Schlagwort-Archive: Fiqh

Zitat: Muhammad Abdul Wahid al-Hanbali – Wenn das Kapitel Wirtschaft/Handel beginnt, herrscht totale Stille

«Wann immer ich Fiqh (gemäß der hanbalitischen Rechtsschule) lehre, gibt es einige Einzelpersonen, die andauernd (diejenigen) Urteile hinterfragen, die dem widersprechen was sie bisher zu praktizieren pflegten. Dies passiert zuhauf in den Kapiteln der Reinheit und des Gebets, und vielleicht ein bisschen beim Fasten und ein bisschen weniger noch bei Zakah und Hajj.

Aber in dem Moment wenn das Kapitel Wirtschaft/Handel beginnt, herrscht totale Stille. Weil sie keinerlei Ahnung haben, akzeptieren sie alles was du sagst. Und dies ist so, weil sie nie weiter als Reinheit und Gebet und allerhöchstens Hajj gekommen sind.

Ähnlich ist es, wenn der Imam einen Fehler im Juz `Amma macht und jedermann bereit ist ihn zu korrigieren. Aber für den Rest des Qurans schweigen die Leute.

Also denke nicht, dass derjenige, der viel ablehnt oder kritisiert, dies aus Kenntnis tut. Vielmehr ist es so, dass sie nur wenige Kenntnisse haben, und dies ist das einzige was sie wissen und sie nutzen nur die Chance dies zu zeigen.»

Shaykh Muhammad Abdul Wahid al-Hanbali

Fanboys: Die religiöse Willkür im dualen System

von Yahya ibn Rainer

Die Selbstermächtigung des Individuums durch Wissen hat seine Grenze, nämlich genau dort, wo die Fähigkeit des jeweiligen Individuums endet, sich bestimmtes Wissen anzueignen. Die komplette Selbstermächtigung erfordert jedoch nicht nur eine ganze Bandbreite an Wissensfeldern, sondern auch auf jedem einzelnen Gebiet dieser Bandbreite ein lückenloses Verständnis.

Was mir bei Jungsalafisten (besonders der Gattung IS-Fanboy) aufgefallen ist, bestätigt nicht nur meinen Zweifel daran, dass eine komplette Selbstermächtigung überhaupt möglich ist, sondern zeigt auch auf, dass die Ideologie dieser Heißsporne vor allem auf der demokratischen Auffassung basiert, dass Wissen und Nichtwissen politisch gleichberechtigt sind.

Der Fiqh scheint leicht, wenn er den Einfältigen in kleinen und vorgefertigten Häppchen kredenzt wird. Jedoch weiß man in den Kreisen der Rattenfänger um die niedere Auffassungsgabe ihrer Klientel. Also selektiert man ihnen Meinungen vor, die 1. in die eigene Ideologie passen und 2. über das duale System von halal und haram nicht hinausgehen. Hierbei pflegen die Einfältigen ausschließlich nach dem Dalil zu fragen, wenn ihnen nicht gefällt was sie lesen. Was ihnen wiederum vorzüglich in den fanatischen Kram passt, winken sie problemlos auch ohne Beweise durch.

Der Versuch, einem solchen einfältig-aufgeklärten und stallgemästeten IS-Demokraten die Matrizen rechtschaffender Taten zu erklären – wie z.B. den Ethos oder die Weisheit -, entlockt ihm bestenfalls die Mimik eines sabbernden Patrick Star oder im schlimmsten Fall die reflexartige Bid’ah-, Kuffr- oder Shirk-Rhetorik.

Die duale Welt von halal und haram ist ihnen genug an Wissen, oder besser ausgedrückt: Hiermit ist die Grenze der Auffassungsgabe erreicht. Ihre Handlungen erfahren keinen sittlichen Rahmen, und auch die Abwägung der eigenen Taten, geprägt von Weisheit und Empathie, überfordert zumeist ihren begrenzten Verstand.

Dabei lässt sich die Einfältigkeit dieses dualen Islamverständnisses recht leicht darstellen.
Wie rechtfertigt ein IS-Fanboy für gewöhnlich die Handlungsweisen seiner Idole? Wie reagiert er auf die Frage: Wieso haben sie das getan?

Er sagt: Es ist erlaubt!

Hierzu zeigt er vielleicht einen Gelehrtenspruch auf (oder eine ganze Palette davon) und im besten Fall einige Ahadith und Ayat. Damit ist für ihn die Sache gebongt.

