Meine Einschätzung zum internationalen muslimischen Terrorismus (mit „weichen Zielen“)

von Yahya ibn Rainer

Ich denke, dass diese Form des internationalen Terrorismus (mit Fokus auf sogenannte „weiche Ziele“) mitunter auch Ausdruck eines kindlichen Trotzes (also einer Art Bockigkeit oder Borniertheit) ist.

Man wird sich in den Kreisen einiger (mit dem Pathos der Unschlagbarkeit) aufgeputschten „Mujahedin“ zunehmend bewusst, dass man technologisch, militärisch und zum Teil auch intellektuell dem Feind maßlos unterlegen ist. Man sieht also quasi keinerlei Chance, einen allumfassenden Sieg einzufahren.

Anstatt sich diese Schwäche einzugestehen und Verantwortung für die Ummah zu übernehmen, für die man angeblich diesen Kampf führt, handelt man auf verbrecherische Weise egoistisch und beginnt eine Form der Kriegsführung, die weder auf Landgewinn aus ist, noch Aussichten auf ein Ende des Konfliktes zulässt. Man ruft einen ewigen Kriegszustand aus, unter dem die Muslime in ihrer Gesamtheit weitaus mehr zu leiden haben, als die Feinde des Islams.

Vielmehr ist es sogar so, dass man mit dieser Form des Terrorismus genau denen in die Hände spielt, die im Namen der Nationen den Krieg gegen die Muslime erst begonnen und bis heute weitergeführt haben, nämlich den Staaten.

Jeder einzelne Terroranschlag hat zur Folge, dass der Staat mehr Macht und Befugnisse einfordert und durch Angst getriebene demokratische Legitimation auch erhält. Diese Machtzunahme des Staates wirkt sich nicht nur negativ auf die Freiheit und Unabhängigkeit der Nichtmuslime in den jeweiligen Ländern aus, sondern ganz besonders (und weit mehr) auf die Muslime, die als Minderheiten unter ihnen leben.

Und auch für ihr außenpolitisches Handeln erhalten die Staaten immer mehr Befugnisse, was dazu führt, dass sich die staatliche Repression nicht nur nach innen vergrößert, sondern auch nach außen, indem auch der militärische Kampf in den muslimischen Ländern intensiviert wird.

Als Armee auf dem Schlachtfeld, wo es um Landnahme und Implementierung geht, kann zugunsten eines Friedens in Verhandlungen getreten werden. Man bringt von beiden Seiten sogenannte Verhandlungsmasse mit und kann für alle einen nützlichen und gedeihlichen Frieden herausschlagen.

Aber den heutigen jungen Heißspornen ist das alles gar nicht mehr bewusst. Die meisten von ihnen wissen nicht einmal, dass der Offenbarungsgrund für die koranische Sure al-Fath (49 – zu deutsch „Der Sieg“) der Friedensvertrag von Hudaybiyyah war.

Sheikh Feisal Mawlawi schreibt in seinem Buch „الأسس الشرعية للعلاقات بين المسلمين وغير المسلمين „ (Die Schariagrundlagen für das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen) zusammenfassend folgendes über dieses Friedensabkommen:

«Der einzige Vorteil, den die Muslime aus diesem Frieden(-svertrag) zogen, war, dass er einen Frieden und einen Waffenstillstand zwischen ihnen und den Quraisch brachte. Um dies zu erreichen, traten sie von ihrem Recht zurück, die Umra zu verrichten – dieses Recht, welches ein anerkanntes Recht für alle Araber war. Sie erklärten sich damit einverstanden, nach Medina zurückzukehren und im folgenden Jahr zur Verrichtung der Umra wiederzukommen. Hierin liegen eine Herausforderung und eine Erniedrigung ihrer Ehre. Sie traten auch von ihrem Recht zurück, diejenigen zu empfangen und zu beschützen, die von den Quraisch zu ihnen als Muslime kamen – und duldeten es, dass sie zu den Quraisch zurückgeschickt würden und Folter und Unterdrückung ertragen müssen[…].

Sie traten auch von ihrem Recht zurück, denjenigen, welcher vom Islam abtrünnig wird und sich den Quraisch anschließt, zurückzufordern, um ihn (für den Hochverrat, der in dieser Situation damit verbunden war) zu bestrafen. All diese Rechte traten sie ab, damit sich der Frieden ausbreitet, und weil den Menschen im Zustand des Friedens die Gelegenheit gegeben wird, das Wort der Wahrheit zu hören.»

Vom Prophetengefährten Bara‘ bin ´Azib wird bei Bukhari und Muslim überliefert, dass er sagte:

«Ihr seht die Eroberung Mekkas als den Sieg an – und die Eroberung Mekkas war in der Tat ein Sieg; wir aber sehen als den Sieg den “Zufriedensheits”-Treueeid (arab. bai’at ar-ridwan) am Tag von Hudaibijja an.»

Und bei Muslim ist des Weiteren überliefert, dass der Gesandte Allahs – Allahs segne ihn und schenke ihm Heil – Umar herbeiholen ließ und ihm das zu rezitierten, was herabgesandt worden war (Sure al-Fath / 48 – Der Sieg), worauf Umar fragte: «O Gesandter Allahs, ist dies ein Sieg?» Er sagte: „Ja“.

Sheikh Feisal Mawlawi schrieb (in seinem o. g. Buch) noch dazu:

«Das Wort Sieg wird an vielen Stellen des Korans verwendet. Keiner der Siege – außer dem Waffenstillstandsabkommen von Hudaibijja – wird als „offenkundiger“ Sieg bezeichnet. Allah hat gesagt:

„…Wahrlich, Wir haben dir einen offenkundigen Sieg beschieden…“[48:1]

Und es war in der Tat ein offenkundiger Sieg, da er die Herzen und den Verstand der Menschen für den Islam geöffnet hat.»

