgas und erwecken in diesem frühen Stadium den Eindruck, als seien sie besonders gläubig und streng mit sich selbst.

Mit dem übermäßigen Loben jedoch werden Konvertiten häufig unter Druck gesetzt, was schlimme Folgen haben kann, besonders wenn sich mal ein Imantief ankündigt. Dann nämlich fangen nicht wenige Konvertiten mit dem heucheln an, um nicht die Erwartungshaltung ihres Umfeldes zu enttäuschen und um weiterhin den gleichen hohen Rang zu bekleiden.

Diese Heuchelei kann zu einer großen Belastung werden und im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Abfall vom Islam kommen. (Ich kenne Beispiele)

Wer es der Heuchelei gestattet, sich fest in der religiösen Praxis einzunisten, der beginnt auch andere Muslime der Heuchelei zu bezichtigen. Jede Person, die nach außen eine vorbildliche Praxis zeigt wird quasi im negativen Sinne beneidet oder man projiziert den eigenen Zustand auf sie.

So lieb und nett der Lob einiger Muslime auch gemeint sein mag, er stiftet häufig mehr Schaden als Erfolg.

Kurz gesagt: Die Egozentrik der religiösen Strenge

Wisst ihr was ich schade finde?

In meinen jetzt fast 10 Jahren als Muslim habe ich zahlreiche muslimisch-religiöse Werdegänge mitverfolgen können. Besonders bei Konvertiten und Revertiten fällt mir auf, dass sie sich nach einiger Zeit gewissermaßen religiös einpendeln bzw. mit dem Diesseits wieder erden.

Viele lassen in diesem Zusammenhang in ihrer Strenge und Kompromisslosigkeit nach. Dies ist in vielerlei Hinsicht natürlich zu befürworten, allerdings beginnen die meisten damit anscheinend erst, wenn sie für sich selbst das Bedürfnis danach verspüren. Ihre Strenge anderen gegenüber bleibt also genau so lange erhalten, bis sie selbst ihrer eigenen Strenge nicht mehr gerecht werden können.

Dies finde ich schade und ehrlich gesagt auch ungerecht. Es gibt leider nur wenige Muslime, die diesen Wandel in der religiösen Strenge nur anderen gegenüber vollziehen, während sie sich selbst gegenüber streng bleiben können.

So siehst du also nur wenige Muslime, die anderen das Kürzen des Bartes gestatten, ohne es bei sich selbst zu tun, oder die es anderen gestatten Musik zu konsumieren, ohne selbst damit anfangen zu müssen.

Dieser Egozentrismus ist meines Erachtens eines der großen Probleme der Ummah heutzutage.

Generationenkonflikt: Projizierter Selbsthass bei erprobten Muslimen

von Yahya ibn Rainer

Mir ist aufgefallen, dass viele aktive Muslime (besonders Konvertiten und Revertiten), wenn sie sich religiös weiterentwickeln, vieles von dem was sie früher sagten und taten zu bereuen beginnen und sich sogar dafür schämen.

Leider führt das bei einigen dazu, dass sie für andere noch jüngere Muslime eine Art Abneigung entwickeln, weil sie dieselben oder ähnlichen Aussagen und Taten bei ihnen vorfinden. Diese reiferen Muslime projizieren sozusagen ihren Selbsthass auf andere Muslime, was sich u.a. darin äußert, dass sie sehr aktiv darin sind, diese jüngeren Muslime online zu provozieren, zu beleidigen oder sich öffentlich über sie lustig zu machen.

Es gehört einfach zur Aufrichtigkeit auf dem Wege der Selbsterkenntnis («Wisse: Der Schlüssel zur Erkenntnis Allahs ist die Selbsterkenntnis.» – Imam al-Ghazali), sich solcherlei Schwächen einzugestehen und sie zu bekämpfen.

Ich sehe dieses oben genannte Phänomen bei vielen Muslimen in meinem Umfeld und auch bei mir selbst. Das Problem hierbei ist, dass wir durch dieses Vorgehen keine Nähe schaffen zwischen den Generationen, sondern, ganz im Gegenteil, noch mehr Spaltung hervorrufen.

