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Buchauszug: Ibn al-Athir – Als die Hanbaliten [323 n.H.] in Bagdad aktiv und mächtig wurden

«Im Jahre 323 (n.H.) wurden die Hanbaliten aktiv und mächtig. Sie begannen, in die Häuser von Offizieren und einfachen Leuten einzudringen, und wenn sie Wein fanden, schütteten sie ihn fort, und wenn sie eine Sängerin fanden, schlugen sie sie und zerbrachen ihre Instrumente.

Sie behinderten den Handel und mischten sich ein, wenn Männer mit Frauen und Knaben gingen. Wenn sie so etwas sahen, fragten sie den Mann über seinen Begleiter, und wenn ihnen seine Antwort nicht genügte, schlugen sie ihn, schleppten ihn zum Polizeichef und beschuldigten ihn der Unzucht. So schufen sie Unruhe in Bagdad.

Badr al-Kharsani, der Polizeichef, ritt am 10. Jumada ll aus und erließ in beiden Teilen Bagdads Aufrufe gegen die Gefährten des Abu Muhammad al-Barbahari, die Hanbaliten, wonach sich keine zwei von ihnen versammeln durften und ihre Imame nicht (vor)beten durften, ohne die Morgen- und Abendgebete (laut) mit „Bismillahi-r-rahmani-r-rahim“  zu beginnen.

Doch das nütze nichts, und ihr unseliges und Unruhe stiftendes Tun nahm zu. Sie suchten Hilfe bei den Blinden, denen die Moscheen als Unterkunft dienten, und wenn Anhänger der schafiitischen Rechtsschule vorbeigingen, stachelten sie die Blinden gegen sie auf, und diese schlugen sie mit ihren Stöcken fast zu Tode.

Eine Verordnung des Kalifen ar-Radi gegen die Hanbaliten wurde erlassen, die deren Vorgehen tadelte und sie anthropomorphischer Glaubensvorstellungen und anderer Lehren bezichtigte und in der es hieß:

„Ihr behauptet, eure hässlichen und abscheulichen Gesichter seien nach dem Bilde des Herrn der Welten geschaffen und eure abstoßende Gestalt sei Sein Abbild; ihr sprecht von Seinen Händen, Fingern, Füßen, goldenen Schuhen und Socken, auch davon, dass Er zum Himmel aufsteige und auf die Erde herabkomme – Allah sei hoch erhaben über all das, was Sünder und Ungläubige über Ihn sagen.

Dann verleumdet ihr die besten Imame und bezichtigt die Anhänger der Familie Muhammads – Allah segne und beschütze ihn – des Unglaubens und des Irrtums. Dann ruft ihr die Muslime zur Religion auf mit offensichtlichen Neuerungen und Irrlehren, die im Koran nicht bezeugt sind, und lehnt den Besuch der Imamgräber ab und beschimpft diejenigen, welche sie besuchen, und bezichtigt sie der Neuerung; doch gleichzeitig versammelt ihr euch und besucht das Grab eines Mannes aus dem einfachen Volk, eines Mannes ohne Ansehen, Abstammung oder Verschwägerung mit dem Gesandten Allahs – Allah segne und beschütze ihn – und befielt auch den Leuten es zu besuchen, und nehmt für ihn die Wunder der Propheten und er Heiligen in Anspruch.

Allah verfluche den Teufel, der euch solcherlei Abscheulichkeiten vorgaukelte, ebenso wie das, was ihn in die Irre führte. Und nun leistet der Fürst der Gläubigen einen heiligen Eid, dessen Erfüllung zwingend ist, dass er über euch, solltest ihr euch nicht von euren verderblichen Lehren und krummen Wegen abwenden, Schläge und Verbannung, Tod und Beseitigung bringen und gegen eure Hälse das Schwert und gegen eure Wohnungen das Feuer gebracht wird.“»

(Ibn al-Athir, in seinem Geschichtswerk Al-kamil fī t-tarīh, übersetzt von Bernard Lewis bzw. Hartmut Fähndrich in Der Islam in Originalzeugnissen – Band 2: Religion und Gesellschaft, Seite 27)

Ibn Baqqals Traum, nach dem Massaker der Mongolen in Bagdad

Sheikh Afif al-Din (Yusuf ibn Ali ibn Ahmad, besser bekannt als) Ibn Baqqal der Hanbalite (gest. 668 n.H.), erzählt, dass er während seiner Zeit in Ägypten über den Massenmord informiert wurde, der in Bagdad während der Invasion der Mongolen stattfand.

Als er von dieser katastrophalen Tragödie erfuhr, sagte er, dass er sich äußerst unwohl und innerlich aufgewühlt fühlte und dachte: „Herr, wie konnte das passieren? Es gab unschuldige, reine Kinder unter ihnen, und solche, die keinerlei Verbrechen schuldig waren, die nichts getan haben was eine solche schreckliche Strafe rechtfertigen könnte!“

Er sagt, dass er später einen Traum sah, in dem ein Mann ein Buch hielt. Er nahm das Buch, öffnete es und fand folgende poetische Verse darin (hier in ungefährer deutscher Bedeutung):

„Leg‘ sie beiseite deine Einwände, denn weder die Entscheidung liegt bei dir, noch das Urteil über den Fortlauf des Kosmos.

So frage Allah nicht nach seinen Taten, denn wer in die Tiefen des Meeres (oder auf den tiefen Grund des Meeres) stürzt, geht zugrunde.

Ausschließlich zu Ihm kehren alle Angelegenheiten seiner Diener zurück; so leg‘ beiseite deine Einwände – wie unglaublich unwissend/ahnungslos du doch bist.“

[Ibn Rajab, im Appendix zu seinem Werk „Generations of Hanbalites“, 4:101 / Ibn Kathīr “Beginning and End” 13:295]

Übersetzt aus dem Englischen von Yahya ibn Rainer. Quelle: The Hanbali Madhab.