Buchauszug: Emile von Laveleye – Welchem Volke die Muselmanen auch angehören mögen … (1886)

„Welchem Volke die Muselmanen auch angehören mögen, ob sie Türken, Albanesen, Slawen, Kaukasier, Araber, Kabilen, Hindus oder Malaien sind, so gleichen sie sich doch immer und überall. Die Religion durchdringt jede Ader ihres geistigen Lebens und drückt ihnen allen den selbigen Stempel auf. Sie sind gut, lieben Kinder, Hunde und Pferde und werden dieselben nie misshandeln; ja, sie bringen es kaum fertig, eine Fliege tot zu schlagen. So lange sie von den Einflüssen des Abendlandes unberührt bleiben, sind sie durch und durch ehrlich. In Smyrna, so hörte ich, übergibt man einem armen türkischen Kommissionär bedeutende Summen, und nie kommt eine Unterschlagung vor. Auf einen Christen könnte man sich unter den gleichen Verhältnissen viel weniger verlassen. Der Moslim vom alten Schrot und Korn ist fromm, und seine Bedürfnisse haben nur einen sehr bescheidenen Umfang. Vom Eigentum anderer Leute hält ihn also zunächst seine Religion zurück; es stacheln ihn auch keine Begierden, weil er fast nichts gebraucht. Nimmt man ihm aber seinen Glauben und gibt ihm dafür die Genüsse, welche der Luxus unter dem Namen „Zivilisation“ umherstreut, so ist er unrettbar verloren.“

(Prof. Emile Louis Victor von Laveleye, Die Balkanländer, Band 1, ©1886, Seite 226)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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