Schlagwort-Archive: Über die Wahaby

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.7 – Kriegsberichterstattung

Mittlerweile hatte Abdallah Ibn Saud seine Pflicht nicht vernachlässigt; auch er rückte mit einer Armee von Beduinen und Landbauern aus Nedschid in die Provinz Kasym und nahm sein Hauptquartier zu Schenana, nur fünf Stunden von Khabara, wo Tusun Pascha sich gelagert hatte. Hier befand sich aber Tusun in einer prekären Lage, er hörte, dass sein Schatzmeister Ibrahim Aga mit seinen Reitern unterwegs umzingelt und, trotz des tapfersten Widerstandes, zusammengehauen worden sei. Der fruchtbare Distrikt von Kasym hätte noch für eine weit größere Armee, als die türkische war, die notwendigen Bedürfnisse hergeben können, aber die leichten Truppen der Wahaby hatten die Türken rings umgeben, sodass sie ihre täglichen Bedürfnisse bloß noch aus zwei, oder drei Dörfern beziehen konnten und vorauszusehen war, dass bald große Not eintreten werde. Die Straße nach Medinah war vom Feinde besetzt, und Tusun Pascha konnte deshalb, hinsichtlich der Schritte seines Vaters Mohammed Aly, keine Nachricht erhalten.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.7 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.6 – Kriegsberichterstattung

Es wurden augenblicklich mit der Nachricht des Sieges Boten nach Konstantinopel und Kairo abgesendet, und durch ganz Hedschaz wurden die Türken übermütig und kehrten wieder zu ihrer nationalistischen Unverschämtheit und zu ihrem Stolze zurück, den sie neuerdings einigermaßen abgelegt hatten. Die Einwohner von Hedschaz waren mittlerweile zwar froh, gegen eine zweite Eroberung von Seiten der Wahaby sicher gestellt zu sein, ärgerten sich aber darüber, dass Araber von Türken besiegt worden und schauderten vor den Grausamkeiten, welche diese Sieger während und nach der Schlacht ausgeübt hatten. Die 300 Gefangenen, denen Pardon versprochen worden war, sendete Mohammed Aly nach Mekka und feierte, als ein echter türkischer Eroberer, seinen Triumph auf die Weise, dass er 50 derselben vor den Toren von Mekka spießen ließ; 12 derselben mussten denselben schrecklichen Tod vor den 10 Kaffeehäusern und an den Ruheorten zwischen Mekka und Dschidda erdulden, und die übrigen vor dem Tore der Stadt Dschidda, welches nach Mekka führt. Hier blieben sie, bis die Hunde und Raubvögel ihre Leichname verzehrt hatten. Wenn sich die Türken an dieser empörenden und abscheulichen Tat ergötzten, die sie einen kriegerischen Triumph nannten, so drückten dagegen alle mit ihnen alliierten Beduinen unverhohlen ihren höchsten Abscheu aus; Scherif Radscheh hatte sich alle Mühe gegeben, den Pascha davon abzubringen, jedoch vergebens.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.6 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.5 – Kriegsberichterstattung

Im September 1814 war die Macht des Paschas folgender Gestalt verteilt: gegen 200 Mann waren mit Ibrahim Aga, dem Moherdar, oder Siegelbewahrer Mohammed Alys, zu Mekka, wie auch 150 arabische Soldaten unter dem Scherif Yahya. Zwischen 3 und 400 Mann unter dem Befehle des Divan Effendi waren zu Medinah; 100 Mann bildeten die Garnison von Yembo, und 200 standen zu Dschidda. Tusun Pascha lag mit 350 Mann zwischen Yembo und Medinah. Mohammed Aly hatte zu Tayf 300 Türken bei sich, wovon der dritte Teil aus Reiterei bestand. Hassan Pascha behauptete die Position von Kolach mit 1000 Mann seiner Arnauten; und sein Bruder Abdin Bey befehligte die vorgeschobenen Posten der Armee, aus 1200 Arnauten und 400 Mann Reiterei bestehend, die eben aus Kairo angelangt waren. Diese vorgeschobenen Posten waren drei, oder vier Tagereisen südlich von Tayf in das Gebiet der Beni Naszera und in den Distrikt des Stammes Zohran vorgerückt, wo der Scheikh Bakhrudsch, der Anführer der Ghamez-Araber, hauptsächlich gegenüber stand. Sie hatten den Vorteil, in einem fruchtbaren Lande zu liegen, welches hinlänglich Korn und Gerste für ihren Bedarf lieferte; und dadurch waren sie unabhängig von den Magazinen zu Tayf.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.5 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.4 – Kriegsberichterstattung

