Schlagwort-Archive: Geld

Auszug: Abdul Azim Islahi – Defizitfinanzierung im muslimischen Staatswesen

«Das  Konzept einer Defizitfinanzierung (sprich: Staatsverschuldung) war (im muslimischen Staatswesen) nicht vorhanden und auch nicht die Möglichkeit, wie heute, sich Geld von einer (staatlichen) Zentralbank zu leihen, da es so etwas (wie staatliche Zentralbanken) damals noch nicht gab.

Ebenso waren die Muslimischen Gelehrten [wie bspw. al-Ghazali, Ibn Taymiyyah & al-Maqrizi] gegen die (willkürliche) Entwertung und Manipulierung der Währung, um die Regierungsausgaben zu bewerkstelligen, und dies, weil es die gleichen Ursachen und Wirkungen gehabt hätte wie heutige (staatliche) Schuldenpolitik.

Während der Mamlukendynastie (787 – 922 n.H.)  fand (Währungsmanipulation) jedoch (erstmals) Verbreitung und führte unweigerlich zu einer Inflation. Al-Maqrizi schrieb alle ökonomischen Krisen seiner Zeit dieser Form der Geld- bzw- Schuldenpolitik zu.»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 64, übertragen in die Deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Zitat: Ibn al-Qayyim – Geld in der Hand oder im Herzen

«Wann immer das Vermögen bzw. Geld in deiner Hand und nicht in deinem Herzen ist, wird es dir nicht schaden, auch wenn es viel ist. Doch wenn es in deinem Herzen ist, wird es dir schaden, auch wenn du davon nichts in deiner Hand hast.»

 – Ibn Qaiyim al-Jawzīya (gest. 751 n.H.)

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an die "Stimme der Gelehrten".
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Ein musl. Bericht über Geldentwertung & Inflation aus dem 8. Jh. (n. H.)

«Einen recht detaillierten Bericht über Geldentwertung und Inflation finden wir bei al-Maqrizi. Während er darlegt, dass seinerzeit durch eine unbeschränkte Versorgung mit (minderwertigen) Währungsmünzen die Gold- und Silbermünzen verdrängt/ersetzt wurden, weiß er es wie folgt zu begründen:

„Während der Herrschaft von al-Zahir Barquq (784-801 n.H / 1382-1399 n.Chr.), war der Lehrmeister Muhammad bin Ali mit der Aufsicht des königlichen Schatzes betraut. Er war gierig nach Profiten und der Vermehrung von Reichtum.

Eine seiner verachtenswerten Taten bestand darin, dass es (unter seiner Aufsicht) zu einer starken Mengenzunahme von fulus (Kupfermünzen) kam. Er schickte seine Männer nach Europa um Kupfer zu importieren und sicherte sich (das alleinige Recht für) die Prägung, um (diese Münzen) dann gegen (das sich im Umlauf befindliche) Geld zu tauschen.

Unter seiner Verwaltung wurden die fulus in der Kairoer Münzanstalt geprägt. Zusätzlich eröffnete er auch in Alexandria eine Münzanstalt, nur zum Zwecke der fulus-Prägung. Extrem große Mengen an fulus kamen in die Hände der Menschen und diese brachten sie dermaßen weitreichend in Umlauf, dass sie die vorherrschende Währung des Landes wurden. […] Dies führte zu einer Katastrophe, da das Geld unbrauchbar wurde und die Lebensmittel knapp wurden. […]“

(Muhammad Ali al-Maqrizi, Ighathat al-Ummah, übersetzt und editiert von Adel Allouche, publiziert als Mamluk Economics, Salt Lake City, University of Utah Press, 1994, S. 71-72, 77-79)

Eine ähnliche Beschreibung finden wir auch bei seinem Zeitgenossen al-Asadi.

