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Auszug: Abdul Azim Islahi – Defizitfinanzierung im muslimischen Staatswesen

«Das  Konzept einer Defizitfinanzierung (sprich: Staatsverschuldung) war (im muslimischen Staatswesen) nicht vorhanden und auch nicht die Möglichkeit, wie heute, sich Geld von einer (staatlichen) Zentralbank zu leihen, da es so etwas (wie staatliche Zentralbanken) damals noch nicht gab.

Ebenso waren die Muslimischen Gelehrten [wie bspw. al-Ghazali, Ibn Taymiyyah & al-Maqrizi] gegen die (willkürliche) Entwertung und Manipulierung der Währung, um die Regierungsausgaben zu bewerkstelligen, und dies, weil es die gleichen Ursachen und Wirkungen gehabt hätte wie heutige (staatliche) Schuldenpolitik.

Während der Mamlukendynastie (787 – 922 n.H.)  fand (Währungsmanipulation) jedoch (erstmals) Verbreitung und führte unweigerlich zu einer Inflation. Al-Maqrizi schrieb alle ökonomischen Krisen seiner Zeit dieser Form der Geld- bzw- Schuldenpolitik zu.»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 64, übertragen in die Deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Kurz gesagt: Die Sunnah des westlichen Etatismus

Viele zeitgenössische Muslime haben leider ein Staatsverständnis, welches sich in erschreckender Art und Weise am modernen Staatswesen des Westens orientiert. Weil sie es nie anders gelesen, gesehen und gelernt haben, sind sie der festen Überzeugung, dass nur der Staat Schulen, Universitäten, Straßen, Kanäle und Krankenhäuser bauen und betreiben kann (und darf).

Auch die Wasser- und Stromversorgung, sowie der öffentliche Personennah- und fernverkehr muss ihrer Ansicht nach staatlich ausgebaut und geregelt werden, ebenso wie die allgemeine Bildung und vieles andere mehr.

Was niemand bei alledem realisiert, ist, dass all diese Aufgaben, die der Staat hierzulande übernimmt, dermaßen teuer sind, dass wir mittlerweile eine Staatsquote von etwa 50% haben. Das bedeutet, dass 50% allen Geldes, welches hier in Deutschland über das Jahr hinweg ausgegeben wird, vom Staat stammt. Und wo hat der Staat das ganze Geld her? Ja, von UNS natürlich.

Und obwohl uns der Staat für all seine „Wohltaten“ jedes Jahr Unmengen von Steuern und Abgaben abluchst, hat er nebenbei noch eine gewaltige Summe an Schulden angehäuft, die natürlich auch WIR bezahlen müssen, ob wir wollen oder nicht.

Die Staatsschulden der Bundesrepublik Deutschland betrugen am 31. Dezember 2013 insgesamt € 2.043.700.000.000,00 (Zweitausenddreiundvierzigmilliardensiebenhundertmillionen Euro). Jeder neue Bürger wird also quasi mit einer „Erbschuld“ von knapp €  25.350,00 in diese Welt gesetzt.

Niemand möchte sich in dieser Hinsicht am Staatsverständnis des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – orientieren und niemand sieht die Staatsquoten unter den rechtgeleiteten Kalifen als erstrebenswert. Ohne es laut zu sagen, halten viele diese bewährten Konzepte der geringen Staatsquote für veraltet und rückständig. Die neue Sunnah ist die Sunnah des westlichen Etatismus.