«Die Beziehung zwischen Alt und Jung ist immens wichtig und zeichnet sich durch gegenseitigen Respekt aus, welcher aber zugunsten des Älteren überwiegen muss, da die religiöse Weisheit (Hikma) im Islam einen ganz besonderen Stellenwert hat.»

Diesen Respekt erlangen wir jedoch nicht, wenn wir die Jugend provozieren, beleidigen oder uns über sie echauffieren … und ganz besonders nicht, wenn wir sie uns zum öffentlichen Feindbild erklären. Manchmal müssen wir uns einfach eingestehen, dass mancherlei Dummheit wohl zu einer gesunden religiösen Entwicklung dazugehört, sonst wären wir selbst heute nicht dort wo wir sind.

Wa Allahu 3alem.

Kurz gesagt: Ein Akt von tückischer Selbstgefälligkeit

von Yahya ibn Rainer

Es ist ein Akt von tückischer Selbstgefälligkeit, wenn man auf andere Muslime herabschaut, nur weil sie der einen oder anderen Sünde verfallen sind.

Diese Hybris geht bei einigen sogar so weit, dass sie dazu neigen diesen Sündern den wahren Glauben abzusprechen. Aus dieser kranken Sichtweise resultieren dann auch solch tödliche Angriffe auf Discotheken, Konzerte, Weihnachtsmärkte und andere öffentliche Festivitäten oder Plätze, weil man denkt, dass man damit „nur“ Ungläubige und Sünder zu Tode bringt.

Letzten Endes jedoch ist die eigene Fähigkeit, sich bestimmter Sünden zu enthalten, kein Garant für einen wahren, vollständigen und aufrichtigen Iman, denn einen enthaltsamen Lebensstil können auch Mönche, Sadhus und Asketen aus allen möglichen Religionen pflegen, ja sogar Atheisten sind im hohen Maße dazu befähigt.

Und so schrieb auch Imam ibn Tamiyyah – Allah sei ihm gnädig – folgendes über die Sünder:

«Es könnte sein, dass eine Person, die die Liebe [gegenüber Allah und Seinem Gesandten] inne hat, zu falschen Gelüsten hinsichtlich seines Bauches und Geschlechtsteiles und dem Ausgeben von Besitz dafür neigt. Aufgrund dessen, was er an Liebe und Religiosität inne hat, liebt er die Wahrheit und deren Leute und respektiert sie. So siehst du viele von denen, die ihren Gelüsten folgen, dass in ihnen das an Liebe zu Allah und Seinem Gesandten ﷺ vorhanden ist, was bei vielen enthaltsamen Dienern nicht vorhanden ist, so wie der Prophet ﷺ hinsichtlich der Person, die viel Alkohol trank, sagte: „Verflucht ihn nicht! Denn er liebt Allah und Seinen Gesandten.“»

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung und Unterstützung - geht raus an den Bruder Behzad Zibari.
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Kurz gesagt: Reine emotionale Masturbation / #Karlow #Breitscheidplatz usw

von Yahya ibn Rainer

Kopfloses und gegenwartsorientiertes Handeln. Reine emotionale Masturbation.

Was wir derzeit weltweit im aktionistischen Handeln vieler Muslime sehen, ist ein Resultat der Aufklärung. Die Pyramide der Hierarchie steht auf dem Kopf. Das gesellschaftlich vereinsamte und staatlich verwaltete Individuum handelt antiautoritär und selbstbestimmt, allein getrieben vom emotional getrübten Verstand, vollkommen auf die Befriedigung der eigenen emotionalen Verfasstheit fokussiert. Und die Politik (als auch die Köpfe des neuen Terrors) bedienen sich ungeniert am Buffet der bereiteten Schadtaten.

Ich kann nicht anders, als auch dieses Mal mit fester Überzeugung zu sagen: Ja, die Ummah hat ihren Zustand verdient!

Wa Allahu 3alem.

Was dieser dumme Terrorismus wirklich anrichtet

Wisst ihr was ich bedenklich finde? #Trump #Medien

von Yahya ibn Rainer

Wisst ihr was ich bedenklich finde?

