Schlagwort-Archive: Konvertiten

Mein Weg zum Islam – Teil 3

Seit meiner bewussten Wahrnehmung der Religion des Islams haben mich immer wieder Aufnahmen des Gebets in der heiligen Moschee in Mekka – Al-Masdschid al-Harām – zu Tränen gerührt. Diese aufwallenden Gefühle kamen ganz willkürlich, spontan und übermannten mich. Weitere Tränen flossen beim Hören des Adhāns. Insbesondere der Gebetsruf eines älteren Mannes aus Sarajevo hatte es mir angetan.

Doch wie sollte ich umgehen mit diesen unerwarteten Gemütsregungen? Diese Emotionen bedurften eines gewissen Fundaments und so begann ich über den Islam zu lesen. Die Wissensaneignung durch die Lektüre von Büchern und aufgezeichneten Vorträgen verschiedener islamischer Unterrichte, vollzog sich über mehrere Jahre. Der Pfad zum Licht wurde jedoch immer wieder unterbrochen, schließlich war ich jung und die Dunya mit vielen Verlockungen und Ablenkungen gespickt. Neben der offenherzigen Beschäftigung mit dem Koran, stellten sich das Buch „Der Weg nach Mekka“ von Muhammad Asad und die Bücher von dem deutschen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann wie „Der Islam als Alternative“ oder „Reise nach Mekka“ als wegweisend heraus. Dieser monolithische „Drive“ des Islams, seine klare Lehre und die Akzeptanz der Logik als partielle Erkenntnisquelle wurden gerade in diesen Büchern bewundernswert beschrieben.

Im Zuge meiner Recherchen und Beschäftigung mit dem Islam stieß ich auf die damalige Internetpräsenz der Hamburger „Masjid Taiba“. Unweigerlich stieß ich auf den ehrenwerten Bruder Jens Yahya Ranft und seinen Blog „Al-Adala“. Die Symbiose aus dem klaren Bekenntnis zum Islam und der dennoch vorhandenen Liebe zur eigenen Herkunft weckte mein Interesse. So besuchte ich in unregelmäßigen Abständen seine Website. Zu meiner Studienzeit gab es dann im Jahre 2012 erstmalig persönlichen Kontakt. Es entstand ein fruchtbarer Austausch über Religion, Politik und Kultur. Ich konnte jenseits von der abstrakten Beschäftigung mit dem Islam, nun eine praktische Handschrift des Islams kennenlernen. Dieses war – neben dem authentischen Akhlaq des Bruders – eine nicht unwesentliche Komponente auf dem Weg zur Annahme des Islams.

Letztlich wurde ich über Jahre hinweg vom Islam wie von einem Magneten angezogen, weil ich mich in seiner Gefühls- und Formenwelt intellektuell und gefühlsmäßig so zu Hause fand, als sei ich schon einmal dagewesen. Dieses blieb natürlich auch meiner Familie nicht verborgen. Sukzessive machte ich meine Familienmitglieder mit dem Islam vertraut, sodass Verständnis und noch wichtiger Akzeptanz für mein Interesse am Islam erwuchs.

Meine Reise zur Religion der Wahrheit endete jedoch erst als siebenundzwanzigjähriger Mann. Im Herbst diesen Jahres bezeugte ich, dass kein Gott da ist außer Allah und dass Muhammad der letzte Prophet ist. Alles Lob gebührt Allah! Wahrlich ich war mehrmals in meinem Leben der Rechtleitung ziemlich nah, doch die Vorherbestimmung Allahs hat es anders gewollt. Die Reise zum Islam endete, obgleich die Wanderschaft als gläubiger Mensch erst jetzt angefangen hat.

Mein Weg zum Islam – Teil 2

Meine Jugend war geprägt von der Suche nach der Sinnhaftigkeit in diesem Dasein. Als immer schon nachdenklicher Junge ging es mir einfach nicht in den Kopf, dass neben Job und Familie, nichts Weiteres eine höhere Wertigkeit besitzt. Zum Glück ist meine Familie spirituell geprägt, wobei jedoch kein gezieltes und grundiertes Bekenntnis gepflegt wurde. So hatte ich zumindest innerhalb meiner kleinen Familie Personen mit denen ich mich austauschen konnte.

