Die 8. Frage des “Kritikers”

Zwei Drittel des Fragenkatalogs sind bewältigt wenn ich diese Frage at acta legen kann. Alhamdulillah – aller Lobpreis gebührt dem allmächtigen Gott – der „Kritiker“, Herr Kiwitt, verlässt mit dieser Frage endlich den Pfad seiner erbärmichen Selbstleugnung. Als Angehöriger einer Kulturgemeinschaft, eines Volkes und einer Nation, die den wohl schlimmsten Genozit der neuzeitlichen Weltgeschichte zu veranworten hat, wagte er es tatsächlich, eine Weltreligion in diesen braunen Sumpf ideologischer Verwirrungen hineinziehen zu wollen. Er verharmlost mit dieser Taktik die Verbrechen des europäischen Faschismus und des deutschen Nationalsozialismus im speziellen und scheint verdrängen zu wollen, dass die Divisionen von SS und Wehrmacht mit überwältigender Mehrheit die Bibel im Marschgepäck hatten und nicht den Quran.

Frisch aus dem braunen Sumpf entstiegen, bewegt sich Herr Kiwitt nun auf die nächste Falle zu, nämlich die Quranwissenschaft. Diesem Herrn scheint es an Kühnheit nicht zu mangeln, denn speziell diese Wissenschaft ist äusserst anspruchsvoll und verbucht sogar unter den allergrößten Gelehrten des Islams Meinungsunterschiede. Am Beginn eines anerkannten Quranstudiums steht für den angehenden Großgelehrten das Auswendiglernen des gesamten Qurans. Das sind bei meiner Buchversion aus Saudi-Arabien 604 Seiten. Im Anschluss an diese schier unglaubliche Leistung müssen tausende von Überlieferungen studiert werden, um jede einzelne Aya des Qurans in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Es mutet schon lustig an, wenn ein vollkommen Unwissender (in allen islamischen Wissenschaften) versucht, den Muslim mit einer eigenen Quranexegese zu belehren. Aber lest selbst …

Nun also die 8. Frage des „Kritikers“:

8. Warum gibt es im Koran eine ganze Sure über die Beute / die Kriegsbeute, bestehend aus 75 Versen (Sure 8, Al-Anfal, eine der chronologisch späten, also der endgültigen Suren), aber keine Sure über den Frieden?

Mein Versuch einer Antwort:

Ganz am Anfang muss hier erstmal mit einigen Mythen aufgeräumt werden.

1. Die Chronologie des Qurans ist nicht in Suren aufteilbar: Bis auf einige wenige kurze Suren, am Ende des Qurans, sind die meisten (vor allem langen) Suren nicht am Stück offenbart worden. Es kommt durchaus vor, dass ein Teil der Offenbarung in einer bestimmten Sure ihren Platz bekam und eine chronologische folgende aber in einer anderen Sure.

2. Es gibt keine endgültigen und unendgültigen Suren: Was „Sheikh Kiwitt“ hier eventuell aufgreifen wollte, dass ist die Praxis der Abrogation der Aussage einzelner Ayat (Verse) durch chronologisch folgende, die diese Aussage aufheben. Niemals aber wird eine gesamte Sure ihre Gültigkeit verlieren … vor allem nicht aus dem Grund weil sie chronologisch gesehen am Anfang der Offenbarung stehen soll.

3. Der Titel einer Sure steht nicht gänzlich für den gesamten Inhalt derselbigen: Als Beispiel kann man hier die 2. und längste Sure im Quran heranziehen. Diese Sure heißt al-Baqara, also die Kuh, womit die Kuh gemeint ist, die das Volk Israels auf Allahs Befehl hin für Ihn opfern sollte. Diese Sure hat 286 Ayat (Verse), diese Kuh findet allerdings nur in 4 Ayat (Versen) Erwähnung, nämlich in einem zusammenhängenden Teil zwischen den Ayat 67 und 71.

Mit dieser kurzen Belehrung hat sich ein Teil der Fragestellung eigentlich schon erledigt. Nun also zur Frage Warum? es keine Sure gibt die über den Frieden handelt.