Es ist erlaubt, also mache ich es. Dies ist das einfache und (auf ihrem Niveau) schlüssigste Argument.

Nun denn, Allah hat uns Männern in Seinem Buche auch erlaubt unsere Frauen zu schlagen. Wir kennen alle diese Ayah, die uns von Islamkritikern immer wieder um die Ohren gehauen wird. Wir dürfen unsere Frauen schlagen, es ist halal. Und? Ist es deshalb eine gute Tat? Wenn jetzt ein Muslim mit einer gewissen Gewaltaffinität jede ihm nur mögliche Gelegenheit nutzt, um seine Ehefrau mit Schlägen zu drangsalieren, nur weil es ihm erlaubt ist, ist das gut?

Nein, natürlich ist das nicht gut. Weder lehrt uns das unsere religiöse Ethik/Sitte, noch ist es mit der Weisheit und Empathie eines gesunden Verstandes vereinbar.

Und wer ist hier unser bestes Beispiel? Der Gesandte Allahs natürlich, Allah segne ihn und schenke ihm Heil; von dem uns überliefert wird, dass er nie auch nur eine einzige seiner Frauen geschlagen oder hart angegangen hat, obwohl er der Empfänger der Worte Allahs war und am besten wusste, dass es ihm erlaubt ist.

Zudem ist ebenfalls von ihm überliefert, Allah segne ihn und schenke ihm Heil, dass er Frauen davon abriet, Männer zu ehelichen, die dafür bekannt waren ihre Frauen zu schlagen, obwohl Allah es diesen Männern im Quran erlaubte.

Was lernen wir daraus?

Es gibt mehr als nur halal und haram. Unsere Taten erfordern Instanzen die darüber hinausgehen. Hier kommt der Charakter ins Spiel, das gute Verhalten. Das schwerste Gewicht, das am Tage des Gerichts in die Waage des Gläubigen gelegt wird, wird das gute Verhalten sein. Allah weiß, weshalb du ein bestimmtes islamisches Urteil bevorzugt hast, Er weiß, ob du dir diese Sondermeinung nur zur Rechtfertigung deiner Gelüste zu Eigen gemacht hast, weil sie so gut zur Ideologie deiner Sekte passt oder weil du einfach zu stolz warst, das mehrheitlich vorherrschende Urteil zu akzeptieren, das von Gelehrten stammt, die auch Einblick haben in die Umstände zu dieser Zeit und an diesem Ort.

Allah aufrichtig zu fürchten, bedeutet auch, die eigenen Taten regelmäßig zu hinterfragen und zu prüfen. Besonders wenn es um solche elementaren Dinge wie Leben und Tod geht. Und der Gottesehrfurcht ist es in aller Regel näher, in all seinen Taten auf Nummer sicher zu gehen.

Wa Allahu 3alem.

Kommentar: Meine Verteidigung Imam al-Ghazalis

Das Folgende ist ein Kommentar von mir, den ich als Antwort auf einen anderen Kommentar verfasst habe. Beide Kommentare befinden sich unter meinem Beitrag "Ratschlag an die Notgeilen: Die Pflichten gegenüber den leibeigenen Mägden" im Ahlu-Sunnah-Blog. Der Kommentar ist leider so lang geworden, dass ich die Arbeit dafür nicht nur für einen Kommentarbereich geleistet haben möchte. Deshalb also hier eine Kopie meiner Verteidigung Imam al-Ghazalis:

Wa alaykum assalam wa rahmatullah

Ich habe lange überlegt, ob ich zu deinem Kommentar etwas schreiben soll. Eigentlich habe ich die Gewohnheit abgelegt, mich in endlosen Debatten zu ergehen. In diesem Fall möchte ich zumindest bezüglich deiner Bewertung von Imam al-Ghazali etwas lesbares für die Nachwelt hinterlassen.

Im Gegensatz zu anderen Autoren dieses Blogs, vertrete ich die Ansicht, dass Gelehrte – und somit auch ihre Abhandlungen und Fatawa – einen gewaltigen Nutzen für uns Muslime haben.

Das WISSEN ist von außerordentlicher Eminenz.

Al-Hafizh ibnul-Qayyim al Jawziyyah – Allah sei ihm gnädig – kommentiert in seinem „Miftaah Daaris Sa’aadah“ die 18. Ayah in Sure al’Imran, deren ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache etwa folgendermaßen lautet:

«Bezeugt hat Allah, daß kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es); Er sorgt für die Gerechtigkeit. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen.»

