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Buchauszug: Markus v. Hänsel-Hohenhausen – Die moderne westliche Gesellschaft

„Zweifellos hat das neue Denken die westliche Gesellschaft auch in einem nie gekannten Maß modernisiert. Das Mythenverbot der Aufklärung ermöglichte eine Rationalisierung, die die Gleichschaltung des Individuums in industrialisierte Arbeitsprozesse, in die technologische Erziehung und in seine Vereinzelung vor den Bildschirmen vorbereitete. Die Leugnung des Mythischen, das der Sinn ist, wie wir ihn in der Familie, in einer Lebensaufgabe und in der Erzählung unserer Biographie erfahren (und der allein uns frei machen kann), ist der Preis für diese Modernisierung.

Wahr („objektiv“) soll jetzt nur sein, was das Subjekt durch sein fehlerhaftes Rechnen und Messen beweisen kann, als sog. Szientismus ein zu hinterfragender Wissensglaube. Alles andere sei „subjektiv“ und könne keinen Anspruch auf Wahrheit erheben, also all das, was wir nicht anfassen (nicht „begreifen“) können, Liebe, Hoffnung und Freude, die Essenz unseres Daseins, ein geistiger Sinn unseres Lebens, der, weil wir ihn nicht beweisen können, aber deshalb kein blinder Glauben ist, weil wir ihn wissen, ein Glaubenswissen ist.“

(Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, Hitler und die Aufklärung – Der philosophische Ort des Dritten Reiches, Seite 25)

Auszug: Dominik Tischleder – Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ ist womöglich Ausdruck eines verzweifelten Relativismus

«Nun, da nach Lage der Dinge das „Abendland“ wie auch die „Leitkultur“ nicht mehr vorhanden sind, sondern faktisch, egal wie bedrohlich oder sonstwie unschön man das findet, einem Pluralismus der Lebensformen weichen mussten, ist all das, was dann einem „Abendländer“ als besonders „abendländisch“ gilt, für seine Mitbürger nicht mehr unmittelbar einsichtig und bindend. Deshalb kann man in leichter Abwandlung Carl Schmitts formulieren: „Wer Abendland sagt, will geltend machen und durchsetzen. Tugenden übt man aus; Normen wendet man an; Befehle werden vollzogen, aber das Abendland wird gesetzt und durchgesetzt.“

In der Benutzung des Begriffs spiegelt sich eine Machtfrage: Wer interpretiert die Geschichte? Gleichsam also das Interesse derjenigen, die sie beantworten und nun auf Durchsetzung drängen. Vor allem wird das, was „Abendland“ inhaltlich ausmachen soll, rettungslos durch die jeweils gerade aktuellen politischen Lagen und Wertvorstellungen bestimmt, heute sind es eben die „judeo-christlichen Werte“, früher mehr die Werte der „Volksgemeinschaft“ oder die Abendlandwerte der „Grand Nation“.

Die hilflose Anrufung des „Abendlandes“ in politischer Absicht ist, entgegen seiner Intention, womöglich selbst Ausdruck eines verzweifelten Relativismus, denn in der Nutzbarmachung ist sie eben nicht Ausdruck einer Gemeinschaft, die versucht, das Gute zu erkennen und zu tun, sondern selbstgerechter Ausdruck derer, die die Wahrheit beziehungsweise das, was sie dafür halten, bereits gefunden haben. Ein Zug zur Gesinnungsschnüffelei wird so unvermeidlich, denn um Gesinnung geht es ja, wenn man genötigt wird, sich zu irgendwelchen gerade aktuellen „Abendlandwerten“ zu bekennen, nur weil man beispielsweise ein rechtschaffener, hier wohnender Bürger islamischen Glaubens ist.»

(Dominik Tischleder, Pegida und das „Abendland“ – Gegenwartsskizze und Begriffsgeschichte, Magazin eigentümlich frei, Nr. 150, Seite 18-19)

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XLI)

„Die Rhetorik des schlechten Geschmacks erkennt man an ihrer Verneinung der Transzendenz bei hemmungsloser Benutzung ihres Vokabulars.“

„Vorurteile verdummen nur den, der sie für Schlussfolgerungen hält.“

„Wir wollen, dass alles beweisbar sei: um zur Wahrheit zu kommen, ohne intelligent sein zu müssen.“

 

3 mal Nicolás Gómez Dávila (XL)

„Die Feinde des Mythos sind keine Freunde der Wirklichkeit, sondern der Banalität.“

„Wenn wir gut gelaunt unsere Mittelmäßigkeit akzeptieren, lässt uns die Selbstlosigkeit, mit der wir die fremde Intelligenz genießen, fast intelligent werden.“

„Intellektuelle Vulgarität ist das Wissen jener, die nur zu den Wahrheiten ihrer Zeit fähig sind.“

 

Buchauszug: Ibn Khaldun – Über den Umgang mit einer Aussage

„[…] wenn die Seele sich beim Empfang … [einer] Aussage in einem ausgeglichenen Zustand befindet, dann gibt sie ihr die ihr von Rechts wegen zustehende genaue Prüfung und Einsicht, so dass das, was daran wahr ist, vom Unwahren unterschieden werden kann. Wenn sie aber die Parteinahme für eine Meinung oder Glaubensrichtung befallen hat, nimmt sie auf Anhieb solche Aussagen an, die ihr passen. Diese Neigung und Parteinahme ist eine Hülle über dem Auge ihres Einblicks, welche die Kritik und genaue Prüfung verdeckt, so dass sie in die Lage gerät, die Unwahrheit anzunehmen und weiterzuleiten.“

(Ibn Khaldun, Die Muqaddima, übersetzt von Alma Giese, Seite 98)