Gestern auf dem Heimweg

Als wir gestern – von einem abendlichen Ermahungskreis – auf dem Heimweg waren, unterhielt ich mich mit einem jüngeren Bruder, der zur Zeit auf Lehramt studiert. Natürlich wird man bei solch einem Studienfach ordentlich auf Linie gebracht, speziell was religiöse Ansichten angeht. Religiöser Relativismus ist angesagt, obwohl ein fester atheistischer Standpunkt gewiss am liebsten gesehen wird. So erzählte er mir von einem Seminar, an welchem neben eben solcher Atheisten auch einige bekennende Christen teilnahmen.

Es kam wohl schnell zum Thema Islam und Rückständigkeit, und dem Bruder wurde dann auch von einigen Christen vorgeworfen, dass das Problem im Islam sei, dass er sich – im Gegensatz zum Christentum – nicht dem Zeitgeist anpasst und seit 1400 Jahren quasi komplett unverändert geblieb. „Was soll man denn zu solch einem Vorwurf sagen?“, fragte mich der Bruder „Ist es nicht genau das was wir am Islam so schätzen?“

Und recht hat er, genau das schätzen wir am Islam. Er hat sich seit seiner Offenbarung nicht geändert. Aber wie erklärt man das schlüssig einer Versammlung von Atheisten und Christen, die genau diesem Umstand als rückständig definieren? Ich empfahl ihm mal die Lektüre meines Blogbeitrags Ein Dankeschön an meinen Physiklehrer, Herrn K.. Dort gibt es nicht nur eine gepfefferte Demokratiekritik, sondern auch eine Antwort darauf, warum alte Wahrheiten wahr bleiben und nicht mit dem Zeitgeist ausgetauscht, abgeschafft oder relativiert werden müssen. Oder wie es Herr K. formulierte:

„Außerdem ist dieses Gesetz im Schulbuch von einem gewissen Archimedes formuliert worden. Der lebte vor weit über 2000 Jahren. Das ist doch heute garnicht mehr zeitgemäß, wir leben immerhin im 20. Jahrhundert, oder?“

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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