(in: Muhammad bin Muhammad bin Khalil al-Asadi, al-Taysir wa’l-I`tibar wa’l-Tahrir wa’l-Ikhtibar fima Yajibu min Husn al-Tadbir wa’l-Tasarruf wa’l-Ihtikar, editiert von Abd al-Qadir al-Tulaymat, Cairo, Dar al-Fikr al-Arabi, 1967, S.134-135)

[Muhammad bin Khalil al-Asadi lebte im 9. Jahrhundert nach Hijra (15. Jahrhundert n. Chr.). Über sein Leben ist nichts bekannt, außer dass er in Syrien geboren wurde und dort auch starb. Er beendete sein Werk ‘al-Taysir wa’l-I’tibar wa’l-Tahrir wa’l-Ikhtibar fima yajib min Husn al-Tadbir wa’l-Tasarruf wa’l-Ikhtiyar im Jahre 855 nach Hijra. Das Buch wurde 1967 von Abd al-Qadir Tulaymat in Kairo/Ägypten editiert und neu publiziert.]»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 76 / übertragen in die deutsche Sprache und editiert von Yahya ibn Rainer)

Buchauszug: Der Meinungsunterschied bezüglich Gold und Silber als Zahlungsmittel

«Al-Ghazali, Ibn Khaldun und viele andere muslimische Gelehrte waren der Ansicht, dass Edelmetalle geschaffen wurden um als Geld zu dienen, was ursprünglich eine griechische Idee war. Ibn Taymiyya jedoch sieht es als eine Frage der gesellschaftlichen Konvention (Tradition/Sitte/Abkommen) an. Er sagt:

„Gold- und Silbermünzen haben weder eine natürliche, noch eine schariarechtliche Spezifikation. (Ob sie als Zahlungsmittel benutzt werden) hängt also von den Menschen ab, von ihren Gewohnheiten (Brauchtum) und gesellschaftlicher Übereinkunft,“¹

… so dass schlussendlich jedwede Ware als Geld dienen könnte.

„Auch die sich derzeit im Umlauf befindlichen Münzen (deren Tauschwert höher angesetzt war als ihr tatsächlicher Warenwert) dienen also, genauso wie Edelmetalle, zur Bemessung des Wertes von Waren.“²»

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Contributions of Muslim Scholars to Economic Thought and Analysis, Seite 76 / übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Fußnoten:

¹ Ibn Taymiyyah, Majmu` Fatawa Shaykh al-Islam Ahmad Ibn Taymiyyah, 1963, edited by al-Najdi, Abd al-Rahman b. Muhammad, Al-Riyad, Matabi` al-Riyad, , Vol. 19, pp. 250, 251, 248-249
² ibid., Vol. 29, p. 469

Imam al-Qurtubi – Der nach Profit strebende Kaufmann erreicht die Stufe eines im Jihad Kämpfenden (Mujahid)

Der berühmte Tafsir-, Hadith und Rechtsgelehrte Imam Abu ‚Abdullah Al-Qurtubi (gest. 671 n. H.) kommentierte in seinem Tafsir al-Qurtubi den Teil „[…] und andere, die im Land umherreisen, wo sie nach (etwas) von Allahs Huld trachten, und andere, die auf Allahs Weg kämpfen. […]“ der 20. Ayah in Sure Al-Muzzammil (73) mit folgenden Worten

Allah der Hocherhabene hat in dieser Ayah diejenigen, die sich im Jihad befinden (Mujahidin) und diejenigen, die Geld erwirtschaften – um es für sich selbst und ihre Angehörigen auszugeben und um Gutes zu tun und andere damit zu beschenken – gleichgestellt.

Daher ist (diese Ayah) ein Beweis dafür, dass das Erwirtschaften von Geld die selbe Stufe einnimmt, wie der Jihad, denn Er (Allah) hat es gemeinsam (in der selben Ayah) mit dem Jihad auf dem Wege Allahs erwähnt.

Und Ibrahim überlieferte von Alqamah, dass er sagte:

«Der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, sagte: „Kein Kaufmann importiert Nahrungsmittel von einem Land in ein anderes und verkauft sie dort zum aktuellen Tagespreis, außer dass seine Stufe bei Allah dabei der Stufe der Märtyrer gleicht. Danach rezitierte der Gesandte Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Heil:

‚ … und andere reisen nach Allahs Huld trachtend im Land umher und andere kämpfen auf dem Wege Allahs‘»

Und Ibn Mas’ud sagte:

«Immer, wenn ein Mann etwas in eine Stadt der Muslime importiert, wobei er geduldig ist und Allahs Lohn erwartet, und es daraufhin für den aktuellen Tagespreis verkauft, so bekommt er bei Allah die Stufe der Märtyrer. Und er rezitierte die Ayah:

‘ … und andere ziehen im Land umher … ’»

Und Ibn Umar sagte:

«Allah hat keinen Tod erschaffen, der mir – nach dem Tode (beim Jihad) auf dem Wege Allahs – lieber wäre, als der Tod zwischen den zwei Teilen meines Kamelsattels, während ich im Lande umherreise und dabei nach der Großgiebigkeit Allahs strebe.»

