Buchauszug: Roland Baader – Der demokratische Wohlfahrtsstaat in Zahlen

„Macht und politische Gewalt fangen mit Geschenken und Versprechungen an. Das gilt jedenfalls für eine Institution, die ihre Geschenke nicht aus selbsterwirtschaftetem Eigentum verteilen kann: den Staat. Jeden einzelnen Euro, den der Staat irgendjemandem zuweist, muß er einem anderen – oder mehreren anderen, darunter oft auch den Beschenkten selber – vorher oder nachher wegnehmen. (Das „nachher“ funktioniert hauptsächlich über die Staatsverschuldung). Das bedeutet bei jeder Art der Geschenke oder Wohltaten eine doppelte Machtentfaltung: bei der räuberischen Nehmerfunktion und bei der bestechenden oder Abhängigkeit schaffenden Geberfunktion. In beiden Sphären – auf der Nehmerseite und auf der Geberseite – vergrößert sich die Staatsmacht zudem durch die Tatsache, daß die Zahl der direkt oder indirekt für den Staat tätigen Menschen wächst und in unmittelbare Abhängigkeit vom Machtapparat gerät.

Diese Vorgänge nehmen im Sozialstaat ungeheuerliche Dimensionen an. So hat sich die Summe der sozialen Wohltaten in Deutschland zwischen 1960 und 2000 verneunzehnfacht. Mit 1,2 Billionen Mark wird ein Drittel des gesamten Sozialprodukts Jahr für Jahr für „Soziales“ ausgegeben. Wer profitiert davon? Die Bedürftigen jedenfalls stellen die weitaus geringste Zahl an Profiteuren. Das zeigt sich schon an einem einfachen Rechenexempel: Zu den wirklich Bedürftigen zählen maximal fünf Prozent der Bevölkerung. Würde man die 1,2 Billionen Mark an sie ausschütten, so müßte jeder einzelne Bedürftige im Jahr dreihunderttausend Mark bekommen. Die wahren und hauptsächlichen Profiteure kommen bei einer anderen Rechnung ans Licht: Auf jeden Bedürftigen in Deutschland kommen nämlich heute zehn Personen, die damit beschäftigt sind, die Sozialtransfers zu verwalten, zu manipulieren, zu verplanen und hin- und herzuschieben.

Dieses gewaltige Millionenheer umfaßt nicht nur die Beamten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes, sondern auch das Personal der nur indirekt mit dem Staatsapparat verknüpften Verbände und Organisationen. So führen z.B. allein die fünf großen Wohlfahrtsverbände – Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasver-band, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk der Evangeligelischen Kirche in Deutschland, und Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland – weit über eine Million Personen auf ihren Lohn- und Gehaltslisten.“

(Roland Baader, Totgedacht – Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören, Seite 142-144)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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