Schlagwort-Archive: Koran

Einige Gedanken zur bösen Scharia

von Yahya ibn Rainer

Eine große Mitschuld am falschen Verständnis für den Begriff „Scharia“ – besonders unter Nichtmuslimen, aber auch unter vielen zeitgenössischen Muslimen – tragen die modernen muslimisch-etatistischen Gruppierungen und Parteien, die andauernd von einer „Implementierung der Scharia“ faseln, wenn sie einem „Staat“ unterstellen „islamisch“ sein zu können.

Wenn PImaten, Pegidasten und AfDler heute das Wort „Scharia“ benutzen, dann denken sie an nahezu das Selbe wie ungebildete muslimische Hizbiyun, nämlich vorrangig an Steinigungen, Enthauptungen und Amputationen.

Wenn Alexander Gauland (AfD) meint, „Der Islam muss sich von der Scharia trennen“ oder hiesige Muslime müssten bekennen „für uns alle gilt die Scharia nicht“, dann spricht dies von einer immensen Unkenntnis bezüglich des Begriffes „Scharia“, besonders weil Gauland andererseits (zumindest offiziell) ganz klar für die Glaubensfreiheit eintritt und den Muslimen die Religionsausübung zugesteht.

Doch wie soll ein Muslim die Religion ausüben? Wie soll er beten, fasten und den verpflichtenden Obolus entrichten? Wie soll der Muslim sämtlichen gottesdienstlichen Handlungen nachkommen, sein Benehmen, seine Ethik/Moral schulen und seine Glaubensinhalte determinieren, wenn die Methoden und Methodologien der gesamten Religion „Islam“ in der Scharia zu finden sind?

Sie sagen im Grunde, wir dürfen die Religion ausüben, aber uns dabei nicht nach unserer Religion richten. Sie wissen nicht, dass „Scharia“ der Oberbegriff für alles ist, was unsere kultischen, rituellen und zwischenmenschlichen Handlungen angeht. Ein Mensch, dem der Rückgriff auf die Scharia verboten wird, kann weder beten noch fasten, kann im Grunde genommen nicht einmal ein richtiger Muslim sein.

Schon wenn der Muslim den Quran öffnet, um darin nach Belegen dafür zu suchen, wann, wo und wie er das rituelle Gebet zu verrichten hat, hat er sich damit einer Methode der Scharia befleißigt, indem er ihrem Grundsatz folgte, dass Quran und Sunnah die Grundlage der Religion sind.

Dem Muslim die Scharia zu nehmen bedeutet, ihm die Religion zu nehmen.

Jeder Muslim, der in der Scharia ein „Staats- & Strafgesetzbuch“ sieht, das von einem „Staat“ zu implementieren sei, darf sich als mitschuldig betrachten an der derzeitigen Misere. Denn weder findet der Muslim im Quran (oder in der Sunnah) einen „Staat“, noch kann er belegen, dass die Scharia ein Gesetzbuch ist oder samt und sonders irgendwie implementiert werden muss.

Was Allah und Sein Gesandter von jedem von uns – sei er Bürger, Staatsdiener oder Oberhaupt – verlangen, ist, dass wir unsere Entscheidungen und Urteile mit der Scharia determinieren. Dabei ist die Scharia nicht starr. In ihr finden wir zahlreiche Methoden und Methodologien, die eine große Vielfalt an Urteilen zulassen.

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es auch äußerst dumm zu meinen, man könnte „die Scharia implementieren“, wenn man eigentlich möchte, dass der Staat feste Regeln bzw Gesetze erlässt. Denn ein Urteil gemäß der Scharia setzt voraus, dass man sich für eine bestimmte Methode/Methodologie entscheidet und die anderen außen vor lässt. Wenn man also etwas implementieren möchte, dann ein Urteil, welches die Scharia als Basis hatte, aber niemals die gesamte Scharia, denn dies könnte bedeuten, dass man etwas explizit als verboten erklärt, während man es ausdrücklich erlaubt.

Imam al-Qurtubi – Der nach Profit strebende Kaufmann erreicht die Stufe eines im Jihad Kämpfenden (Mujahid)

Der berühmte Tafsir-, Hadith und Rechtsgelehrte Imam Abu ‚Abdullah Al-Qurtubi (gest. 671 n. H.) kommentierte in seinem Tafsir al-Qurtubi den Teil „[…] und andere, die im Land umherreisen, wo sie nach (etwas) von Allahs Huld trachten, und andere, die auf Allahs Weg kämpfen. […]“ der 20. Ayah in Sure Al-Muzzammil (73) mit folgenden Worten

Allah der Hocherhabene hat in dieser Ayah diejenigen, die sich im Jihad befinden (Mujahidin) und diejenigen, die Geld erwirtschaften – um es für sich selbst und ihre Angehörigen auszugeben und um Gutes zu tun und andere damit zu beschenken – gleichgestellt.

Daher ist (diese Ayah) ein Beweis dafür, dass das Erwirtschaften von Geld die selbe Stufe einnimmt, wie der Jihad, denn Er (Allah) hat es gemeinsam (in der selben Ayah) mit dem Jihad auf dem Wege Allahs erwähnt.

Und Ibrahim überlieferte von Alqamah, dass er sagte:

«Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, sagte: „Kein Kaufmann importiert Nahrungsmittel von einem Land in ein anderes und verkauft sie dort zum aktuellen Tagespreis, außer dass seine Stufe bei Allah dabei der Stufe der Märtyrer gleicht. Danach rezitierte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil:

‚ … und andere reisen nach Allahs Huld trachtend im Land umher und andere kämpfen auf dem Wege Allahs‘»

Und Ibn Mas’ud sagte:

«Immer, wenn ein Mann etwas in eine Stadt der Muslime importiert, wobei er geduldig ist und Allahs Lohn erwartet, und es daraufhin für den aktuellen Tagespreis verkauft, so bekommt er bei Allah die Stufe der Märtyrer. Und er rezitierte die Ayah:

‘ … und andere ziehen im Land umher … ’»

Und Ibn Umar sagte:

«Allah hat keinen Tod erschaffen, der mir – nach dem Tode (beim Jihad) auf dem Wege Allahs – lieber wäre, als der Tod zwischen den zwei Teilen meines Kamelsattels, während ich im Lande umherreise und dabei nach der Großgiebigkeit Allahs strebe.»

