Schlagwort-Archive: Ibn Hazm

Buchauszug: Prof. Dr. Gustav Kafka – Der Zusammenhang zwischen musikalischer Rhythmik und Faulheit

Als amtlich indoktrinierter Salafist wurde ich natürlich sorgfältig darauf geimpft, dass Musik verboten sei und dass hierin keine anerkannte Meinungsverschiedenheit unter den Gelehrten der Ahlus Sunnah wal Jama’a besteht.

Heute denke ich da ein wenig anders: Ich erkenne den Meinungsunterschied an, der aufgrund der Urteile einiger Gelehrter zustande kam, auch wenn es nur wenige unter den großen Autoritäten (wie Ibn Hazm & al-Ghazali) waren.

Trotz alledem bin ich noch immer der festen Überzeugung, dass der absichtliche Konsum von Musik (vor allem zum Zeitvertreib) verboten und schädlich ist. Mir hat der freiwillige Verzicht auf Musik – die bis zu meiner Konversion zum Islam ein überaus wichtiger und prägender Teil meines Lebens war – sehr dabei geholfen, mich dem Studium der Bücher zu widmen. Während ich als Musikkonsument nicht einmal ein Bücherregal besaß, kann ich heute, nach etwa 10 Jahren, eine beachtliche Bibliothek mein Eigen nennen.

Dies ist – und davon bin ich felsenfest überzeugt – vor allem auch meiner rhythmischen Abstinenz zu verdanken. Ich hatte das Gefühl, dass Musik nicht nur ablenkt, sondern auch Wesenszustände erzeugt, die einerseits animalisch anmuten, andererseits aber auch eine intellektuelle Faulheit förderten. Dieses Gefühl fand vor einigen Jahren eine überraschende Bestätigung, nämlich als ich das Buch „Freiheit und Anarchie“ (1949) des Psychologen Prof. Dr. Gustav Kafka las.

Hier der Auszug zum Gegenstand:

«Aber da der Mensch nun einmal kein rein vegetatives Dasein führt, verliert das far niente [das Nichtstun] für ihn sehr bald seine dolcezza [Süße] und er beginnt sich zu langweilen, nicht bloß, wenn er keinen Schmerz empfindet – wie Schopenhauer gelegentlich übertreibt -, sondern schon, wenn er wirklich „nichts zu tun hat“.

Was ist nun einer der einfachsten Kunstgriffe, die der Mensch anwendet, um sich die Langeweile zu vertreiben, wenn ihm kein anderes Mittel dafür zur Verfügung steht? Er beginnt mit den Fingern rhythmisch auf einer Unterlage zu trommeln und erreicht damit ein Doppeltes: einmal drückt er damit das biologische Niveau seiner Lebensäußerung herab, denn Rhythmik der Bewegung ist nicht nur ein Kennzeichen der niederen Organismen, sondern auch derjenigen Organe, die nicht unter der unmittelbaren Kontrolle des Zentralnervensystems stehen (wie etwa Herz und Darm), zum anderen gleicht er die körperliche Untätigkeit durch eine geistige, wenn auch sehr tiefstehende geistige Tätigkeit aus, nämlich durch die Formung des Zeitablaufes zu rhythmischen Gestalten.

Zu nichts anderem als zur Ausfüllung einer Tätigkeitspause dienen aber sämtliche Veranstaltungen, die als „Unterhaltung“ bezeichnet werden und die nur jenes Mindestmaß geistiger Tätigkeit voraussetzen, dessen es bedarf, um die durch völlige Untätigkeit erzeugte Langeweile zu bannen.»

(Gustav Kafka, Freiheit und Anarchie, ©1949, Seite 51)

Zitat: Ibn Hazm – Der Gehorsam gegenüber den Gelehrten und Befehlshabenden

«Richtig ist, dass der Gehorsam gegenüber den Gelehrten und Befehlshabenden für uns nur allein in den Sachen Pflicht ist, in denen sie uns etwas befehlen, was Allah und sein Gesandter befohlen haben.»

– Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.)
in seinem Grundlagenwerk Al-Ihkam fi Usul al-Ahkam

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Zitat: Ibn Hazm – Was NICHT zu den Pflichten der Ehefrau gehört

«Es obliegt der Frau grundsätzlich überhaupt nicht, ihrem Mann mit irgendetwas zu dienen, weder mit Teigkneten, noch mit Kochen, Einrichtung, Fegen, Spinnen, Weben oder mit sonst irgendetwas. Wenn sie es aber tut, so ist es besser für sie. Dem Mann obliegt es hingegen, sie mit fertig genähter Kleidung und fertig gekochtem Essen zu versorgen. Sie hat lediglich einen guten Umgang mit ihm zu pflegen, nicht freiwillig ohne seine Erlaubnis zu fasten, während er zugegen ist, niemanden in sein Haus zu lassen, den er nicht mag, sich nicht zu verweigern, wenn er nach ihr verlangt und das zu behüten, was er an Vermögen bei ihr gelassen hat.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Al-Muhallaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Zitat: Ibn Hazm – Über Zölle, Mehrwertsteuer und andere Handelsabgaben

