Saud war außerordentlich unwillig, wenn ein Araber es versuchte, ihn durch eine Falschheit zu hintergehen. Bei solchen Gelegenheiten ergriff er manchmal einen Stock und prügelte den Mann mit eigener Hand; aber diese Anfälle der Leidenschaft bereute er sehr bald und wünschte, dass die Beistehenden immer vermittelnd eingreifen und ihn abhalten möchten, irgendjemand zu schlagen, sobald sie ihn zornig sähen. Dies geschah auch häufig, und er bedankte sich für diese Einmischung. Während seines Aufenthaltes zu Derayeh verließ Saud sehr selten sein Haus, außer wenn er des Freitags in die benachbarte Moschee ging.
Die Araber schrieben diese Absonderung der Furcht zu und meinten, er befürchtete den Tod, welcher seinen Vater betroffen habe, nämlich Meuchelmord; und er hatte allerdings unter den Arabern Feinde genug, die darauf ausgingen, das Blut von ihm erschlagener Verwandten zu rächen, und bereit waren, sich gegen sein Leben zu verschwören, sobald ihnen nur eine Möglichkeit gezeigt wurde, dass ihre Bestrebungen, ihn zu töten, gelingen könnten. Aber seine Freunde erklärten, dass er den ganzen Tag zu Hause mit Studieren beschäftigt sei. Es ist eine ganz bekannte Sache, dass Saud nach dem Tode seines Vaters mehrere Jahre lang unter seinem Hemd beständig einen Panzer getragen hat. Die Einwohner von Mekka erzählen, dass er während seines Aufenthaltes in dieser Stadt immer von einer auserlesenen Wache umgeben gewesen sei, und dass kein Fremder sich ihm allein habe nähern dürfen. Nicht einmal die große Moschee pflegte er ohne ein zahlreiches Gefolge seiner Leute zu besuchen und ebenso wenig allein den Umgang um die heilige Kaaba zu vollenden. Er wählte während der Gebete in der Moschee nicht seinen Sitz, wie es Personen von Auszeichnung zu tun pflegen, in dem Mekam el Hanbali, sondern stieg auf das Dach des Bir, oder des Brunnens Zemzem, weil er diesen Standpunkt für sicherer hielt, und er betete auf dem Dach, welches den Mekam el Schafii bildet.
Nicht allein in seinem eigenen Palaste, sondern auch überall in seinem Gebiete, wünschte er, dass die Leute sitzen blieben, wenn er komme; und in seinen Abendversammlungen (Madschlis) setzte sich jedermann, wo ein schicklicher Platz zu finden war, obschon es sich von selbst verstand, dass die großen Emir’s ihren Sitz in der Nähe Sauds nahmen. Seine jüngeren Söhne saßen unter der Gesellschaft, gaben auf alles Achtung, was gesprochen wurde, mischten sich aber nie in das Gespräch. Die eintretenden Araber schüttelten dem Saud in der Regel die Hand, nachdem sie ihm vorher den Friedensgruß zugerufen hatten, und er erkundigte sich dann höflich nach der Gesundheit und den Angelegenheiten aller, welche er im Gemach erblickte. Trat ein großer Scheikh in Sauds Wohnung, so tauschte er nach Gewohnheit der Beduinen, einen Kuss mit ihm. Bei der Anrede war kein pomphafter Titel gebräuchlich. Die Leute sagten bloß: „O Saud!“ oder: „O Vater des Abdallah!“ oder: „O Vater der Schnurrbärte!“ Auch er nannte jedermann bei seinem Namen, ohne zeremoniöse, oder komplimentierende Redensarten, die unter den Nationen des Morgenlandes in der Regel so allgemein verbreitet sind.
In seiner Kleidung suchte sich Saud nicht von seinen Arabern zu unterscheiden. Er trug bloß einen Abbaya, ein Hemde, einen Keffie, oder Kopftuch; doch soll er alle diese Artikel sich so fein gewählt haben, als er sie nur immer in Derayeh bekommen konnte; er soll außerordentlich reinlich gewesen sein und sein Kopftuch beständig mit Zibeth parfümiert haben.
