Archiv für den Monat: Mai 2014

Buchauszug: José Ortega y Gasset – Die Einteilung der Gesellschaft in Masse und Elite

Das Dilemma, in dem wir heute stecken, nämlich das sich einfache Leute für Gelehrte und Führer halten und sich anmaßen Urteile und Gesetze zu erlassen, bezieht sich nicht nur auf die Politik, sondern macht auch den zeitgenössischen Muslimen sehr zu schaffen.

Das Buch „La rebelión de las masas“ (1930), des großen spanischen Denkers José Ortega y Gasset, deckt auf grandiose und genialistische Weise die Ursachen dieses sozialen Wandels auf. Jeder Muslim, der dieses Buch aufmerksam liest, kann die Diagnosen Ortega y Gassets fast 1 zu 1 auf die religiösen Wissenschaften beziehen und wie sie zum Spielball unwissender Streithähne geworden sind.

Hier ein Auszug zum Thema „Einteilung der Gesellschaft in Masse und Elite“:

«Die Einteilung der Gesellschaft in Masse und Elite ist […] keine Einteilung nach sozialen, sondern nach menschlichen Kategorien; sie braucht nicht mit der Rangordnung der höheren und niederen Klassen zusammenzufallen. Es ist klar, daß man in den höheren Klassen, wenn sie es gerade geworden sind und solange sie es in Wahrheit sind, mit mehr Wahrscheinlichkeit Menschen findet, welche den „großen Wagen“ erwählt haben, während sich die niederen normalerweise aus undifferenzierten Individuen zusammensetzen werden.

Aber streng genommen gibt es in jeder sozialen Klasse eine echte Masse und eine echte Elite. Wie wir später sehen werden, ist die Vorherrschaft der Masse und des Gewöhnlichen, selbst in den Gruppen von exklusiver Tradition, ein Merkmal unserer Zeit.

So macht sich im geistigen Leben, das seinem innersten Wesen nach spezielle Gaben fordert und voraussetzt, der zunehmende Triumph der unqualifizierten, unqualifizierbaren und durch ihre besondere Anlage gerade nicht qualifizierten Pseudointellektuellen geltend.»

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 10-11)

Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Die herbe Größe des Monotheismus (1919)

„Wenn ich vor den Grabdenkmälern der Kaiser und Heerführer stehe, deren mächtige Kuppeln wieder und wieder über die Trümmer des alten Delhi in den klaren Himmel hinausragen, und derweil des Verhältnisses gedenke, in dem der Muslim zu Tod und Ewigkeit steht, ist mir oft, als tönte aus deren Innern Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ hervor.

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Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Überlegene Toleranz (1919)

„Die Unvornehmheit des typischen buchstabengläubigen Christen beruht auf seiner plebejischen Bangigkeit. Die Gegenprobe anzustellen fällt nicht schwer: die ursprünglichen Calvinisten haben sich im selben Sinn für auserwählt gehalten, wie die Muslime, und unter ihnen sind zweifelsohne die überlegensten Typen zu finden, welche die Christenheit hervorgebracht hat. Zwar waren sie nie so vornehm, wie die Muslime; sie waren eben deshalb auch intolerant.

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Buchauszug: José Ortega y Gasset – Die auserwählte Gruppe

„Wenn von auserwählten Gruppen die Rede ist, pflegt gewohnheitsmäßige Heuchelei den Sinn dieses Wortes zu verdrehen, indem sie tut, als sei ihr unbekannt, daß nicht der Anmaßende, der sich den anderen überlegen glaubt, der auserwählte Mensch ist, sondern jener , der mehr von sich fordert als die anderen, auch wenn er in seiner Person diese höheren Forderungen nicht zu erfüllen vermag.

Man kann die Menschheit einteilen — und diese Unterscheidung trifft etwas sehr Wesentliches — in solche, die viel von sich fordern und sich selbst mit Schwierigkeiten und Pflichten beladen, und andere, die nichts Besonderes von sich fordern, die sich begnügen, von einem Augenblick zum anderen zu bleiben, was sie schon sind, ohne Drang über sich hinaus — Bojen, die im Winde treiben.“

(José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, 1930, Seite 10)

Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauss – Wie das Abendland über das Morgenland urteilt (1957)

„Man bringt seine eigenen „Kategorien“ mit, fertige Auffassungsformen, paßt das Andere in sie hinein und schreibt ihm vor, wie es zu sein hat. Man erteilt Zensuren nach jenen Werteordnungen, die jeweils zu Hause gelten (nämlich zu Hause bei uns) und kommt zu Ergebnissen, die – ob in Zahlen oder nicht – immer das eine besagen, daß jene komischen Leute dumm genug sind, anders als wir zu sein, und daß es eigentlich Zeit wird, ihnen beizubringen, wie sie eigentlich sein müßten.