Und Tawus sagte:

«Wer für die Witwe und den Armen arbeitet, ist wie der derjenige im Jihad auf dem Wege Allahs.»

Ein herzlicher Dank - für Hinweis und Übersetzung - geht raus an die Brüder der "Ökonomie und Gesellschaft" Telegram-Gruppe.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Gutes und schlechtes Volkstum bzw. Stammestum (asabiya)

«Die asabiya stellt für die islamische Gemeinschaft eine Notwendigkeit dar. Durch sie wird Wirklichkeit, was Allah die Gemeinschaft (zu) tun heißt. Im Sahih steht:

«Allah schickt keinen Propheten, der nicht Rückhalt durch seine Stammesgenossen besitzt.»

Nun finden wir aber auch, daß der Gesetzgeber (d. h. der Prophet Muhammad) die asabiya mißbilligte und forderte, sie zu verwerfen und ihr den Rücken zuzukehren. Er sprach:

«Allah nahm die Überheblichkeit des vorislamischen Heidentums und dessen Stolz auf die Ahnen von euch. Ihr seid die Söhne Adams, und Adam ward aus Staub gemacht.»

Allah, der Erhabene, sprach:

«Als der Vornehmste gilt bei Allah derjenige von euch, der am frömmsten ist.» [Koran 49. 13]

Wir müssen ferner feststellen, daß Muhammad auch das Königtum und dessen Vertreter mißbilligte. Er tadelte an ihnen, wie sehr sie sich in Streitigkeiten verstrickten, wie maßlos sie in ihrer Verschwendung waren und daß sie vom Pfade Allahs abwichen. Hingegen mahnte er zur Eintracht im Glauben und warnte vor Zwist und Sonderbündelei.

Wisse, daß nach Ansicht des Gesetzgebers (d.h. des Propheten Muhammad) das gesamte Diesseits und seine Verhältnisse nur ein Beförderungsmittel zum Jenseits sind. Wer dieses Mittels verlustig geht, gelangt nicht (dorthin). Wenn nun Muhammad bestimmte Handlungen der Menschen untersagte, mißbilligte oder davon abriet, so lag es nicht in seiner Absicht, daß diese ganz und gar unterlassen bzw. mit Stumpf und Stiel ausgerottet und die Kräfte, aus denen sie entstehen, geschwächt würden. Vielmehr beabsichtigte er, diese im Interesse der (religiösen) Wahrheit so weit wie möglich zu kanalisieren, so daß alle Absichten rechtens werden und das Ziel nur eines ist. So sprach Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – :

«Wer zu Allah und seinem Gesandten aufbricht, der bricht zu Allah und seinem Gesandten auf. Wer zum Erwerb irdischer Güter oder zur Ehelichung einer Frau aufbricht, bricht (eben nur) dorthin auf, wohin er aufbricht.»

Muhammad mißbilligte den Zorn nicht mit der Absicht, ihn bei den Menschen auszurotten. Denn wenn der Mensch nicht mehr die Kraft des Zornes besäße, würde ihm die Fähigkeit, der (religiösen) Wahrheit zum Sieg zu verhelfen, verlorengehen und gäbe es keinen Heiligen Krieg und keine Lobpreisung des Wortes Allahs mehr. Er mißbilligte vielmehr den Zorn, der sich für den Teufel und für tadelnswerte Ziele einsetzt. Ein solcher Zorn ist zu tadeln. Handelt es sich um einen Zorn in und für Allah, so ist er zu rühmen. Dieser Zorn gehörte zu den guten Eigenschaften Muhammads – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -.

Wenn Muhammad in eben dieser Weise die Begierden mißbilligte; lag es auch nicht in seiner Absicht, diese gänzlich aufzuheben, denn wer kein Begehren verspürt, verliert an Wahrhaftigkeit. Er wollte vielmehr die Begierden so lenken, daß sie für nützliche Dinge frei werden, auf daß der Mensch ein Knecht (Allahs) werde, der in Gehorsam zu den göttlichen Geboten handelt.

Ebenso ist es, wenn der Gesetzgeber die asabiya mißbilligte und sprach:

«Weder eure Blutsverwandtschaft noch eure Kinder werden euch (dereinst etwas) nützen.» [Koran 60. 3]

Dies ist gemeint, wenn die asabiya auf etwas Nichtiges und damit Zusammenhängendes ausgerichtet ist, wie es in der vorislamischen Zeit der Fall war, und wenn sie jemanden stolz und überlegen werden läßt. Denn dies entspricht nicht den Handlungsweisen weiser Leute und ist für das Jenseits, d.h. die Ewigkeit, von keinem Nutzen.

Was jedoch die ‘asabiya anbelangt, die im Bunde mit der (religiösen) Wahrheit steht und für die Erfüllung des Gebotes Allahs (wirkt), so ist sie eine erstrebenswerte Sache. Gäbe es sie nicht, gäbe es auch die religiösen Gesetze nicht mehr, da diese nur über die asabiya Bestand haben, wie wir vorhin festgestellt haben.

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung / al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 145-147)

Medien- und Behördenhetze: Sind arabische Korane für muslimische Flüchtlinge gefährlich?

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, die mildtätigen Handlungen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe öffentlich kategorisch als Missionierungs- bzw. Anwerbungsversuche anzuprangern.

Der (arabische) Koran ist für jeden praktizierenden Muslim ein ganz normaler und äußerst wichtiger Teil des religiösen Lebens. Es gibt weder einen salafistischen, noch einen sunnitischen oder schiitischen Koran.