Muslime, die sich regelmäßig über die Medien echauffieren, weil diese falsch und einseitig über den Islam und die Muslime berichten, wenn sie beispielsweise Negatives als Usus darstellen oder Aussagen von Gelehrten/Predigern/Imamen aus dem Zusammenhang reißen, damit sie gefährlich und rückständig klingen; und wenn der betroffene Gelehrte/Prediger/Imam sich öffentlich dazu erklärt, die Aussage zurück nimmt, relativiert oder in den richtigen Zusammenhang bringt, dann wird dem keine Beachtung mehr geschenkt.

Die gleichen Muslime wiederum nehmen ALLES was ebendiese Medien über Trump, AfD und andere imaginäre und wahre Feindbilder berichten, für bare Münze, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, dass die Medien hier mit den selben Mitteln arbeiten könnten.

Versteht mich bitte nicht falsch. Das Gros der Trumpianer, AfDler, Pegidasten und PI-maten macht genau das Gleiche. Sie schwadronieren einerseits von der Lügenpresse, wenn sie sie ins Visier nimmt, teilt aber wie berauscht ihre Beiträge, wenn darin ein Muslim als Täter auftaucht oder der Islam als gefährlich dargestellt wird.

Dies ist ein äußerst unehrlicher, ja geradezu verlogener Medienkonsum. Sicher könnte man anbringen, den Feind mit seinen eigenen Waffen schlagen zu wollen, aber letztendlich sind wir dadurch kein Stück besser als sie.

Speziell was Trump angeht, gibt es zahlreiche Beiträge von ihm, in denen er (von den Medien verkürzt dargestellte) Ausschnitte wieder relativierte oder in den richtigen Zusammenhang bringt. Dies wurde von den parteiischen Medien absichtlich ignoriert. Im Zeitalter des Internets jedoch, wo man durch wenige Suchbegriffe oder vordefinierte Filterblasen (und unabhängig von Presse, TV und Radio) solche Informationen kredenzt bekommt, wirkt sich diese journalistische Ignoranz genau umgekehrt aus.

Immer wenn der Gegner etwas zu verschweigen versucht, ist dies ein zusätzlicher Ansporn es als Wahrheit anzuerkennen. Trump hat auch deshalb gewonnen, weil die Leute gesehen haben, wie er über alle Gebühr dämonisiert wurde (was nicht bedeuten soll, dass er ein Engel ist).

Ich bin kein Fan der Lügenpresse-Rhetorik von Pegida, AfD & Co, aber unsere Kritik an den Medien sollte sich nicht nur an Lügen gegen Muslime & Islam festmachen. Kein gesellschaftliches Feindbild wird von den Leitstrommedien objektiv und fair behandelt, weder wir orthodoxen Muslime noch die Erzkatholiken, Evangelikalen, Nationalisten usw.

Eine Teilschuld am Hass gegen uns müssen wir uns selber geben, weil wir uns vom politischen Kulturmarxismus, Werterelativismus und Sittenverfall instrumentalisieren lassen, im Kampf gegen den wachsenden Bevölkerungsanteil, der (bis auf die Liebe zum Islam) weitaus mehr mit uns gemeinsam hat, als ihm und uns wirklich bewusst ist.

Kurz gesagt: #Demokratie #USWahl2016 #Trump

von Yahya ibn Rainer

Der Muslim, der im Zusammenhang mit Demokratie und dem derzeitigen politischen und staatlichen System des Westens lediglich gelernt hat Begriffe wie Taghut, Kuffr und Shirk zu benutzen, anstatt sich auch wissenschaftlich mit der Materie auseinanderzusetzen, ist in diesem politischen System häufig ebenso gefangen wie das Wahlvieh, das sich alle Jahre wieder durch emotionale Debatten, offensichtliche Lügen und hysterische Untergangsszenarien an die Urnen locken lässt.

Jedwede große Hoffnung, wie auch jede große Angst, ist im hiesigen demokratischen System nicht nur unnötig, sondern der Demokratie an sich auch dienlich, denn mit jeder negativ oder positiv wertenden Äußerung trägt man zur demokratischen Mobilisierung bei.

Fakt ist jedoch, dass es in einer Demokratie momentaner westlicher Fassung keinerlei Möglichkeit gibt, wirklich tiefgreifende Änderungen vorzunehmen, zumindest nicht, wenn man vor hat die demokratische Verfassung selbst unangetastet zu lassen.

