Buchauszug: Ahmad ibn Taymiyya – Liebe und Hass im Islam

«Das wesentliche an der Liebe und am Hass im Islam sind, dass des Menschen Liebe und Hass, sein Verlangen und sein Ablehnen, der Liebe, dem Verlangen und der Ablehnung Allahs (t) entspricht, und dass er entsprechend seiner Kraft das was er verlangt tut oder das was er ablehnt verlässt. Denn Allah (t) legt jedem nur gemessen an seiner Kraft (geistig und körperlich) Verantwortung auf (Taklif).

Allah (t) sagt:

„So fürchtet Allah, soviel ihr nur könnt, und hört und gehorcht und spendet.“
(Sure At-Tagabun, Aya 16)

Die Taten des Körpers sind gemessen an der Kraft des Körpers. Die Liebe, der Hass, das Verlangen und die Ablehnung aus dem Herzen hingegen müssen ganz (vollständig) und klar sein. Den Mangel in dieser Sache macht nur ein Mangel an Iman deutlich. Ist das Verlangen und die Ablehnung des Herzens ganz und ohne Mangel, und die Taten des Tätigen entsprechend seiner Kraft, so erhält er, wie ich in einem anderen meiner Bücher ausgeführt habe, die Belohnung desjenigen, der diese Tat ganz und ohne Mangel vollbringt. Bei manchen Menschen aber ist ihre Liebe und ihr Hass, ihr Verlangen und ihre Ablehnung, nicht entsprechend der Liebe und dem Hass Allahs (t) und Seines Gesandten (s), sondern entsprechend ihrer Nafs (Ego). Das jedoch ist eine Form der Hawa (Die Gelüste des Egos). Wenn der Mensch diesen Weg beschreitet ist er einer der seiner Hawa folgt.

„Doch wenn sie dir nicht Folge leisten, dann wisse, dass sie nur ihrer eigenen Hawa folgen. Und wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“
(Sure AI-Qasas, Aya 50)

Denn die Grundlage für die Gelüste des Egos ist die Liebe des Egos. Diese wird gefolgt von der Zuneigung oder Abneigung des Egos. Das die Liebe und der Hass des Egos nicht kontrolliert werden können ist nicht zu kritisieren, zu kritisieren aber ist, wenn man sich von der Liebe und dem Hass des Egos beherrschen lässt.

Allah (t) sagt:

„O Dawud, Wir haben dich zu einem Kalifen auf Erden gemacht; richte darum zwischen den Menschen in Gerechtigkeit und folge nicht deiner Hawa, damit sie dich nicht vom Weg Allahs abirren lässt.“
(Sure Sad, Aya 26)

Und:

„Wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“
(Sure AI-Qasas, Aya 50)

Und Rasulullah (s) sagt:

„Drei Sachen sind rettend:

  1. Die Furcht vor Allah im Offenen und Verborgenen.
  2. Sparsamkeit in Armut und Reichtum.
  3. Die Wahrheit sagen im Zorn und im Wohlbefinden.

Drei Sachen sind vernichtend:

  1. Geiz, dem man sich unterwirf;
  2. Den Gelüsten Folge leisten;
  3. Arroganz.“

(vgl. Abu Dawud, Malahim 17)

Ist das Geliebte oder das Verhasste gefunden, so folgt die geliebte oder verhasste Empfindung, die Aufregung, das Verlangen und dergleichen. Wer diesen Folge leistet ohne einen Befehl von Allah (t) und Seinem Gesandten (s) erhalten zu haben, begibt sich in die Lage desjenigen, der ohne eine Führung Allahs (t) seinen persönlichen Neigungen folgt; es kann sogar so weit kommen, dass derjenige seine Hawa zu seinem Gott erhebt.

In Sachen der Religion seinen persönlichen Neigungen (Hawa) zu folgen ist gefährlicher, als ihnen in weltlichen Sachen zu folgen. Denn das erstere ist das was die Ahlu l-Kitab und die Götzendiener (Muschrikun) gemacht haben.

So sagt Allah (t):

„Doch wenn sie dir nicht Folge leisten, dann wisse, dass sie nur ihrer eigenen Hawa folgen. Und wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt? Wahrlich, Allah leitet das ungerechte Volk nicht.“ (Sure AI-Qasas, Aya 50)

„Er prägt euch ein Gleichnis aus eurer eigenen Lage. Habt ihr unter denen, die ihr von Rechts wegen besitzt (Sklaven), Teilhaber an dem, was Wir euch beschert haben? Seid ihr darin also gleichgestellt und fürchtet ihr sie etwa, wie ihr einander furchtet? So machen Wir die Zeichen klar für ein Volk, das begreift. Doch die Ungerechten folgen ohne Wissen ihren persönlichen Neigungen (Hawa). Und wer kann den leiten, den Allah zum Irrenden erklärt? Für solche wird es keine Helfer geben.“
(Sure Ar-Rum, Aya 27-28)