Nach dem Umzug in ein anderes Stadtviertel ging ich auf eine multikulturelle Haupt-und Realschule und lernte einige Muslime kennen, wobei ich mit einem türkischen Freund aus der damaligen Zeit, später besuchten wir auch gemeinsam das gleiche Gymnasium, auch heute noch in Kontakt stehe. Er war es auch, der mir eines Tages einen kleinen Zettel mit einer Notiz in die Hand drückte. Dort stand geschrieben: 100%iger Beweis, dass der Koran das Wort Gottes ist.

„Schau Dir unbedingt diesen Vortrag an!“, sagte er noch. So saß ich irgendwann im Jahre 2007 nach Beendigung meiner Hausaufgaben vor dem Rechner und guckte mir den Vortrag von einem gewissen Pierre Vogel an. Man war ich beeindruckt! Es blieb natürlich nicht nur bei einem Vortrag und so landete ich auf der Seite „Die wahre Religion“. Damals war es noch nicht die Zeit in der inflationär der Begriff Salafismus verwendet wurde und vor solcherlei Gruppierungen eindringlich gewarnt wird. Seinerzeit konnte ein Ibrahim Abou Nagie in TV-Berichten über den Islam ungeniert reden und war noch keine geächtete Person. Ein ziemlich schlichtes und simples Video von ihm rührte mich besonders:

Der Satz: „Dein Schöpfer, Allah, hat schon vorherbestimmt das du diese Aufnahme siehst.“ ließ mich Gottes Gegenwart spüren. Dieses durch viele Vorträge erzeugte Wissen entlud sich eines Schultages im Religionsunterricht. Ich sollte nämlich einen Vortrag über den Islam halten und war auch sehr begeistert an die Sache rangegangen. Der Klasse, unter den verdutzten Blicken des Lehrers, erzählte ich etwas von wissenschaftlichen Wundern im Koran. Später teilte ich nach dem Referat beschwingt meine Handouts aus, wo ich die Seite „Einladung zum Paradies“ empfahl. Doch die Verlockungen des westlichen Weltverständnisses zollten ihren Tribut. .-wahrscheinlich aber auch die Aussage eines Verwandten: „Wenn Du den Islam annimmst wirst Du ein kurzes Leben haben.“ Was konkret damit gemeint war, blieb im dunklen, aber ließ mich erahnen was für ein Gegenwind ich zu erwarten hätte.

So lebte ich trotz meiner Begeisterung für Literatur, Philosophie und dem Islam ein relativ typisches Jugendleben. Es kam die Zeit wo ich ziemlich stark mit atheistischen Ansichten sympathisierte und im Politikunterricht als „Kommunistenschwein“ verschrien war. Meine Begeisterungsfähigkeit kehrte sich nun zum historischen Materialismus um und ich hielt im Geschichtsunterricht glühende Reden über den Kommunismus. Dennoch kehrte ich immer wieder für einige Tage zum Islam zurück. Er ließ mich einfach-auch in den kommenden Jahren- nicht mehr los. Mein relativ unstetes Leben war gefüllt von ideologischen Perspektivwechseln: In der Schulzeit vom linken Gedankengut- so war ich für eine Woche Mitglied in der SPD (deren verbrämtes Gedankengut und Biedermeiertum mich schnell zurückrudern ließ)- bis hin zu eher nationalrevolutionären Vorstellungen zur meiner Studienzeit. All‘ diese Entwicklungen geschahen sprunghaft und voller Sehnsucht nach Wahrheit und dem richtigen Weg.

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 3.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

Mein Weg zum Islam – Teil 1

Ich träumte einen Traum. Ein Traum der Fitra und Hidaya. Es war als Kleinkind, als ich im Schlafe ein goldenes Buch, in mitten eines wunderschönen Gartens, erblickte. Dieses Buch hatte merkwürdig verschlungene Zeichen auf dem Bucheinband. Heute weiß ich durch die Traumnotizen meiner Mutter und Rekapitulation: Es war der Koran.

