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Zitat: Horkheimer & Adorno – Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen

«Der Mythos geht in die Aufklärung über und die Natur in bloße Objektivität. Die Menschen bezahlen die Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem, worüber sie die Macht ausüben. Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann.»

 – Max Horkheimer & Theodor W. Adorno (Dialektik der Aufklärung)

Kurz gesagt: Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes

Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes ist in meinen Augen absolut widersprüchlich und basiert entweder auf Unwissenheit oder Geschichtsvergessenheit.

Ohne die philosophische Konstruierung dieses „kältesten aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche) namens STAAT, wäre die Schaffung seiner verfassungsmäßigen Bändigung gar nicht nötig gewesen.

Die abendländische Aufklärung hat dem Staat (als Institution) sämtliche Gewalt und Macht (als Monopol) zugeführt und zur Grundlage seines Handelns eine wandelbare Ethik und ein positives (willkürliches) Recht zugelassen.

Das Grundgesetz ist ein Beleg für die gewaltige Gefahr, die von einem rechtspositivistischen Gewaltstaat ausgeht und es müsste uns mit Scham und Trauer schlagen, dass wir ein solches Konvolut an Reglementierungen brauchen um die Menschen vor der Willkür ihrer institutionaliserten Autorität zu schützen.

Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt, lehne ich kategorisch ab

von Yahya ibn Rainer

Jede konstituierte muslimische Gruppierung, die sich um staatliche Macht bewirbt – ob kriegerisch oder demokratisch – lehne ich kategorisch ab.

Den Muslimen ist das Wissen um die Entstehung natürlicher Autoritäten abhanden gekommen und es fehlt ihnen nicht selten auch die nötige Bescheidenheit um solche Autoritäten anzuerkennen.

Familien, Sippen, Stämme und ihre Oberhäupter wurden durch Vereine, Verbände, Parteien und ihre politischen Strategen ersetzt.

Die Moderne infiziert die muslimische Gemeinde vor allem mit ihren Krankheiten. Während die Muslime auf den Gebieten der Wissenschaften und Technologien hinterherhinken (gelinde ausgedrückt), kopieren sie jedoch allzu gern und erfolgreich die Resultate der modernen Wohlstandsgesellschaft.

Die Atomisierung der Gemeinschaft, die Herauslösung des Individuums aus seinen natürlichen Abhängigkeiten, die Überführung dieser Abhängigkeiten an den modernen Überstaat und die gleichzeitige Aufrechterhaltung der Illusion von Selbstbestimmung und Freiheit sind Phänomene, die den Muslim lähmen und ihn in das Denkkorsett des demokratischen Wohlfahrtsstaates zwingen.

Dass man sich in Form von Gruppierungen und Parteien um staatliche Macht bewirbt, ist eine dieser kranken Ideen der Moderne. Allein im Wort „Partei“ ist schon der Frevel eingebaut, der in dieser Idee steckt, denn es handelt sich lediglich um einen „Part“ (Teil) der Gesamtheit, der unabhängig und in sich eigene Hierarchien und Autoritäten erzeugt.

Der personelle Aufstieg in solch geschlossenen Konstrukten funktioniert komplett anders als in natürlichen Gesellschaftsformen. Wer es in einer Partei oder Gruppierung zur Führungspersönlichkeit bringt, muss dazu im gesamtgesellschaftlichen Kontext längst nicht in der Lage sein. Das jedoch ist eine Voraussetzung für anerkannte Autorität. Denn nur eine allgemein anerkannte Autorität, die gesamtgesellschaftlich in der Lage war aufzusteigen, kann sich an der Spitze mit anderem beschäftigen, als mit der Aufrechterhaltung der eigenen Machtposition.

Nicht Führerschaft und Staat sollte der Muslim im Guten fokussieren und anpeilen, sondern die Zivilgesellschaft, denn sie allein legitimiert das Oberhaupt und führt seinem Staat das Personal zu. Nicht Herrscher und Staat erziehen das Volk, sondern das Volk erzieht die Obrigkeit.

Und vor allem muss uns wieder klar werden, dass der Staat – die Dawla – weder Selbstzweck noch Pflichtteil im Islam ist. Der Staat, wie er heute von fast allen Muslimen gedacht wird, ist den primären Quellen des Islams vollkommen fremd. Er hat sich in der langen Staatsgeschichte vielmehr als ein Instrument erwiesen, welches den Status des reinen Nutzens schnell verliert und sich zum Mittel für Despotie und Ausbeutung wandelt.

Deshalb verdient der Staat keinerlei Preisung und besonderes Vertrauen, wie es durch zahlreiche muslimische Gruppen und Parteien heute geschieht, sondern er braucht eine aufmerksame und kritische Kontrolle durch zivilgesellschaftliche Autoritäten und die wahre islamisch legitimiert Obrigkeit, nämlich den Amir.

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XV)

„Nichts ist der Macht verboten, falls ihr Ursprung sie legitimiert, wie der Demokrat es lehrt.“

„Der Demokrat ist dazu imstande, selbst sein Interesse seinem Ressentiment zu opfern.“

„Dem Demokraten genügt es nicht, dass wir respektieren, was er mit seinem Leben machen will, er verlangt darüber hinaus, dass wir respektieren, was er mit unserem machen will.“

 

Buchauszug: Roland Baader – Der demokratische Wohlfahrtsstaat in Zahlen

„Macht und politische Gewalt fangen mit Geschenken und Versprechungen an. Das gilt jedenfalls für eine Institution, die ihre Geschenke nicht aus selbsterwirtschaftetem Eigentum verteilen kann: den Staat. Jeden einzelnen Euro, den der Staat irgendjemandem zuweist, muß er einem anderen – oder mehreren anderen, darunter oft auch den Beschenkten selber – vorher oder nachher wegnehmen. (Das „nachher“ funktioniert hauptsächlich über die Staatsverschuldung). Das bedeutet bei jeder Art der Geschenke oder Wohltaten eine doppelte Machtentfaltung: bei der räuberischen Nehmerfunktion und bei der bestechenden oder Abhängigkeit schaffenden Geberfunktion. In beiden Sphären – auf der Nehmerseite und auf der Geberseite – vergrößert sich die Staatsmacht zudem durch die Tatsache, daß die Zahl der direkt oder indirekt für den Staat tätigen Menschen wächst und in unmittelbare Abhängigkeit vom Machtapparat gerät.

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