Ibnul Qayyim nennt insgesamt 9 Punkte, allein nur um die Stellung der „Wissenden“ darzulegen, die in dieser Ayah genannt werden. Ich werde leider nicht umhin kommen, hier alle 9 Punkte zu nennen.

Ibnul Qayyim schrieb:

«Dieser Vers zeigt die Überlegenheit des Wissens (`ilm) und seiner Leute; die folgenden Punkte können aus dem Vers abgeleitet werden:

1. Allah erwählte die Leute des Wissens (Ulul-`ilm) um Seine Einzigkeit (tauhid) über den Rest Seiner Schöpfung zu bezeugen.

2. Allah ehrte die Leute des Wissens dadurch, dass Er ihre Bezeugung gemeinsam mit Seiner Bezeugung nennt.

3. Er erhob den Status der Gelehrten, indem Er ihre Bezeugung mit der Bezeugung der Engel assoziierte.

4. Dieser Vers zeugt von der Überlegenheit derer die Wissen besitzen. Allah lässt nicht ein einziges Seiner Geschöpfe bezeugen, mit Ausnahme der Aufrechten unter ihnen.
Es gibt da eine sehr bekannte Überlieferung vom Propheten – sall´Allahu alayhi wa salam -, der sagte:
„Die Aufrechten in jeder Generation werden dieses Wissen weitertragen und werden die Verfälschungen der Extremisten und die falschen Behauptungen und die (falschen) Interpretationen der Unwissenden zurückweisen.“
(hasan)

5. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, zeugt hier selber von seiner Einzigkeit, und Er ist der größte aller Zeugen. Dann wählte er aus Seiner Schöpfung (als Zeugen) die Engel und die Gelehrten – das ist ausreichend um ihre Qualität zu zeigen.

6. Allah ließ die Gelehrten mit dem allergrößten Zeugnis bezeugen, welches lautet: „Niemand hat das Recht angebetet zu werden außer Allah!“ Allah, der Eine, frei von allen Mängeln und der Allerhöchste, gehört eigentlich nicht zu den Zeugnisabgebenden, es sei denn es handelt sich um Angelegenheiten mit höchster Wichtigkeit, und nur die großartigsten Geschöpfe Allahs bezeugen dies ebenfalls.

7. Allah machte die Bezeugung der Leute des Wissen zu einer Prüfung gegen die Ungläubigen, auf das sie die Beweise und die Zeichen Seiner Einzigkeit (den Tauhid) annehmen mögen.

8. Allah, der allerhöchste, benutzte ein einziges Verb (shahida) welches sich auf Seine Bezeugung und die Bezeugung der Engel und Gelehrten bezog. Er benutzte kein zusätzliches Verb für ihre Bezeugungen; und damit verband Er ihre Bezeugungen mit der Seinen. Dieses zeigt die enge Verbindung zwischen ihren Bezeugungen und Allahs Bezeugung, als ob Er selber Seine Einzigkeit mit ihren Zungen bezeugte und sie dieses Zeugnis aussprechen ließ.

9. Allah, der Eine, frei von jeglichen Mängeln, ließ die Gelehrten durch diese Bezeugung Sein Recht (Das niemand das Recht hat angebetet zu werden außer Allah) erfüllen und wenn sie es erfüllen, dann erfüllten und etablierten sie dieses Recht Allahs auch auf sie. Ab diesem Moment ist es verpflichtend für die ganze Menschheit diese Bezeugung zu akzeptieren, welche das Mittel ist um die Glückseligkeit im diesseitigen Leben und am letzten Tag der Rückkehr (zu Allah) zu erreichen. Wer auch immer diese Weisung und Führung der Gelehrten annimmt und diese Wahrheit ihrer Bezeugung akzeptiert, dann gibt es für die Gelehrten eine Belohnung in der gleichen Höhe wie für die Folgenden. Und niemand kennt den Wert dieser Belohnung, außer Allah.»

