Zum Begriff des antimuslimischen Rassismus

Das Verbrechen von Hanau mit dem Metathema des Rassismus in Verbindung zu bringen ist richtig und wichtig, denn der Täter suchte zielgerichtet einen Ort auf, bei dem er davon ausgehen konnte, auf Menschen zu stoßen, die er entsprechend seiner rassistischen Weltsicht als feindlich wahrnahm. In Bezug auf die Tatsache, dass ein Großteil seiner Opfer Muslime waren, wurde zudem die Begrifflichkeit des antimuslimischen Rassismus angeführt.

Der Begriff Rassismus unterliegt dabei der Prämisse, dass dieser grundsätzlich nur von verallgemeinernd als privilegiert wahrgenommenen Weißen – in anti-rassistischen Diskursen wird auf die Unterscheidung zwischen Hautfarben größter Wert gelegt – gegen verallgemeinernd als marginalisiert wahrgenommene Nicht-Weiße ausgehen kann (1). So stößt man beim Ansatz des antimuslimischen Rassismus auf ein zentrales Problem: er versagt in Fällen, in denen Hass und Gewalt gegenüber Muslimen von Nicht-Weißen ausgehen. Beispielsweise lässt sich über diesen Ansatz die Unterdrückungspolitik des chinesischen Staates gegenüber den mehrheitlich muslimischen Uiguren nicht deuten. Diese zielt dabei explizit und offenkundig auf Formen und Rituale muslimischer Religiosität ab (2). Gleiches gilt für die antimuslimischen Exzesse in Burma, wo die Verantwortlichen ebenfalls nicht Weiß sind. Auch die während des Balkankrieges durch serbisches Militär an bosnischen Muslimen verübten Gräueltaten lassen sich so nicht begreifen, da sich hier zwei weiße Kollektive gegenüber standen. Auch in der Gedankenwelt rechtsextremer Gewalttäter tauchen Aspekte auf, die sich nicht über den Ansatz eines antimuslimischen Rassismus deuten lassen. So hatte beispielsweise der Attentäter von Christchurch erklärt, er stünde weißen Islam-Konvertiten noch feindlicher gegenüber als nicht-weißen Muslimen, da diese durch die Annahme des Islam »ihre Rasse verraten« hätten (3).

Wenn daran gelegen sein soll, ein bestimmtes Phänomen – in diesem Fall den Hass auf Muslime, der zuweilen genozidiale Ausmaße annimmt – erfolgreich zu deuten, so kann dies nicht auf Grundlage von Ansätzen erfolgen, die selber schon Ausdruck einer bestimmten Weltsicht sind, da die Möglichkeiten zur Deutung dadurch unweigerlich eingeschränkt werden.

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(1) https://www.belltower.news/rassismus-gegen-weisse-gibt-es-nicht-48962/

(2) https://www.cfr.org/backgrounder/chinas-repression-uighurs-xinjiang

(3) https://nationalpost.com/news/world/the-christchurch-manifesto-the-weaponization-of-the-internets-ranting-troll-culture

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Maximilian Suleiman Massauer

Über Maximilian Suleiman Massauer

Vom Niederrhein stammend und 2009 zum Islam übergetreten. Gegenwärtig Studierend. Mein Interesse gilt insbesondere geschichtlichen, philosophischen und religiösen Themen und der diesbezüglichen Literatur. Besonders anziehend auf mich wirkt die Kunst der Aphoristik, in der ich mich gelegentlich selbst übe.

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