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Yahya ibn Mu´adh: In der Sprache der Ökonomie, aber mit Bezug zum Jenseits

Yahya ibn Mu´adh (gest. 258 n.H.) sagte:

«Gottesdienst ist wie das Betreiben eines Gewerbes;

  • sein Betrieb/Laden ist die Abgeschiedenheit (des Gottesdienstes),
  • sein Kapital ist das Bestreben die Sunnah zu erfüllen
  • und der Profit liegt in der Erlangung des Paradieses.»

(Quelle: Facebookseite von Sheikh Muhammad Al-Munajjid, übersetzt von Yahya Ibn Rainer)

Einige Gedanken zur bösen Scharia

von Yahya ibn Rainer

Eine große Mitschuld am falschen Verständnis für den Begriff „Scharia“ – besonders unter Nichtmuslimen, aber auch unter vielen zeitgenössischen Muslimen – tragen die modernen muslimisch-etatistischen Gruppierungen und Parteien, die andauernd von einer „Implementierung der Scharia“ faseln, wenn sie einem „Staat“ unterstellen „islamisch“ sein zu können.

Wenn PImaten, Pegidasten und AfDler heute das Wort „Scharia“ benutzen, dann denken sie an nahezu das Selbe wie ungebildete muslimische Hizbiyun, nämlich vorrangig an Steinigungen, Enthauptungen und Amputationen.

Wenn Alexander Gauland (AfD) meint, „Der Islam muss sich von der Scharia trennen“ oder hiesige Muslime müssten bekennen „für uns alle gilt die Scharia nicht“, dann spricht dies von einer immensen Unkenntnis bezüglich des Begriffes „Scharia“, besonders weil Gauland andererseits (zumindest offiziell) ganz klar für die Glaubensfreiheit eintritt und den Muslimen die Religionsausübung zugesteht.

Doch wie soll ein Muslim die Religion ausüben? Wie soll er beten, fasten und den verpflichtenden Obolus entrichten? Wie soll der Muslim sämtlichen gottesdienstlichen Handlungen nachkommen, sein Benehmen, seine Ethik/Moral schulen und seine Glaubensinhalte determinieren, wenn die Methoden und Methodologien der gesamten Religion „Islam“ in der Scharia zu finden sind?

Sie sagen im Grunde, wir dürfen die Religion ausüben, aber uns dabei nicht nach unserer Religion richten. Sie wissen nicht, dass „Scharia“ der Oberbegriff für alles ist, was unsere kultischen, rituellen und zwischenmenschlichen Handlungen angeht. Ein Mensch, dem der Rückgriff auf die Scharia verboten wird, kann weder beten noch fasten, kann im Grunde genommen nicht einmal ein richtiger Muslim sein.

Schon wenn der Muslim den Quran öffnet, um darin nach Belegen dafür zu suchen, wann, wo und wie er das rituelle Gebet zu verrichten hat, hat er sich damit einer Methode der Scharia befleißigt, indem er ihrem Grundsatz folgte, dass Quran und Sunnah die Grundlage der Religion sind.

Dem Muslim die Scharia zu nehmen bedeutet, ihm die Religion zu nehmen.

Jeder Muslim, der in der Scharia ein „Staats- & Strafgesetzbuch“ sieht, das von einem „Staat“ zu implementieren sei, darf sich als mitschuldig betrachten an der derzeitigen Misere. Denn weder findet der Muslim im Quran (oder in der Sunnah) einen „Staat“, noch kann er belegen, dass die Scharia ein Gesetzbuch ist oder samt und sonders irgendwie implementiert werden muss.

Was Allah und Sein Gesandter von jedem von uns – sei er Bürger, Staatsdiener oder Oberhaupt – verlangen, ist, dass wir unsere Entscheidungen und Urteile mit der Scharia determinieren. Dabei ist die Scharia nicht starr. In ihr finden wir zahlreiche Methoden und Methodologien, die eine große Vielfalt an Urteilen zulassen.

Unter diesem Gesichtspunkt wäre es auch äußerst dumm zu meinen, man könnte „die Scharia implementieren“, wenn man eigentlich möchte, dass der Staat feste Regeln bzw Gesetze erlässt. Denn ein Urteil gemäß der Scharia setzt voraus, dass man sich für eine bestimmte Methode/Methodologie entscheidet und die anderen außen vor lässt. Wenn man also etwas implementieren möchte, dann ein Urteil, welches die Scharia als Basis hatte, aber niemals die gesamte Scharia, denn dies könnte bedeuten, dass man etwas explizit als verboten erklärt, während man es ausdrücklich erlaubt.