Letztendlich ist es also so, dass man auch als erklärter Nichtwähler zur Mobilisierung der Wählerschaft beiträgt, wenn man den (zutiefst verlogenen) Verlautbarungen des Wahlkampfes Glauben schenkt und sich hierzu wertend äußert. Was ein überzeugter Nichtwähler (wie ich) jedoch erreichen will, ist nicht der Wahlsieg eines bestimmten Kandidaten, sondern er wünscht sich eher eine Delegitimierung der Demokratie, und die ist nur zu haben, wenn die Mehrheit nicht wählt.

Es ist schon etwas verwunderlich, wie sich z.B. einige Mujahedin- und IS-Anhänger als insgeheime Clinton-Anhänger erweisen, indem sie äußerst empfindlich reagieren, wenn andere Muslime öffentlich bekunden, in Trump keine sonderlich größere Gefahr zu erkennen. Das sollte einigen von uns zu denken geben, besonders denjenigen, die in Bezug auf Demokratie nur Schlagworte wie Taghut, Kuffr und Shirk zum Besten geben können.

Wa Allahu a3lam.

Kurz gesagt: #BurkaVerbot #NiqabVerbot #MinarettVerbot

NiqabVerbot

von Yahya ibn Rainer

Was ich mich bei solchen populistischen Ideen wie dem Burka-, Niqab- oder Minarettverbot immer frage, ist: Wie kann man das rechtlich formulieren?

Wenn man den Bau von Minaretten verbietet, sind dann automatisch auch Kirchtürme mit eingeschlossen? Wenn nicht, darf dann eine Moscheegemeinde einen Kirchturm für die eigene Moschee bauen? Wie wird das juristisch unterschieden? Baut man z.B. einen rechteckigen statt einen runden Turm und integriert dann noch eine Turmuhr; ist das dann immernoch ein Minarett? Oder wird ein Turm – wie immer er auch aussehen mag – allein dadurch zu einem Minarett, dass er von Muslimen geplant, finanziert und gebaut wird?

Und wenn man nun die Burka bzw. den Niqab verbietet, gilt das dann nur für muslimische Frauen? Dürfen muslimische Frauen dann auch keine Sturmhauben (für MotoradfahrerInnen) mehr benutzen, sich eine Spider-Man-Maske überziehen oder sich mit einer Darth-Vader-Maske kleiden? Oder sind Sturmhauben sowie Spider-Man- und Darth-Vader-Masken dann etwa auch für nichtmuslimische Frauen verboten … oder gar auch für Männer?

Darf man sich dann im Winter auch nicht mehr den Schal ins Gesicht ziehen wenn man sich zum Islam bekennt und weiblichem Geschlechts ist? Oder verbietet man das dann auch allen anderen Menschen?

Ich finde das ganze wirklich sehr fraglich …

Kurz gesagt: Viele Moscheen sind leider Horte der Scheinheiligkeit

Es fehlen – bei all den Predigten über die Verwerflichkeit und Folgen der Sünden – die Predigten über das Leben mit der Sünde. Den Leuten wird nur gesagt was sie alles zu unterlassen haben und wie schlimm es ist dies zu tun (was es unzweifelhaft auch ist). Aber die Tatsache, dass der Mensch schwach ist und trotzdem sündigt, wird nicht wirklich realisiert … zumindest nicht in den meisten Predigten.

Den Muslimen, besonders den Schwachen unter uns, muss unbedingt auch gesagt werden, dass, wenn sie sündigen, es auch dafür bestimmte Regeln gibt und man mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Vergebung hoffen darf, wenn man diese Regeln einhält.

Viele Moscheen sind leider Horte der Scheinheiligkeit …

Kurz Gesagt: Wenn Deutsche über Ausländerkriminalität und Ausländer über Fremdenhass reden

Wichtig ist vor allem, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Jeder von uns hat eine selektive Wahrnehmung, und wir können auch gar nicht anders. Wir fokussieren immer „das Andere“ bzw. „das Fremde“ mehr als „das Eigene“, das liegt tief in uns verankert, weil das Fremde für uns einfach nicht so gut einzuschätzen ist.

