Buchauszug: Markus v. Hänsel-Hohenhausen – Das Dritte Reich, durchaus kein Unfall der Geschichte

„Im Lichte seiner philosophischen Voraussetzungen ist das Dritte Reich durchaus kein Unfall der Geschichte, sondern ein (wenn auch extremes) Kapitel, das sich in die Geschichte des Denkens bzw. in die Geschichte der Aufklärung einordnet.

Der Materialismus, der sich im Gefolge der Aufklärung erstmals aller Fesseln entledigen konnte, hat auch den Menschen zum Ding gemacht, das getötet werden darf. An die Stelle eines Ethos, das unveränderlich über den wechselnden Vernunftgründen steht, ist eine vernunftargumentierende und deshalb wechselnde Ethik getreten, die die Tötung von Menschen sogar als ethisch geboten darzustellen weiß und die im April 1945 mit dem Dritten Reich keineswegs verschwunden ist.

Diese ‚rationale Humanität‘ gehört zu den Grundlagen der entspiritualisierten westlichen Gesellschaften.“

(Dr. Markus von Hänsel-Hohenhausen, Hitler und die Aufklärung – Der philosophische Ort des Dritten Reiches, Seite 21)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

1 Gedanke zu „Buchauszug: Markus v. Hänsel-Hohenhausen – Das Dritte Reich, durchaus kein Unfall der Geschichte

  1. Dieser Auszug spricht eine Tatsache aus, die die Nachkriegsgeneration unentwegt versucht, unter dem historischen Teppich zu kehren. Obwohl das Dritte Reich wahrscheinlich zur unangenehmsten Reminiszenz deutscher Geschichte gehört, tun sich viele Deutsche noch heute schwer damit, die tatsächlichen Ursachen dieser Epoche zu ergründen. Denn eines muss man festhalten: Der Nationalsozialismus war weder ein historischer Unfall noch ein unerklärlicher Ausrutscher in der deutschen Geschichte. Er war die kulturgeschichtliche Fortsetzung der Aufklärung; derselben Kulturgeschichte, zu der sich auch die Bundesrepublik bekennt.

    Auf der Suche nach den philosophischen Grundlagen des Nationalsozialismus wird man schnell auf die deutsche Philosophie stoßen. Was nicht bedeutet, dass die Ideen von Kant, Hegel oder Fichte Eins-zu-eins übernommen wurden. Dennoch bildeten sie das intellektuelle Gerüst der Nazi-Ideologie und inspirierten Hitlers Gedankenwelt erheblich. Schließlich gehörten neben besagten Geistesgrößen, Nietzsche und Schopenhauer ebenso zu Führers Lieblingslektüre. Zudem sind die Werke des Deutschen Idealismus nicht der berüchtigten Bücherverbrennung zum Opfer gefallen.

    Man muss zu diesem Thema gar nicht so sehr in die tiefen Gewässer der Philosophie eintauchen. Es würde ausreichen, einen Blick in die Verfassung des Dritten Reiches zu werfen. Dabei erkennt der aufmerksame Leser, dass es sich um keine andere Verfassung handelt, als um jene der Weimarer Republik. Auch wenn viele Artikel im Zuge der Ermächtigungsgesetze von den Nazis aufgehoben wurden, blieben die grundlegenden Prinzipien bis 1945 bestehen, die einen aufgeklärten und modernen Staat ausmachen.

    Es wäre wirklich absurd zu behaupten, diese Entwicklung – die zur damaligen Zeit nicht nur Deutschland durchmachte – hätte nichts mit der europäischen Aufklärung zu tun. Da möchte man den mündigen Bürger weismachen, Adolf Hitler wäre in einer Glaskuppel aufgewachsen, fernab von jeglichen geistig-kulturellen Einflüssen jener Zeit und hätte sich im stillen Kämmerlein eine selbst vernichtende Ideologie ausgedacht. Ebenso wäre es fatal, den Antisemitismus oder den Rassismus als eine deutsche Erfindung abzutun. Ersterer blickt auf eine lange Tradition in der europäischen Geschichte zurück. Der Rassismus und die immer wieder mit der Nazi-Ideologie in Verbindung gebrachte Rassenlehre hingegen, repräsentierte im Grunde genommen nur den wissenschaftlichen Erkenntnisstand der damaligen Zeit.

    Möchte die Nachkriegsgeneration der vielzitierten Vergangenheitsbewältigung tatsächlich gerecht werden, reicht es nicht aus, Denkmäler zu errichten, Dokumentationen über das „Gespenst“ Hitler stündlich zu zeigen oder auf die recht merkwürdige Liaison zum israelischen Staat aufmerksam zu machen, die mich eher an das Stockholm-Syndrom erinnert als an einer geläuterten Politik.

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