Trotz dieses wundersamen Traumes blieben meine ersten Jahre auf dieser Welt jenseits von intensivieren Berührungspunkten mit der Welt des Islams und den Muslimen. Aus meiner Kindheit kann ich mich nur an zwei bewusst erlebte Begebenheiten mit Muslimen erinnern. Leider waren diese Erfahrungen eher negativ konnotiert.

Damals hatten wir ein wöchentliches Ritual in der Familie: Wir besuchten einen Flohmarkt der immer zugunsten des angegliederten Tierheimes stattfand. Diesen Markt besuchten erstaunlich viele Frauen mit Kopftuch in langen grauen Mänteln. Sie fielen dadurch auf, dass sie oftmals auf den Boden spuckten, wenn ihnen der angebotene Preis nicht passte. Als Kleinkind hatte ich so etwas noch nie erlebt und entwickelte eine gewisse Furcht vor diesen großen Schleiereulen mit ihren vollgepackten Tüten die am Ende des Flohmarktes davon watschelten.

Seinerzeit lebten wir in einem gutbürgerlichen Viertel in der Elbmetropole. Manchmal brachten wir unsere Kleidung zu einer Schneiderin an der Ecke einer großen Hauptstraße. Eine traditionell türkische Familie leitete dieses kleine Gewerbe. Die Tochter der Familie namens Esma sprang eines Tages mit einer Spielzeugpistole hinter der Ladentheke hervor: Das junge Kleinkind was ich nun einmal war, erschreckte sich zu Tode. Die Frau Mutter Schneiderin unternahm jedoch nichts gegen dieses kundenerschreckende Verhalten ihrer Tochter und fand es sogar eher amüsant. Seitdem waren wir nicht mehr Kunden dieses Ladens.

Die erste Wendung auf meinem Weg zum Islam brachte Jahre später eine deutsche Koranausgabe von Max Henning, die eher auf akzidentellem Wege in unser Haus gelangte. Zu dieser Zeit arbeitete nämlich meine älteste Schwester als Arzthelferin in einer persischen Arztpraxis der Allgemeinmedizin. Eines Tages brachte sie eine ungefähre Übersetzung des Korans mit nach Hause. Eher beiläufig erwähnte sie, dass irgendjemand der Patienten diesen liegen gelassen habe und nach einigen Wochen immer noch nicht abgeholt hatte. Seitdem lag er in unserer Wohnung und wurde durch mich als begeisterte Leseratte dann und wann frequentiert. Schon damals verspürte ich beim Lesen einen gewissen Sog der mich erkennen ließ, dass dieses Buch etwas besonderes sein muss.

Was mir jedoch bei dieser gebrauchten Ausgabe sofort auffiel, waren die mit einem fetten Rosabuntstift markierten Verse des Korans. Eine Stelle war zum Beispiel folgende:

„Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.“ (Sure al-Baqara: 191)

Und eine weiterer Vers:

„Gewiß, die schlimmsten Tiere bei Allah sind die, die ungläubig sind und (auch) weiterhin nicht glauben“ (Sure al-Anfal: 55)

Schon damals waren also willfährige Islamkritiker unterwegs, die den Koran nach verdächtig erscheinenden Stellen untersuchten und markierten, um in der Diskussion stolz ihr Wissen über den Islam kundtun zu können. Mich jedoch störten diese Markierungen in keinster Weise. Ich markierte einfach die mich besonders positiv inspirierenden Stellen wie zum Beispiel:

„In der Schöpfung der Himmel und der Erde; im Unterschied von Nacht und Tag; in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt; darin, daß Allah Wasser vom Himmel herabkommen läßt, und damit dann die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht und auf ihr allerlei Tiere sich ausbreiten läßt; und im Wechsel der Winde und der Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gemacht sind, sind wahrlich Zeichen für Leute, die begreifen.“ (Sure al-Baqara: 164)

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 2.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

Kurz gesagt: Kein religiöses Lob für neue Konvertiten

Ein Tipp für Geschwister die Umgang mit Konvertiten pflegen:

Das Schlimmste für die gesunde Entwicklung des Konvertiten ist das Lob seines Umfeldes. Konvertiten starten nicht selten mit Vollgas und erwecken in diesem frühen Stadium den Eindruck, als seien sie besonders gläubig und streng mit sich selbst.