Frieden ist in vielen Suren des Qurans ein Thema. Fast schon bezeichnend ist der Umstand, dass genau in der Sure, die Herr Kiwitt in der obigen Frage erwähnt, gleich die erste Aya (Vers) das Wort Frieden beinhaltet:

„Sie fragen dich nach der (zugedachten) Beute. Sag: Die (zugedachte) Beute gehört Allah und dem Gesandten. So fürchtet Allah und stiftet Frieden untereinander, und gehorcht Allah und Seinem Gesandten, wenn ihr gläubig seid!“

(Sure 8, Aya 1)

Ich werde im Anhang dieses Blogeintrages eine PDF mit der ungefähren Übersetzung der Bedeutung des Qurans in die deutsche Sprache anbieten. Mit der Suchfunktion des PDF-Betrachters kann man schön nach Worten wie Frieden, barmherzig, vergibt usw suchen.
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Für einen Muslim unüblich, wandte ich diese Taktik mit der Suchfunktion auch einmal an, um einige wenige schöne Belege für die Existenz von as-Salaam (Frieden) im Quran zu suchen.
Und macht nicht Allah mit euren Eiden zu einem Hinderungsgrund, gütig und gottesfürchtig zu sein und zwischen den Menschen Frieden zu stiften. Allah ist Allhörend und Allwissend.
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(Sure 2 / Aya 224)

… Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er ihnen wahrlich Gewalt über euch gegeben, und dann hätten sie gegen euch wahrlich gekämpft. Wenn sie sich jedoch von euch fernhalten und dann nicht gegen euch kämpfen, sondern Frieden anbieten, so hat euch Allah keine Veranlassung gegeben, gegen sie (vorzugehen).

(Sure 4 / Aya 90)

Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah! Gewiß, Er ist ja der Allhörende und Allwissende.

(Sure 8 /  Aya 61)

Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, sagen: „Frieden!“

(Sure 25 / Aya 63)

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch die Sure 48 namens al-Fath, was Der Sieg bedeutet. Jetzt könnte man mutmaßen, was der allmächtige Schöpfer hier als Den Sieg bezeichnete. PImaten wie Herr Kiwitt denken dann gewiss sofort an einen erfolgreichen Kriegszug mit reichlich Toten und viel Beute. Aber Allah der Erhabene offenbarte uns diese Sure aus einem ganz anderen Grund. Der Grund für die Offenbarung dieser Sure war das Waffenstillstandsabkommen, dass der Gesandte Allahs, Muhammad -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- mit den Götzendienern von Mekka abschloss.

Das Wort Sieg wird an vielen Stellen des Quran verwendet. Keiner der Siege – außer diesem Waffenstillstandsabkommen von Mekka- wird aber als „offenkundiger“ Sieg bezeichnet, wie ihn Allah der Erhabene gleich in der ersten Aya der Sure nennt:

„…Wahrlich, Wir haben dir einen offenkundigen Sieg beschieden…“

(Sure 48 / Aya 1)

Es wird authentisch überliefert, dass der Gesandte Allahs -Allah segne ihn und schenke ihm Heil- Umar herbeiholen ließ und er rezitierte ihm das, was herabgesandt worden war, worauf Umar fragte: „O Gesandter Allahs, ist dies ein Sieg?“ Und ersagte: „Ja“. (Dies berichtete Muslim)
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Es gilt für diese Angelegenheit das Gleiche, wie auch bei anderen Fragestellungen in diese Richtung. Ich rate jedem Christen, der uns Muslime wegen gewaltsamen und kriegerischen Versen im Quran angreift, einfach mal genau die Bibel zu lesen. Dort geht es nicht nur um Krieg, sondern um die Auslöschung ganzer Völker, samt Müttern, Kindern, Säuglingen und Vieh. Es geht dort ebenfalls auch um Kriegsbeute und Landnahme. Mit derartigen Vorwürfen den Islam und den Quran anzugreifen, ist wie ein Sprung ins eigene Messer.
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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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