Medien- und Behördenhetze: Sind arabische Korane für muslimische Flüchtlinge gefährlich? weiterlesen

Kurz gesagt: Juhuuu, mein Mörder war demokratisch legitimiert

Dass Muslime ihre Kriegshandlungen angeblich immer mit dem Quran rechtfertigen, wird von Nichtmuslimen grundsätzlich negativ konnotiert. Aber womit rechtfertigen sie denn ihre Kriegshandlungen?

Mit Parlamentsbeschlüssen?

Und? Macht das die Opfer jetzt glücklicher?

„Juhuuu, mein Mörder war demokratisch legitimiert. Da fühle ich mich doch gleich viel heimeliger, hier, so in meinen eigenen dampfenden Gedärmen liegend … die parlamentarisch gerechtfertigte Drohne noch am Himmel hörend.“

Buchauszug: Ein Regime der Freiheit

„Dank des Koran war der Grundstein für ein Regime der «Freiheit unter dem Gesetz» gelegt. Alle Bürger des Araberreiches fanden in ihrem Religions- und Rechtsbuch einfache, allgemeine und gleiche Gesetzesregeln, die für alle dieselben waren und deren Folgen klar erkennbar im Raum standen. Jeder Einzelne wußte also, welche möglichen Folgen seines Handelns er in Betracht ziehen mußte und wofür er verantwortlich gemacht werden würde.

Die regierenden Kalifen – ausgenommen gewisse Despoten unter ihnen – regierten im Rahmen des Gesetzes, d. h. sie konnten nur die Erzwingung allgemeiner Regeln durchsetzen, die unabhängig von jedem besonderen Fall festgelegt, auf alle Bürger gleichermaßen anwendbar waren. Anders ausgedrückt: das Gesetzes- und Religionsbuch des Islams schrieb genauestens vor, was die Einzelnen zu unterlassen hatten, um sich nicht gegenseitig zu behindern oder Schaden zuzufügen, während sie anderseits frei waren, alles zu tun, was nicht verboten war.“

(Die Amerikanische Revolution – ein Fanal der Freiheit, von Rose Wilder Lane, übertragen aus dem Amerikanischen, bearbeitet und erweitert von Jean Pierre Hamilius, Seite 93-94)

Wenn da mal wieder jemand das Grundgesetz verteilt …

von Yahya ibn Rainer

Es scheint eine Art Modeerscheinung zu sein, dass Demokratisten kostenlose Exemplare ihrer heiligen Schrift an harmlose Passanten verteilen. Sicherlich wäre früher niemand auf diese Idee gekommen, aber wenn die bösen Salafisten Koranübersetzungen verteilen, und diese zudem noch einen solch reißenden Absatz dabei zu verzeichnen haben, fühlt sich der Demokratist ja geradezu genötigt auch für seine Religion werben.

Wenn da mal wieder jemand das Grundgesetz verteilt … weiterlesen

Weihnachten: Mitfeiern oder nicht?

von Yahya ibn Rainer

“Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind.” Die sogenannte Weihnachtszeit der Christen ist für manche von uns hier in Deutschland eine Prüfung. Speziell zu dieser Zeit lese ich vermehrt über Meinungsverschiedenheiten zwischen den hiesigen Muslimen. Darf man Weihnachten (mit-)feiern? Darf man den Christen zu diesem ihrem Feste gratulieren oder zumindest den “Frohe Weihnacht”-Wunsch erwidern?

Was machen wir Muslime an diesen 3 Tagen? Muslime als Minderheit unter Christen, das war im Laufe der muslimischen Geschichte eher die Ausnahme als die Regel, und so ist es für hier lebende Türken, Araber, Afghanen, Pakistaner usw eine neue Situation, die sich ähnlich schwer gestaltet wie für uns konvertierte Muslime. Man sucht also den richtigen Weg zwischen Ablehnung auf der einen Seite und dem Güteerweisen und redlichem Umgang auf der anderen Seite, denn beides ist uns im Umgang mit den Nichtmuslimen auferlegt.

Im Wissen darüber, dass es vor uns Muslimen – hier in Deutschland – bereits ein anderes Schriftvolk gab, das als Minderheit unter den Christen lebte und das die christliche Lehre ebenso ablehnte wie wir, veranlasste mich dazu, ein wenig zu recherchieren. Die Juden, die in Deutschland und ganz Europa schon seit knapp 2000 Jahren als Minderheit angesiedelt sind und die die Dreifaltigkeitlehre, Gottessohnschaft und Vergöttlichung von Jesus dem Messias -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- mit aller Entschiedenheit ablehnen, haben extra einen Brauch eingeführt, den sie speziell zum Zeitpunkt der christlichen “Heiligen Nacht” praktizier(t)en.

Sie nennen ihn die Nitl-Nacht (vom lat. natalis “zur Geburt gehörig”), in der sie sich mit Absicht vom Studium ihrer Schrift (der Thora) fernhalten, um sich zu ermahnen wie es wäre, wenn sie der christlichen Lehre folgen würden. Denn ein maßgeblicher Teil der christlichen Lehre ist ja, dass die Verbindlichkeit vieler Gebote und Verbote der Thora durch den angeblichen Kreuztod Jesu -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- aufgehoben wurde, da er die Sünden, die durch die Übertretung dieser Gesetze entstehen würden, auf sich genommen hat.

Zu diesem jüdischen Brauch möchte ich gern aus dem Brief eines bekannten deutschen Rabbiners zitieren, den er irgendwann zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfasste:

Es dämmert … die Weihnachtsglocken tönen durch die christliche Welt. Es sind die einzigen Signale des christlichen Kultus, die auch in jüdische Häuser dringen. Denn in der Nitlnacht ruht das Studium des Gesetzes.

Für ein paar Abendstunden vergegenwärtigt sich das jüdische Volk, wie arm es ohne Thora wäre. Wie bettelarm und hilflos, wenn jene Anschauung im Rechte wäre, die im Christentum die Überwindung der jüdischen Gesetzlehre sieht und nicht die fragmentarische Weltansicht einer tausend-jährigen Übergangszeit, die auf Umwegen – langsam aber sicher – an den Fuß des Moriaberges führt.