Mit dem übermäßigen Loben jedoch werden Konvertiten häufig unter Druck gesetzt, was schlimme Folgen haben kann, besonders wenn sich mal ein Imantief ankündigt. Dann nämlich fangen nicht wenige Konvertiten mit dem heucheln an, um nicht die Erwartungshaltung ihres Umfeldes zu enttäuschen und um weiterhin den gleichen hohen Rang zu bekleiden.

Diese Heuchelei kann zu einer großen Belastung werden und im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Abfall vom Islam kommen. (Ich kenne Beispiele)

Wer es der Heuchelei gestattet, sich fest in der religiösen Praxis einzunisten, der beginnt auch andere Muslime der Heuchelei zu bezichtigen. Jede Person, die nach außen eine vorbildliche Praxis zeigt wird quasi im negativen Sinne beneidet oder man projiziert den eigenen Zustand auf sie.

So lieb und nett der Lob einiger Muslime auch gemeint sein mag, er stiftet häufig mehr Schaden als Erfolg.

Kurz gesagt: Die Egozentrik der religiösen Strenge

Wisst ihr was ich schade finde?

In meinen jetzt fast 10 Jahren als Muslim habe ich zahlreiche muslimisch-religiöse Werdegänge mitverfolgen können. Besonders bei Konvertiten und Revertiten fällt mir auf, dass sie sich nach einiger Zeit gewissermaßen religiös einpendeln bzw. mit dem Diesseits wieder erden.

Viele lassen in diesem Zusammenhang in ihrer Strenge und Kompromisslosigkeit nach. Dies ist in vielerlei Hinsicht natürlich zu befürworten, allerdings beginnen die meisten damit anscheinend erst, wenn sie für sich selbst das Bedürfnis danach verspüren. Ihre Strenge anderen gegenüber bleibt also genau so lange erhalten, bis sie selbst ihrer eigenen Strenge nicht mehr gerecht werden können.

Dies finde ich schade und ehrlich gesagt auch ungerecht. Es gibt leider nur wenige Muslime, die diesen Wandel in der religiösen Strenge nur anderen gegenüber vollziehen, während sie sich selbst gegenüber streng bleiben können.

So siehst du also nur wenige Muslime, die anderen das Kürzen des Bartes gestatten, ohne es bei sich selbst zu tun, oder die es anderen gestatten Musik zu konsumieren, ohne selbst damit anfangen zu müssen.

Dieser Egozentrismus ist meines Erachtens eines der großen Probleme der Ummah heutzutage.

Muslime in ernsthaften Glaubenskrisen

von Yahya ibn Rainer

Mich erreichen in letzter Zeit leider vermehrt Berichte und Nachrichten von Muslimen die sich in ernsthaften Glaubenskrisen befinden. Ausgelöst werden diese u.a. durch plötzliche/drastische Imantiefs, hartnäckige Zweifel und auch durch schlechte Erfahrungen im persönlichen Umgang mit äußerlich rechtschaffend wirkenden Glaubensgeschwistern.

Imantiefs gehören zum Glauben eines jeden Muslims. Der Iman steigt und sinkt,  der Muslim merkt das und muss lernen damit umzugehen. Ebenfalls sind Zweifel an allgemein anerkannten und sogar fundamentalen Lehren des Islams keine Seltenheit, auch und speziell bei Gelehrten und Intellektuellen.

Was jedoch besonders schlimm dieser Tage scheint, ist das erbärmliche Benehmen vieler Muslime, die äußerlich die Zeichen einer vorbildlichen muslimischen Lebensführung darbieten.