Durch diese Fokussierung liegt nun einmal das Augenmerk des allgemeinen Deutschen eher auf den sichtbar „Fremden“ im Land, und Ausländer bzw. Muslime achten mehr auf die Gesten und Handlungen der Einheimischen bzw. Nichtmuslime.

Aber auch unter den Geschlechtern fällt dieses selektive Verhalten auf. So regen sich muslimische Männer z.B. deutlich häufiger über die tadelnswerte Bekleidung der muslimischen Frau auf, als über die unzureichende Scham bei der Kleiderwahl ihrer Geschlechtsgenossen.

Hinzu kommt noch das psychologische Phänomen der kognitiven Dissonanz im Umgang mit Nachrichten und Meldungen. Wir neigen leider dazu, unsere eigene Lebensform derart zu idealisieren, dass Kritik von außen, gegen eben diese Form des Lebens, als Anrgiff aufgefasst und deshalb eher abgewehrt als kostruktiv verarbeitet wird.

Wir sollten versuchen unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und die Ergebnisse dieser Wahrnehmung mit mehr Verständnis und Empathie zu beurteilen.

Kurz gesagt: Islam ist Freiheit

von Yahya ibn Rainer

Es gibt da ein Totschlagargument, dass von einigen engagierten Muslimen gern in der Diskussion benutzt wird und das tragischerweise beim gewöhnlichen Muslim auch manchmal Anklang findet, nämlich das Argument:

„Der Prophet hat es nicht getan, also machen wir es auch nicht.“

Dieses Argument ist, wenn es außerhalb der Angelegenheiten der rituellen Gottesdienste genannt wird, ein Mittel zur Selbstkasteiung, zu der niemand gezwungen oder überredet werden sollte.

Sicherlich war und ist der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – auch in den allermeisten weltlichen Angelegenheiten ein Vorbild, aber er war ebenso auch ein Mensch wie wir und hatte Vorlieben und Abneigungen, die die unsrigen nicht zwingend abrogieren müssen.

Der Grundsatz im Fiqh – und somit ein universelles Menschenrecht – ist das Erlaubtsein aller Handlungen (außer Ibadaat) und Dinge, bis uns ein klares Verbot darüber erreicht.

Niemand ist zu verurteilen, weil er sich freiwillig einiger Handlungen oder Dinge enthält, besonders nicht, wenn er sich dabei den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als Vorbild nimmt. Aber ebenso wenig sind diejenigen zu verurteilen, die ihr Leben genießen und dabei alle Ideen, Vorlieben und Genüsse ausleben, die Allah und Sein Gesandter nicht ausdrücklich verboten haben.

Jede Gesellschaft benötigt neben enthaltsamen und frommen Ermahnern auch kreative Freigeister, die den weltlich-wissenschaftlichen Fortschritt vorantreiben, neue Techniken und Technologien entwickeln oder erlaubte Künste verfeinern. Dieses hohe Maß an Kreativität und Imagination wird in vielen Bereichen auf Handlungen und Dinge zurückgreifen müssen, die der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – nie erwähnte, nicht praktizierte oder sogar mied.

Wir – und damit meine ich vor allem die Radikalen, die „Islamisten“, die echten Sufis usw. – sollten uns nicht selbst zum Maßstab für die gesamte Gesellschaft erheben und damit diejenigen unnötig unter Druck setzen, die von Allah mit anderen Qualitäten ausgestattet wurden. Freigeister haben es nun einmal nicht so mit Dogmen und Handlungsbeschränkungen, allein schon aus dem Grunde, weil experimentelle Wissenschaften und kreative Künste auf diese Weise einfach nicht funktionieren können.

Es gibt ein Mindestmaß an öffentlicher Ordnung und unveräußerliche Rechte, diese sind durch klare Verbote und Gebote vorgeschrieben. Aber alles darüber hinaus (und damit meine ich auch bestimmte Makrubaat) liegt im Verantwortungsbereich des Individuums und es obliegt allein Allah abschließend darüber zu urteilen.

Wa Allahu alem.

Kurz gesagt: Es gibt zwei Arten von Predigern, die die Meinungsvielfalt des Fiqh darlegen

von Yahya ibn Rainer

Es gibt m.E. zwei Arten von Predigern, die ihren Zuhörern die Meinungsverschiedenheiten in den Angelegenheiten des Fiqh darlegen.