Jetzt möchte ich gern auf deine Beurteilung von Imam al-Ghazali eingehen, die du in deinem Kommentar wie folgt in Worte gefasst hast:

«Nun ist es aber so, dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat. So wurde und wird er bis heute, eigentlich nicht herangezogen, wenn es um diese Fiqh Angelegenheiten geht.
Das Zitat von Ghazali nimmt allerdings ca. 50 % deines gesamten Beitrags ein.
Zu den Worten von Ghazali: An keinster Stelle bringt er Quellen, den Sanad oder sonstwas, zu dem was er berichtet. »

Ich möchte gerne, lieber Abdul Jabbar, dass du dir deiner Stellung bewusst wirst. Damit meine ich nicht deine gesellschaftliche Stellung, deine Stellung in einer Moschee oder in Foren, Telegram- bzw. WhatsApp-Gruppen. Es geht um deine Stellung als Wissender, als Gelehrter. Nimm z.B. einen ausgebildeten DITIB-Imam. Wenn du mit ihm sitzt und ihr vergleicht eurer Wissen über den Quran und die Sunnah. Wie viel kennt der ausgebildete Imam an Quran und Ahadith auswendig? Es geht nicht darum, ob seine (vielleicht staatlich genötigten) Urteile korrekt sind, sondern was er weiß und kennt in der Religion. Meinst du, es könnte für dich knapp werden? Gehen wir einmal davon aus, dass du für dich das gleiche Wissens-Niveau in Anspruch nimmst wie so ein ausgebildeter DITIB-Imam.

Dann realisiere, dass dieser DITIB-Imam lediglich der ausgebildete Schüler eines unbedeutenden Professors ist, der jedoch viel mehr Wissen hatte als er. Dieser Professor wiederum hat im besten Fall bei einem Großgelehrten studiert. Und die Großgelehrten unserer Zeit? Sie halten sich für gering im Vergleich mit den früheren Großgelehrten. Und diese frühen Großgelehrten wiederum hatten auch Vorbilder. Die Besten der Allerbesten, die das Niveau eines ausgebildeten DITIB-Imams in einem Ausmaß überstrahlten, welches kaum in Worte zu fassen ist, wurden von den Großgelehrten jedes Jahrhunderts, als die „Wiederbeleber der Religion“ (Mudschaddid) bezeichnet. Also hatte jedes Jahrhundert einen Großgelehrten, den beinah alle darauf folgenden Großgelehrten mit diesem Titel ehrten.

Der Mudschaddid des 5. Jahrhunderts nach Hijra ist (mit überwältigender Mehrheit der Großgelehrten aller Zeiten bis heute) der Imam Abū Hāmid Muhammad al-Ghazālī; so bestätigt es auch Schams ad-Dīn Muhammad adh-Dhahabī in seinem „Siyar a’lam al-nubala’“.

Al-Ghazalis Hauptwerk, Iḥyā ulūm ad-dīn (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften), gilt auf vielen Gebieten der religiösen Wissenschaften geradezu als grundlegend. Besonders in der islamischen Ethik erfuhr er über alle sunnitischen Rechtsschulen hinaus größte Zu- und Übereinstimmung bei den führenden Großgelehrten.

Abū l-Faradsch ʿAbd ar-Rahmān Ibn al-Dschauzīs „Minhādsch al-Qāsidīn“ und Muwaffaq ad-Dīn Abū Muhammad ʿAbdallāh ibn Qudāma al-Maqdisīs „Mukhtasar Minhādsch al-Qāsidīn“ basierten im vollen Umfang auf dem Ihya al-Ghazalis.

Die Schwächen des Imams in seinem Ihya waren vor allem im Bereich der Mystik/Sufistik zu finden. Hier wurde ihm insbesondere ein unkritischer Umgang mit Überlieferungen vorgeworfen. Aber die Mehrheit der gewaltigsten Gelehrten nach ihm, haben darin keinen Makel erkannt, der den Status des Mudschaddid hätte abschwächen können.

Wenn ich nun also von dir lese – einem Muslim, der vielleicht auf dem Niveau eines ausgebildeten Moschee-Imams ist (wenn überhaupt) -, „dass Al Ghazali in diesen Themen [wie leider auch in vielen anderen spezifischen Fiqh Themen] nicht gerade seine Wissenschaftliche Stärke hat.“, dann muss ich dir im vollem Umfang widersprechen.

Es mag vielleicht sein, dass die grundlegenden Werke des schafiitischen Fiqh al-Ibadah den Imam nicht allzu oft erwähnen, aber auf den allermeisten anderen Gebieten des Fiqh (und hier vor allem auf dem Gebiet der Ethik) ist Imam al-Ghazali nicht nur im schafiitischen Fiqh, sondern auch darüber hinaus, in allen 4 Rechtsschulen, anerkannt und respektiert.

