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Kurz gesagt: Die Egozentrik der religiösen Strenge

Wisst ihr was ich schade finde?

In meinen jetzt fast 10 Jahren als Muslim habe ich zahlreiche muslimisch-religiöse Werdegänge mitverfolgen können. Besonders bei Konvertiten und Revertiten fällt mir auf, dass sie sich nach einiger Zeit gewissermaßen religiös einpendeln bzw. mit dem Diesseits wieder erden.

Viele lassen in diesem Zusammenhang in ihrer Strenge und Kompromisslosigkeit nach. Dies ist in vielerlei Hinsicht natürlich zu befürworten, allerdings beginnen die meisten damit anscheinend erst, wenn sie für sich selbst das Bedürfnis danach verspüren. Ihre Strenge anderen gegenüber bleibt also genau so lange erhalten, bis sie selbst ihrer eigenen Strenge nicht mehr gerecht werden können.

Dies finde ich schade und ehrlich gesagt auch ungerecht. Es gibt leider nur wenige Muslime, die diesen Wandel in der religiösen Strenge nur anderen gegenüber vollziehen, während sie sich selbst gegenüber streng bleiben können.

So siehst du also nur wenige Muslime, die anderen das Kürzen des Bartes gestatten, ohne es bei sich selbst zu tun, oder die es anderen gestatten Musik zu konsumieren, ohne selbst damit anfangen zu müssen.

Dieser Egozentrismus ist meines Erachtens eines der großen Probleme der Ummah heutzutage.

Muslime in ernsthaften Glaubenskrisen

von Yahya ibn Rainer

Mich erreichen in letzter Zeit leider vermehrt Berichte und Nachrichten von Muslimen die sich in ernsthaften Glaubenskrisen befinden. Ausgelöst werden diese u.a. durch plötzliche/drastische Imantiefs, hartnäckige Zweifel und auch durch schlechte Erfahrungen im persönlichen Umgang mit äußerlich rechtschaffend wirkenden Glaubensgeschwistern.

Imantiefs gehören zum Glauben eines jeden Muslims. Der Iman steigt und sinkt,  der Muslim merkt das und muss lernen damit umzugehen. Ebenfalls sind Zweifel an allgemein anerkannten und sogar fundamentalen Lehren des Islams keine Seltenheit, auch und speziell bei Gelehrten und Intellektuellen.

Was jedoch besonders schlimm dieser Tage scheint, ist das erbärmliche Benehmen vieler Muslime, die äußerlich die Zeichen einer vorbildlichen muslimischen Lebensführung darbieten.

Egal ob es sich um Muslime in den sozialen Netzwerken handelt, die durch Profilbilder und religiös motivierte Postings einen gewissen Anschein pflegen, oder Geschwister, die möglichst streng und tadellos das äußere Erscheinungsbild gestalten; beide Gattungen bergen heutzutage leider einen erschreckend hohen Anteil an äußerst fragwürdigen Charakterzügen in sich.

Ein häufiger Fehler, den (scheinbar besonders fromme) Muslime hierzulande gern begehen, ist das ständige öffentliche Beschweren über diejenigen Glaubensgeschwister, die anscheinend nicht dermaßen vorbildlich und tadellos den Islam praktizieren können wie sie, und das ruppige Zurechtweisen selbiger.

Meine Erfahrung in den letzten fast 10 Jahren als Muslim ist, dass es speziell für diese „ruppigen Frommen“ eine geradezu existentielle Prüfung wird, wenn der Iman einmal sinkt oder gewisse Zweifel den Verstand herausfordern. Denn den eigenen hohen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden, wegen denen man zuvor zahlreiche Muslime tadelte, ist wie ein zusätzliches schweres Gewicht am Fuß, wenn man hinabsteigt in die Sphären der Schwäche und Zweifel.

Manche können sich noch in die Heuchelei retten, das äußere Bild wahren, aber gerade diese Form der Lebenspraxis ist alles andere als förderlich für eine Wiederzunahme des Glaubens und eine Ausräumung der Zweifel. Vielmehr setzt sich der Wesenszug der Heuchelei im Charakter fest und wird Teil der eigenen Persönlichkeit. Dies merken einige und sehen teilweise keinen anderen Ausweg mehr als die Abtrünnigkeit.

Ich habe so viele Muslime (Revertiten und Konvertiten) kommen und gehen sehen. Die längsten Bärte, die größten Hijaabs, die strengsten Auffassungen … und einige Wochen, Monate oder Jahre später komplett raus aus der Religion.

Fürchtet Allah, meine lieben Geschwister, seid gutmütig zu denen, die sich nicht in der Lage sehen den Islam dermaßen streng auszulegen wie ihr es derzeit könnt, denn nur Allah weiß, ob Er euch mit dem Islam bis zu eurem Lebensende ehren wird, oder ob Er euch von eurem hohen Ross stößt.

Und an diejenigen gerichtet, die gerade ein Glaubenstief plagt oder ein großer Zweifel: Lasst euch nicht von oben herab, von irgendwelchen scheinbar Frommen, die Religion schwer machen. Die Sünde und der Zweifel gehören zur Ummah und Allah ist barmherzig und vergebend.