„Warum solltet ihr denn nicht von dem Essen, worüber Allahs Name ausgesprochen wurde, wo Er euch bereits erklärt hat, was Er euch verboten hat – das ausgenommen, wozu ihr gezwungen werdet? Und gewiss, viele führen mit ihren Gelüsten durch Mangel an Wissen zum Irrweg. Wahrlich, dein Herr kennt die Übertreter am besten.“
(Sure AI-An’am, Aya 119)

„Sprich: O Leute der Schrift, übertreibt nicht zu unrecht in eurem Glauben und folgt nicht den Gelüsten von Leuten, die schon vordem irregingen und viele irregeführt haben und weit vom rechten Weg abgeirrt sind.“
(Sure AI-Maida, Aya 77)

„Mit dir werden weder die Juden noch die Christen zufrieden sein, bis du ihrem Glauben folgst. Sprich: ‚Wahrlich, die Rechtleitung Allahs ist die einzig wahre Rechtleitung.’“ Und wenn du ihrer Hawa folgst, nachdem zu dir das Wissen gekommen ist, so wirst du vor Allah weder Freund noch Helfer haben.“
(Sure AI-Baqara, Aya 120)

„Doch solltest du ihrer Hawa folgen nach dem, was dir an Wissen zugekommen ist, so würdest du bestimmt zu denen gehören, die Unrecht tun.“
(Sure Al-Baqara, Aya 145)

„Und du sollst zwischen ihnen nach dem richten, was von Allah herabgesandt wurde; und folge nicht ihren Neigungen, und sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht bedrängen und von einem Teil dessen, was Allah dir herabgesandt hat, wegtreiben.“
(Sure AI-Maida, Aya 49)

Aus diesem Grund akzeptiert man diejenigen islamischen Gelehrten und Diener, so wie sie auch die Salaf as-Salihin (die tugendhaften Nachfolgegenerationen) als Ahlu l-Hawa gekennzeichnet haben, die sich von dem entfernen, was der Quran und die Sunna erfordert, von den Leuten die ihren persönlichen Neigungen folgen (Ahlu l-Hawa). Denn jeder der nicht dem Wissen folgt, folgt den Gelüsten seines Egos. Religiöses Wissen ist nur durch die Rechtleitung Allahs (t) und über die Propheten, die Er deswegen geschickt hat, zu erlangen.

Aus diesem Grund sagt Allah (t):

„Und gewiss, viele führen mit ihren Gelüsten durch Mangel an Wissen zum Irrweg.“
(Sure AI-An’am, Aya 119)

„Und wer ist irrender als der, der ohne Führung Allahs seiner eigenen Hawa folgt.“
(Sure AI-Qasas, Aya 50)

Des Menschen Aufgabe ist es zu erkunden, ob seine persönliche Liebe und Hass, und die Stärke dieser Liebe und des Hasses, den Befehlen Allahs (t) und Seines Gesandten (s) angemessen sind. Denn dies (die Befehle) ist die Rechtleitung die Allah (t) Seinem Gesandten herabsandte, sofern diese bestimmte Liebe oder Hass befohlen ist. Somit würde er auch nicht Allah (t) und Seinem Gesandten (s) zuvor kommen.

Denn Allah(t) sagt:

„O ihr, die ihr glaubt, kommt nicht Allah und Seinem Gesandten zuvor, und fürchtet Allah.“
(Sure AI-Hujurat, Aya 1)

Denn wenn jemand liebt oder hasst ohne hierfür einen Befehl von Allah (t) erhalten zu haben, liegt hier eine gewisse Form von Allah (t) und Seinem Gesandten (s) zuvorkommen vor. Die unabhängige, ungebundene Liebe und Hass sind Gelüste des Egos. Aber wenn sie ohne Rechtleitung Allahs (t) empfunden wird, ist sie verboten (Haram).

Deswegen sagt Allah (t):

„…und folge nicht deinen persönlichen Neigungen, damit sie dich nicht vom Wege Allahs abirren lassen.“ Wahrlich jenen, die von Allahs Weg abirren, wird eine strenge Strafe zuteil sein, weil sie den Tag der Abrechnung vergaßen.“
(Sure Sad, Aya 26)

Allah (t) weist uns daraufhin, dass das Befolgen der Hawa den Menschen vom Wege Allahs (t) abirren lässt. Der Weg Allahs (t) ist die Rechtleitung, die Er Seinem Gesandten herab gesendet hat.

Dieses ist der Weg der zu Allah (t) führt.»

(Imam Ahmad ibn Taymiyya, Alamr bi-l-maʿrūf wannahy ʿani-l-munkar, übersetzt von aazara.net in „Das Gute gebieten und das Schlechte verbieten“)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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