Schlagwort-Archive: Kollektivismus

Buchauszug: Horkheimer & Adorno – Wie der gestürzte Gott in einem härteren Götzen wiederkehrt

«Die Familie, zusammengehalten nicht durch die romantische Geschlechtsliebe, sondern durch die Mutterliebe, die den Grund aller Zärtlichkeit und sozialen Gefühle bildet[193], gerät mit der Gesellschaft selbst in Konflikt.

„Bildet euch nicht ein, gute Republikaner zu machen, so lange ihr die Kinder, die nur dem Gemeinwesen gehören sollen, in ihrer Familie isoliert… Wenn es den größten Nachteil mit sich bringt, die Kinder so in ihren Familien Interessen einsaugen zu lassen, die häufig von denen des Vaterlands stark verschieden sind, so hat es also den größten Vorteil, sie davon zu trennen.“[194]

Die »Bande des Hymen« sind aus gesellschaftlichen Gründen zu zerstören, den Kindern ist die Kenntnis des Vaters »absolument interdite«, sie sind »uniquement les enfants de la patrie«[195], und die Anarchie, der Individualismus, die Sade im Kampf gegen die Gesetze verkündigt hat[196], mündet in die absolute Herrschaft des Allgemeinen, der Republik.

Wie der gestürzte Gott in einem härteren Götzen wiederkehrt, so der alte bürgerliche Nachtwächterstaat in der Gewalt des faschistischen Kollektivs.»

[193] Sade, La Philosophie dans le Boudoir a. a. O. S. 238
[194] A. a. O. S. 238-49
[195] A. a. O.
[196] Sade, Juliette a. a. O. Band IV. S. 240-44

(Max Horkheimer & Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Fischer Taschenbuch Verlag, Seite 125)

Buchauszug: Habermann / de Jouvenel – Kleingruppenideal und Großgesellschaft (III)

Es gibt keinen anderen nichtmuslimischen Autor, dessen Werke ich ausgiebiger und mit solcher Hingabe studierte, wie diejenigen des Wissenschaftlers und Philosophen Prof. Bertrand de Jouvenel. Sicherlich könnte ich nun versuchen in Worte zu fassen, was die Faszination für diesen großen Denker ausmacht. Viel besser jedoch als ich, kann dies die Eminenz des klassischen Liberalismus in Deutschland, Prof. Dr. Gerd Habermann, der für seine de Jouvenel-Publikation „Die Ethik der Umverteilung“ (2012) eine umfassende Würdigung de Jouvenels verfasste. Das Folgende ist ein Auszug aus dieser Würdigung:

VI. Kleingruppenideal und Großgesellschaft

Der fortgeschrittene Sozialzustand – die Ausdehnung der sozialen Verknüpfungen über immer weitere Regionen, die immer weitergehende Arbeitsteilung – entlässt, so führt de Jouvenel an anderer Stelle aus, den Menschen immer mehr aus den Bindungen der kleinen Gruppe, der „sozialen Wärme“ der Face-to-face-Beziehungen. Diese Tendenz werde noch durch die Lehren der atomistisch-hedonistischen Mainstream-Ökonomie verstärkt (1941a, S. 180). Die Individuen sähen sich so mehr und mehr „vereinsamt“. Diese moderne Tendenz – wir würden heute von „Individualisierung“ sprechen – war auch eines der Leitthemen von Benjamin Constant und Toqueville.

Nichts anderes habe die kommunistischen und faschistischen Parteien zum Siege geführt als die Möglichkeit, den modernen Menschen aus dieser Vereinsamung wieder hervortreten zu lassen (1941a, S. 184). Der moderne Mensch vermisse die alte Geborgenheit der Kleingemeinschaften der Familie oder des Stammes und dieser Mangel versetze ihn in eine Art Heimweh, die zur Quelle totalitärer Utopien und der Macht kollektivistischer Parteienwerde.

Eine anonyme „Gesellschaft“ könne jedoch nicht Quelle der Geborgenheit werden; gegenseitige Liebe und Gemeinschaftsgeist ließe sich nicht durch Verwaltung organisieren; „die Gesellschaft“ sei nur die Summe aller unserer Beziehungen „nach Abzug derjenigen, die uns erfreuen“ (1963, S. 167).

Gewiss bleibe die kleinere Gemeinschaft, als der ursprünglichen Heimat des Menschen, für ihn wünschenswert und unentbehrlich. Aber jeder Versuch einer Großgesellschaft einen analogen Handlungs- und Gefühlsrahmen aufzuzwingen, führe unweigerlich in die Tyrannei – stelle sie sich nun in Form einer fiktiven „Großfamilie“ wie beim sentimentalen Sozialismus (Ideal der „City of brotherly love“, 1990, S. 11) oder in Form einer kollektivistischen Arbeitsgemeinschaft wie im positivistischen Sozialismus dar (1963, S. 86). „Primitivismus“ dieser Art sei die „Todeskrankheit“ aller entfalteten Zivilisationen. […]

Dies kann für de Jouvenel nicht bedeuten, dass die kleine Gemeinschaft antiquiert sei – im Gegenteil: nur auf den Verhaltungsregeln und Orientierungen, die in den ursprünglichen kleinen Gemeinschaften vermittelt werden, lässt sich das größere Sozialgebäude aufbauen. Auf den noch intakten Gemeinschaftsgeist der Deutschen führte er (1941a, S. 204-216) die militärische Überlegenheit Deutschlands gegenüber dem „atomisierten“ Frankreich zurück.

