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Kurz gesagt: #Islam und #Aufklärung

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der große deutsche Geschichtsphilosoph und Kulturhistoriker Oswald Spengler (gest. 1936) in seinem opus magnum „Der Untergang des Abendlandes – Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte“ (1918) die Sendung des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – („622“ n. chr. Zeitr.) in den geistesgeschichtlichen „Sommer“ der „arabischen Kultur seit Chr.“ einordnete.

Die darauf folgende geistesgeschichtliche Epoche des „Herbstes“ beginnt mit der Aufklärung. Hier verortet Spengler die arabisch-muslimische Kultur bereits etwa 200 Jahre später, und zwar parallel mit dem Auftreten der „Mutazilisten“ und des „Sufismus“, sowie der Gelehrten an-Nazzâm und Alkindi.

Die abendländische Aufklärung hingegen findet laut Spengler erst mit dem Auftreten von Locke (gest. 1704), Voltaire (gest. 1778) und Rousseau (gest. 1778) statt.

Letztendlich bedeutet dies, dass die muslimische Aufklärung bereits 200 Jahre nach der Sendung des „Religionsstifters“ ihren Beginn nahm, während die christlich-abendländische Aufklärung nach der Sendung ihres „Religionsstifters“ über 1700 Jahre dafür brauchte.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Über Rizq/Versorgung, Einkommen und Kapital/Vermögen

«Die erworbenen Dinge machen, wenn sie dem Umfang des (für den Menschen zum Leben) notwendigen Maßes und Bedarfes entsprechen, seinen Lebensunterhalt aus. Sie sind Vermögen und Kapital, wenn sie darüber hinausgehen. Wenn dann der Nutzen dieser erworbenen und erzielten Summe auf einen Menschen zurückfällt und er sie für eigene Interessen und Bedürfnisse ausgeben kann, so nennt man das Rizq (Versorgung). […]

Wenn der Mensch die (erzielte Summe) nicht für seine Interessen und Bedürfnisse nutzen kann, spricht man hinsichtlich des Eigentümers nicht von Rizq. Der Teil des Eigentums, den der Mensch durch seine Mühen und Fähigkeiten erlangt hat, wird Einkommen genannt.

So wird die Erbschaft in Bezug auf den Verstorbenen als Einkommen und nicht als Rizq bezeichnet, da der Verstorbene daraus keinen Nutzen mehr zu ziehen vermag. Im Hinblick auf die Erben wiederum wird es Rizq genannt, sofern diese daraus Nutzen ziehen.

Das ist es, was bei der Ahl as-Sunnah (den Sunniten) unter Rizq verstanden wird. Die Mutazila machte bei der Bezeichnung «Rizq» noch zur Bedingung, dass das Eigentum auf rechte Weise erworben sein müsse. Solch ein Besitzanspruch, der nicht rechtens sei, verdiene nach ihrer Auffassung nicht die Bezeichnung Rizq. Alles widerrechtlich Erworbene und Verbotene fiel bei ihnen nicht unter die Kategorie Rizq.

Allah der Erhabene jedoch versorgt in seiner Gnade sowohl denjenigen, der sich widerrechtlich etwas aneignet, als auch den, der Unrecht tut, ferner den Rechtgläubigen wie den Ungläubigen und führt, wen immer er will, auf den rechten Pfad. Die Mutaziliten haben für ihre Auffassung Argumente, für deren Darlegung hier jedoch nicht der Ort ist.

Wisse ferner, dass das Einkommen aus dem Streben, (bestimmte Dinge) anzuschaffen, und der Absicht, (diese) zu erlangen, resultiert. Auch für das Rizq sind Mühen und Arbeit unverzichtbar, selbst wenn man es auf die für seine charakteristische Art und Weise erlangt und erstrebt. Der Erhabene sprach:

«… Sucht darum bei Allah die Versorgung (rizq) …» Quran 29.:17

Die Mühen, das Rizq zu erlangen, hängen von der Vorherbestimmung Allahs, des Erhabenen, und Seiner Inspiration ab, denn alles rührt von Allah her. Menschliche Arbeit ist für alles Erworbene und jegliches Kapital unabdingbar. Handelt es sich dabei um Arbeit an sich, wie beispielsweise die menschlichen (praktischen) Fertigkeiten, so ist dies offensichtlich. Aber auch wenn das Rizq (aus der Arbeit) von Tieren, Pflanzen und Mineralien herrührt, ist die menschliche Arbeit dabei unverzichtbar, wie man sehen kann. Ohne sie wird nichts erreicht und lässt sich nichts nutzbar machen.

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 210-211, leicht redigiert)

Buchauszug: Al-Ghazali – Von Aristoteles, Ibn Sina und al-Farabi

«Aristoteles systematisierte die Logik für sie (die Philosophen), verfeinerte die Wissenschaften und schrieb nieder, was vorher noch nie niedergeschrieben worden war, und brachte zur Reife, was vorher unreif gewesen war.

Insgesamt widersprachen die meisten (der theistischen Philosophen) den beiden vorher erwähnten Gruppen der Materialisten und der Naturalisten. Durch das Aufdecken ihrer Ungereimtheiten haben sie anderen diese Arbeit erspart. Somit stimmt der (Vers des Korans)

„Und Er verschont die Gläubigen damit zu kämpfen“

… indem sie sich gegenseitig bekämpfen.

Dann widersprach Aristoteles Platon, Sokrates und den Theisten vor ihm in so gründlicher Weise, daß er sich von ihnen allen distanzierte. Auch er blieb jedoch in den Ungereimtheiten ihres Unglaubens und ihrer Ketzereien verhaftet, von denen er sich erfolglos zu befreien versuchte.

