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Hadith: Wer müht sich ab auf dem Wege Allahs?

Der Tabi’i Ayub as-Sakhtiyani berichtete folgendes:

„Mir wurde gesagt, dass einst die Gefährten des Propheten ﷺ in einem ihrer Häuser [zusammen] waren. Ein Mann beehrte sie und sie waren über dessen Jugend und Kraft erstaunt, [und] hierauf sagten sie:

«Wenn er doch nur seine Jugend und Kraft auf dem Wege Allahs nutzen würde [d.h. im Kampf].»

Der Prophet ﷺ hörte dies und sagte:

«Befindet sich etwa nur derjenige auf dem Wege Allahs, der kämpft oder an einem Feldzug teilnimmt?
Wer sich bemüht, um [selbst] bedürfnislos zu sein*, der ist auf dem Wege Allahs!
Wer sich bemüht, dass seine Eltern bedürfnislos sind, der ist auf dem Wege Allahs!
Wer sich bemüht, dass seine Familie bedürfnislos ist, der ist auf dem Wege Allahs.
Wer sich bemüht, Besitz anzuhäufen, um anzugeben, der ist auf dem Wege Satans.»“

(Quelle: Tanbihul Ghafilin von Muhammad Ibn Ibrahim as Samaraqandi / Hadith 225# / al-Albani verzeichnet den Hadith in seinem As-silsilah as-shahihah / Abu Huraira überliefert ihn in einem ähnlichen Wortlaut )

[*Mit „Bemühen um Bedürfnislosigkeit“ ist die Erlangung/Erwirtschaftung der jeweiligen Versorgung gemeint.]

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung und Unterstützung - geht raus an den Bruder Behzad Zibari.

Hadith: Wehrt die Hadd-Strafen von den Muslimen ab, so gut ihr könnt

‎[ادرءوا الحدود عن المسلمين ما استطعتم ، فإن وجدتم لمسلم مخرجا فخلوا سبيله ، فإن الإمام أن يخطئ في العفو خير من أن يخطئ بالعقوبة]

Des Weiteren sagte der Prophet ﷺ:
„Wehrt die Hadd-Strafen* von den Muslimen ab, so gut ihr könnt. Wenn ihr für den Muslim einen Ausweg findet, lasst von ihm ab, denn dass sich der Richter bei einem Freispruch irrt, ist besser, als dass er sich hinsichtlich der Bestrafung irrt.“

 (Al-Mustadrak ala al-Sahihayn, al-Hakim, sahih / übersetzt von Behzad Zibari und leicht redigiert von Yahya ibn Rainer)

* Hadd-Strafen (auch: Hudud): Körper- und Todesstrafen zur Vergeltung eines Rechtsvergehens.

Zitat: Muhyi d-Din Ibn Arabi – Der Mahdi wird nach der durch das Ra’y ungetrübten Religion urteilen

Interessant, was der Mystiker Muhyī d-Dīn Ibn ʿArabī in seinem Werk Al-futuhat al-makkiyya über die Rechtsschule des Mahdis schrieb.

«Er wird nach der durch das Ra’y ungetrübten Religion urteilen, und somit im größten Teil seiner Urteile den etablierten Meinungen der Gelehrten widersprechen. […] Die Worte des Hadith

„Der Mahdi folgt meiner Spur, so dass er nicht irrt“,

beweisen, dass er der Sunnah folgen und nichts unüberliefertes tun wird […] und dass ihm die Anwendung der Analogie untersagt ist, […] so wie nach der Ansicht mancher Gelehrten die Anwendung der Analogie überhaupt allen Gläubigen verboten ist»

(Zitiert aus dem Buch Die Zahiriten – Ihr Lehrsystem Und Ihre Geschichte von Ignaz Goldziher)

Schönes Gleichnis: Bewahrung des Kapitals und Kampf gegen die Khawarij haben Vorrang

von Yahya ibn Rainer

Was hat Vorrang? Kapital zu erwirtschaften oder bereits vorhandenes Kapital zu bewahren? Und was hat noch Vorrang? Die Bekämpfung der Götzendiener oder die Bekämpfung der Khawarij?

Ibn Hajar lässt in seinem Fath al-Bari zu dieser Frage den Gelehrten und Wesir Awn ad-Din ibn Hubayra (geb. 499 n. H.) zu Wort kommen.

«Es heißt in der Überlieferung, dass das Bekämpfen der Khawarij Vorrang gegenüber der Bekämpfung der Götzendiener hat. Die Weisheit [dahinter] ist, dass die Bewahrung des Kapitals des Islam in deren Bekämpfung liegt, wohingegen das Erzielen von Profit in der Bekämpfung der Götzendiener liegt. Das Bewahren des Kapitals hat Vorrang.»

Für mich ist diese Aussage in vielerlei Hinsicht interessant.