Darum – wenn die Weihnachtsglocken tönen – horcht Jissroél nachdenklich auf – legt sein Kostbarstes bei Seite und wartet, bis sie ausgeklungen. Gäbe es Gott, daß sie nicht umsonst über die Erde klingen, und mögen sie mit mächtigem Schall das Gewissen der Völker wecken!

Selig sind, die da hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden. So heißt es in der Bergpredigt. Das Recht und die Liebe – es ist endlich Zeit, das aus den toten Worten, lebendige Taten werden. Was nützt es, wenn für nichtigen Zweck die nationale Ehre geschützt, die nationale Wehrkraft vermehrt, der nationale Wohlstand gefördert wird – wenn Millionen ungesättigt nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, wenn das Alphabet jeder Menschengesittung, das Recht und die Liebe, noch immer gelehrt – vergeblich gelehrt werden muß. Hat man denn schon vergessen, daß der feierliche Schall der Weihnachtsglocken dem Geburtstag eines jüdischen Kindes gilt! – In der Nitlnacht ruht das Studium der Thora. Ausnahmsweise, nach althergebrachtem Brauch.

Dieser Brauch ist ein sinniger Brauch. Wenn sich die Enthaltsamkeit vom Lernen nur auf die Stunden einer – dieser erstreckt.
Jedoch dieser Brauch verliert jeden vernünftigen Grund, wenn die Enthaltsamkeit vom Lernen, bereits in der vorhergehenden Nacht geübt, in der folgenden Nacht fortgesetzt werden sollte – wenn auch in den übrigen Nächten des Jahres das Studium des Gesetzes ruht.

Zu den Perlen, um die uns die Vernachlässigung der Thora bringt, zählt auch die sinnige Muße der Nitlnacht. Darum klingen die Weihnachtsglocken vorwurfsvoll in so manches jüdisches Haus. O, daß sie auch uns zur Besinnung brächten!

(Aus Rabbiner Dr. Raphael BREUER „Unter seinem Banner” (1908) S.186-187 >>)

Wer diesen Brief aufmerksam liest und versteht, der erkennt die feinsinnige Mahnung, die der Rabbiner an seine Glaubensgenossen richtet. Eine Mahnung, die so ähnlich auch bei vielen Muslimen heute angebracht ist. Der Aufruf, in der Nitlnacht nicht die Thora zu studieren, ist bei genauerer Betrachtung eher eine Ermahnung, es an den anderen Tagen des Jahres (wieder) vermehrt zu tun. Und auch die Kritik an der christlichen Lehre ist höflich verpackt und mit Weisheit geschrieben.

Und vor allen Dingen: Es gibt eine klare Aussage, nämlich dass das Einzige vom “christlichen Ritus”, was “auch in jüdische Häuser” dringt, die Töne der “Weihnachtsglocken” sind. Und so ist es auch eine Mahnung an uns Muslime, denn die Juden leben bereits seit vielen Jahrhunderten als Minderheit unter den Christen und erdachten sich einzig aus dem Grunde einen Brauch, um den christlichen Ritus und die Besinnung darauf aus den jüdischen Häusern fern zu halten und eine eigene Besinnung und Ermahnung daraus zu ziehen.

Die muslimische Minderheit in diesem Lande ist gerade einmal 2-3 Generationen – sprich 50 Jahre – hier daheim und verspürt zum Teil anscheinend schon jetzt ein unbändiges Bedürfnis am christlichen Ritus, anstatt sich selbst am eigenen Ritus zu ermahnen.

Wenn es hierzulande tatsächlich eine christlich-jüdische Tradition gibt, dann nur, weil beide Seiten die ihrigen pflegten, und zum Pflegen gehört auch das Reinhalten. Der institutionelle (und somit auch politische) Antisemitismus kam, mit seiner volkszornigen und tödlichen Wucht, erst mit der sogenannten jüdischen Emanzipation und dem damit verbundenen Versuch auf, das Judentum in die christliche Mehrheitsgesellschaft zu integrieren, was einerseits zur Verwässerung der jüdischen Lehre führte und anderseits zu erkennbaren Einflüssen jüdischen Lebens in der christlichen Alltagskultur. Früher nannte man das in gewissen Kreisen “Verjudung”.

Und auch heute werden die ersten kritischen Stimmen laut, die einerseits von einer “Islamisierung” sprechen und anderseits die Befürchtung hegen, dass durch sogenannte “Integrationsbemühungen” die Islamische Lehre verwässert wird. Beide Seiten haben Recht. Die Gesellschaft muss sich vom Ideal der Gleichheit und Verschmelzung seiner Gruppen verabschieden. Man muss Fremdes wieder ablehnen und diskriminieren dürfen, wenn auch nicht (staats-)politisch, sondern privat. Vielfalt definiert sich durch Unterschiedlichkeit und Religion ist fundamental. Multikulti ist das falsche Konzept in dieser Sphäre.