1. Diejenigen, die gefestigt sind und ihrem Standpunkt treu bleiben, jedoch um die gewaltige Meinungsvielfalt im Islam wissen und dieses Wissen vermitteln wollen, um den Extremismus in dieser Sache unter den eigenen Zuhörern zu bekämpfen.

2. Die Wankelmütigen, die im Nachlassen begriffen sind und sich auf diese Weise für ihren Wandel rechtfertigen (wollen), indem sie speziell in solchen Angelegenheiten die Meinungsverschiedenheiten thematisieren, die an ihrem Wandel neuerdings zu erkennen sind.

Einmal abgesehen vom Grad der Aufrichtigkeit, der diesen beiden Predigertypen innewohnt, ist auch die Wirkung zu beachten, die durch das persönliche Vorbild zustande kommt. Der Erstere gibt ein Beispiel für Standhaftigkeit und Toleranz, der Zweite liefert lediglich Rechtfertigungen für (s)ein Nachlassen und fördert die Inkonsequenz.

Und dann gibt es natürlich noch diejenigen Prediger, die gefestigt sind und ihrem Standpunkt treu bleiben, aber dabei die Meinungsvielfalt vollkommen außer Acht lassen. Durch ihre Engstirnigkeit im Umgang mit anderen Meinungen, befeuern sie (wenn auch ungewollt) den Extremismus ihrer Zuhörer, der im Resultat einen noch größeren Schaden in sich bergen kann, als das gerechtfertigte Nachlassen der Inkonsequenten

Und Allah weiß es am besten …

Vom Zenit unserer Zivilisation …

von Yahya ibn Rainer

Eine Gesellschaft, die sich auf dem Zenit (Höhepunkt) ihrer Zivilisation befindet, steht unweigerlich (und logischerweise) auch unmittelbar vor dem Niedergang der selbigen. Ein Zeichen für das Erreichen dieses Zenits, ist die letzte Generation, die in diese Phase der Zivilisation hinein geboren wird und in den Genuss dieses zivilisatorischen Hochstandes kommt, aber nicht die geringste Ahnung davon hat, auf welchen Fundamenten und durch welche Tugenden diese Hochkultur entstehen konnte.

Sie genießen also in allen Zügen, wie niemand vor ihnen, zehren von einem mannigfaltigen Reichtum, den sie weder erbracht haben, noch in der Lage sind zu erhalten. Sie verbinden mit diesem Hochstand, in den sie hinein geboren wurden, einen großen Stolz und empfinden Geringschätzung für sämtliche anderen Gesellschaften, die diesen Zenit noch nicht erreicht haben oder bereits über ihn hinausgegangen sind.

„Rückständig“ sind die anderen, „Barbaren“, die man verabscheut, ja geradezu fürchtet ob ihrer rauen und vom Leben gezeichneten Einfachheit.

Lange macht man sich etwas vor, will den Abgrund am Zenit nicht sehen, glaubt man könne ihn künstlich, durch Zwänge und willfährige Eingriffe in die natürliche Ordnung verbauen. Aber die Zivilisationen dieser Welt sind zyklisch und wir Menschen sind so erbärmlich schwach und neigen dazu, uns auf dem Ruhm unserer Vorfahren auszuruhen.

Und so geht es dann bergab, viel rapider als zuvor bergauf, und zusätzlich durch die vorigen Eingriffe und ihre erzeugten Illusionen und Blasen um ein vielfaches beschleunigt.

Doch Besinnung will auch jetzt nicht eintreten. Die Menschen sind entfremdet vom Ursprung ihrer Zivilisation, und benommen vom Rausch des falschen Stolzes sehen sie die Schuld am Debakel nicht bei sich, sondern bei den Fremden, bei den Rückständigen, den Barbaren, sie wollen die Hochkultur okkupieren, sie auf ihr niederes Niveau stürzen.

Doch was sie dabei vergessen ist, dass dort unten, am Nadir, am Tiefpunkt der Zivilisation, auch sein Fußpunkt liegt. Denn so, wie der Zenit, der Höhepunkt, den Abstieg einläutet, so läutet der Nadir, der Tiefpunkt, den Aufstieg ein … unweigerlich.