Buchauszug: Leopold Weiss – Er ist schlicht eine Lebensweise nach den Regeln der Natur …

„Die Religion birgt einen unermesslichen Nutzen; der Mensch begreift, was er in dem ewigen Kreislauf der Schöpfung ist und nie aufhören kann zu sein: eine sinnvolle Einheit, ein eindeutig bestimmbarer Teil im unendlichen Organismus des universellen Schicksals. Die Folge ist psychologisch ein tiefes Gefühl geistiger Sicherheit, das zwischen Hoffnung und Furcht schwankt. Das unterscheidet den religiösen Menschen – gleich, welcher Religion er anhängt – von dem ungläubigen. Diese grundlegende Einstellung teilen alle großen Religionen, was immer ihre spezifischen Lehren sein mögen; ihnen allen gemein ist auch der moralische Aufruf an den Menschen, den offenkundigen Willen Gottes anzuerkennen.

Aber der Islam, und nur er, geht über diese theoretische Ermahnung hinaus. Er lehrt uns nicht nur, dass das ganze Leben im wesentlichen eine Einheit ist, weil es der göttlichen Einheit entspringt; er zeigt uns auch, wie jeder Einzelne diese Einheit in seinem irdischen Leben, in seinem Handeln und in seinem Bewußtsein abbilden kann. Um dieses oberste Ziel im Leben zu erreichen, muss der Mensch im Islam nicht der Welt abschwören; keine Entbehrungen sind erforderlich, um die geheime Tür der Läuterung zu öffnen; kein Druck wird auf den Verstand ausgeübt, keiner muss an unverständliche Dogmen glauben, um Erlösung zu erlangen. Solche Dinge sind dem Islam völlig fremd, weil er weder eine mystische noch eine philosophische Doktrin ist. Er ist schlicht eine Lebensweise nach den Regeln der Natur, die Gott seiner Schöpfung auferlegt hat; seine höchste Leistung ist die vollkommene Abstimmung aller geistigen und materiellen Aspekte des menschlichen Lebens.“

(Leopold Weiss – Islam am Scheideweg, Edition Bukhara, Seite 29)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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