Ob es hierzu einer Wissenschaft bedarf? Machte das nicht Karl May viel hübscher? Er blieb in der Villa Shatterhand zu Hause in Radebeul, bekämpfte dort Sklavenhändler, befreite Unglückliche und wußte über das Morgenland alles viel besser, als es die Leute dortselbst jemals gewußt haben. So seltsam es klingt, es besteht ein Zusammenhang der Art- und Zeitbedingtheit zwischen den Völkerbildern, auch Völkerseelenbildern, die einem Karl May vorschwebten, und der Völkerpsychologie vom soeben beschrieben Typus. Und das ist kein Zufall, denn beides ist vollendetes Abendland: gegenüber sein, zum Gegenstande machen und diesen „bearbeiten“ mit dem Werkzeug, das man hat: den mitgebrachten eigenen Auffassungsformen.

Gemacht und gehärtet sind diese im Feuer vermeintlicher Überlegenheit, die darin liegt, daß man sich stärker „durchzivilisiert“ fühlt im Sinne der Mechanei eines industriellen Zeitalters. Das Organ für echte Kultur, die den Menschen für voll nimmt (nicht als „Arbeitskraft“), das zu Goethes Zeit noch lebte, ist abgestorben: der Mensch des Abendlandes, auch wenn er zu forschen vermeint, sieht Gegenstände, er macht den Menschen zur Sache, die weder selten noch sonderlich kostbar sei (Jules Monnerot) und die nicht anders „interessiert“ als unter dem Gesichtspunkt, wie sie sich einem Gesamtplan der Weltnutzung jeweils am passendsten einfüge. Um den Menschen so zu sehen und dafür zu erforschen, hierzu bedarf es freilich einer Psychologie, die anders verfährt als jene, die ein Goethe noch suchte.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, Die Seele des Andern – Wege zum Verstehen im Abend- und Morgenlande, Seite 45)

Buchauszug: Hermann Graf Keyserling – Der Demokratismus des Islam (1919)

„Unausgesetzt beschäftigt mich das Problem, woher dem Islam seine formende Kraft kommt, die soviel größer scheint, als die aller anderen Religionen. Die Reflexion auf das extrem Demokratische mohammedanischer Verbände hat mich heute endlich, wenn ich nicht irre, auf die richtige Spur gebracht. Der Demokratismus des Islam erklärt seine Werbekraft, zumal in Indien, wo Bekehrung zu ihm die einzige Möglichkeit bezeichnet, der Kastenbestimmtheit zu entrinnen ; und hier handelt es sich um echte Gleichheit — weit mehr so, als in den Vereinigten Staaten Amerikas —, denn die Muslime gelten nicht bloß, sondern halten sich wirklich für Brüder, unbekümmert um Rasse, Vermögen und Position. Aber dieser Demokratismus ist kein Letztes ; er ist die Wirkung einer tieferliegenden Ursache, und die scheint mir den Schlüssel zu bieten zu allen Rätseln der Vorzüge des Mohammedanerglaubens. Der Islam ist die Religion absoluter Hingebung. Was Schleiermacher als Wesen aller Religiosität bezeichnete, definiert tatsächlich die des Muselmanns.

Dieser fühlt sich jederzeit in der absoluten Gewalt seines göttlichen Herrn, und zwar in dessen persönlicher Gewalt, nicht in der seiner Minister und Knechte ; er steht ihm jederzeit Auge in Auge gegenüber. Dies bedingt denn das Demokratische des Islam : in allen absoluten Monarchien herrscht bis zur Stufe des Throns der Geist der Gleichheit; von allen Ländern Europas war das Rußland von gestern das demokratischeste, weil gegenüber der absoluten Gewalt des Zaren alle Unterschiede zwischen den Untertanen geringfügig erschienen. Aber es gibt Autokratien verschiedenen Geistes; je nach der Art des Herrschers erscheinen sie stark oder schwach. So beruht die einzigartige Gestaltungskraft des Islam auf dem einzigartigen Charakter seines Gottes. Allah, weit mehr als Jehovah, weit mehr als der Christengott, verdient den Namen eines Herrn der Heerscharen ; er ist Autokrat im Sinne eines Generals, nicht eines Tyrannen. Hiermit hätte ich es denn: der Mohammedanerglaube bedeutet, als einziger der Welt, recht eigentlich militärische Disziplin. […]

Nun wird keiner bestreiten, daß die Bewußtseinsform des gutgedrillten Soldaten von allen die größte Leistungsfähigkeit sichert überall, wo es sich um Ausführen, nicht um Ausdenken handelt. Die islamische Welt stellt eine einzige Armee dar von einigem, ungebrochenem Geist. Solch‘ ein Geist schmilzt auf die Dauer alle Unterschiede ein ; er macht alle zu Kameraden. Im Islam hat er alle Rassendifferenzen eingeschmolzen. Der Ritualismus dieses Glaubens hat einen anderen Sinn, als der von Hinduismus und Katholizismus ; es handelt sich um Objektivierungen der Disziplin. Wenn die Gläubigen täglich zu bestimmten Stunden in der Moschee in Reihe und Glied ihre Gebete verrichten, alle gleichzeitig gleiche Gebärden vollführend, so geschieht dies nicht, wie im Hinduismus, als Mittel zur Selbstverwirklichung, sondern in dem Geist, in welchem der preußische Soldat vor seinem Kaiser vorbeidefiliert. Diese militärische Grundgesinnung erklärt alle wesentlichen Vorzüge des Muselmanns.“