Literatur:

Jouvenel, Bertrand de (1941a), La Décomposition de L´Europe Liberale, Paris
Jouvenel, Bertrand de (1963), Über Souveränität, Neuwied
Gray, John (1990), Einführung zu de Jouvenel, S. XI bis XVIII.
Habermann, Gerd (1994), Der Wohlfahrtsstaat. Die Geschichte eines Irrwegs, Berlin

Kurz Gesagt: Wenn Deutsche über Ausländerkriminalität und Ausländer über Fremdenhass reden

Wichtig ist vor allem, dass wir ehrlich zu uns selbst sind. Jeder von uns hat eine selektive Wahrnehmung, und wir können auch gar nicht anders. Wir fokussieren immer „das Andere“ bzw. „das Fremde“ mehr als „das Eigene“, das liegt tief in uns verankert, weil das Fremde für uns einfach nicht so gut einzuschätzen ist.

Durch diese Fokussierung liegt nun einmal das Augenmerk des allgemeinen Deutschen eher auf den sichtbar „Fremden“ im Land, und Ausländer bzw. Muslime achten mehr auf die Gesten und Handlungen der Einheimischen bzw. Nichtmuslime.

Aber auch unter den Geschlechtern fällt dieses selektive Verhalten auf. So regen sich muslimische Männer z.B. deutlich häufiger über die tadelnswerte Bekleidung der muslimischen Frau auf, als über die unzureichende Scham bei der Kleiderwahl ihrer Geschlechtsgenossen.

Hinzu kommt noch das psychologische Phänomen der kognitiven Dissonanz im Umgang mit Nachrichten und Meldungen. Wir neigen leider dazu, unsere eigene Lebensform derart zu idealisieren, dass Kritik von außen, gegen eben diese Form des Lebens, als Anrgiff aufgefasst und deshalb eher abgewehrt als kostruktiv verarbeitet wird.

Wir sollten versuchen unsere Umwelt bewusster wahrzunehmen und die Ergebnisse dieser Wahrnehmung mit mehr Verständnis und Empathie zu beurteilen.

Kurz gesagt: Pluralismus vs Multikulti

Es ist eigentlich ganz leicht:

Wer ethnischen und religiösen Pluralismus zu schätzen weiß, der akzeptiert auch Parallelgesellschaften.

Wer Parallelgesellschaften jedoch ablehnt, ist ganz offensichtlich ein Anhänger der multikulturellen Einheitsgesellschaft und somit ein kulturmarxistischer Kollektivist.

Wer Kultur und Religion erhalten möchte, muss verhindern, dass sie in einer zwangskollektivierten Einheitsgesellschaft mit anderen vermengt werden. Unterschiedliche Gesellschaftsauffassungen, die nun einmal vor allem aus tradierter Kultur und offenbarter Religion resultieren, können nur in parallel getrennten Lebensräumen bestmöglich geschützt und praktiziert werden.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Pegidaisten um ihre Kultur fürchten, weil zunehmend andere Gesellschafts- und auch Rechtsauffassungen Eingang in das öffentliche Leben finden und dort in Einklang mit dem Zwangskollektiv gebracht werden, aber anderseits Rückzugsorte (sprich parallele Gesellschaften) für diese unterschiedlichen Auffassungen strikt ablehnen.

Nur ethnischer und religiöser Pluralismus ermöglicht ein friedliches Leben nebeneinander, während der multikulturelle Zwangskollektivismus Kultur und Religion zerstört und für gesellschaftlichen Sprengstoff sorgt.

Buchauszug: Erik von Kühnelt-Leddihn – Europafeindlicher Mist

„Die kollektivistisch-materialistische Linke, gleichgültig ob sie einen nihilistischen Skeptizismus, einen Ökonomismus oder einen Biologismus vertritt, kann man mit vollem Recht als „antieuropäisch“ bezeichnen. Und dieser europafeindliche Mist ist es, den Europa zusammen mit Amerika exportiert und von den Völkern der Erde mit erschütternder Gier gefressen wird. Was aber sehen wird da: die Degradierung von Gottes Ebenbild zu einem „höheren Tier“, die Erklärung, daß Religionen überholt seien – auch Tiere haben keine – oder auch, daß ein Glaube so gut sei wie der andere, […] daß die politische Legitimität am besten durch einen Zahlenzauber festgestellt wird und daß „alle Menschen gleich wären“ […] .“

(Erik von Kühnelt-Leddihn, Konservative Weltsicht als Chance – Entlarvung von Mythen und Klischees)