„Er liebt eine Sünde, die dich vor Ihm demütig werden lässt, mehr als ein Gottesdienst, der dich vor Ihm selbstgefällig werden lässt. Es ist besser für dich, dass du die Nacht schlafend verbringst, und den Morgen bereuend erreichst, als dass du die Nacht betend verbringst, und den Morgen selbstbewundernd erreichst, denn die Taten eines jemanden, der sich selbst bewundert, steigen nicht empor. Es ist besser für dich, dass du lachst, während du [deine Sünden] erkennst, als dass du weinst, während du selbstgefällig bist.

Das Ächzen eines Sünders ist besser als der Gesang eines selbstgefälligen Lobpreisenden. Es mag sein, dass Allah ihn mittels dieser Sünde eine Heilung kosten lässt, mit der eine verheerende Krankheit in ihm geheilt wird, von der du auch heimgesucht bist, ohne es zu wissen.“

— Imam Ibn al Qayyim [Gest. 751 n.d.A] رحمه الله.
(Besten Dank an Bruder Behzad Zibari)

Bitte verliert niemals die Hoffnung.

Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen

von Yahya ibn Rainer

Muslime, die ihre Zeit vor allem damit verbringen, sich mit den Fehlern und Nachlässigkeiten anderer Muslime zu beschäftigen, sind meist selbst von inneren Zweifeln geplagt und versuchen sich auf diese Weise Selbstachtung und Bestätigung zu verschaffen. Aber die daraus resultierende gefühlte Überlegenheit und Sicherheit ist eine Fassade, sie hebt die Selbstzweifel nicht auf, sondern betäubt sie nur, wie ein Rauschmittel. Wie ein Rauschmittel macht es aber auch abhängig. So verschließt man sich dem einzigen Mittel, mit welchem Selbstzweifel beseitigt werden können, nämlich durch eine intensive Beschäftigung mit sich selbst.

Die Tatsache, dass die Religion allgemeinhin nur noch von wenigen Menschen aufrichtig und sichtbar praktiziert wird, lässt den Neuerweckten – also den anfangs hochmotivierten Konvertiten oder Revertiten – recht schnell einen Zustand erreichen, in dem er (zumindest rein äußerlich) aus der Masse der Muslime heraus sticht. Nicht jede Nafs kann diesen Umstand richtig einordnen.

Manch einer beginnt (mit Blick auf sein Umfeld) mit sich zufrieden zu sein und setzt das ihm Mögliche an äußerlicher religiöser Praxis gewissermaßen als allgemein machbar voraus, macht sich also quasi selbst zum Maßstab. Man beginnt diejenigen als geringer zu erachten, die weniger in der Lage sind zu praktizieren, die nachlässiger sind oder Fehler begehen die man selbst (noch?) nicht begeht … und man spricht darüber.

Dies aber ist die große Gefahr für die Neuen im Islam. Sie bleiben nämlich dadurch in ihrer eigenen Entwicklung stehen. Und wenn sie meinen, in ihrer äußerlichen Praxis einen (mit anderen) vergleichsweise guten Zustand erreicht zu haben, dann stürzt sie eben diese Sichtweise (zumeist ohne dass sie es selbst merken) in eine innerliche Krise.

Besonders wenn man als Neuer anfangs viel gelobt wurde, weil man mit seiner sichtbaren Praxis so außerordentlich vorbildlich schien, reicht schon ein kleines Glaubenstief aus – das jeden von uns einmal ereilt – und man sieht sich gezwungen einen Teil seiner Handlungen zu heucheln. Denn wer will schon das Lob missen, den Lobenden enttäuschen und dem zuvor geschmähten religiösen „Schwächling“ die nun eigene Nachlässig- und Fehlerhaftigkeit eingestehen.

Für manche Konvertiten und Revertiten bedeutet diese erste Krise manchmal sogar schon das Ende des religiösen Lebens oder zumindest eine große Relativierung, für andere jedoch öffnet dieser innere Zweifel erst die Tür zum wahren Extremismus, nämlich dann, wenn er Gleichgesinnte findet, die ebenfalls dem Rausch verfallen sind, durch die Geringschätzung der Anderen die eigenen Zweifel zu betäuben.

Ist die Namensänderung bei Islamkonvertiten eine Unsitte?

von Yahya ibn Rainer

Vor einiger Zeit machte mich ein Bruder aus Hannover auf einen Blog aufmerksam, der von einem Konvertiten aus den USA gepflegt wird. Der Name dieses Konvertiten ist Joe Bradford und er studierte und graduierte im Fach Islamisches Recht und Rechtstheorie an der Islamischen Universität zu Medina.

Aus dem folgenden Blogbeitrag habe ich einen Teil in die deutsche Sprache übertragen:

What’s in a name? or Why you don’t have to and shouldn’t change your name in Islam. (http://www.joebradford.net/change-name-islam)

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Eine Realität? Psychisch kranke Konvertiten.

von Yahya ibn Rainer

Mein palästinensischer Hausarzt, ein Doktor der Allgemeinmedizin, erklärte mir kürzlich, dass erschreckend viele Konvertiten teils krankhafte Komplexe, Phobien, Präferenzen (Neigungen) und Zwänge mit in den Islam nähmen und dort unter dem Vorwand der Religion teils exzessiv ausleben würden.

Besonders seien soziale Ängste und Persönlichkeitsstörungen auffällig, es würden häufig Minderwertigkeitskomplexe kompensiert und neue Identitäten (Persönlichkeiten) geschaffen.

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