Die Begum-Araber, die zum Teil Viehzucht und zum Teil Landbau treiben, wurden von einer Witwe, namens Ghalye, angeführt, deren Ehemann einer der angesehensten Männer zu Taraba war. Sie selbst besaß mehr Reichtum, als irgendeine arabische Familie in der Nachbarschaft. Sie verteilte Geld und Lebensmittel unter alle Armen ihres Stammes, die sich bereit erklärten, gegen die Türken zu fechten. Ihr Tisch war für alle rechtgläubigen Wahaby gedeckt, deren Häuptlinge in ihrem Hause beratschlagten; und da die alte Frau wegen ihres richtigen Urteils und genauer Kenntnis der Interessen der umgebenden Stämme berühmt war, so wurde ihre Meinung nicht allein in den Beratschlagungen angehört, sondern wurde auch in der Regel angenommen. In der Tat regierte sie die Begum, obschon dieselben dem Namen nach einen gewissen Ibn Khorschan zum Häuptling, oder Scheikh hatten. Seit der ersten Niederlage des Mustafa Bey in der Nähe von Taraba war der Name Ghalye im ganzen Lande bekannt geworden. Die Furcht der türkischen Soldaten vergrößerte bald den Einfluss und die Wichtigkeit dieses Weibes. Sie betrachteten sie als das Oberhaupt der vereinigten Wahaby und erzählten die albernsten Geschichten über ihre Macht als Zauberin, so z. B. dass sie mit allen Anführern der Wahaby ihre Gunstbezeigungen teile, die dadurch unsichtbar würden.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.4 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.3 – Kriegsberichterstattung

Mustafa Bey, berauscht von gutem Erfolg und von dem Weine zu Tayf, glaubte ganz allein im Stande zu sein, die Wahaby zu unterjochen. Die Stadt Taraba, etwa 70, oder 80 englische Meilen von Tayf in östlicher Richtung entfernt, gehörte zu den wichtigsten festen Punkten, welche die Wahaby der Provinz Nedschid mit denen der Gebirge Jemens verbanden. Zu Taraba wohnten die Begum-Araber; und seit den Kriegen der Wahaby mit dem Scherif Ghaleb hatten sie ihre Stadt mit einer Mauer und einem Graben befestigt; auch der dichte Wald von Dattelbäumen, in welchem dieselbe lag, gewährte ebenfalls Schutz. Mustafa Bey rückte gegen Taraba, fand aber Widerstand in der Gebirgsgegend und musste mit einem Verlust von 4, oder 500 Mann nach Tayf zurückkehren. Othman el Medhayfe war unterdessen mit seiner leichten Reiterei nicht untätig: er durchschwärmte die Gegend nach allen Richtungen, schnitt eine Menge Nachzügler ab, unterbrach oft die Kommunikation mit Mekka und beunruhigte den ganzen Sommer von 1812 die Garnison von Tayf. Der Scherif Ghaleb, welcher gleich dem Othman seine Beduinenreiter hatte, bot 5000 Dollars als eine Belohnung für die Gefangennahme Othmans. Persönliche Feindschaft gegen seinen Schwager, welcher die Hauptursache alles seines Missgeschickes mit den Wahaby gewesen war, siegte in diesem Punkte über seinen Verstand, und er bedachte nicht, dass, wenn die Beduinen in der Gegend von Mekka diesen Anführer verlören, die Türken es leicht finden würden, sich im Lande festzusetzen und ihn selbst seiner Autorität zu entkleiden.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.3 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.2 – Kriegsberichterstattung