Und Tawus sagte:

«Wer für die Witwe und den Armen arbeitet, ist wie der derjenige im Jihad auf dem Wege Allahs.»

Ein herzlicher Dank - für Hinweis und Übersetzung - geht raus an die Brüder der "Ökonomie und Gesellschaft" Telegram-Gruppe.

Buchauszug: Andreas Abu Bakr Rieger – Riba An-Nasi’ah

Riba An-Nasi’ah ist die Nutzung von Dain (Schuldversprechen) als Zahlungsmittel. Dieses Vorgehen ist, wie wir im Zeitalter der Derivate wissen, ein aktuelles Phänomen, das Imam Malik in seinem berühmten Rechtsbuch „Al-Muwatta“ beschrieb:

»Er überliefert, dass den Leuten in der Zeit [des Gouverneurs] Marwan ibn Al-Hakim Belege (Sukukun) für die Produkte des Marktes Al-Dschar ausgegeben wurden. Die Leute kaufen und verkaufen diese Belege [oder Schuldscheine] unter sich, bevor sie sich diese Waren liefern ließen. Zaid ibn Thabit, einer der Gefährten des Propheten, kam zu Marwan ibn Al-Hakim und warf ihm vor: „Marwan, machst du Wucher halal (zulässig)?“ Dieser entgegnete: „Ich suche Zuflucht bei Allah, was hat das zu bedeuten?“ Der Prophetengefährte erklärte ihm: „Diese Belege, die die Leute kaufen und verkaufen, bevor sie sich die Waren aushändigen lassen.“ Darauf wies Marwan seine Wachen an, ihm zu folgen, nahm die Belege den Leuten weg und händigte sie ihren ursprünglichen Besitzern aus. Zaid ibn Thabit benannte diese Belege, „die die Leute kauften und verkauften, bevor sie Waren in Händen hielten“, gezielt als Riba.«

Fassen wir noch einmal kurz das grundlegende Prinzip im islamischen Recht zusammen: Es ist erlaubt, Gold und Silber oder Lebensmittel als Zahlungsmittel zu verwenden, aber man kann dies nicht mit einem Zahlungsversprechen (Dain) tun. Darin gibt es einen ungerechtfertigten Überschuss, der nicht erlaubt ist. Wenn man in Besitz von Dain ist, muss man zuerst ‘Ain (fassbare Güter), welches es vertritt, in Händen halten und kann dann einen Austausch vollziehen. Dain kann nicht als Geld verwendet werden.Diese Handlungsweise wird Rama‘ genannt und gehört zu den verbotenen Kategorien von Riba. […]

Erst jetzt, in Zeiten der Finanzkrisen, erkennen Muslime wieder den tiefen Sinn dieser Überlieferungen, aber auch dass Rama‘ auf den Märkten der Welt heute zu einer anerkannten Praxis gehört. Das ursprüngliche islamische Geldwesen ist beinahe verschwunden. Dain-Währung (Papiergeld, Schuldscheine) hat die Verwendung von ‘Ain-Währung (Gold und Silber) ersetzt. Die islamische Welt hat sich für die Praxis entschieden, über die ‘Umar ibn Al-Khattab zu seiner Zeit sagte: »Ich fürchte mich vor Rama‘ um eures willen.«

(Weg mit dem Zins – Soziale Wirtschaft im Dialog der Religionen, von Andreas Rieger, © 2011, Seite 62-64)

PDF: Abdel Azim Islahi – An analytical study of al-Ghazali’s thought on money and interest

Lang ist es her. Heute endlich mal wieder eine Publikation des Ökonomie-Professors Dr. Abdul Azim Islahi.

