Buchauszug: ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz – Die Überlegenheit der Frau dem Manne gegenüber

«Die Frau steht auch in manchen Dingen über dem Mann: Sie ist es, um die geworben wird, die gewünscht, geliebt und begehrt wird, und sie ist es, um deretwillen man sich aufopfert und die beschützt wird […]

Etwas, woraus man auf die Ehrenbezeugung gegenüber Frauen schließen kann, ist, daß man einem Mann bei Allah schwören läßt – der ja von nichts anderem übertroffen wird – und ihm den Eid abnimmt, zum Hause Allahs zu ziehen, seine Habe als Almosen zu spenden und seine Sklaven freizulassen, und es wird ihm leichtfallen, und er wird nicht verschmähen, dies zu tun.

Aber wenn man von ihm den Schwur verlangt, seine Frau zu verstoßen, dann verfinstert sich sein Gesicht, Zorn überfliegt seine Stirn, er wehrt sich, widersetzt sich, wird böse und weigert sich, selbst wenn der, der den Eid fordert, ein ehrfurchtgebietender Herrscher wäre, selbst wenn er seine Frau liebte und achtete und selbst wenn sie häßlich anzusehen und gering einzuschätzen wäre, nur eine unbedeutende Mitgift erhalten hätte und nur wenig Besitz ihr eigen nennte.

All das kommt nur daher, weil Allah die Stellung der Gattinnen in den Herzen der Gatten so hoch gemacht hat […]

Ein anderes ist, daß Allah zwar aus einer Frau ohne Zutun eines Mannes ein Kind erschaffen hat, daß Er aber niemals ein Kind aus einem Mann ohne Zutun einer Frau erschaffen hat; somit hat Er eine Frau und nicht einen Mann mit dem Wundermerkmal und dem strahlenden Beweis ausgezeichnet, als Er zum Beispiel den Messias im Leib Mariens ohne Zutun eines Mannes erschuf.»

(ʿAmr ibn Bahr al-Jāhiz, [159-255 n. H.], Fi ‚l-ishq wa’n-nisa‘, übertragen in die deutsche Sprache von Walter W. Müller, in Arabische Geisteswelt – ausgewählte und übersetzte Texte von al-Jahiz, Artemis Verlag, ©1967, Seite 414-415)

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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