Als Mohammed Aly im Jahr 1804 Pascha von Ägypten wurde, wo er während der letzten zwei Jahre allen Einfluss ausgeübt hatte, den ihm seine zahlreichen Truppen und seine eigene Schlauheit über die schwachen Reste der einst furchtbaren Mammelucken, nur verleihen konnten, wurde ihm von der Pforte hauptsächlich zur Pflicht gemacht, die heiligen Städte wieder zu erobern. Er wusste recht wohl, dass die Nichtbefolgung dieser Befehle von der Regierung mit dem Verluste seiner Stelle bestraft werden würde; und um ihn noch mehr anzuspornen, versprach ihm die Pforte das Paschalik von Damaskus für einen seiner Söhne, sobald er von Mekka und Medinah Besitz genommen haben würde. Auch sein eigener Ehrgeiz machte ihm die Erreichung dieses Zieles höchst wünschenswert, indem ihn die Befreiung der heiligen Städte über alle andere Paschas des türkischen Reiches erheben und seinem Namen so viel Zelebrität verleihen würde, dass die Pforte nachher nie sich bewogen finden möchte, seinen Interessen entgegen zu treten. Während der ersten Jahre seiner Regierung hatte er es immer mit den Mammelucken zu tun; und erst im Jahre 1810 kam ein Vergleich mit ihnen zu Stande, nach welchem sie ihre Ansprüche auf ganz Unterägypten und den größeren Teil von Oberägypten aufgaben. Er lud sie unter dem Versprechen eines sichern Geleits nach Kairo ein und ließ sie alsdann, wie bekannt, auf eine treulose Weise in dem Kastell dieser Stadt ermorden. Gegen das Ende des Jahres 1809 machte Mohammed Aly ernsthafte Anstalten für seine Expedition. Vor allen Dingen musste er eine hinlängliche Zahl Schiffe für den Transport von Truppen und Lebensmitteln zur Verfügung haben. Hätte er ein einziges Schiff aus Hedschaz in Beschlag genommen, so würden alle anderen aus Furcht weggeblieben sein und seiner Unternehmung Nachteile gebracht haben. Er beschloss daher, eine Flottille zu bauen, und während der Jahre 1809 bis zum Frühling 1811 wurden zu Suez 28 große und kleine Schiffe (von 100 bis 250 Tonnen Trächtigkeit) gebaut, und es fanden hier gegen 1000 Arbeiter, unter welchen sich Griechen und andere Europäer befanden, beständig Beschäftigung. Das Holz wurde zu Bulak bei Kairo zugehauen, auf Kamelen durch die Wüste transportiert, und zu gleicher Zeit wurden zu Suez große Magazine von Getreide, Zwieback und anderen Lebensmitteln angelegt. Da es nicht leicht war, in solchen Schiffen viel Reiterei über ein gefährliches Meer zu transportieren, so musste dafür gesorgt werden, dass sie zu Lande den Punkt ihrer Bestimmung erreichen konnten. Die Kastell auf der Pilgerstraße zwischen Kairo und Yembo (Adscherud, Nakhel, Akaba, Moeyleh und el Wodsch) wurden alle ausgebessert, mit neuen Mauern verstärkt und mit Infanterie von den Moggrebyns versehen, die mit den Beduinen gut umzugehen wussten. Diejenigen Beduinenstämme, welche in der Nähe dieser Kastell lebten, wurden durch Geschenke dahin gebracht, mit ihren Kamelen nach Kairo zu ziehen und Proviant zu holen, der in den Magazinen dieser Kastell niedergelegt wurde. Zu gleicher Zeit wurden auch Getreidemagazine zu Kosseir errichtet; aber zu Anfange des Krieges besaß dieser Hafen noch nicht die Wichtigkeit, welche er nachher als ausschließliches Depot aller Vorräte erlangte, indem er Hedschaz weit näher, als Suez lag, welches bloß der Handelshafen für Kairo blieb.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.2 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.1 – Kriegsberichterstattung