Die größte Ausgabe von Sauds Wirtschaft war für seine Gäste und seine Pferde. Man sagt, er habe nicht weniger, als 2000 Hengste und Stuten als Eigentum besessen. Von diesen befanden sich 300, oder 400 immer zu Derayeh und die anderen in der Provinz el Hassa, wo es eine treffliche Kleewaide gibt. Er besaß die schönsten Stuten Arabiens. Einige derselben hatte er ihren ursprünglichen Besitzern entweder als eine Bestrafung für üble Aufführung, oder als eine Buße abgenommen; aber viele derselben hatte er zu sehr hohen Preisen gekauft, denn es ist bekannt, dass er für eine einzige Stute 560, oder 600 Pf. Sterling bezahlt hat. Jedem seiner Söhne gestattete er, sich ein Gefolge von 100, oder 150 Reitern. zu halten. Abdallah hatte deren, während noch sein Vater am Leben war, über 300. Erwähnt müssen auch werden die vielen Delul’s, oder schnellfüßigen Kamele, von welchen Saud die beste Rasse in ganz Arabien besaß.
Die Glieder seines eigenen Haushaltes und die Fremden, welche er jeden Tag speiste, betrugen zwischen 400 und 500 Personen. Reis, gekochtes Getreide (Burghul), Datteln und Schöpsenfleisch[1] machten die Hauptgerichte aus. Die erwachsenen Söhne und die großen Scheikhs aßen in Sauds Gesellschaft. Ihre gewöhnliche Speise war Reis und Schöpsenfleisch; gemeine Fremde wurden mit Burghul und Datteln bewirtet. Nach allem, was ich über seine Lebensart erfahren konnte, sowie über die Preise der Lebensmittel in Nedschid, mag ihm seine ganze Wirtschaft (mit Ausschluss der Leibwache, welche aus dem öffentlichen Schatz bezahlt wird) jährlich zehn bis zwölftausend Pf. Sterl. kosten.
Gegen türkische und beduinische Gewohnheiten, feierte Saud nie in seinem Hause ein Beschneidungsfest, weil, wie er sagte, keine solchen Feste bei der ersten Verbreitung des Islam stattfanden. Aber er erlaubte seinen Arabern, sich bei solchen Gelegenheiten zu belustigen. Er feierte auch mit großem Glanz die Hochzeiten seiner Kinder. Als sein Sohn Feheyd seine Cousine heiratete, dauerte das Hochzeitsfest zu Derayeh drei Tage. Den ersten Tag traktierte[2] der Vater des Mädchens, nämlich Sauds Bruder, die Gäste, und dieses waren alle männlichen Einwohner der Stadt und noch außerdem eine Menge Fremder. Er schlachtete zu diesem Behuf 40 weibliche Kamele und 500 Schafe. Den zweiten Tag schlachtete Saud selbst für seine Gäste 100 weibliche Kamele und 800 Schafe. Den dritten Tag traktierte ein anderer von seinen Brüdern die ganze Gesellschaft.
Saud hielt eine Menge schwarzer Sklaven in seinem Hause. Er gab nie zu, dass eines seiner Weiber oder Konkubinen ihre männlichen Kinder stillen durfte und hatte für diesen Zweck immer einige Ammen, in der Regel unter seinen abessinischen Sklavinnen, in Bereitschaft. Eine ähnliche Gewohnheit herrschte unter den Scherifs von Mekka, welche ihre kleinen Kinder unter den benachbarten Beduinenstämmen erziehen lassen, sodass dieselben nie über acht Tage in des Vaters Hause bleiben. Nach derselben Weise war Mohammed unter dem Stamme der Aduan erzogen worden.
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[1] Hammelfleisch
[2] jemandem viele erlesene Speisen und Getränke anbieten; reichlich bewirten
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