  1. Sie weist darauf hin, dass die Araber mitunter auch ein Volk von Händlern und Kaufmannsleuten waren und deshalb Gleichnisse aus der Welt des Wirtschaftens nicht nur von Allah und Seinem Gesandten geprägt wurden, sondern auch von zahlreichen Gelehrten.
  2. Kapital, also verfügbares Vermögen, wird in diesem Gleichnis mit dem Islam gleichgesetzt.
  3. Das Erzielen von Profit wird in diesem Gleichnis mit dem Kampf gegen die Götzendiener gleichgesetzt.
  4. Das Bewahren von Kapital, also das Behalten und Schützen von Vermögen, wird mit dem Kampf gegen die Khawarij gleichgesetzt und es wird ihm sogar ein Vorrang eingeräumt, gegenüber dem Erzielen von Profit.
  5. Die Wichtigkeit des Kampfes gegen die Khawarij wird sehr deutlich.

Buchauszug: Andreas Abu Bakr Rieger – Riba An-Nasi’ah

Riba An-Nasi’ah ist die Nutzung von Dain (Schuldversprechen) als Zahlungsmittel. Dieses Vorgehen ist, wie wir im Zeitalter der Derivate wissen, ein aktuelles Phänomen, das Imam Malik in seinem berühmten Rechtsbuch „Al-Muwatta“ beschrieb:

»Er überliefert, dass den Leuten in der Zeit [des Gouverneurs] Marwan ibn Al-Hakim Belege (Sukukun) für die Produkte des Marktes Al-Dschar ausgegeben wurden. Die Leute kaufen und verkaufen diese Belege [oder Schuldscheine] unter sich, bevor sie sich diese Waren liefern ließen. Zaid ibn Thabit, einer der Gefährten des Propheten, kam zu Marwan ibn Al-Hakim und warf ihm vor: „Marwan, machst du Wucher halal (zulässig)?“ Dieser entgegnete: „Ich suche Zuflucht bei Allah, was hat das zu bedeuten?“ Der Prophetengefährte erklärte ihm: „Diese Belege, die die Leute kaufen und verkaufen, bevor sie sich die Waren aushändigen lassen.“ Darauf wies Marwan seine Wachen an, ihm zu folgen, nahm die Belege den Leuten weg und händigte sie ihren ursprünglichen Besitzern aus. Zaid ibn Thabit benannte diese Belege, „die die Leute kauften und verkauften, bevor sie Waren in Händen hielten“, gezielt als Riba.«

Fassen wir noch einmal kurz das grundlegende Prinzip im islamischen Recht zusammen: Es ist erlaubt, Gold und Silber oder Lebensmittel als Zahlungsmittel zu verwenden, aber man kann dies nicht mit einem Zahlungsversprechen (Dain) tun. Darin gibt es einen ungerechtfertigten Überschuss, der nicht erlaubt ist. Wenn man in Besitz von Dain ist, muss man zuerst ‘Ain (fassbare Güter), welches es vertritt, in Händen halten und kann dann einen Austausch vollziehen. Dain kann nicht als Geld verwendet werden.Diese Handlungsweise wird Rama‘ genannt und gehört zu den verbotenen Kategorien von Riba. […]

Erst jetzt, in Zeiten der Finanzkrisen, erkennen Muslime wieder den tiefen Sinn dieser Überlieferungen, aber auch dass Rama‘ auf den Märkten der Welt heute zu einer anerkannten Praxis gehört. Das ursprüngliche islamische Geldwesen ist beinahe verschwunden. Dain-Währung (Papiergeld, Schuldscheine) hat die Verwendung von ‘Ain-Währung (Gold und Silber) ersetzt. Die islamische Welt hat sich für die Praxis entschieden, über die ‘Umar ibn Al-Khattab zu seiner Zeit sagte: »Ich fürchte mich vor Rama‘ um eures willen.«

(Weg mit dem Zins – Soziale Wirtschaft im Dialog der Religionen, von Andreas Rieger, © 2011, Seite 62-64)

WAHNSINN: Ein Einblick in die kruden Lehren des Salafismus

von Jens dem Preußen

Spätestens seit dem heldenhaften Einsatz deutscher Ballsportenthusiasten für Frieden, Freiheit und Demokratie in Köln, weiß nun auch der letzte verträumte Gutmensch von der salafistischen Gefahr. Endlich wachen sie auf und erkennen, welchen Wandel diese Steinzeit-Islamisten in unserer abendländischen Heimat einläuten wollen.

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Wo ist der orthodoxe Muslim politisch zu verorten? Egalitär vs. Elitär

von Yahya ibn Rainer

Ich möchte diesen Artikel mit einer wahren Begebenheit beginnen: Es ist knapp 2 Jahre her, da saß der Vorstand eines Moschee-Vereins im Büro mit einigen Gästen beisammen. Man unterhielt sich gemeinsam und unter ihnen befanden sich auch zwei deutschstämmige Muslime. Irgendwann kam man auf die Jahiliyya, die vorislamische Zeit, zu sprechen. Bei diesem Gespräch stellte sich heraus, dass der eine Deutsche, vor seiner Konversion, ein hoher Funktionär der FAP war, einer ultranationalistischen Partei, die von 1979 bis 1995 existierte, dann jedoch verboten wurde. Der andere deutschstämmige Muslim war in seiner vorislamischen Zeit Mitglied in der DKP, einer kommunistischen Partei.

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