Während meines Aufenthalts in Arabien habe ich mich öfters nach einer geschriebenen Geschichte der Wahaby erkundigt, indem ich es für wahrscheinlich hielt, dass irgendein gelehrter Mann von Mekka, oder Medinah ein solches Werk geschrieben haben könnte; aber meine Bemühungen waren fruchtlos. Niemand zeichnet tägliche Vorfälle auf, und der Tag, an welchem sie sich ereignet haben, ist bald vergessen. Manche Personen sind zwar recht gut in Betreff der Dinge unterrichtet, welche in ihrer eigenen Nachbarschaft vorgefallen sind, wissen aber wenig von dem, was sich in der Entfernung zugetragen hat; und ehe eine vollständige und befriedigende Schilderung der Angelegenheiten der Wahaby entworfen werden kann, müsste man jedenfalls alle Teile Arabiens zuvor durchreisen. Bagdad ist wegen der Nähe von Nedschid, dem Mittelpunkt der Herrschaft der Wahaby, unter gegenwärtigen Umständen Wahrscheinlich derjenige Ort, wo sich die genauesten Nachrichten sammeln lassen.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 07.1 – Kriegsberichterstattung weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (3/3)

Bei der Verbreitung ihres Glaubens haben die Wahaby die Grundregel aufgestellt, alle ihre Feinde zu töten, die sie bewaffnet finden, mögen es nun fremde Ketzer (z. B. Syrische, Mesopotamische, ober Ägyptische Soldaten, oder Landbauern), oder auch Araber sein, die dem Oberhaupt sich widersetzt, oder gegen dasselbe rebelliert haben. Die Befolgung dieser Regel (eine Nachahmung der ersten Verbreiter des Islam) macht eben den Namen der Wahaby so gefürchtet. Während des vierjährigen Krieges mit den Soldaten des Mohammed Aly Pascha ist nicht ein einziger Fall bekannt, dass die Wahaby jemals einem Türken Pardon gegeben hätten. Als Kerbela (oder Mesched Hossein) und Tayf genommen wurden, wurde die ganze männliche Bevölkerung niedergemetzelt; und in ersterer Stadt wurde Haret el Abasieh, oder das Quartier der Abassiden, bloß um dessen Willen verschont, weil Saud für das Andenken der Abassiden-Khalifen eine besondere Hochachtung hegte. Wenn Beduinenlager angegriffen werden, findet dasselbe statt: alle, die mit den Waffen in der Hand ergriffen werden, sind ohne Gnade Kinder des Todes. Diese wilde Gewohnheit hat den Wahaby einen fürchterlichen Fanatismus eingeflößt, der sie zum Schrecken ihrer Gegner macht. Insofern hat derselbe auch dazu beigetragen, die Verbreitung ihres Glaubens zu erleichtern.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (3/3) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (2/3)

Es ist leicht einzusehen, dass die Wahaby sich gemeiniglich im Zustande des Krieges befinden. Saud pflegte jedes Jahr zwei, oder drei große Kriegszüge zu machen. Die Nachbarschaft von Basra (reich an Vieh und Datteln), die Ufer des Schat el Arab und des Euphrat bis hinauf nach Anah waren die Gegenden, in welche er seine jährlichen Überfälle richtete. Seine Truppen überschritten sogar den Euphrat und verbreiteten Schrecken in Mesopotamien; auch an der südlichen Grenze seines Gebietes boten die noch uneroberten Provinzen von Jemen, Hadramaut und Oman ein fruchtbares Feld für Beute dar. Saud war nicht immer persönlich bei diesen kriegerischen Unternehmungen, sondern ließ sie von einem seiner Söhne, oder irgendeinem ausgezeichneten Scheikh anführen, ja wir haben sogar seinen schwarzen Sklaven Hark an der Spitze mehrerer Wahaby-Korps gesehen.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (2/3) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (1/3)