An analytical study of al-Ghazali’s thought on money and interest
Prof. Dr. Abdul Azim Islahi
Department of Economics, Aligarh Muslim University,
Aligarh, India ©2001

Eine analytische Studie über al-Ghazalis Gedanken zu Geld und Zinsen
Prof. Dr. Abdel Azim Islahi
Am Wirtschaftsinstitut der Aligarh Muslim Universitätin Aligarh/Indien

[PDF] An analytical study of al-Ghazali’s thought on money and interest

Buchauszug: Roland Baader – Geld“schöpfung“

Im vorherigen Interview-Auszug mit Prof. Dr. Jesús Huerta de Soto wird die Notwendigkeit des Depositum irregulare betont, wenn es um Bankeinlagen geht. Wieso das vonnöten ist, erklärt im folgenden Auszug mein Lieblingsökonom Roland Baader in seinem Buch „Geld, Gold und Gottspieler – Am Vorabend der nächsten Weltwirtschaftskrise“.

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Auszug: Prof. Dr. Huerta de Soto – Depositum irregulare

Ich lese jetzt schon seit einigen Monaten primär Literatur zum Thema Klassischer Liberalismus und Nationalökonomie bzw Volkswirtschaft. Ich bin wirklich sehr angetan von diesen Themen, da sie sich doch maßgeblich mit den Problemen auseinandersetzen, die unsere heutige Zeit so unsicher und planlos machen. Speziell bei der Österreichischen Schule der Nationalökonomie finde ich immer wieder Grund- und Ansätze, die dem islamischen Wirtschaftssystem extrem nahe kommen bzw sich sogar decken. Hier nun ein Auszug aus einem Interview des Monatsmagazins eigentümlich frei mit Prof. Dr. Jesús Huerta de Soto, einem der bekanntesten Wirtschaftswissenschaftler dieser Ökonomie-Schule in Europa zum Thema „geschützte Bankeinlagen“.

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Buchauszug: Hans-Hermann Hoppe – Die Geschichte des demokratischen Republikanismus im Westen

„In der Tat […] ist dies das große unterschwellige Thema der Geschichte des Westens im 20. Jahrhundert gewesen. Seit 1918 haben praktisch alle Indikatoren hoher oder steigender Zeitpräferenzen eine systematische Tendenz nach oben aufgewiesen: Was die Regierung angeht, hat der demokratische Republikanismus den Kommunismus produziert […], den Faschismus, den Nationalsozialismus und, zuletzt und am dauerhaftesten, die Sozialdemokratie (bzw. den amerikanischen ‚liberalism‘).

Die Wehrpflicht ist fast universell geworden, äußere und innere Kriege haben an Häufigkeit und Brutalität zugenommen, und der Prozess politischer Zentralisation ist weiter vorangeschritten als je zuvor. Intern hat der demokratische Republikanismus zu ständig steigenden Steuern, Schulden und öffentlicher Beschäftigung geführt. Er hat zur Vernichtung des Goldstandarts geführt, zur Papiergeldinflation sondergleichen, zu vermehrtem Protektionismus und Migrationskontrollen.

Selbst die grundlegendsten Privatrechtsvorschriften sind durch eine unablässige Flut von Gesetzgebung und Regulierung pervertiert worden. Gleichzeitig sind, was die Zivilgesellschaft angeht, die Institutionen der Ehe und Familie zunehmend geschwächt worden, hat die Anzahl der Kinder abgenommen und haben die Quoten für Scheidung, Unehelichkeit, alleinstehenden Eltern, Singletum und Abtreibung zugenommen. Anstatt mit steigendem Einkommen zu wachsen, haben die Sparquoten entweder stagniert oder sogar abgenommen. Im Vergleich zum 19. Jahrhundert sind das kognitive Vermögen der politischen und intellektuellen Eliten und die Qualität öffentlicher Ausbildung gefallen. Die Quoten für Kriminalität, struktuelle Arbeitslosigkeit, Wohlfahrtsabhängigkeit, Schmarotzertum, Nachlässigkeit, Leichtsinn, Unhöflichkeit, Psychopathie und Hedonismus haben zugenommen.“

(Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe, Demokratie – Der Gott, der keiner ist , Seite 115 + 117)