Weitere Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

<< Vorherige Auszüge aus „Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien“ von Sir Charles Fellows (1853)

„Wie ganz anders urteile ich jetzt über die Türken, die ich bei meiner ersten Ankunft hier mit so lieblosen Vorurteilen betrachtete ! Mit ihren Sitten, Gewohnheiten und ihrem Charakter bin ich jetzt, ebenso wie mit ihrer Tracht, nicht allein ausgesöhnt, sondern aufrichtig befreundet ; denn ich habe Wahrheitsliebe, Rechtschaffenheit und Freundlichkeit gefunden, die achtungswertesten und liebenswürdigsten Eigenschaften, bei einem Volke, wo ich sie noch wenig erwartet hatte. […]

Der allgemeine Charakter dieses Volks ist vollständige Ergebenheit in die Vorschriften ihrer Religion. Diese bildet ebensowohl das bürgerliche wie das sittliche Gesetz, und ist, anstatt durch weltliche Geschäfte und Interessen unterbrochen, unaufhörhch mit den täghchen und stündlichen Beschäftigungen, ja mit jeder Handlung des Lebens verknüpft. Das Gebet ist bei ihnen nicht auf einen bestimmten Ort beschränkt, — und wird ebensowohl auf dem Felde und in der Kammer gehalten, wie in der Moschee. Jeder verrichtet seine Andacht, unabhängig von einer Priesterschaft (die hier nicht existiert) in vollkommener Einfalt und ohne Ostentation. Charakter, Sitten und Gebräuche, körperliche Gesundheit und das ganze Leben des Volkes scheinen durch die Religion gebildet. Ich habe den Koraan nicht gelesen, und mein Urteil über die Religion ist daher nach ihren Lehrern gebildet, die in der Tat nicht blosse Lehren zu sein scheinen. […]

Dass die Religion alle bürgerlichen Verhältnisse und Pflichten regelt, habe ich stets an den Antworten auf meine Fragen, warum dies oder jenes geschehe, bemerkt, wo die beständige Antwort war, ihre Religion befehle es ihnen. Gesetz und Religion sind eines und werden den Kindern von Jugend auf zusammen gelehrt, und bei einer Verletzung der so eingeschärften Pflichten, hat der Sultan absolute Gewalt zu strafen, und die Ausübung derselben ist sicher. […]

Der Zug im Charakter des Volkes, welcher dem Fremden, der unter ihnen verweilt, zuerst auffällt, ist Gastfreundlichkeit. Diese wurde mir von allen Ständen erwiesen, vom Pascha bis zu dem Bauer in seinem Zelte im Gebirge, — und als etwas, das sich ganz von selbst versteht, ohne den Gedanken an eine Vergeltung. Keine Frage ward getan; an einen Unterschied der Nation oder Religion, von reich oder arm, wurde nicht gedacht; sondern „speise den Fremden“ war das allgemeine Gesetz. […]

Zunächst fällt dem Reisenden die Ehrlichkeit des Volkes auf. Ich liess stets Sättel, Riemenzeug, Kochgeräte und alles, was ich nicht im Zelte brauchte, wo ich und mein Diener schliefen, draussen vor demselben, ohne die geringste Furcht, dass wir etwas verlieren könnten, obgleich hin und wieder jemand vorbeiging und neugierig mein Eigentum untersuchte; aber auch nicht ein Stück Schnur ist mir weggekommen. […]

Als ich gegen meinen Diener, einen Griechen, darüber eine Bemerkung äusserte, entschuldigte er die Ehrlichkeit der Türken, in dem er meinte, ihre Religion erlaube ihnen nicht zu stehlen. An Versuchungen zur Übertretung fehlt es keineswegs, denn die gewöhnlichen Anzüge der Frauen und Kinder sind reich mit der kurrenten Goldmünze des Landes besetzt, aber das Gesetz „Du sollst nicht stehlen!“ scheint unbedingten Gehorsam zu finden. Wahrheitsliebe, die Zwillingsschwester der Ehrlichkeit, tritt ebenfalls scharf bei ihnen hervor, und hier verteidigt der Grieche sie wieder, — das moslimsche Gesetz erlaubt nicht zu lügen; ihre Religion verbietet es. […]

Die Nationalsitte, welche es zu einem besondern Vorrechte des Sohnes macht, dem Vater aufzuwarten, flösst dem Volke von Jugend auf die Pflicht ein, ihre Eltern zu ehren. In allen Lagen und Umständen wo ich sie sah, in ihren Familien und unter Fremden, schien Liebe und Zärtlichkeit gegen einander zu herrschen. Aufrichtigkeit verscheucht allen Verdacht, und Ehrbarkeit und Biederkeit erzeugen Offenheit in allen ihren Handlungen. […]

Ihrer Religion gehorsam, welche, eben so wie das jüdische Gesetz, für Geld Zinsen zu nehmen verbietet, enthalten sie sich vieler einträglicher Gewerbe, welche mit Darlehn verbunden sind; daher kommt es, dass andere Nationen, in der Regel die Armenier, die Bankiersgeschäfte betreiben. […]

Ihre religiöse Ergebenheit gibt ihnen eine solche Unterwerfung unter den göttlichen Willen, dass man sie sogar fälschlicher Weise als Fatalisten dargestellt hat. Allein sie sind ebenso bedacht, Übel zu vermeiden, wie andere. Ich habe gesehen, dass sie alle Kräfte anwandten, um eine Feuersbrunst zu löschen; oft bin ich von ihnen um Arznei gebeten worden, und sie nehmen gern Rat, um Krankheit zu verhüten; wenn aber dem Feuer nicht Einhalt getan werden kann, so unterwerfen sie sich und sagen : „Gott ist gross !“ und wenn die Krankheit mit dem Tode endet, sei es bei einem Kinde oder den Eltern, so zeigt das kräftige Auge allein, was im Herzen vorgeht, und der Leichnam wird dem Grabe überliefert, mit der unterwürfigen Betrachtung „Gott ist gross und barmherzig. […]

Die Erlaubnis der Mehrehe, welche das muselmansche Gesetz gestattet, hat zu einer der strengsten Anklagen gegen den sittlichen Charakter ihrer Bekenner Grund gegeben. Aber obwohl das Gesetz erlaubt, mehrere Frauen zu haben, so macht doch das Volk selten Gebrauch von dieser Freiheit. In tausend Fällen habe ich den Türken in seinem Zelte mit einer Frau gesehen, der er mit eben solcher Zärtlichkeit anhing, wie ein Bauer seiner Frau in einem christlichen Lande, […]