Zwischen den Wahaby und den Beduinen findet in Militärangelegenheiten nur geringer Unterschied statt. Ohne eine stehende Armee zu haben, sammelt der Scheikh eines Stammes die kriegerischen Araber seines Lagers zu einer Unternehmung gegen den Feind, und das Korps wird wieder aufgelöst, sobald sie zurückkehren. So verhält es sich auch mit den Wahaby. Bis auf einige Hundert auserlesene Männer, welche in Derayeh unterhalten werden, hatte weder Saud, noch sein Vater jemals eine stehende Armee, oder Truppencorps. Wenn das Oberhaupt einen Angriff vorhat, so bescheidet es die Scheikhs der Stämme und Distrikte auf einen gewissen Tag an einen bestimmten Ort, in der Regel an einen Brunnen in der Wüste. Manchmal verlangt das Oberhaupt vom Scheikh eine gewisse Zahl Soldaten, der sie dann mittels einer Art Konskription[1] von jedem, unter seiner Kontrolle befindlichen, Dorf und Lager aushebt. Werden z. B. vom Scheikh der Provinz Kasym 1000 Mann verlangt, so muss jede Stadt dieser Provinz nach Maßgabe ihrer Bevölkerung dazu beitragen. Die Bewohner der Städte (oder in Lagern die Beduinen) machen dann die Sache unter sich in Güte ab. Alle, welche deluls oder Kamele zum Reiten besitzen, teilen sich in zwei Klassen. Die eine davon geht jetzt in den Krieg und die andere beim nächsten Aufgebot. Alle Mannspersonen von 18 bis 60 Jahren, verheiratet, oder ledig, oder Familienväter, sind militärpflichtig. Alle diejenigen, welche Stuten besitzen, müssen bei jedem Aufgebot erscheinen, es müsste denn ausdrücklich bemerkt worden sein, dass keine Reiterei nötig ist. Wenn sich einer versteckt, so nimmt das Oberhaupt seine Stute, sein Kamel, oder mehrere Schafe, als Buße dafür. Saud war sehr streng in Eintreibung dieser Bußen, und die schweren Militärpflichten, welche denen aufgelegt waren, die Pferde besaßen, bewog sie, diese wertvollen Tiere zu verkaufen, wodurch die Zahl der Pferde in Sauds Gebiete sehr vermindert wurde.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 06 – Militärangelegenheiten der Wahaby (1/3) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (2/2)

Diese Gelder sind für öffentliche Zwecke bestimmt und werden deshalb in vier Teile geteilt. Ein Viertel wird in den Fiskus nach Derayeh gesendet; ein anderes Viertel wird zur Unterstützung der Armen im Distrikte des Beit el Mal verwendet; ferner um die Ulama zu bezahlen, welche da sind, um die kadhy und die Kinder zu unterrichten; ferner um die Moscheen in Bau und Besserung zu erhalten, um öffentliche Brunnen zu graben u. s. w. Die Hälfte wird zur Unterstützung armer Soldaten verwendet, die mit Lebensmitteln versehen werden, wenn sie an einem Kriegszug Anteil nehmen, oder im Falle der Not wohl auch mit Kamelen. Diese Hälfte wird ferner benutzt zur Bewirtung von Gästen. Das für Gäste bestimmte Geld wird den Scheikhs ausgezahlt, die eine Art öffentlicher Häuser halten, wo alle Fremde einkehren können und unentgeltlich bewirtet werden. Man hält es für gerecht, dass zu solchen Kosten die ganze Gemeinde beitrage. So bekommt z. B. Ibn Aly, der Scheikh des Stammes Beni Schammar in Dschebel Schammar, jedes Jahr aus dem Fiskus seiner Provinz 200 Kamelsladungen Getreide, 200 Kamelsladungen Datteln und 1000 Spanische Dollars: Für dieses Geld kauft er Fleisch, Butter und Kaffee, und alles wird auf die Bewirtung von 2 bis 300 Fremden aller Art verwendet, welche jeden Tag in seinen öffentlichen Räumen aufgenommen und gespeist werden.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (2/2) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (1/2)

