Rose Wilder Lane, eine konsequente Freiheitsdenkerin und Bewunderin des Propheten

Rose Wilder Lane (1886-1968) gilt in den USA (neben Ayn Rand and Isabel Paterson) zu den 3 wichtigsten weiblichen Persönlichkeiten der wohl konsequentesten Freiheitsbewegung, des Libertarismus. Als Journalistin war sie ab 1918 bis 1924 in der Sowjetunion unterwegs und bereiste Europa und den Orient. Besonders gern und häufig hielt sie sich jedoch in Albanien auf, wo sie ab 1926 bis 1928 durchgehend lebte.

Während ihrer Aufenthalte im sowjetisch okkupierten Kaukasus (u.a. Aserbaidschan, Georgien, Armenien) im Mittleren Osten (u.a. Türkei, Ägypten, Palästina, Syrien, Irak) und auf dem Balkan, zeigte sie ein besonderes Interesse an der frühen Geschichte des Islams.

Die Expertise zu diesem Thema hat sie anscheinend nachhaltig beeindruckt und veranlasste sie, in ihrem literarischen Hauptwerk „The Discovery Of Freedom“ (Die Entdeckung der Freiheit), den Islam und seine Ausrufung durch den Propheten Muhammed – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als den zweiten historischen Versuch zur Befreiung des Individuums darzustellen.

So schreibt sie:

»About thirteen hundred years ago a self-made business man began the second attempt to establish the fact of individual freedom in practical affairs.«

Rose, Wilder Lane, The Discovery Of Freedom (1943), The John Day Company / New York, S. 82

(ÜBERSETZUNG: Vor etwa dreizehn Jahrhunderten begann ein self-made Geschäftsmann den zweiten Versuch, die Tatsache der individuellen Freiheit in der Praxis zu etablieren.)

Als ersten historischen Versuch beschreibt sie übrigens das Wirken des Propheten Abraham – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -.

Insgesamt liest sich das Buch mitunter wie eine Ode an den Islam und eine Anerkennung der sunnitischen Doktrin, dass der wahre Glaube nicht nur aus der Überzeugung mit dem Herzen und dem Aussprechen mit der Zunge besteht, sondern auch aus den Taten des Körpers.

So schreibt sie:

»The God of Abraham, Moses, Christ and Mohammed is
One God. […] By your fruits, your acts, shall ye be judged; because your acts are you. Faith without works is dead; a man acts in accordance with his belief, a faith that does not shape his acts does not exist in him. Energy operates under control and can not be separated from its control; how, then, can there be a separation between a man’s self and his acts, between his soul and his living body?«

Rose, Wilder Lane, The Discovery Of Freedom (1943), The John Day Company / New York, S. 128

(ÜBERSETZUNG: Der Gott Abrahams, Mose, Christi und Mohammeds ist Ein Gott. […] Nach euren Früchten, euren Taten, werdet ihr gerichtet werden; denn eure Taten seid ihr. Der Glaube ohne Werke ist tot; ein Mensch handelt nach seinem Glauben, ein Glaube, der seine Handlungen nicht prägt, existiert in ihm nicht. Die (menschliche) Energie arbeitet unter Kontrolle (des Individuums) und kann nicht von ihrer Kontrolle getrennt werden; wie kann es dann eine Trennung zwischen dem Selbst eines Menschen und seinen Handlungen, zwischen seiner Seele und seinem lebendigen Körper geben?)

Der Luxemburger Jean Pierre Hamilius, der Lanes Werk übersetzte, kommentierte und 1984 unter dem Titel „Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit“ publizierte, ließ sich sogar zu folgender Aussage hinreißen:

„Dank des Koran war der Grundstein für ein Regime der «Freiheit unter dem Gesetz» gelegt. Alle Bürger des Araberreiches fanden in ihrem Religions- und Rechtsbuch einfache, allgemeine und gleiche Gesetzesregeln, die für alle dieselben waren und deren Folgen klar erkennbar im Raum standen. Jeder Einzelne wußte also, welche möglichen Folgen seines Handelns er in Betracht ziehen mußte und wofür er verantwortlich gemacht werden würde.

Die regierenden Kalifen – ausgenommen gewisse Despoten unter ihnen – regierten im Rahmen des Gesetzes, d. h. sie konnten nur die Erzwingung allgemeiner Regeln durchsetzen, die unabhängig von jedem besonderen Fall festgelegt, auf alle Bürger gleichermaßen anwendbar waren. Anders ausgedrückt: das Gesetzes- und Religionsbuch des Islams schrieb genauestens vor, was die Einzelnen zu unterlassen hatten, um sich nicht gegenseitig zu behindern oder Schaden zuzufügen, während sie anderseits frei waren, alles zu tun, was nicht verboten war.“

Jean Pierre Hamilius, Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit (1984), Sankt-Paulus-Druckere, Aktiengesellschaft, Luxemburg, S. 93f

Ich muss interessierten Bücherwürmern unbedingt die Lektüre des Buches „The Discovery Of Freedom“ von Rose Wilder Lane empfehlen. Man kann es entweder als PDF auf meinem Blog herunterladen oder (bspw. auf Amazon) einen Nachdruck in Buchform bestellen.

________________________

P.S.: Wem der Name Rose Wilder Lane vielleicht bekannt vorkommt, sollte bei Wikipedia nachschauen. Dort liest man folgendes:

»Rose ermutigte ihre Mutter ebenfalls zu schreiben und so schrieb Laura die Geschichten ihrer Kindheit auf der Grundlage ihres Tagebuchs nieder und nannte diese Pioneer Girl. Rose suchte für ihre Mutter einen Verleger, den sie erst fand, als Laura ihre Bücher in Kindergeschichten umgeschrieben hatte. Little House in the Big Woods (deutsch: Unsere kleine Farm) erschien.«

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Wilder_Lane

Ihre Mutter hieß mit vollem Namen Laura Ingalls Wilder und die Verfilmung ihre Buchreihe „Little House in the Big Woods“ wurde ein Welterfolg, auch in Deutschland. => Unsere kleine Farm

Ähnliche Beiträge

Jens Yahya Ranft

Über Jens Yahya Ranft

Jens Yahya Ranft, Jahrgang 1975, verheiratet, 3 Kinder, Geschäftsführer und Prokurist in einem kleinen deutsch-arabischen Unternehmen. Urheber dieses Blogs. Liest und publiziert vor allem in den Bereichen Staats- und Religionsgeschichte, (Sozio-)Ökonomie, politische Philosophie und Soziologie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.