«Es besteht Konsens darüber, dass die Zollposten auf den Wegen und an den Toren der Städte, sowie das, was auf den Märkten an Abgaben auf die von Händlern und Vorbeikommenden herbeigeschafften Waren erhoben wird, gewaltiges Unrecht, Sünde und Frevel ist.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Maraatib al-Ijmaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Ibn Hazms Bericht über die Fitna des jungen andalusischen Prinzen

[Erstmals publiziert am 27.12.2013]
von Yahya ibn Rainer

In letzter Zeit häufen sich die Fragen junger Muslime zum Thema Homosexualität und die Liebe zum eigenen Geschlecht. Überall wo ich die Gelegenheit bekomme, versuche ich das Thema ein wenig anders zu beleuchten als es eigentlich üblich ist. Besonders wichtig ist für mich in dieser Hinsicht, junge Muslime mit einer homosexuellen Neigung nicht abzuschrecken, sondern ihnen Mut zu machen.

Eine solche Neigung ist eine Prüfung. Für sündhafte Gedanken und Begierden werden wir nicht bestraft, sondern lediglich für die sündhaften Handlungen, die aus solchen Gedanken und Begierden entstehen können.

Es gibt in einer Schrift des andalusischen Großgelehrten Ibn Hazm einen interessanten Bericht, der ihm von einem Wesir des damaligen Khalifen `Abd ar-Rahman ibn al-Hakam zugetragen wurde. Mit diesem Bericht möchte ich hier gern aufzeigen, dass am Ende nicht die Neigung zählt, sondern die Willensstärke im Gehorsam dem Schöpfer gegenüber.

Hier also der Bericht Ibn Hazms, zu finden in der deutschsprachigen Übersetzung seines Werkes ṭauq al-ḥamāma fī l-ulfa wa-l-ullāf (Das Halsband der Taube) von Max Weisweiler:

Abul `Abbas al-Walid ibn Ghanim erzählt, dass der Kalif `Abd ar-Rahman ibn al-Hakam einmal anlässlich eines seiner Kriegszüge für etliche Monate von dannen zog und seinem Sohne Muhammad, der nach ihm das Kalifat bekleidete, den Zutritt zum Schloss verbot.

Er bestimmte die Dachterrasse als seinen Aufenthaltsort, ließ ihn dort übernachten und auch tagsüber wohnen und erlaubte ihm durchaus nicht, das Dach zu verlassen. Jede Nacht gab er ihm einen Wesir und einen Offizier bei, die mit ihm auf dem Dach übernachten sollten.

Abul `Abbas sagte:

„In dieser Weise verbrachte er geraume Zeit, und er, der schon etwa zwanzig Jahre alt war, hatte seine Angehörigen lange nicht gesehen, bis gleichzeitig, als ich einmal meinen Nachtdienst bei ihm hatte, ein Offizier an der Reihe war, der noch jung war und ein sehr schönes Antlitz hatte.

Ich sprach zu mir: ‚Ich befürchte, dass Muhammad ibn `Abd ar-Rahman heute Nacht dadurch ins Verderben gestürzt wird, dass ihn die Sünde anficht, der Satan ihm seine Trugbilder vorgaukelt und er ihm Folge leistet.‘

Dann nahm ich mein Bett an die äußere Seite des Daches. Muhammads Platz befand sich indessen an der inneren Seite, von der man auf den Harem des Kalifen hinuntersehen konnte, während der des Offiziers am anderen, in der Nähe des Aufgangs befindlichen Ende war.

Ich beobachtete ihn nun aufmerksam die ganze Zeit, während er glaubte, dass ich bereits eingeschlafen sei, und nicht merkte, dass ich ihm zusah.

Als ein Teil der Nacht verstrichen war, sah ich, dass er sich erhoben hatte und eine kleine Weile aufrecht sitzen blieb. Dann betete er um Schutz vor dem Teufel und legte sich wieder auf sein Lager. Nach einiger Zeit erhob er sich wieder, zog sein Hemd über und setzte sich sprungbereit hin. Dann zog er es wieder aus und legte sich abermals zu Bett, bis er sich zum dritten Mal erhob, sein Hemd anzog, die Füße aus dem Bett heraushängen ließ und eine Zeitlang in dieser Lage verharrte.

Darauf rief er den Offizier beim Namen. Als er ihm antwortete, sagte er ihm: ‚Gehe vom Dach hinunter und bleibe auf der darunter befindlichen Vormauer!‘ Gehorsam seinem Befehl erhob sich der Offizier.