Das Einkommen der Wahaby ist ebenso fundiert, wie zur Zeit Mohammeds. Es besteht:

1) In den fünften Teile der Beute, welche den Ketzern abgenommen wird. Dieser Teil muss für das Oberhaupt bei Seite gelegt werden, gleichviel ob er, oder einer seiner Beamten bei der Expedition gegenwärtig gewesen sind; und der Scheikh des entferntesten Stammes ist verantwortlich für die Übersendung dieses Fünftels, wie klein und unbedeutend der Betrag desselben auch sein möge. Saud machte nie den Versuch, die übrigen vier Fünftel seinen Soldaten zu entziehen. In den gewöhnlichen Kriegen mit Arabern (wenn keine Städte geplündert werden) besteht die Beute gemeiniglich in Pferden, Kamelen und Schafen, und diese werden unmittelbar nach der Schlacht an den Meistbietenden abgelassen. Das auf diese Weise erlangte Geld wird unter die Truppen verteilt. Ein Reiter hat drei Teile (nämlich einen für sich und zwei, wie die Araber sagen, für seine Stute); jeder Kamelreiter hat einen Teil (vor Sauds Zeit hatte er deren zwei), und jeder Fußsoldat hat ebenfalls einen Teil. Sobald in der Schlacht ein Wahaby einen feindlichen Reiter tötet und sich in den Besitz seiner Stute setzt, so darf er dieselbe als sein Eigentum und als Belohnung seiner Tapferkeit behalten. Ich brauche hier nicht zu wiederholen, dass Mohammed den fünften Teil aller Beute nahm.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 05 – Staatseinkommen (1/2) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (3/3)

Ich will hier einige Gesetze der Wahaby erwähnen, welche auf den Koran und die Traditionen Mohammeds gegründet sind:

Ein haramy oder Räuber muss die gestohlenen Güter, oder ihren Wert zurückgeben; ist aber der Diebstahl ohne Anwendung von Gewalt ausgeführt worden, so kommt er ohne weitere Bestrafung davon, außer einer Buße in den Fiskus. Ist eine Tür erbrochen worden bei Ausführung des Raubes, so wird dem Diebe die Hand abgeschnitten.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (3/3) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (2/3)

Das Vergehen, welches Saud am häufigsten zu bestrafen hatte, war der Verkehr seiner Araber mit Ketzern. Zur Zeit, wo der Glaube der Wahaby erst eingeführt worden war, waren die bestimmtesten Befehle gegeben, alle Verbindung zwischen Wahaby und anderen Nationen zu verbieten, die noch nicht die neue Lehre angenommen hatten, denn es galt der Satz, dass das Schwert allein als Beweismittel gegen letztere gebraucht werden müsse.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (2/3) weiterlesen

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (1/3)

Das ganze offene Land von Arabien und alle Städte des inneren waren ehedem demselben ungeordneten Zustande des Gesetzes unterworfen, der noch immer unter denjenigen Stämmen besteht, welche sich den Wahaby noch nicht unterworfen haben, und die ich in meiner Schilderung der Beduinen beschrieben habe. Abd el Azyz und Saud lehrten ihre Araber dem Gesetze gehorchen, öffentlichen Frieden zu erhalten und in ihren Streitigkeiten sich an den Ausspruch eines Tribunales zu halten, ohne zu den Waffen zu greifen. Abd el Azyz sendete zuerst Kadhis in alle Distrikte, welche unter ihm standen. Er wählte dieselben aus den Tüchtigsten und Redlichsten seiner Gelehrten, wies ihnen jährliche Besoldungen aus dem öffentlichen Schatz an und verbot ihnen, Sporteln[1] oder Bestechungen von den streitenden Parteien anzunehmen. Diese Kadhis mussten nun nach den Gesetzen des Koran und der Sunna entscheiden. Alle Araber hatten ihre Streitigkeiten denselben vorzutragen, konnten aber nach der Zeit an das allgemeine Oberhaupt appellieren.

Materialien zur Geschichte der Wahaby – 04 – Verwaltung der Rechtspflege (1/3) weiterlesen