Buchauszug: Herman Heinrich Frank – Die immer gleiche Physiognomie des Orients

„Der Orient hat nun einerseits eine ganz strenge Richtung, die den metaphysischen Lehrmeinungen der Religion eine unbedingte Herrschaft zugesteht. Die Beurteilung des Handelns im Jenseits äußert eine direkte Wirkung aufs Diesseits. (Diese Beziehung wird natürlich vermittelt durch eine die Zukunft vorauswissende Gottheit.)

Es ist seltsam, daß man diesen dem Orient eigenen unwiderstehlichen Drang zu glauben, diese Begabung für Religion als eine Art Dressur durch den Islam ansieht, während umgekehrt aus dieser Stimmung Muhamed den Anstoß zum Islam gab und dieser wegen seines Erdgeruchs im Orient sich fester setzte als Juden- und Christentum.

Andrerseits aber hat der Orient eine gewisse naive Sinnlichkeit zum zwangslosen Ausdruck gebracht. Die Lebenshaltung ist bei dem allen viel frugaler als bei uns. Die berufensten Kenner des Orients pflegten die Frage, wie der Orient bei einem so augenfälligen Zerfall im öffentlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben sich immer eine gleiche Physiognomie erhalte, dahin zu beantworten, daß dies der frugalen Lebenshaltung der einzelnen zuzuschreiben sei.“

(Herman Heinrich Frank, Das Abendland und das Morgenland – Eine Zwischenreichbetrachtung von Herman Frank, ©1901, Seite 13)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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