Buchauszug: Schmitz du Moulin – In der Verwaltung etc. huldigt kein Muselman dem allgemeinen Stimmrecht … (1904)

„In der Verwaltung etc. huldigt kein Muselman dem allgemeinen Stimmrecht oder ähnlichen sogenannten gebildeten oder fortgeschrittenen Ideen Europas. Diese Ansichten können ihm höchstens Mitleid mit den Europäern einflößen, die sich so von der Hefe des Volkes leiten lassen, die auch theoretisch nicht anerkennen, daß es bessere, tüchtigere Leute unter ihnen gibt. Er weiß, er fühlt, daß es für den edlern Menschen keine höhere Tugend gibt, als die des Gehorsams.

Der Moslim hat stets gesunde, vernünftige, aristokratische Prinzipien gehabt, jedoch nicht die einer bevorzugten Klasse. Einen Adel kann er als Klasse nie anerkennen, es sei denn, daß alle Gläubigen dazu gehören. Dieser Stolz ist ihm so fremd, ja so unsympathisch, daß er aus diesem Grunde keine Familiennamen haben will, weil diese Anlaß zu dem irreligiösen, unbrüderlichen, eiteln Familienstolz geben könnten.

Jedoch hat jeder Moslim die höchste Achtung und Ehrfurcht vor besseren Menschen, gleichviel in welcher Stellung sie sich befinden, wer oder was seine Eltern waren. (Dies muß auch bei den alten Juden der Fall gewesen sein, denn moderne Pharisäer — und welcher Europäer ist kein Pharisäer? — würden Jesus wegen seiner Geburt etc. nicht bei sich zu Tische laden.) Wie ist demgegenüber das Verhalten der Christen? — Denkt euch Christus, barfuß, barhaupt, ein armer, wandernder Rabbiner, eintretend in eine moderne Gesellschaft mit ihren Affenkostümen, mit dem Kneifer vor dem Auge, ihren dekoletierten Damen (?), ihren gehirnlosen, frivolen Gesprächen, ihren faden Witzen, ihren abgelebten Gesichtern, ihren blöden Augen, ihrem zynischen Munde.

Denkt euch den europäischen komplizierten Apparat mit seinem schwatzenden Parlament, seinem Parteigetriebe, wo meilenlange Reden gehalten werden, die doch für die Gegenpartei niemals die geringste Beweiskraft haben, da niemand überzeugt sein will, wo jeder nur das Allerwelts-Privilegium aller Narren haben will, nach seiner Meinung zu urteilen. Von den europäischen Regierungen ist denn auch nur die russische die einzige, die dem Muselman in etwa imponiert.“

(Muhammad Adil Schmitz du Moulin, Der Islam ©1904, Seite 257-258)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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