Archiv für den Monat: Januar 2014

Buchauszug: Leopold Weiss – Identitäre Individualität und islamischer Liberalismus

„Menschliche Vollkommenheit in seinem wahren psychologischen und moralischen Sinn muss notwendigerweise eine relative und rein individuelle Bedeutung haben. Sie umfasst nicht den Besitz aller erdenklichen guten Eigenschaften, auch nicht den schrittweisen Erwerb neuer äußerer Eigenschaften; sie meint lediglich die Entwicklung der bereits existierenden positiven Eigenschaften jedes Einzelnen, dergestalt, dass die ansonsten ruhenden Kräfte wachgerufen werden.

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Zitat: Franz Rosenthal – Die religiöse Verehrung des ‹Wissens› im Islam

Den Beweggrund für den Drang nach Übernahme des fremden Wissens erklärte der deutsch-amerikanische Orientalist Franz Rosenthal im Jahre 1965 mit folgenden Worten:

«Vielleicht wären weder der praktische Utilitarismus, der den Muslimen die Bekanntschaft mit der Medizin, der Alchemie, mit den exakten Wissenschaften wünschenswert erscheinen ließ, noch der theoretische Utilitarismus, der sie veranlaßte, sich mit philosophisch-theologischen Fragen zu beschäftigen, zur Fundierung einer ausgedehnten Übersetzungstätigkeit ausreichend gewesen, wenn die Religion Muhammads nicht von Anfang an die Rolle des Wissens (‚ilm) als Haupttriebkraft des religiösen und damit des gesamten menschlichen Lebens in den Vordergrund gestellt hätte […] Ohne diese dem Islam von Haus aus eigene Zentralstellung, ja gewissermaßen religiöse Verehrung des ‹Wissens› wäre die Übersetzungstätigkeit vermutlich weniger wissenschaftlich, weniger ausgreifend gewesen und hätte sich wohl viel mehr auf das unbedingt Zwecknotwendige beschränkt, als es tatsächlich der Fall gewesen ist.»

(zitiert aus: Fuat Sezgin, Wissenschaft und Technik im Islam, Bd.1, S.5)

An Herrn Kardinal Meisner …

von Yayha ibn Rainer

Während sich die etablierten Medien und ‚Islam‘-Verbände mal wieder öffentlichkeitswirksam echauffieren und geradezu die Welt aus den Angeln heben, weil ein christlicher Geistlicher es tatsächlich wagte seiner Bevorzugung von gesunden christlichen Familien Ausdruck zu verleihen und hierzu auch noch gesunde muslimische Familien als Maßstab zu gebrauchen, habe ich mir erlaubt den anderen Weg zu gehen und dem Kardinal Meisner meinen Zuspruch zukommen zu lassen.

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Buchauszug: Leopold Weiss – Er ist schlicht eine Lebensweise nach den Regeln der Natur …

„Die Religion birgt einen unermesslichen Nutzen; der Mensch begreift, was er in dem ewigen Kreislauf der Schöpfung ist und nie aufhören kann zu sein: eine sinnvolle Einheit, ein eindeutig bestimmbarer Teil im unendlichen Organismus des universellen Schicksals. Die Folge ist psychologisch ein tiefes Gefühl geistiger Sicherheit, das zwischen Hoffnung und Furcht schwankt. Das unterscheidet den religiösen Menschen – gleich, welcher Religion er anhängt – von dem ungläubigen. Diese grundlegende Einstellung teilen alle großen Religionen, was immer ihre spezifischen Lehren sein mögen; ihnen allen gemein ist auch der moralische Aufruf an den Menschen, den offenkundigen Willen Gottes anzuerkennen.

Aber der Islam, und nur er, geht über diese theoretische Ermahnung hinaus. Er lehrt uns nicht nur, dass das ganze Leben im wesentlichen eine Einheit ist, weil es der göttlichen Einheit entspringt; er zeigt uns auch, wie jeder Einzelne diese Einheit in seinem irdischen Leben, in seinem Handeln und in seinem Bewußtsein abbilden kann. Um dieses oberste Ziel im Leben zu erreichen, muss der Mensch im Islam nicht der Welt abschwören; keine Entbehrungen sind erforderlich, um die geheime Tür der Läuterung zu öffnen; kein Druck wird auf den Verstand ausgeübt, keiner muss an unverständliche Dogmen glauben, um Erlösung zu erlangen. Solche Dinge sind dem Islam völlig fremd, weil er weder eine mystische noch eine philosophische Doktrin ist. Er ist schlicht eine Lebensweise nach den Regeln der Natur, die Gott seiner Schöpfung auferlegt hat; seine höchste Leistung ist die vollkommene Abstimmung aller geistigen und materiellen Aspekte des menschlichen Lebens.“

(Leopold Weiss – Islam am Scheideweg, Edition Bukhara, Seite 29)

Der deutsche Architekt und die undisziplinierten Araber

Ein marokkanischer Arbeitskollege erzählte mir im Büro eine interessante Begebenheit.