Dass frühere Gelehrte ihre Werke ohne die heute so üblichen Quellenverweise schrieben, war durchaus normal und weit verbreitet. Dies ist aber kein Indiz dafür, dass die genannten Überlieferungen, Aussprüche und Zitate inhaltlich falsch sind. Vielmehr war zur damaligen Zeit die Unterscheidung zwischen Wissenden und Unwissenden viel deutlicher. So musste man für die Wissenden solche Quellenverweise gar nicht großartig anführen, da diese sowieso in Quran, Sunnah und Sekundärliteratur bewandert waren; und die Unwissenden – das allgemeine Volk – konnten mit derlei Angaben gar nichts anfangen bzw. sie nicht verifizieren.

Diese Gewohnheit kam erst auf, als Halb- und Viertelgelehrte, wie du und ich, auf der Bildfläche erschienen und damit begannen, den Gelehrten ihr Wissen abzusprechen und ihre Beweise zu hinterfragen. Auch wir können heutzutage solche Quellenverweise nicht wirklich selbst verifizieren, sondern müssen dazu wiederum auf die Expertisen von Gelehrten zurückgreifen … mit dem Unterschied, dass wir Dank Google nun die freie Auswahl haben, wessen Expertise zur Quelle uns am besten in den ideologischen Kram passt.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Du und ich, wir sind geblendet von der Illusion, dass wir etwas Wissen besitzen, möge Allah uns diese Anmaßung vergeben. Aber die Disqualifikation eines Mudschaddid, den die größten Gelehrten der Ahlus Sunnah bestätigten und lobten, geht wirklich zu weit. Ich halte das für eine Anmaßung sondergleichen.

Wa Allahu 3alem.

 

Kurz gesagt: Islam ist Freiheit

von Yahya ibn Rainer

Es gibt da ein Totschlagargument, dass von einigen engagierten Muslimen gern in der Diskussion benutzt wird und das tragischerweise beim gewöhnlichen Muslim auch manchmal Anklang findet, nämlich das Argument:

„Der Prophet hat es nicht getan, also machen wir es auch nicht.“

Dieses Argument ist, wenn es außerhalb der Angelegenheiten der rituellen Gottesdienste genannt wird, ein Mittel zur Selbstkasteiung, zu der niemand gezwungen oder überredet werden sollte.

Sicherlich war und ist der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – auch in den allermeisten weltlichen Angelegenheiten ein Vorbild, aber er war ebenso auch ein Mensch wie wir und hatte Vorlieben und Abneigungen, die die unsrigen nicht zwingend abrogieren müssen.

Der Grundsatz im Fiqh – und somit ein universelles Menschenrecht – ist das Erlaubtsein aller Handlungen (außer Ibadaat) und Dinge, bis uns ein klares Verbot darüber erreicht.

Niemand ist zu verurteilen, weil er sich freiwillig einiger Handlungen oder Dinge enthält, besonders nicht, wenn er sich dabei den Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als Vorbild nimmt. Aber ebenso wenig sind diejenigen zu verurteilen, die ihr Leben genießen und dabei alle Ideen, Vorlieben und Genüsse ausleben, die Allah und Sein Gesandter nicht ausdrücklich verboten haben.

Jede Gesellschaft benötigt neben enthaltsamen und frommen Ermahnern auch kreative Freigeister, die den weltlich-wissenschaftlichen Fortschritt vorantreiben, neue Techniken und Technologien entwickeln oder erlaubte Künste verfeinern. Dieses hohe Maß an Kreativität und Imagination wird in vielen Bereichen auf Handlungen und Dinge zurückgreifen müssen, die der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – nie erwähnte, nicht praktizierte oder sogar mied.

Wir – und damit meine ich vor allem die Radikalen, die „Islamisten“, die echten Sufis usw. – sollten uns nicht selbst zum Maßstab für die gesamte Gesellschaft erheben und damit diejenigen unnötig unter Druck setzen, die von Allah mit anderen Qualitäten ausgestattet wurden. Freigeister haben es nun einmal nicht so mit Dogmen und Handlungsbeschränkungen, allein schon aus dem Grunde, weil experimentelle Wissenschaften und kreative Künste auf diese Weise einfach nicht funktionieren können.

Es gibt ein Mindestmaß an öffentlicher Ordnung und unveräußerliche Rechte, diese sind durch klare Verbote und Gebote vorgeschrieben. Aber alles darüber hinaus (und damit meine ich auch bestimmte Makrubaat) liegt im Verantwortungsbereich des Individuums und es obliegt allein Allah abschließend darüber zu urteilen.

Wa Allahu alem.