Ehe ich dieses Volk besuchte, bildete ich mir ein, ein Zug seines Charakters sei Grausamkeit; ich habe aber sowohl in ihrer Behandlung der Tiere, als in ihrem Betragen gegen einander selbst gerade das Gegenteil gefunden. Instrumente zur Züchtigung der Lasttiere kennt man kaum. Über das Kameel erlangen sie allen Einfluss durch Freundlichkeit und Belohnungen, und der Gehorsam desselben ist vollkommen. Dem Europäer fällt es sehr auf, dass die Vögel durchaus keine Furcht haben, und dies allein reicht hin, die Osmanen von jeder Beschuldigung frei zu sprechen. […]

Dem Verbote des Weines (und aller berauschender Getränke), welches dem muselmanschen Gesetze eigentümhch ist, ist vielleicht zum grossen Teil die moralische und physische Gesundheit des Volkes zuzuschreiben. Der Unmässigkeit, welche alle jene guten Grundsätze zu Schanden machen würde, wird dadurch entgegengetreten. Die physischen Folgen dieses Gesetzes sieht man deutlich daran, dass es keine Krüppel gibt und die Türken fast keine Krankheit kennen; Zahnschmerz ist fast das einzige Übel, dem sie oft unterworfen sind. Eine der wohltätigen sittlichen Folgen der Mässigkeit zeigt sich darin, dass man bei dem Volke durchaus keine verworfene Armut findet. Ich habe keine Bettler gesehen, ausser Blinden, und einige wenige Personen, denen man die Armut ansah. Die Bedürfnisse des Volkes sind gering, und in der Regel leicht zu befriedigen, und in jedem Zelte findet man ein Mahl für den Fremden, welches Standes er auch sein mag. Ich habe nie einen Türken von Opium berauscht gesehen, und ich glaube, der Gebrauch dieses Reizmittels beschränkt sich auf die üppigen Bewohner der Hauptstadt. […]

Muss sich nicht das christliche Europa vor diesen Bekennern des falschen (?) Propheten schämen? Wären wir unserer Religion ebenso ergeben, wie die Muselmanen der ihrigen, — welch ein Himmel auf Erden würden unsere Länder sein! Der Aberglaube und gänzliche Mangel an Moralität bei den Bekennern der griechischen Kirche kann die Osmanen wohl von einem Wechsel ihrer Religion abschrecken. Die Bekenner der griechischen Kirche werden oft Anhänger des Propheten, wenn sie dabei für ihren Handel oder ihre bürgerliche Stellung Vorteile sehen; aber wohl nie kommt der Fall vor, dass ein Türke zu diesem sogenannten Christentum übertritt.“

(Sir Charles Fellows, Ein Ausflug nach Kleinasien und Entdeckungen in Lycien, 1853)

Auszüge aus „Harmlose Skizzen aus Konstantinopel“ von Helene Böhlau (1888)

„Ich habe beobachtet, auch auf dem Dampfschiff, mit dem ich oftmals den Bosporus entlang fuhr, dass die Begrüssung zwischen Erwachsenen und Kindern etwas ganz besonders Herzliches an sich trägt, von Seiten der Kinder zutunlich-ehrfurchtsvoll und von seiten der Erwachsenen liebenswürdig-besorglich. Hauptsächlich liebenswürdig sind die Männer zu den Kindern. Da sieht man allerliebste Szenen und Gruppen. Beinahe täglich begegne ich unter den ulten Zypressen vor der Asmali-Mesdjid einem stattlichen Türken in weitem Kaftan, weißem Turban, mit schwarzen blitzenden Augen, Adlernase und schwarzem langem Bart.

Dieser Mensch, der aussieht, als stecke sein Kopf voll aufrührerischer Ideen, und als wäre bei ihm alles auf Gewalt und Kampf gerichtet, trägt immer in zärtlicher und rührender Weise, wenn ich ihm begegne, an sein Ohr gedrückt ein winzig kleines Kindchen, ein wahres Wachspräparätchen von einem Kind, weiss, durchsichtig, fast nicht grösser als der braune dunkle Kopf, an den es angeschmiegt ist. Und der Türke trägt es so würdig, so hingebend und so unbeschreiblich behutsam. Aber nie habe ich ihn anders gesehen als mit dem Kind an der bärtigen Wange. Der Anblick wird mir unvergesslich sein. Dies Übermass von Kraft, Vorsicht und rührender Zärtlichkeit ! […]

In der ersten Klasse auf dem Dampfschiffe sieht man oftmals würdige Väter mit ganz kleinen Kindern auf dem Arme. Sie finden ihre Bekannten, und augenblicklich ist das Kindchen dem Vater von dem Arm genommen und irgend ein anderer ehrenwerter Efendi hat es auf dem seinen, wandelt mit ihm auf und nieder, bemüht sich, es zum Lächeln zu bringen, liest ihm aus einer Zeitung etwas vor, kauft ihm vom Schekerdschi einen kleinen guten Bissen, schaukelt es, wiegt es und treibt das so lange, bis wieder ein anderer ihn bittet, ihm das Eandchen ein wenig zu geben. Dabei sind diese ernsten Männer von solch einer anmutigen Heiterkeit und Liebenswürdigkeit und scheinen sich wirklich an dem kleinen Ding von Herzen zu erfreuen. […]

Wenn ein Türke seinen Sohn auf der Strasse an der Hand führt, so tut er es mit der grössten Hingabe, und man sieht seinem Benehmen an, dass er einen äusserst wertvollen und geliebten Gegenstand zu beaufsichtigen hat. Hier fällt mir ein : die militärische Vorbereitungsschule eröffnete eben ihre Ferien, eine Unzahl halbwegs europäisch gekleideter Kadetten strömte heraus, jeder das erlangte Zeugnis in der Hand. Draussen stehen die würdigen Väter. Jeder empfängt den erwarteten Liebling mit auffallender Rührung und Zärtlichkeit, lässt sich von ihm ehrerbietig begrüssen, wirft einen Blick in das Zeugnis und ruft freudig erstaunt: „Masch Allah! Masch Allah!“ („Du hast es brav gemacht, mein Sohn!“) Dann herzt und küsst er sein Söhnchen, seinen künftigen Pascha, und zieht triumphierend mit ihm ab. […]

