Max Horkheimer – Die Vernunft kommt zu sich selbst, indem sie ihre eigene Absolutheit negiert

«Ewige Ideen, die dem Menschen als Ziele gelten sollen, zu vernehmen, in sich aufzunehmen, hieß seit langer Zeit Vernunft. Für jeweils vorgegebene Ziele die Mittel zu finden, gilt dagegen heute nicht allein als ihr Geschäft, sondern als ihr eigentliches Wesen.

Ziele, die einmal erreicht, nicht selbst zu Mitteln werden, erscheinen als Aberglaube. Diente Gehorsam gegen Gott seit je als Mittel, seine Gunst zu gewinnen, wie andererseits als Rationalisierung jeder Art von Herrschaft, Eroberungszügen und Terrorismus, so haben theistische wie atheistische Aufklärer seit Hobbes die Gebote als gesellschaftlich nützliche Moralprinzipien interpretiert, die ein möglichst reibungsloses Leben, friedlichen Verkehr von Gleichgestellten, Achtung bestehender Ordnung fördern sollten.

Sei vernünftig, heißt, des Theologischen entkleidet: Beachte die Regeln, ohne die das Ganze wie der Einzelne nicht leben kann, denke nicht bloß für den Augenblick. Die Vernunft kommt zu sich selbst, indem sie ihre eigene Absolutheit, Vernunft im empathischen Sinn, negiert und sich als bloßes Instrument versteht.»

Max Horkheimer, Zur Kritik der instrumentalen Vernunft, Fischer Taschenbuchverlag, Seite 7

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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