Offener Brief an die EW-Redakteurin Anna S.: Stadtteil-Journalismus auf BILD-Niveau

Betrifft den Artikel von Frau Anna S. im Elbe Wochenblatt 30.Juli 2014

Frau Anna S.,

jede Woche bekommen wir das Elbe Wochenblatt kostenlos und frei Haus geliefert und meine ägyptische Ehefrau und ich waren bisher immer begeistert von der Qualität dieser regionalen Stadtteiljournalie. Wir leben seit über 6 Jahren (und unsere beiden Söhne 3 und 5 Jahre) in Wilhelmsburg und haben hier unseren Lebensmittelpunkt gefunden. Wir genießen förmlich das offene und vielfältige kulturelle und religiöse Klima hier und hatten bisher noch nie das Gefühl nicht willkommen zu sein.

Das änderte sich nun schlagartig, denn anscheinend ist man beim Elbe Wochenblatt darum bemüht Zweitracht unter den Bewohnern der Elbinsel zu säen und zwar aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit. Meine Frau und ich sind Anhänger der atharischen Glaubenslehre, eine anerkannte sunnitische Theologieschule, deren Anhänger hier in Deutschland leider vor allem als „Salafisten“ beschimpft werden, allerdings nur von einigen Medien und Behörden.

Hier in Wilhelmsburg, wo wir unseren Glauben offen leben (können), hat bisher niemand Anstoß an uns genommen, vielmehr haben wir Anschluss gefunden und pflegen Bekanntschaften und Freundschaften, wie einige andere „Salafisten“ hier in unserem Stadtteil. Dieses Recht hat auch Herr Vogel. Es gibt keinen anständigen Grund es der Springer-Presse in dieser Hinsicht gleich zu tun und einen unbescholtenen Bürger (Herr Vogel ist weder vorbestraft, noch laufen strafrechtliche Verfahren gegen ihn) dermaßen an den Pranger zu stellen und somit sein Recht auf Freizügigkeit (GG, Art. 11) einzuschränken.

Und Sie, Frau S., überbieten BILD-Zeitung & Co sogar noch an Niederträchtigkeit, weil Sie nicht nur in ihrem Stil schreiben, sondern fast sämtliche Fakten allein aus ihr beziehen. Ihr Artikel liest sich wie die schlechte Kopie eines BILD-Zeitungartikels.

Wieso, Frau S., halten Sie es für notwendig unseren Mitbürgern in Wilhelmsburg mitzuteilen, dass Pierre Vogel Hartz4-Empfänger ist? Und woher wissen Sie das?

Halten Sie Hartz4-Empfänger für schlechtere Menschen? Dann dürften Sie sich in Wilhelmsburg aber nicht wohl fühlen. Wie fänden Sie es, wenn Sie von dieser Transferleistung abhängig wären und irgendjemand auf einmal den Drang verspüren würde es den ganzen Stadtteil wissen zu lassen? Was würden Sie von einem Ihnen wildfremden Mann halten, der durch Wilhelmsburg spaziert mit einem Schild „Frau Anna S. bezieht Hartz4“?

Nun, würde es stimmen, dann würde dieser wildfremde Mann zumindest die Wahrheit sprechen, aber Sie gehen noch ein Stück weiter und kopieren einfach eine BILD-Zeitungs-Lüge. Ihr Bedürfnis, einen Ihnen fremden Mann öffentlich an den Sozialpranger zu stellen, wird also noch gesteigert durch eine dreiste Lüge. Dass Pierre Vogel Hartz4-Empfänger ist, wird bisher ausschließlich von Islamhass-Seiten wie PI-News und von Blättern der Springer-Presse behauptet. Hier wird dem EW-Leser wohl gewahr, auf welchem Niveau Ihre Recherche vonstatten geht.

Fakt ist, Herr Vogel bezieht KEIN Arbeitslosengeld I, KEIN Arbeitslosengeld II (Hartz4) und KEINE Sozialhilfe. Seien Sie zumindest so anständig diese Lüge richtig zu stellen und besinnen Sie sich doch auf ihre christlichen schulischen Wurzeln. Ebenso wie Herr Vogel scheinen auch Sie eine Katholische Schule besucht zu haben, eine Schule die die jesuitische Tradition hochhält. Seien Sie doch ein wenig christlich und begegnen ihrem Feind (wenn sie Herrn Vogel schon als solchen betrachten) mit der nötigen Nächstenliebe und geben ihm zumindest die Möglichkeit zu Vorwürfen Stellung zu nehmen … und kopieren Sie bitte nicht aus der BILD-Zeitung, dass ist nämlich erbärmlich.

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Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

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