Muhammad hat sein Volk auch reinlich haben wollen; und man sollte sich einmal nach einem schmutzigen Türken umsehen! Die Lumpen des armseligsten Bettlers, an dem keine Handbreit ehrlich festes, ungeflicktes Zeug zu finden ist, strahlen von Weisse und Sauberkeit. […]

Muhammad hat sein Volk erbarmungsvoll, auch erbarmungsvoll gegen die Mitgeschöpfe, die Tiere, sehen wollen — und die Türken folgen auch hierin ihrem Propheten. […]

Nie wird man ein Tier auf den Strassen Konstantinopels von türkischen Händen gequält sehen. Im Gegenteil findet man überall steinerne Näpfe und Tröge, mit Wasser gefüllt, für Hunde und Vögel. […]

Nicht nur diese bedenken sie mit Wasser und allerlei Wohltat, auch für die Kinder und Armen wird an heissen und kalten Tagen auf der Strasse gesorgt. So stehen z. B. im Winter Kohlenbecken für die Bettler auf der Brücke. An heissen Tagen schicken die Moscheen Männer aus, die, ganz in Leder gekleidet, den grossen Wasserschlauch auf dem Rücken, jedermann unentgeltlich, besonders aber den Kindern, gutes Quellwasser aus metallenen, mit Koraansprüchen verzierten Schalen reichen. Wir haben oftmals solch einen alten Wasserträger beobachtet, wie er von kleinen durstigen Türklein umgeben war und sie wahrhaft liebevoll bediente. […]

Alles geht hier unscheinbar, ohne Prahlerei vor sich, mit wenig Wichtigtun, dass man sich verwundert, wie es ohne unsere vielgerühmte Christenliebe zu stände kommt. […]

Ein wunderliches Kapitel geben die Bettler hier ab. Den tief ergreifenden Gesang der blinden Bettler hört man oft auf den Strassen. Und wenn in der Dunkelheit solch ein armer Blinder durch die engen Gassen Peras schleicht und man den klagenden Gesang vom Zimmer aus erst ganz entfernt, dann immer näher kommen hört, gehen diese schmerzlichen, wahrhaft ergreifenden Töne durch Mark und Bein. Es ist, als schliche das Elend der Menschheit an den Fenstern vorüber. Anfangs überwältigt jedesmal dieser Eindruck, später wird man es gewöhnt und hört kaum mehr darauf. An unseres Herzens Härtigkeit ist allein die Gewohnheit schuld. […]

Rätselhaft und unbegreifüch ist es, wie die Blinden in dem ungeheuren Treiben hier sich sicher bewegen. Einem Sehenden wird es schwer, sich hier ungefährdet durchzuwinden. Wie oft aber habe ich gesehen, dass ein Blinder in der Pferdebahn, die durch Stambul fährt, unentgeltlich mitgenommen wurde. […]

Einmal erlebte ich, dass der Kondukteur so einem Armen, der sich mühsam die schmale Treppe herauf- und in den Wagen hereingetastet hatte, Geld zu dem Fahrbillet abforderte. Der Blinde schüttelte mit dem Kopfe, zum Zeichen, dass er kein Geld habe. Er tat dies einfach und ohne jede Befürchtung, dass man ihn von seinem Platze weisen würde; wie es ungefähr bei uns jemand tun würde, der wohlbekannt und reich ist und nur durch Zufall kein Geld bei sich hat, und dem der Kondukteur süss lächelnd versichert : „Schadet nichts, Herr Baron — ein andermal.“ — Wehe aber dem Armen, und wenn es ein Blinder wäre, der dasselbe bei uns wagen würde, wie er es hier wagen kann! Der Kondukteur, der dem Blinden das Geld abforderte, wurde von einigen Insassen des Wagens gehörig angelassen: „Nun, was ist denn der? Bist du denn richtig bei Verstand, dass du Geld von ihm nehmen willst? Schämst du dich denn nicht ?“ Ein anderer wieder frug: „Bist du denn kein Mensch, — was bist du denn? Wir werden dich bei deinem Brotherrn verklagen! Wir werden ihm sagen, was für einer du bist! […]

Ich habe in der Pferdebahn ausserdem auch bemerkt, dass ein armer Schlucker zu seinem Nachbar sagt, wenn dieser die Börse zieht, um sein Fahrgeld zu entrichten : „Du, bezahl auch für mich!“ und es geschieht darauf wie etwas Selbstverständliches, nicht etwa mit der Miene, als gebe der Wohlhabende dem Armen ein Almosen. Es ist der Rede und des Dankes nicht wert, was zwischen den beiden vorgeht. […]

Es liegt hier oft eine grosse Vornehmheit und Liebenswürdigkeit im Geben sowohl wie im Verlangen. […]

Da sah ich einmal einen in Lumpen gehüllten prächtigen Alten; der bettelte bei den Gästen eines Kawedschis, die unter einer jener schönen Plantanen salsen und Kaffee tranken; auf jeden, von dem er eine kleine Gabe erhielt, träufelte er aus einem schlanken, langhalsigen Fläschchen als Dank ein paar Tropfen Rosenwasser. […]

Was ich hier erzählte, ist einfach und wahr, jedermanns Augen zugänglich, das, was man auf Strassen und Gassen sieht. Aber wahrhaftig, danach zu urteilen, muss man sagen, dass die Türken das Andenken ihres Propheten ehren und seine Gesetze befolgen. Kein Betrunkener ist zu sehen, keiner, der in Schmutz und Widerwärtigkeit anderen zum Ekel einherläuft, kein unehrbares, unwürdiges Benehmen, kein aufgeputztes, herausforderndes Frauenzimmer, kein empörender Anblick, den ein gequältes Tier veranlasst, alles ruhig, würdig und einfach. […]

