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`Abd al-Qadir al-Jilani: 10-Punkte-Leitfaden für eigenverantwortliches Handeln

10-Punkte-Leitfaden für selbstverantwortliches Handeln, zusammengefasst von Sh. Joe Bradford aus Al-Ghunya li-Talibi Tariq al-Haqq von Imam `Abd al-Qādir al-Jīlānī:

  1. Gebrauche Allahs Namen nicht unbedacht.
  2. Gib das Lügen auf.
  3. Breche niemals deine Versprechen.
  4. Verfluche niemanden und füge keinem anderen Schaden zu.
  5. Auch wenn dir Unrecht widerfährt, sei niemals selbst ungerecht zu anderen.
  6. Urteile nicht über andere und stempele sie nicht ab.
  7. Unterlasse es, auf die Sünden anderer zu schauen.
  8. Bürde anderen nichts auf, mache es ihnen nicht schwer.
  9. Beneide andere nicht, missgönne oder begehre nicht ihr Eigentum.
  10. Zeige Menschlichkeit der gesamten Schöpfung gegenüber.

Eine gewagte Meinung im Angesicht der Tragödie von #Aleppo?

von Yahya ibn Rainer

Es dürfte in der gegenwärtigen (emotional überwältigenden) Situation für einige von uns eine unerträgliche Ansicht sein, die ich hier einmal in Worte zu fassen versuche. Bitte nehmt es mir nicht übel.

Nicht erst jetzt, wo Aleppo zu fallen droht und zahlreiche Menschen von Vertreibung, Folter und Hinrichtung bedroht sind, liest man das Wehklagen vieler Muslime im Westen und andernorts auf der Welt.

Fassungslos und hilflos müssen wir erleben, wie Glaubensgeschwister qualvoll sterben müssen. Dies führt leider dazu, dass wir beginnen uns selbst und allen anderen Muslimen die Schuld und Verantwortung an den Vorkommnissen in Aleppo zu geben.

Ich jedoch halte diese Sichtweise für falsch. Seien wir doch mal ehrlich:

Auf der gesamten Welt gibt es Orte der Gewalt und des Massakers. Was Syrien/Aleppo in unseren Fokus rückt, ist das Vorhandensein von Medieninteresse, zahlreicher audiovisueller Aufzeichnungen und die Anbindung an das weltweite Netz. Während Aleppo jedoch fällt, werden Rohingya in Burma vertrieben, vergewaltigt und massakriert, in Afrika gibt es zahlreiche Orte, an denen Muslime niedergemetzelt werden. Nicht zu vergessen die unzähligen Gebiete, in denen Muslime Hunger und Durst leiden und daran elendig verrecken.

Diese Menschen haben keine Smartphones, keine Lobby, kein Internet. Deshalb erfahren wir nur sporadisch davon … wenn überhaupt.

Die Tatsache, dass wir hier im Westen zu den am besten informierten Menschen der Welt gehören und tagtäglich von beinah allen Tragödien dieser Welt erfahren, bringt uns in die unfassbare Situation zuschauen zu müssen. Denn wir können nicht die ganze Welt retten, nicht die Kriege, den Hunger und die Armut beenden.

Sicherlich kann man spenden, aber das ändert nicht die Zustände vor Ort, sondern kann lediglich das Leid ein wenig verringern, das durch diese Zustände erzeugt wird. Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bevor es sich nicht selbst ändert. Krieg und Frieden, Freiheit und Tyrannei sowie Armut und Reichtum sind und bleiben die Prüfungen Allahs für Seine Diener.

Unser Platz, unsere Verantwortung jedoch liegt vor allem dort wo wir leben. Es fängt mit uns selbst an, von dort steht uns die eigene Familie in Verantwortung am nächsten, dann die nächsten Nachbarn usw. usf..

Wir dürfen uns nicht einreden (lassen), dass wir uns für unsere guten Umstände schämen müssen. Was wir hier erleben, ist auch das Resultat unserer eigenen Handlungen. Die Tendenz ist hierzulande sicherlich eher absteigend, aber genau hier liegt wirklich unsere Verantwortung, im HIER und JETZT.

Schaut mal wie viele Geschwister weltweit nach Syrien ausgewandert sind. Hat es etwas zum Guten verändert? Nein.

Keinem Muslim darf eingeredet werden, er habe Verantwortung für die gesamte Welt und die gesamte Ummah. Das führt schnurstracks in die Depression. Das ist einfach unmöglich.