Ein deutscher Architekt bekam den Auftrag, als Bauleiter im Jemen eine Großbaustelle zu betreuen. Es war sein erster Job im arabischen Ausland und so machte er sich hochmotiviert an die Aufgabe. Im Jemen angekommen, musste er aber sehr schnell die Erfahrung machen, dass die Arbeitsmoral der Araber sich vollkommen von der deutschen in seiner Heimat unterschied.

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Buchauszug: Leopold Weiss – Die Realität des muslimischen Lebens

„Die Realität des muslimischen Lebens scheint heute sehr weit entfernt zu sein von den optimalen Möglichkeiten, wie sie in den religiösen Lehren des Islam angelegt sind. Alles, was im Islam Fortschritt und Bewegung war, wandelte sich unter den Muslimen zu Trägheit und Stagnation; was früher Edelmut und Bereitschaft zur Selbstaufopferung war, ist heute unter den Muslimen zu Engstirnigkeit und Genusssucht verkommen.

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Bertrand de Jouvenel – Emirat vs. Republik

Die natürliche Evolution menschlicher Gesellschaften beginnt praktisch in einer Anarchie und endet in der sogenannten Tyrannis. Auf dem Weg dorthin gibt es einige Zwischenstufen, die sich – je nach Kulturraum – zwar manchmal unterscheiden, aber trotz alledem einen bestimmten Entwicklungsrahmen zumeist nicht verlassen.

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Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Die Vorstellung, die wir uns „instinktiv“ von der Freiheit machen

«Die Vorstellung, die wir uns ‚instinktiv‘ von der Freiheit machen, ist in Wirklichkeit eine gesellschaftliche Erinnerung; die Erinnerung an den freien Mann, der nicht, wie der Mensch des Naturzustandes eine philosophische Annahme ist, sondern der in den von der Staatsgewalt noch nicht überlagerten Gesellschaften existiert hat. Von ihm leiten wir unsere Vorstellung von den individuellen Rechten her, vergessen aber, wie sie geachtet und verteidigt wurden. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, mit der Staatsgewalt zu leben, daß wir von ihr erwarten, sie müsse sie dekretieren. In der Geschichte waren die Freiheitsrechte aber kein staatlicher Gnadenerweis. Sie sind ganz anders entstanden.

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Buchauszug: Roland Baader – Der Gott der Vernunft / Die Dunkle Seite der sogenannten Aufklärung

Bereits mit einem Auszug aus dem Buch Über die Staatsgewalt von Prof. Bertrand de Jouvenel habe ich auf diesem Blog einen kritischen Blick auf die sogenannte Aufklärung gerichtet, die er schlicht und ergreifend als Die rationalistische Krise bezeichnet. [hier>>]. Roland Baader befasst sich in seinem Buch totgedacht ebenfalls mit einer Auswirkung der Aufklärung in seinem Kapitel Der Gott der Vernunft.

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Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Parteientum

Die Parteien

Die Wahlhandlung ist das die Demokratie charakterisierende Phänomen: Sie hat einen doppelten Sinn. Üben die Wählenden ein Recht aus oder erfüllen sie eine Funktion? Wählen sie eine Politik oder Vertreter, die sie an ihrer Stelle machen? Die Interpretation der Wissenschaft ist hier weniger bedeutsam als das allgemeine Urteil. Es steht außer Frage, daß die Möglichkeit zu Wählen in bezug auf den Bürger ein Recht darstellt. Und es steht auch fest, daß er ursprünglich das Gefühl hatte, einen Mann zu Wählen, daß er erst nach und nach dahin gelangte, eine Politik zu Wählen. Ursache dieser Transformation sind die Parteien; und ihre Folge besteht darin, daß das Regime der parlamentarischen Souveränität sich allmählich in ein plebiszitäres Regime verwandelt hat.

Solange das zur Bestimmung seiner Vertreter nach Wahlbezirken versammelte Volk noch auf das persönliche Verdienst und nicht auf die parteilich programmierte Meinung achtete, bestand die Vertretungskörperschaft noch aus einer Elite unabhängiger Persönlichkeiten. Entsprechend den Affinitäten bilden sich in ihr auch Gruppen, die sich aber beständig Wieder auflösen, um sich in anderer Zusammensetzung erneut zu bilden, da die Ansichten, die über ein Thema der Gesetzgebung – wie etwa die Militärpolitik – übereinstimmten‚ über die Fiskalpolitik schon wieder auseinandergehen können. So erlangt man eine lebhafte Volksversammlung, in der sich zum Wohle des Landes und zur Unterrichtung der Öffentlichkeit freie Meinungen auseinandersetzen.

Sobald aber die Vertretungskörperschaft auch über die Staatsgewalt verfügt, wie es in der Demokratie meistens der Fall ist, veranlaßt der Wunsch, die Macht zu erlangen, die Mitglieder, sich ständigen Fraktionen unterzuordnen, einen Teil ihrer Persönlichkeit um der Effizienz der gemeinsamen Aktion willen der Gruppenkohäsion zu opfern.