Kurz gesagt: Es gibt zwei Arten von Predigern, die die Meinungsvielfalt des Fiqh darlegen

von Yahya ibn Rainer

Es gibt m.E. zwei Arten von Predigern, die ihren Zuhörern die Meinungsverschiedenheiten in den Angelegenheiten des Fiqh darlegen.

1. Diejenigen, die gefestigt sind und ihrem Standpunkt treu bleiben, jedoch um die gewaltige Meinungsvielfalt im Islam wissen und dieses Wissen vermitteln wollen, um den Extremismus in dieser Sache unter den eigenen Zuhörern zu bekämpfen.

2. Die Wankelmütigen, die im Nachlassen begriffen sind und sich auf diese Weise für ihren Wandel rechtfertigen (wollen), indem sie speziell in solchen Angelegenheiten die Meinungsverschiedenheiten thematisieren, die an ihrem Wandel neuerdings zu erkennen sind.

Einmal abgesehen vom Grad der Aufrichtigkeit, der diesen beiden Predigertypen innewohnt, ist auch die Wirkung zu beachten, die durch das persönliche Vorbild zustande kommt. Der Erstere gibt ein Beispiel für Standhaftigkeit und Toleranz, der Zweite liefert lediglich Rechtfertigungen für (s)ein Nachlassen und fördert die Inkonsequenz.

Und dann gibt es natürlich noch diejenigen Prediger, die gefestigt sind und ihrem Standpunkt treu bleiben, aber dabei die Meinungsvielfalt vollkommen außer Acht lassen. Durch ihre Engstirnigkeit im Umgang mit anderen Meinungen, befeuern sie (wenn auch ungewollt) den Extremismus ihrer Zuhörer, der im Resultat einen noch größeren Schaden in sich bergen kann, als das gerechtfertigte Nachlassen der Inkonsequenten

Und Allah weiß es am besten …

Die Regel über „Ich warne vor …“

Alles Lob gebührt Allah, Dem Herrn der Welten. Frieden und Segen seien auf dem Gesandten Allahs, seiner Familie, seinen Gefährten und denjenigen, die bis zum jüngsten Tag ihrem Weg folgen.

Allah :swt: führt ein Herz zum Islam, nachdem es in Dunkelheit und Unwissenheit des Kufr litt. Jetzt aber kostet er den Anmut des Imans, welcher seine Tränen von seinem Gesicht wischt und ihm einen leuchtenden Weg in die Zukunft zeigt.

Dieses Herz spürt eine Wärme, wenn es Vorträge über das Paradies, die Hölle, die Engel, den Tod, das Universum usw. hört. Sie und der daraus folgende Iman ist die Nahrung, welche ihn gegen sein Umfeld stärkt, das ihn nicht anerkennt und nicht akzeptiert. Es hörte immer Ahlu Sunnah, Ahlu Sunnah – seine Fitrah ruft ihn zu sich und sagt, dies ist dein Nest, halte fest daran.

Die Regel über „Ich warne vor …“ weiterlesen

Buchauszug: Prof. Dr. Islahi – Es gibt nichts Gutes an einer Person die Reichtum verabscheut

„Die Verpflichtung eines Mannes, sich und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen zu versorgen, erfordert u.a. weltliche Mittel, was ihren Erwerb zu einem (religiösen) Gebot werden lässt.

Ibn Taimiyah stützt diese Ansicht, indem er einen der frühesten Fiqh-Gelehrten zitiert, nämlich (den Tabi’in) Sa’id bin al-Musayyib, der sagte, dass nichts Gutes an einer Person sei die Reichtum verabscheut, wo doch eine Person damit in der Lage sei seinem HERRN zu dienen, seine Verbindlichkeiten zu begleichen, sich selbst zu beschützen und unabhängig von anderen zu bleiben.“

(Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Economic Concepts of Ibn Taimiyah, Seite 118)
– übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 2)

von Yahya ibn Rainer

Der vorherige 1. Teil dieser Reihe endete mit der Auflistung einiger bekannter Deutschen Tugenden, die auch (und besonders) als Preußische Tugenden bekannt wurden, sowie mit der Ankündigung, zur näheren Beleuchtung der Übereinstimmungen mit dem Islamischem Akhlaq (Charakter) das Buch Über den Umgang mit Menschen von Adolph Freiherr von Knigge zu bemühen. Zuvor möchte ich aber noch 2 Fakten einschieben, die für diesen Sachverhalt von Interesse sein könnten.

Islamischer Akhlaq und deutsche Sitten! (Teil 2) weiterlesen