Wa Allahu 3alem.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Fatwa des türkischen Gelehrten Nureddin Yildiz hinweisen, der das Thema in ähnlicher Weise angeht. http://fatwazentrum.de/was-kann-ich-fuer-die-notleidenden-muslimischen-voelker-machen/

Eine kleine Richtigstellung zu meinem Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“

von Yahya ibn Rainer

Nachdem ich meinen Beitrag „Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah“ hier und auf ahlu-sunnah.com/blog publiziert hatte, gab es einige kritische Stimmen, die meinen Artikel dahingehend tadelten, dass er Glauben und Weltliches (Finanzielles) in nicht erlaubter Weise mische.

Die Grafik, die ich für den Beitrag benutzte …

circles

… und die ich im Rahmen eines Seminars mit Sheikh Haitham al-Haddad das erste Mal zu sehen bekam, bezog sich tatsächlich nur auf die Verantwortlichkeit für den Glauben. Der Beweis, den der Sheikh für dieses Urteil nannte, war die Aya 6 in Sure at-Tahrim(66) im edlen Quran (ungefähre Bedeutung):

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Mut, Würde und Anstand im digitalen Zeitalter vs. Dr. Alfons Proebstl, Boxvogel & Co

von Yahya ibn Rainer

Mut, Würde und Anstand haben im digitalen Zeitalter 3 Stufen.

Die niederste Stufe: Seine Meinung anonym, ohne Realnamen und Gesicht, im Netz zu publizieren.

Die Stufe des Gewöhnlichen: Mit seinem wirklichen Namen für die eigene Meinung einstehen, die man im Netz publiziert.

Die Stufe des wahren Mutes und ein Anzeichen für echte Würde und Anstand: Seine Meinung nicht nur im Netz zu publizieren, sondern auch zu leben und Auge in Auge dazu zu stehen.

Jedes Handeln aus der Anonymität heraus, entbindet den Handelnden quasi von den Konsequenzen seines Tuns. Wenn in dieser Form nicht nur Meinung geäußert wird, sondern auch agitiert – was heutzutage recht häufig die Intention der öffentlichen Meinungsäußerung ist -, dann ist Anonymität nicht nur feige, sondern auch verantwortungslos.

Besonders ekelhaft wird es, wenn man anonym im Netz öffentliche Pranger betreibt oder öffentlich andere Mitbürger beleidigt oder sich über sie lustig macht.

Es ist immer wieder eine Wohltat, wenn solche feigen Agitatoren entlarvt werden, wie kürzlich der YouTube-Pegidast „Dr. Alfons Proebstl“ – der in Wirklichkeit ein erfolgloser TV-Moderator ist – oder die Betreiberin des Blogs „Boxvogel“ – eine Islamhasserin von der SPD -.

Wenn ich diese feigen Versager so betrachte und im Vergleich dazu die mutigen Männer sehe, die jede Woche hinter den LIES- oder Siegel-der-Propheten-Ständen stehen, um sich dort den Fragen und Angriffen der Passanten zu stellen, dann erfüllt mich das mit wahrem Stolz. DAS sind Männer, die auch in schweren Zeiten zu ihrer Meinung stehen, real, Auge in Auge.

Man muss nicht (in allem) ihrer Meinung sein oder ihre Projekte befürworten, aber man muss ihnen anerkennen, dass sie mehr Mut, Würde und Anstand aufbringen, als diese ganzen Pröbstls, Boxvögel usw.

Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine gewaltige Erleichterung im Leben, wenn man ein komplett gefestigtes Weltbild hat, wenn sich also im groben Blick auf den Menschen und seine gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Handlungen – und den daraus resultierenden Konsequenzen – keine großen Fragen mehr auftun.

Wer ein solches Weltbild in sich trägt, sucht nicht mehr nach Antworten, sondern stellt mit teils größter Verwunderung fest, dass sich dieses Weltbild nur noch bestätigt oder komplettiert, wenn man die Literatur der Weisen liest, die sich auf Beobachtung und Analyse beschränkten und nicht in spekulativen und rationalistischen Konstrukten ergingen.

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Von Zigeunern, Migranten, Deutschen und einer Pfarrfamilie in Rumänien

von Yahya ibn Rainer

Ich sah kürzlich im Fernsehen eine Dokumentation über eine deutsche Pfarrfamilie in Rumänien. Den Anfang der Sendung hatte ich leider verpasst, aber auch der Rest war sehr interessant und anregend. Zwei Gedanken, die aus dem Gesehenen hängen blieben, möchte ich hier gern ausführen.

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