Deshalb müssen sie und ihre Anhänger, unter ihnen islamische Philosophen wie Ibn Sina (Avicenna), al-Farabi und andere, als Ungläubige betrachtet werden. […]

Die Lehre des Aristoteles steht den Lehrmeinungen der Muslime in der Übermittlung durch al-Farabi (al-Farabius) und Ibn-Sina (Avicenna) nahe . Die Summe ihrer Irrtümer liegt in zwanzig Fragen. In drei von ihnen müssen sie für Ungläubige, in siebzehn für ketzerische Erneuerer gehalten werden. […] Die drei Fragen, in denen sie eine andere Meinung als alle übrigen Muslime vertreten, sind:

1. Die Körper würden nicht auferstehen, sondern die reinen Seelen würden belohnt oder bestraft werden. Belohnung und Bestrafung seien nur geistige Zustände, keineswegs körperliche. Sie haben Recht, wenn sie die geistige (Belohnung und Bestrafung) bejahen, denn sie sind auch (in der Offenbarung) vorhanden. Aber sie lügen, wenn sie die körperlichen ableugnen und sind in ihren Aussagen gegenüber der islamischen Offenbarung als Ungläubige zu bezeichnen.

2. Von derselben Art ist ihre Behauptung, Gott kenne nur Universalia, nicht aber Singularia. Dies ist auch klarer Unglaube. Das Wahre aber liegt darin:

„Deinem Herrn entgeht auch nicht das Gewicht eines Stäubchens, weder auf der Erde noch im Himmel“

3. Das Gleiche gilt für ihre Behauptung, die Welt sei ewig, ohne Anfang und Ende. Keiner der Muslime hat eine solche Auffassung je vertreten. Ihre Verneinung der göttlichen Eigenschaften sowie ihre Aussage, Gott wisse durch sich selbst, nicht durch ein Wissen, welches über sein Wesen hinausgeht u.a., ähnelt der Lehrmeinung der Mu’taziliten.

Deshalb darf man sie (die Mu’tazillten) aber nicht für Ungläubige halten. Wir haben das in unserem Buch »Das Kriterium zur Unterscheidung von Islam und Häresie« erwähnt, in dem derjenige verworfen wird, der voreilig einen anderen des Unglaubens bezichtigt, der seiner eigenen Lehrmeinung widerspricht.»

(Abu Hamid Muhammad al-Ghazali, Al-Munqid min ad-dalal, aus dem Arabischen übersetzt von ‚Abd-Elsamad ‚Abd-Elhamid Elschazli, Felix Meiner Verlag GmbH, Hamburg ©1988)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Die Ernennung eines Imams ist unerläßlich

«Die Ernennung eines Imams ist unerläßlich. Seine Notwendigkeit wird im religiösen Gesetz durch den Konsensus der Prophetengefährten und der Nachfolgegeneration als rechtens anerkannt, denn die Gefährten des Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – schickten sich bei seinem Tode alsbald an, Abü Bakr – Allah möge an ihm Wohlgefallen haben – den Treueid zu leisten und ihm die Aufsicht über ihre Angelegenheiten zu übertragen. So war es auch in allen Jahrhunderten danach, und zu keiner Zeit wurden die Menschen einem Chaos überlassen. Seine Grundlage hatte dies im Konsensus, der den Beweis für die Notwendigkeit eines Imams liefert.

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (3. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 2. Teil dieser Reihe habe ich den Auszug aus dem Sendschreiben „Über das Lob der Kaufleute und den Tadel der öffentlichen Ämter“ des berühmten Literaten ʿAmr ibn Bahr al-Jahiz (159-255 n. H.) begonnen. Dort ging es inhaltlich in erster Linie um die Verurteilung desjenigen, der in seinem Loblied (auf die Beamten der Dawla) die Kaufleute tadelte. Des weiteren verteidigte al-Jahiz die Kaufleute als gute Muslime und machte darauf aufmerksam, dass es solche auch unter den Salaf gab.

In diesem 3. und letzten Teil möchte ich den Auszug aus dem Sendschreiben des al-Jahiz fortsetzen. Nun geht der Autor dazu über, die Sekretäre (Beamten) der Dawla zu portraitieren und erteilt ihnen anbei einen großen Tadel.

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (2. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Im 1. Teil dieser Reihe habe ich versucht, den herrschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel der muslimischen Gemeinschaft in den ersten 150 Jahren nach der Hijra verkürzt darzustellen. Wichtig war für mich in diesem Zusammenhang der Fokus auf die „Staatlichkeit“ und „Zentralität“ der politischen und gesellschaftlichen Ordnungsstruktur. Wir können, beginnend bei der Führung durch den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –, als Oberhaupt einer föderalen Ordnungsstruktur (al-Mithaq), bis hin zur zentralistischen Dawla der Abbasiden, einen signifikanten Anstieg der staatlichen Organisation und Planung feststellen.

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Der Tadel an den Bediensteten der Dawla (1. Teil)

von Yahya ibn Rainer

Die Herrschafts- und Gesellschaftsform der muslimischen Gemeinschaft hat in den ersten 150 Jahren nach der Hijra einige bedeutende Veränderungen durchgemacht. Die beste Führung war ohne jeden Zweifel die Führung durch den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil –. Diese damalige Herrschafts- und Gesellschaftsform war als al-Mithaq bekannt, was soviel bedeutet wie „ein Bündnis unabhängiger Stämme“. Es gab keinen „Staat“ im herkömmlichen Sinne, keine Verwaltung und keine Behörden, lediglich einige öffentliche und offizielle Positionen (wie Heeresführung, Richter usw) wurden besetzt.

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