Kurz gesagt: Islam ist Freiheit

von Yahya ibn Rainer

Es gibt da ein Totschlagargument, dass von einigen engagierten Muslimen gern in der Diskussion benutzt wird und das tragischerweise beim gewöhnlichen Muslim auch manchmal Anklang findet, nämlich das Argument:

„Der Prophet hat es nicht getan, also machen wir es auch nicht.“

Dieses Argument ist, wenn es außerhalb der Angelegenheiten der rituellen Gottesdienste genannt wird, ein Mittel zur Selbstkasteiung, zu der niemand gezwungen oder überredet werden sollte.

Sicherlich war und ist der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – auch in den allermeisten weltlichen Angelegenheiten ein Vorbild, aber er war ebenso auch ein Mensch wie wir und hatte Vorlieben und Abneigungen, die die unsrigen nicht zwingend abrogieren müssen.

Der Grundsatz im Fiqh – und somit ein universelles Menschenrecht – ist das Erlaubtsein aller Handlungen (außer Ibadaat) und Dinge, bis uns ein klares Verbot darüber erreicht.

Niemand ist zu verurteilen, weil er sich freiwillig einiger Handlungen oder Dinge enthält, besonders nicht, wenn er sich dabei den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als Vorbild nimmt. Aber ebenso wenig sind diejenigen zu verurteilen, die ihr Leben genießen und dabei alle Ideen, Vorlieben und Genüsse ausleben, die Allah und Sein Gesandter nicht ausdrücklich verboten haben.

Jede Gesellschaft benötigt neben enthaltsamen und frommen Ermahnern auch kreative Freigeister, die den weltlich-wissenschaftlichen Fortschritt vorantreiben, neue Techniken und Technologien entwickeln oder erlaubte Künste verfeinern. Dieses hohe Maß an Kreativität und Imagination wird in vielen Bereichen auf Handlungen und Dinge zurückgreifen müssen, die der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – nie erwähnte, nicht praktizierte oder sogar mied.

Wir – und damit meine ich vor allem die Radikalen, die „Islamisten“, die echten Sufis usw. – sollten uns nicht selbst zum Maßstab für die gesamte Gesellschaft erheben und damit diejenigen unnötig unter Druck setzen, die von Allah mit anderen Qualitäten ausgestattet wurden. Freigeister haben es nun einmal nicht so mit Dogmen und Handlungsbeschränkungen, allein schon aus dem Grunde, weil experimentelle Wissenschaften und kreative Künste auf diese Weise einfach nicht funktionieren können.

Es gibt ein Mindestmaß an öffentlicher Ordnung und unveräußerliche Rechte, diese sind durch klare Verbote und Gebote vorgeschrieben. Aber alles darüber hinaus (und damit meine ich auch bestimmte Makrubaat) liegt im Verantwortungsbereich des Individuums und es obliegt allein Allah abschließend darüber zu urteilen.

Wa Allahu alem.

Der besondere Traum des Mystikers Muhyi d-Din Ibn Arabi

Der folgende Auszug stammt aus dem Werk Die Zahiriten – Ihr Lehrsystem und ihre Geschichte (1884) des Orientalisten Dr. Ignaz Goldziher, der als Mitbegründer der modernen abendländischen Islamwissenschaft gilt.

„Der Codex, den die herzogliche Gothaer Bibliothek von Ibn Hazm’s Abhandlung über die Nichtigkeit des Kijas und des Ra’j etc. besitzt, wird auf die Ueberlieferung Ibn ‘Arabi’s zurückgeführt, dem wir also die Erhaltung dieses zusammenfassenden Grundwerkes über die Principien der Zahirschule verdanken.

In der Einführung dieses Werkchens erzählt er folgenden Traum:

„Ich sah mich im Dorfe Saraf bei Sevilla, dort sah ich eine Fläche, aus welcher eine Anhöhe hervorragte. Auf dieser Anhöhe stand der Prophet, und ihm entgegen kam ein Mann, den ich nicht kannte; die beiden umarmten sich so fest, dass sie in einander aufzugehen und zu einer Person zu werden schienen. Grosser Lichtglanz verbarg sie vor den Augen der Menschen.

„Möchte ich doch wissen“ dachte ich „wer dieser fremde Mann sei?“

Da hörte ich sagen: „Dies ist der Traditionsgelehrte ‘Ali ibn Hazm“.

„So gross ist also – dachte ich, nachdem ich erwacht war – der Werth der Tradition“.

Ich hörte vordem nie den Namen Ibn Hazm’s. Einer meiner Sheykhe den ich darüber befragte, theilte mir mit, dass dieser Mann eine Capacität auf dem Gebiete der Traditionswissenschaft sei.“

Auszug: Dr. Jerry Hionis Jr. – Die Sunnah, ein frühkapitalistisches Kriterium

Aus dem englischsprachigen Text An Introduction to Marxism for Non-Marxists by a Former Marxist – Part 3 des muslimischen Ökonomen und Wissenschaftlers Dr. Jerry Hionis Jr., übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer.

Auszug: Dr. Jerry Hionis Jr. – Die Sunnah, ein frühkapitalistisches Kriterium weiterlesen