Als er hinuntergegangen war, stand Muhammad auf, schloss die Tür von innen zu und ging wieder ins Bett.

Von jener Zeit an wusste ich, dass Allah es gut mit ihm meinte.“

Buchauszug: Ibn Hazm – Das Verliebtsein unter den Kalifen, Imamen, Frommen und Rechtsgelehrten

«Viele der rechtgeleiteten Kalifen und der orthodoxen Imame haben sich verliebt. Wenn die Muslime den Kalifen gegenüber nicht unbedingte Verpflichtungen hätten und es mir nicht ausschließlich obläge, solche Geschichten von ihnen zu erzählen, die Besonnenheit und Glaubenseifer verraten, und wenn es sich hier nicht eben um Dinge handelte, die sie in der Einsamkeit ihrer Schlösser im Kreise ihrer Familien erlebt haben, so dass ihre Wiedergabe unziemlich wäre, dann würde ich nicht wenige einschlägige Geschichten von ihnen anführen. Von den bedeutenden Männern ihrer Umgebung und den Trägern ihres Reiches aber haben sich so viele verliebt, daß es unmöglich wäre, sie aufzuzählen.

Unter den Frommen und Rechtsgelehrten vergangener Jahrhunderte und alter Zeiten hat es Leute gegeben, deren Liebesgedichte so bekannt sind, daß sich ihre Nennung erübrigt. Von `Ubaidallah ibn Mas’ud, der einer von den sieben großen Rechtsgelehrten Medinas war, sind genug Liebesgeschichten und Verse auf uns gekommen. Von Ibn ʿAbbas wird eine Rechtsentscheidung überliefert, die alle anderen überflüssig macht und die da lautet:

,Dieser ist ein Märtyrer der Liebe. Für ihn gibt es kein Blutgeld und keine Blutrache.‘»

(Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm, ṭauq al-ḥamāma fī l-ulfa wa-l-ullāf, Übersetzung von Max Weisweiler, Das Halsband der Taube – Von der Liebe und den Liebenden, Reclam Verlag, Seite 8)

Der besondere Traum des Mystikers Muhyi d-Din Ibn Arabi

Der folgende Auszug stammt aus dem Werk Die Zahiriten – Ihr Lehrsystem und ihre Geschichte (1884) des Orientalisten Dr. Ignaz Goldziher, der als Mitbegründer der modernen abendländischen Islamwissenschaft gilt.

„Der Codex, den die herzogliche Gothaer Bibliothek von Ibn Hazm’s Abhandlung über die Nichtigkeit des Kijas und des Ra’j etc. besitzt, wird auf die Ueberlieferung Ibn ‘Arabi’s zurückgeführt, dem wir also die Erhaltung dieses zusammenfassenden Grundwerkes über die Principien der Zahirschule verdanken.

In der Einführung dieses Werkchens erzählt er folgenden Traum:

„Ich sah mich im Dorfe Saraf bei Sevilla, dort sah ich eine Fläche, aus welcher eine Anhöhe hervorragte. Auf dieser Anhöhe stand der Prophet, und ihm entgegen kam ein Mann, den ich nicht kannte; die beiden umarmten sich so fest, dass sie in einander aufzugehen und zu einer Person zu werden schienen. Grosser Lichtglanz verbarg sie vor den Augen der Menschen.

„Möchte ich doch wissen“ dachte ich „wer dieser fremde Mann sei?“

Da hörte ich sagen: „Dies ist der Traditionsgelehrte ‘Ali ibn Hazm“.

„So gross ist also – dachte ich, nachdem ich erwacht war – der Werth der Tradition“.

Ich hörte vordem nie den Namen Ibn Hazm’s. Einer meiner Sheykhe den ich darüber befragte, theilte mir mit, dass dieser Mann eine Capacität auf dem Gebiete der Traditionswissenschaft sei.“

Buchauszug: Ibn Hazm – Germanophilie im Omaijadenreich

„Von mir will ich dir erzählen, daß ich mich in meiner Jugend einmal in eine Sklavin von mir mit blondem Haar verliebt habe, und seit jener Zeit habe ich nie mehr an einer Schwarzhaarigen Gefallen gefunden, und wäre sie auch der Sonne gleich oder das Bild der Schönheit selbst gewesen. Seit jener Zeit finde ich diese Vorliebe in meinem tiefsten Wesen verankert, so daß meine Seele sich mit mir in nichts anderem findet und bestimmt nichts anderes gern hat. Ebenso ist es meinem Vater ergangen, und er blieb sich hierhin gleich, bis sein letztes Stündlein schlug.

Buchauszug: Ibn Hazm – Germanophilie im Omaijadenreich weiterlesen