Zum Schluss noch etwas über ein sonderbares Rechtsverfahren, das aber einen tiefen Blick in die Verhältnisse dieses Landes tun lälst. Es handelt sich darum: Wem wird vor Gericht recht gegeben, dem armen Schuldner oder dem reichen Gläubiger, der sein gutes Recht hat, zu fordern? Die Frage scheint sich selbst zu beantworten: Dem natürlich, dem das Recht gebührt. Hier aber ist ihre Beantwortung, für unsere Begriffe, unbedingt eine überraschende. […]

„Dem Armen, der nicht zahlen kann, dem gehört hier Schutz und Beistand und günstiger Rechtsspruch. Da heilst es folgendermalsen: Der Richter fragt einen Hausbesitzer, welcher seinen Mieter, der Ihm nicht gezahlt, aus dem Hause gewiesen und ihn verklagt hat: „Weshalb hast du ihm verweigert, weiter bei Dir zu wohnen?“ — „Weil er mir den Mietzins schuldig blieb.“ — „Nun, tat er es aus bösem Willen? Ist er ein Räuber, ein Betrüger ? Ist er denn einer, der dich betrügen und um dein Hab und Gut bringen will? Wenn er das ist, so tatest du recht ; wenn er das aber nicht ist, sondern ein Armer, den Allah dir sendete, so hast du unrecht getan, ihn zu verstossen und zu verklagen; und wenn es sich erweist, dass er wahrhaftig ein Armer ist, wirst du ihn wieder bei dir aufnehmen. Was bist du für einer, dass du gegen die göttlichen Gebote zu handeln wagst!“ Und dem Hausbesitzer bleibt nichts übrig, als seinen schlechten Zahler, wenn es sich als gewiss herausstellt, dass er unfähig ist, seinen Gläubiger zu befriedigen, wieder bei sich aufzunehmen. […]

Dass ein Moslim ausgepfändet wird, so etwas kennt man hier nicht. […]

Und den Türken will es gar nicht zu Kopfe, dass das, was bei ihnen nicht geduldet, was als Schmach angesehen wird, wenn ein Wohlhabender gegen einen Armen, der ihm schuldig ist und nicht zahlen kann, klagbar wird, dass dasselbe bei einem anderen Volke vortrefflich und in Ordnung ist und kein Mensch Schlimmes darin sieht. […]

Es wäre ganz interessant, von dem Standpunkt eines gut unterrichteten Moslim aus unsere europäischen Verhältnisse zu betrachten. Ich glaube, dass diese Betrachtung einigermassen Verwunderung erregen würde. Ich habe hier oft Gelegenheit gehabt, durch türkische Anschauung auf unsere Verhältnisse zu bücken.“

(Helene Böhlau, Harmlose Skizzen aus Konstantinopel / 1888, Westermann’s illustrirte deutsche Monats-Hefte, Band 63)

Hamburg: Mein gestriger Besuch bei der ‚Aqida-Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde e.V.

von Yahya ibn Rainer

Einiger Warnungen zum Trotz besuchte ich gestern die Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde e.V. in Hamburg. Der Titel dieser Veranstalung war Aqida – Die Grundsäulen des Islam und geladen waren, zu den Themen Identität – Bewußtsein als Muslim, Schöpferbeweis – Ausführung einer Methodik, Qur’an als Wunder – Wundercharakter aus linguistischer Sicht und Ibadah – Umsetzung der Islamischen Lebensweise, die bekannten Dozenten Mohammed Johari, Dr. Abdurrahman Reidegeld und Abdelhay Fadil.

Hamburg: Mein gestriger Besuch bei der ‚Aqida-Veranstaltung der Islamischen Hochschulgemeinde e.V. weiterlesen

Hamburg: Der Versuch die Suppe auszulöffeln, die man sich selbst eingebrockt hat

von Yahya ibn Rainer

Heute wurde ich auf einen aktuellen Artikel im Hamburger Abendblatt aufmerksam gemacht. Dort wird angekündigt, dass unser Verfassungsschutz-Chef Manfred Murck und Islamismus-Experten am Mittwoch in Hamburg eine Ausstellung zum Thema „Die missbrauchte Religion – Islamisten in Deutschland“ eröffnen werden.

Hamburg: Der Versuch die Suppe auszulöffeln, die man sich selbst eingebrockt hat weiterlesen

Buchauszug: Emil von Laveleye – Die Bosnier (1886)

„Die besten und tiefsten Einblicke in das innerste Wesen des Mohammedanismus lassen sich aber nirgends besser als in Bosnien gewinnen, weil hier Bekehrer und Bekehrte nichts von den Eigenthümlichkeiten der Rasse mit einander ausgetauscht und in einander verwoben haben, so dass man von einem reinen, unverfälschten Einflüsse des Korans sprechen kann. Die mohammedanischen Bosnier sind vollständig Slawen geblieben, die weder vom Türkischen noch Arabischen Kenntniss haben, und welche die vorgeschriebenen Gebete und Koranverse auswendig lernen und hersagen, aber ebenso wenig verstehen wie die italienischen Bauern das lateinische Ave Maria.

Buchauszug: Emil von Laveleye – Die Bosnier (1886) weiterlesen

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Die Arabische Nation

„Gegen unseren Ansatz, das arabische Geschichtsbewußtsein sehe den Beginn der arabischen Geschichte in der Entstehung des Islams, läßt sich natürlich einwenden, daß es Christen „arabischer Nation“ gibt, daß diese Nichtmuslime sich (heute) durchaus als Araber fühlen und von den Muslimen (unter Gesichtspunkten heutiger Politik) als Araber anerkannt werden. Wird der Begriff Nation im westlichen Sinne verstanden, so ist das richtig. Ein Teil dieser Christen stammt aus alten, geschichtsbewußten Familien, die auf vorislamische Zeit zurückschauen. Das gibt manchen von ihnen gegenüber den islamischen Nachbarn ein besonderes Bewußtsein von Überlegenheit, das sich gleichsam auf ein Erstgeburtsrecht des Christentums gegenüber dem Islam beruft.

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Die Arabische Nation weiterlesen