Auszug: Jan von Flocken – Wahlarithmetiker und Demokratielobhudler

Der deutsche Historiker und ausgezeichnete Journalist Jan von Flocken in einem Interview mit eigentümlich frei, auf die Frage: „Gehen Sie eigentlich wählen?“

„Allenfalls zur Bürgermeisterwahl in meiner brandenburgischen Kleinstadt. Ansonsten ist es mir schlichtweg peinlich, wie die meisten Deutschen alle vier Jahre an die Urne pilgern und gleichzeitig die Überzeugung hegen, es würde sich „ja doch nichts ändern“ oder „die da oben machen doch was sie wollen“. Warum bleiben die Leute mit solcher Meinung dann am Wahltag nicht einfach zu Hause? Bei einer Wahlbeteiligung im Bund von unter zehn Prozent würden selbst die lautstärksten Wahlarithmetiker und Demokratielobhudler erheblich Probleme bekommen. Wer meint, unbedingt etwas in diesem Land ändern zu müssen, sollte zumindest dem System der Fassadendemokratie seine Verachtung zeigen, indem er sich nicht von ihm als Trauzeuge missbrauchen lässt. Doch viele Deutsche scheinen einfältigen Stolz zu empfinden, wenn sie alle vier Jahre ein paar Kreuzchen machen dürfen.“

(Journalismus in der DDR und danach: Fakten stören – damals wie heute, Interview mit Jan von Flocken in eigentümlich frei Nr.133, Seite 37)

Ähnliche Beiträge

Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.