Dies ist die Sunnah des Propheten, um den Muslimen auch eine Phase des Friedens, der Erholung und Prosperität zu verschaffen. Denn allein unter diesen Bedingungen kann auch gesellschaftlicher, technologischer und militärischer Fortschritt erlangt werden.

Der internationale Terrorismus jedoch, der weder erobert und implemetiert, noch befreit, stürzt die Ummah nur noch weiter in die Rückständigkeit und womöglich (oder höchstwahrscheinlich) sogar in die Arme derjenigen, die sie eigentlich bekämpfen.

So sehr man diese Form der Kriegsführung auch mit Katapult-Fatwas und Schlachtungs-Hadithen ausschmückt, am Ende ist der beste Ratgeber des wahren Amirs die Anwendung seiner Hikma (Weisheit) bei all den Entscheidungen und Verantwortungen die ihm obliegen.

Wa Allahu 3alem

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

3 thoughts on “Meine Einschätzung zum internationalen muslimischen Terrorismus (mit „weichen Zielen“)

  1. leider hast du einen wichtigen punkt vergessen, die jenigen mit denen du frieden schließen möchtest bomben alles weg was sich bewegt. Nur weil wir in Dland dies nicht mit bekommen und mit dicken bauch schlafen können gilt das leider nicht für alle.
    Sie bombten unsere Länder schon vor diesen „Terrorismus“ und beraubten uns allen möglichkeiten uns von diesen Fesseln zu befreien. Dieses Argument, vonwegen es macht alles nur schlimmer funktioniert hier nicht. Denn ihre Regeln standen schon, doch nun wird man bestraft wen man sich dagegen wehrt und es ablehnt. Vorher benötigten sie dies nicht da sich alle ergeben haben und alles nach ihren Plan funktionierte.
    Das Beispiel von Al-Fath ist hier äußerst unpassend, da wir nicht inruhe gelassen werden. Sobald man versucht etwas zu machen kommen die Kriegstrommeln vondaher passt dieser analogieschluss überhaupt nicht.

    Falls du arabisch kannst empfehle ich dir, mein lieber Bruder, diese Vortragsreihe:
    [Der Link zur Vortragsreihe wurde entfernt, da nicht sichergestellt werden konnte, ob er strafrechtlich relevante Inhalte beherbergt]

  2. Unabhängig von moralischen Gesichtspunkten ist das ganze Konzept des Terrorismus auf längere Sicht eine absolut selbstzerstörerische Strategie für die Anwender.
    Egal was man vom Westen und seinen militärischen Aktionen hält, sollte man sich vor Augen halten, dass der Erfolg von Guerilla-Kriegsführung in islamischen Ländern im Wesentlichen darauf aufbaut, dass der Westen gewisse Skrupel hat, denn im Prinzip bedeutet die Guerilla-Kriegsführung nichts anderes, als dass man die eigenen Zivilisten als Schutzschild und Versteck benutzt, in der Hoffnung, dass der Gegner davor zurückschreckt, sich an eben jenem zu vergreifen.
    Im Grunde kann man hier auch eine Analogie zum Terrorismus selbst machen, der im Wesentlichen genau darauf aufbaut, dass der Westen eben NICHT alle Muslime über einen Kamm schert und kollektiv bestraft.

    Terrorismus hat jedoch direkt zur Folge, dass sich genau dies ändert, indem er den Westen radikalisiert und damit eine Enthemmung auslöst, was ironischerweise bedeutet, dass sich Terroristen ihr imperialistisches Monstrum, dass sie so blumig propagieren, im Prinzip selbst erschaffen.
    Nach 15 Jahren Terrorismus gegen den Westen sieht der Stand in Amerika inzwischen so aus, dass die Mehrheit der Amerikaner kein Problem mehr mit der Anwendung von Folter hat, einem vollständigen Einreiseverbot für Muslime offen gegenübersteht und auch kein Problem darin sieht, amerikanische Muslime in Registern zu erfassen.
    Über den Rechtsruck in Deutschland und Europa muss man wohl nicht viel sagen, den bekommt jeder mit.

    Wer denkt, dass Bombardement, Drohnenkrieg, Besatzung sowie hierzulande Generalverdacht und Überwachung schon schlimm sind, sollte einfach mal ein Geschichtsbuch öffnen und sich anschauen, was wohlmöglich noch kommen mag, wenn dieser Trend sich fortsetzt, Stichwort Internierungslager, Strafexpeditionen, etc…

    Und wer ernsthaft denkt, dass der IS irgendetwas erreichen wird abgesehen vom Terrorisieren der örtlichen Region, sollte bedenken, dass das einzige, was den Westen (und andere Länder) davon abhält, schlichtweg einen roten Knopf zu drücken und zuzusehen wie der IS innerhalb von Sekunden verdampft (oder ihn auch einfach nur wortwörtlich zurück in die Steinzeit zu bomben), jene moralischen Skrupel sind, die der IS so vorzüglich im Begriff ist, abzubauen. Sollte der IS es jemals auch nur ansatzweise irgendwie zustandebringen, einem seiner hochgesteckten Ziele wirklich gefährlich zu werden, wie z.B. Israel, so werden diese garantiert spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr davor zurückschrecken, besagten roten Knopf zu drücken oder auch einfach nur jegliche Scheu vor Kollateralschäden fallen zu lassen.

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