Wenn öffentliche Personen der Salafi-Szene das Ziel staatlicher Verfolgung werden

Absolute Gerechtigkeit gibt es nur bei unserem HERRN.

Wir wissen aber was den Staat und seine Bürger triggert und haben in den letzten Jahren ein Bild davon bekommen wie dieser Staat, seine Politiker und Bürger auf unser Auftreten, unsere öffentlichen Verlautbarungen und unsere Dawa reagieren. Jeder von uns entscheidet sich also selbstverantwortlich für seinen Weg, muss dann aber auch die Konsequenzen dafür tragen.

Jeder hat die Möglichkeit sich und seine Art adäquat anzupassen, nicht absichtlich anzuecken, kann aber auch den steinigen Weg gehen, muss dann aber das Leben eines allgemein Geächteten in Kauf nehmen.

Was mich stört, ist, dass viele Prediger und öffentliche Personen des Milieus ihr individuelles Schicksal zum Schicksal des Islams und der Muslime (oder stellvertretend der Ummah) (v)erklären. Als jungem Muslim muss das einem so erscheinen, als hätte man nicht die Möglichkeit sich anders zu geben als es einige Prediger tun.

Das fängt schon bei der Kleidung an, die man trägt wenn man sich öffentlich zeigt und filmen lässt, betrifft aber auch Inhalt und Form von Verlautbarungen zu allen möglichen Themen. Der Ton macht die Musik

Selbstreflexion ist meines Erachtens etwas, was hiesigen Predigern häufig fehlt.

Wenn beispielsweise die einzige Motivation und Beratung eines Predigers in den Kommentarspalten von YouTube und Facebook stattfindet, von jungen oft fanatisierten Anhängern, dann erzieht nicht der Prediger seine Anhänger, sondern die Anhänger erziehen den Prediger.

Natürlich wird man von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Sturm- und Drangphase für Widerstand, Opposition und Trotz gegen das „ungläubige“ Establishment gefeiert und man fühlt sich durch die digitale Masse auch irgendwie in eine große Unterstützergemeinschaft eingebettet (sprich: sicher), aber das ist der Trugschluss der virtuellen Welt, denn diese ist letzten Endes anonym und unverbindlich und ein nicht geringer Teil dieser jungen digitalen Frömmler und Widerständler vollführt ein Doppelleben oder zelebriert ein Rollenspiel.

Wer in dieser Gesellschaft auf Teufel-komm-raus als Fremder (gharib) gelten möchte, der soll das tun, darf sich dann aber nicht beschweren, wenn er auch als solcher behandelt und verfolgt wird.

Wichtig ist, dass junge Muslime wissen, dass es auch andere Wege gibt positiv in dieser Gesellschaft zu wirken, ohne Rebellion, ohne Opferrolle und ohne diese komische Synthese aus gesellschaftlichem Minderwertigkeitskomplex und religiöser Hybris.

Wir brauchen Prediger, die unsere Aqida und unseren Ethos in die hiesige Gesellschaft einbetten, eine Harmonisierung mit der Umwelt anstreben. Wir brauchen Salafiyun, die in dieser gesellschaftlich anerkannt und wirtschaftlich erfolgreich werden können.

Prediger müssen mit ihren Anhängern wachsen, weiser werden, sie müssen den Mut aufbringen ihrer Klientel die Vorteile der Selbstreflexion vorzuführen, auch wenn dadurch eigene Schwächen zum Vorschein kommen.

Diese „Wenn sie dich bekämpfen, dann bist du auf Haqq“-Floskel ist pures Gift für die Konsolidierung unseres gegenwärtigen Zustandes.

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

Ein Gedanke zu „Wenn öffentliche Personen der Salafi-Szene das Ziel staatlicher Verfolgung werden

  1. AsSalaamu alykum,der Artikel hat mir gefallen.Danke,sehr gut getroffen-“Wenn sie dich bekämpfen,dann bist du auf Haqq” dieser Trugschluss hat schon viele irregeführt.Wenn sie deine Religion bekämpfen,dann bleib standhaft und halte am Haqq fest,denn der Islam wurde und wird immer wieder bekämpft,aber die Bedingung für den Beweis des Haqq ist nicht,dass es bekämpft wird.

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