Egal ob es sich um Muslime in den sozialen Netzwerken handelt, die durch Profilbilder und religiös motivierte Postings einen gewissen Anschein pflegen, oder Geschwister, die möglichst streng und tadellos das äußere Erscheinungsbild gestalten; beide Gattungen bergen heutzutage leider einen erschreckend hohen Anteil an äußerst fragwürdigen Charakterzügen in sich.

Ein häufiger Fehler, den (scheinbar besonders fromme) Muslime hierzulande gern begehen, ist das ständige öffentliche Beschweren über diejenigen Glaubensgeschwister, die anscheinend nicht dermaßen vorbildlich und tadellos den Islam praktizieren können wie sie, und das ruppige Zurechtweisen selbiger.

Meine Erfahrung in den letzten fast 10 Jahren als Muslim ist, dass es speziell für diese „ruppigen Frommen“ eine geradezu existentielle Prüfung wird, wenn der Iman einmal sinkt oder gewisse Zweifel den Verstand herausfordern. Denn den eigenen hohen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden, wegen denen man zuvor zahlreiche Muslime tadelte, ist wie ein zusätzliches schweres Gewicht am Fuß, wenn man hinabsteigt in die Sphären der Schwäche und Zweifel.

Manche können sich noch in die Heuchelei retten, das äußere Bild wahren, aber gerade diese Form der Lebenspraxis ist alles andere als förderlich für eine Wiederzunahme des Glaubens und eine Ausräumung der Zweifel. Vielmehr setzt sich der Wesenszug der Heuchelei im Charakter fest und wird Teil der eigenen Persönlichkeit. Dies merken einige und sehen teilweise keinen anderen Ausweg mehr als die Abtrünnigkeit.

Ich habe so viele Muslime (Revertiten und Konvertiten) kommen und gehen sehen. Die längsten Bärte, die größten Hijaabs, die strengsten Auffassungen … und einige Wochen, Monate oder Jahre später komplett raus aus der Religion.

Fürchtet Allah, meine lieben Geschwister, seid gutmütig zu denen, die sich nicht in der Lage sehen den Islam dermaßen streng auszulegen wie ihr es derzeit könnt, denn nur Allah weiß, ob Er euch mit dem Islam bis zu eurem Lebensende ehren wird, oder ob Er euch von eurem hohen Ross stößt.

Und an diejenigen gerichtet, die gerade ein Glaubenstief plagt oder ein großer Zweifel: Lasst euch nicht von oben herab, von irgendwelchen scheinbar Frommen, die Religion schwer machen. Die Sünde und der Zweifel gehören zur Ummah und Allah ist barmherzig und vergebend.

„Er liebt eine Sünde, die dich vor Ihm demütig werden lässt, mehr als ein Gottesdienst, der dich vor Ihm selbstgefällig werden lässt. Es ist besser für dich, dass du die Nacht schlafend verbringst, und den Morgen bereuend erreichst, als dass du die Nacht betend verbringst, und den Morgen selbstbewundernd erreichst, denn die Taten eines jemanden, der sich selbst bewundert, steigen nicht empor. Es ist besser für dich, dass du lachst, während du [deine Sünden] erkennst, als dass du weinst, während du selbstgefällig bist.

Das Ächzen eines Sünders ist besser als der Gesang eines selbstgefälligen Lobpreisenden. Es mag sein, dass Allah ihn mittels dieser Sünde eine Heilung kosten lässt, mit der eine verheerende Krankheit in ihm geheilt wird, von der du auch heimgesucht bist, ohne es zu wissen.“

— Imam Ibn al Qayyim [Gest. 751 n.d.A] رحمه الله.
(Besten Dank an Bruder Behzad Zibari)

Bitte verliert niemals die Hoffnung.

Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen

von Yahya ibn Rainer

Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen, sind meist selbst von inneren Zweifeln geplagt und versuchen sich auf diese Weise Selbstachtung und Bestätigung zu verschaffen. Aber die daraus resultierende gefühlte Überlegenheit und Sicherheit ist eine Fassade, sie hebt die Selbstzweifel nicht auf, sondern betäubt sie nur, wie ein Rauschmittel. Wie ein Rauschmittel macht es aber auch abhängig. So verschließt man sich dem einzigen Mittel, mit welchem Selbstzweifel beseitigt werden können, nämlich durch eine intensive Beschäftigung mit sich selbst.

Die Tatsache, dass die Religion allgemeinhin nur noch von wenigen Menschen aufrichtig und sichtbar praktiziert wird, lässt den Neuerweckten – also den anfangs hochmotivierten Konvertiten oder Revertiten – recht schnell einen Zustand erreichen, in dem er (zumindest rein äußerlich) aus der Masse der Muslime heraus sticht. Nicht jede Nafs kann diesen Umstand richtig einordnen.

Manch einer beginnt (mit Blick auf sein Umfeld) mit sich zufrieden zu sein und setzt das ihm Mögliche an äußerlicher religiöser Praxis gewissermaßen als allgemein machbar voraus, macht sich also quasi selbst zum Maßstab. Man beginnt diejenigen als geringer zu erachten, die weniger in der Lage sind zu praktizieren, die nachlässiger sind oder Fehler begehen die man selbst (noch?) nicht begeht … und man spricht darüber.

Dies aber ist die große Gefahr für die Neuen im Islam. Sie bleiben nämlich dadurch in ihrer eigenen Entwicklung stehen. Und wenn sie meinen, in ihrer äußerlichen Praxis einen (mit anderen) vergleichsweise guten Zustand erreicht zu haben, dann stürzt sie eben diese Sichtweise (zumeist ohne dass sie es selbst merken) in eine innerliche Krise.

Besonders wenn man als Neuer anfangs viel gelobt wurde, weil man mit seiner sichtbaren Praxis so außerordentlich vorbildlich schien, reicht schon ein kleines Glaubenstief aus – das jeden von uns einmal ereilt – und man sieht sich gezwungen einen Teil seiner Handlungen zu heucheln. Denn wer will schon das Lob missen, den Lobenden enttäuschen und dem zuvor geschmähten religiösen „Schwächling“ die nun eigene Nachlässig- und Fehlerhaftigkeit eingestehen.

Für manche Konvertiten und Revertiten bedeutet diese erste Krise manchmal sogar schon das Ende des religiösen Lebens oder zumindest eine große Relativierung, für andere jedoch öffnet dieser innere Zweifel erst die Tür zum wahren Extremismus, nämlich dann, wenn er Gleichgesinnte findet, die ebenfalls dem Rausch verfallen sind, durch die Geringschätzung der Anderen die eigenen Zweifel zu betäuben.

Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte?

von Yahya ibn Rainer

Vor einiger Zeit machte mich ein Bruder aus Hannover auf einen Blog aufmerksam, der von einem Konvertiten aus den USA gepflegt wird. Der Name dieses Konvertiten ist Joe Bradford und er studierte und graduierte im Fach Islamisches Recht und Rechtstheorie an der Islamischen Universität zu Medina.

Aus dem folgenden Blogbeitrag habe ich einen Teil in die deutsche Sprache übertragen:

What’s in a name? or Why you don’t have to and shouldn’t change your name in Islam. (http://www.joebradford.net/change-name-islam)

Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte? weiterlesen

Eine Realität? Psychisch kranke Konvertiten.

von Yahya ibn Rainer

Mein palästinensischer Hausarzt, ein Doktor der Allgemeinmedizin, erklärte mir kürzlich, dass erschreckend viele Konvertiten teils krankhafte Komplexe, Phobien, Präferenzen (Neigungen) und Zwänge mit in den Islam nähmen und dort unter dem Vorwand der Religion teils exzessiv ausleben würden.

Besonders seien soziale Ängste und Persönlichkeitsstörungen auffällig, es würden häufig Minderwertigkeitskomplexe kompensiert und neue Identitäten (Persönlichkeiten) geschaffen.

Eine Realität? Psychisch kranke Konvertiten. weiterlesen