(Hermann Graf Keyserling, Das Reisebuch eines Philosophen, 1919, Seite 179-180)

Auszug: Thomas Fasbender – Sie kämpfen für Identität

„Der von Buchanan prophezeite Kampf zwischen Homo davosiensis und den Anhängern der alten Identitäten ist längst entbrannt. Gulliver im globalen Dorf bemerkt die Nadelstiche und reagiert gereizt. Auf allen Seiten marschieren die Liliputaner auf, verteilt über ein höchst widersprüchliches Sammelsurium von Fronten: Dritte-Welt-Bauern gegen Monsanto, Nestlé und Unilever; Islamisten gegen den säkularen Staat; die Netzgemeinde gegen Überwachung, Kontrolle und Datenspeicherung; Wutbürger gegen die Pläne der Großeuropäer in Brüssel; Identitäre gegen ein multikulturelles Europa; Antiglobalisten gegen die geballte Bankenmacht; Schweizer für das Recht zu bestimmten, wer in ihrem Lande Wohnsitz nehmen darf und wer nicht.

All das hängt zusammen, quer durch alle politischen Lager, durch alle Kulturen, durch alle sozialen Schichten. Sie kämpfen für Identität, wie sie sie verstehen, für ein Dasein, das nicht nur der Effizienz und dem Bruttosozialprodukt geschuldet ist. Für Familie, Heimat (auch metaphysische), private Räume (auch im Netz), Herkommen, Zugehörigkeit. Sie kämpfen für Dinge, die sich ähnlich bleiben und berechenbar sind auch im Wandel der Zeit.
Sie kämpfen für etwas, das gilt, und gegen Beliebigkeit.“

(Thomas Fasbender, Identität und Kunst: Krim-Sezession als Zäsur, eigentümlich frei Nr. 142, Seite 43)

Zitat: Yahya ibn Rainer: Intellektuelle und Propaganda

„Mir scheint es, als seien speziell Intellektuelle für politische Propaganda besonders anfällig. Ich gehe sogar noch weiter. Den normalen Informationskonsumenten muss man durch regelmäßige Berieselung auf Linie halten, den Intellektuellen jedoch bringt man einmal auf Linie und den Rest übernimmt die kognitive Dissonanz.“

Yahya ibn Rainer

Zitat: Ludwig Ferdiand Clauß – Das ist Islam (1963)

„Bereitschaft, dankbar zu nehmen, was Gott dem Menschen zuwirft, sei es Erhebendes oder Zermalmendes, Unterwerfung vor Gott schafft Freiheit in der Welt und die Geborgenheit im Bollwerk. Gelassenheit in der Welt und die Bereitschaft, jeden Augenblick in heiliger Flamme zu glühen, sobald Gott ruft: das ist Islam. Er verbindet die äußerste Gelassenheit des Geborgenen mit der ständig möglichen Glut des Glaubensritters, der in den Heiligen Krieg zieht.“

(Prof. Dr. phil. Ludwig Ferdinand Clauß, 1963)

Buchauszug: Leopold Weiss – Es scheint, dass das kommunistische Experiment nichts anderes ist als … (1934)

„Es ist nicht uninteressant zu beobachten, wie die […] antireligiöse Evolution jetzt ihren logischen Höhepunkt erreicht hat. Die Sowjetunion zeigt kulturell keine essentiell unterschiedliche Entwicklung zum Rest der westlichen Welt.

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Fundstück: David Goldman – How Civilizations Die (And Why Islam Is Dying Too)

Der Publizist David Goldman gehört international zu den interessantesten konservativen Köpfen. Mit seiner analytischen Schärfe und seinen unorthodoxen und immer kontroversen Betrachtungen hat er sich unter dem Pseudonym „Spengler“ als Blogger der „Asia Times“ einen Namen gemacht. Das Pseudonym kam nicht von ungefähr. Wie Oswald Spengler in seinem Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ zeichnet Goldman kulturelle Verfallsprozesse nach und beschreibt den demographischen Umbruch in vielen Ländern dieser Welt. Seine Sichtweisen hat er in einem Buch mit dem plakativen, an Oswald Spengler angelehnten Titel „How Civilisatons die (and why Islam is dying too)“ („Warum Zivilisationen sterben und warum auch der Islam stirbt“) zusammengefasst. Dieses Buch hat in Deutschland wenig Beachtung gefunden. Das wohl, weil sich sein Standpunkt kaum in die hiesigen Denkmuster und Kontroversen einordnen lässt. Goldman vertritt einen universalistischen Konservatismus auf der Basis der jüdisch-christlichen Tradition. […]

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