Die künftigen Wahlen sind dann nicht mehr das Reservoir, aus dem die Versammlung neue Talente schöpft, sie werden nur noch unter dem Gesichtspunkt der Stärkung oder Schwächung der eigenen Gruppe betrachtet. Das Wählervolk wird aufgefordert, dem durch persönliche Verdienste empfohlenen Kandidaten das Parteimitglied vorzuziehen. Wer einen Kandidaten wählt, bloß weil er ihn schätzt, gibt seine Souveränität auf, sagt man dem Wähler, und das ist richtig. Es gilt also eine Meinung zu wählen, die der Kandidat, den man nicht kennt oder nicht schätzt, als Mitglied seiner Partei vertreten muß. Nur wer so wählt, übt seine Souveränität aus, gibt der Regierung Direktiven. Durch das Prestige ihrer leader und die Popularität ihres Programmes verhilft die Gruppe auch solchen Wahlkandidaten zum Sieg, die sie weniger wegen ihres Eigenwertes als wegen ihres Gehorsams ausgesucht hat. Je geringer die Chance einer unabhängigen politischen Karriere, um so disziplinierter das Verhalten der Kandidaten.

Die Vertretungskörperschaft verliert an Wert, weil sie sich nicht mehr aus den Besten rekrutiert. Eine durch den »whip« garantierte Disziplin, eine für den Aufstieg wichtige >>Parteifreundschaft<< zu akzeptieren, verlangt schon ein eigenes Temperament. Man muß damit einverstanden sein, für die Partei einen Sitz, anstatt für die Versammlung eine Stimme zu bedeuten.

Auch der Wähler erfährt hier eine erste Demütigung. Man sieht in ihm nicht mehr als das Gewicht, das er in die eine oder andere Waagschale werfen kann. Unter allen Umständen muß man ihm die Stimme, über die er verfügt, entlocken. Als die Reform von 1832 das allgemeine Wahlrecht eingeführt hatte, bestand die große Sorge der beiden englischen Parteien darin, die Wähler, die jede von ihnen verführt zu haben meinte, in Listen zu erfassen, um sie am Wahltag im Wagen abzuholen, aus Furcht, sie könnten versäumen, ihren Beitrag zu leisten. Es war nicht das Schauspiel eines Volkes, das stolz seine Staatsbürgerpflichten erfüllt, es war dasjenige zweier Fraktionen, die mit allen Mitteln die Stimmen zusammentragen, Welche die Macht ergeben konnten.

Noch sind Erniedrigung des Wählers, die Entwertung des Gewählten nur zufällig. Bald werden sie Methode haben. Interessenverbände werden sich bilden, Welche die Volksversammlung als bloße Vorstufe zur Macht ansehen, Welche die Aufgabe des Volkes nur darin erblicken, diese Versammlung aufzufüllen, Welche Überlegungen anstellen werden, um Einfluß auf die Wahlen zu erringen, um gefügige Abgeordnete in die Versammlung zu entsenden, um ihren Herren den Einsatz dieser ganzen Operation heimzubringen: die Fähigkeit, die Gesellschaft zu beherrschen.

(Prof. Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 324-326)

Buchauszug: Erik von Kuehnelt-Leddihn – Was schon de Tocqueville ahnte

„Alexis de Tocqueville wies schon vor über 150 Jahren darauf hin, daß der Demokratie zwei Gefahren drohen: die Anarchie und – ganz das Gegenteil – eine Form der Tyrannis, die es in der Vergangenheit nie gegeben hatte und die er auch deshalb nicht nennen, sondern nur beschreiben konnte. Er zeichnete dann ein Bild des modernen Versorgungsstaates, von dem er fürchtete, daß er die Bürger zu ‚fleißigen, furchtsamen Tierchen‘ umerziehen würde, da der Staat in allen ihren Lebensbereichen ihre Sorgen abnehmen und daher ihr Leben vollauf kontrollieren, ja auch ihr Vergnügen in die rechten Bahnen steuern würde. Das ist ein völlig logische Entwicklung, denn die Parteien müssen Ausschau halten, wo sie sich als Wohltäter betätigen können, und so immer wieder in neue Lebensbereiche (durch den Staat) einsteigen. Der im wahren Sinne des Wortes bestochene Wahlbürger opfert dann graduell seine Verantwortung und Freiheit für Gleichheit, Sicherheit und (egalitären) Wohlstand. Es werden ihm dafür auch gewisse Freiheiten gegeben, doch nur jene vom Nabel abwärts.“

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Demokratie – eine Analyse, Seite 40-41)

Buchauszug: Erik von Kuehnelt-Leddihn – Sie ist eben auch ein Religionsersatz

„Da die Demokratie eine psychologisch, philosophisch und theologisch bedingte Ideologie ist, hat sie auch den Drang, in fast alle Lebensbezirke einzubrechen, denn Ideologien nehmen nun einmal Grundwahrheiten für sich in Anspruch, die allgemeingültig sein wollen und daher ein moralisches Anrecht auf Totalpräsenz verlangen. Hier sehen wir den pseudoreligiösen Charakter der Demokratie, der ein wichtiger Schlüssel zu ihrem Verständnis ist. Sie ist eben auch ein Religionsersatz.“

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Demokratie – eine Analyse, Seite 52)