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Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 2)

In den vorangegangenen Abschnitten hat Ibn Taymiyyah unterschieden zwischen einem Preisanstieg aufgrund von Kräften des Marktes und einem durch menschliche Ungerechtigkeit (zulm) – z. B. Horten – verursachten Preisanstieg, eine Unterscheidung, die der Ordnungsmacht eine Grundlage für Preisregulierungen gibt. Ibn Taymiyyah war ein großer Befürworter von Preiskontrollen bei Marktschwächen, doch er war gegen solche Kontrollen, wenn Preiserhöhungen durch die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage zustande kamen (Islahi, S. 79–90, Kahf und al-Mubarak, S. 107–125).

An dieser Stelle ist anzumerken, dass Ibn Taymiyyah die Auswirkungen von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage analysiert, aber nicht auf den Effekt eingeht, den hohe oder niedrige Preise auf die angebotene und nachgefragte Menge haben (d. h., eine Bewegung auf der gleichen Kurve, von einem Punkt zu einem anderen). In al-Hisbah erwähnt er die Ansicht eines früheren Juristen – Abu-l-Walid (1013–1081 n. Chr./403–474 n. H.), dass …

„ … die Vorgabe von zu niedrigen Preisen durch die Ordnungsmacht, die keinen Profit übrig lassen, zu einer Verfälschung der Preise führt sowie dazu, dass (Verkäufer) ihre Ware verstecken, und dazu, dass das Vermögen der Leute ruiniert wird“.

Ibn Taymiyyah stimmt dieser Ansicht zu (Ibn Taymiyyah 1976, S. 41). Durch dieses Bewusstsein, dass das Angebot zurückgeht, wenn der Preis zu stark fällt, ist Ibn Taymiyyah nahe dran, auf eine direkte Beziehung zwischen der angebotenen Menge und dem Preis zu schließen.

In seinen Fatawa nennt er einige Faktoren, die die Nachfrage und somit auch die Preise beeinflussen. Er schreibt (Ibn Taymiyyah, 1383, Bd. 29, S. 523–525):

(a) „Die Wünsche der Menschen (ar-raghabah) sind unterschiedlich und verändern sich ständig. Sie verändern sich entsprechend dem reichlichen Vorhandensein oder der Knappheit der nachgefragten Ware (al-matlub). Wenn es nur wenig von einer bestimmten Ware gibt, wird sie stärker nachgefragt, als wenn sie reichlich verfügbar ist.“

(b) „Die Wünsche verändern sich auch in Abhängigkeit von der Zahl derjenigen, die das Produkt nachfragen (tullab). Wenn viele Personen das Produkt nachfragen, steigt dessen Preis. Im Gegensatz dazu sinkt er, wenn die Zahl der Nachfragenden gering ist.“

(c) „Auch die Stärke oder Schwäche des Bedürfnisses nach dem Produkt und das Ausmaß des Bedürfnisses beeinflussen die Wünsche – je nachdem, wie stark oder schwach das Verlangen danach ist. Wenn das Bedürfnis ausgeprägt und stark ist, wird der Preis stärker ansteigen, als wenn es gering ausgeprägt und schwach ist.“

(d) „(Der Preis unterscheidet sich auch) entsprechend (dem Kunden), mit dem der Handel getätigt wird (al-mu’awid). Wenn er reich und vertrauenswürdig hinsichtlich des Begleichens von Schulden ist, ist (für den Verkäufer) ein niedrigerer Preis akzeptabel als bei jemandem, der für Zahlungsunfähigkeit, verspätete Zahlungen oder Leugnung fälliger Zahlungen bekannt ist.“

(e) „Außerdem (wird der Preis beeinflusst) durch die Währung, in der er gezahlt wird. Wenn es eine gängige Währung ist (naqd ra’ij), sinkt der Preis, was bei einer weniger bekannten Währung nicht der Fall ist, wie es sich heutzutage in Damaskus mit Dirham und Dinar verhält, wobei es gängige Praxis ist, in Dirham zu zahlen.

(f) „Dies ist so, weil der Zweck des Vertrages (reziproker) Besitz beider Vertragsparteien ist. Wenn der Zahler in der Lage ist zu zahlen und man von ihm erwarten kann, dass er seine Zusage einhält, wird der Gegenstand des Vertrages mit ihm umgesetzt, anders als wenn er nicht vollkommen fähig oder nicht vollkommen vertrauenswürdig ist. Das Maß an Fähigkeit und Vertrauenswürdigkeit ist unterschiedlich. Dies gilt für Käufer und Verkäufer, Mieter und Vermieter, Braut und Bräutigam. Manchmal ist das Objekt des Verkaufes (physisch) verfügbar, manchmal nicht. Der Preis für etwas Verfügbares ist niedriger als der für etwas, das nicht (physisch verfügbar) ist. Das Gleiche gilt für den Käufer, der bisweilen in der Lage ist, auf einmal zu zahlen, weil er Geld hat, doch manchmal hat er kein (Bargeld) und möchte sich etwas leihen (um zahlen zu können) oder Waren verkaufen (um die Zahlung tätigen zu können). In ersterem Fall ist der Preis niedriger.

(g) „Das Gleiche gilt für jemanden, der (ein Objekt) vermieten möchte. Vielleicht ist er in der Lage, die Leistungen, die der Vertrag beinhaltet, in einer Weise zur Verfügung zu stellen, dass der Mieter ohne (weitere) Kosten davon Gebrauch machen kann. Es kann jedoch auch vorkommen, dass der Mieter die Leistungen nicht ohne (zusätzliche) Kosten in Anspruch nehmen kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein in Dörfern, die von tyrannischen Machthabern oder von Räubern heimgesucht werden, oder in Orten, an denen es Raubtiere gibt. Der (Miet-)Preis für solches Land entspricht natürlich nicht dem Nennwert von Land, in dem diese (zusätzlichen Kosten) nicht aufzubringen sind.

Wie wir bereits gesehen haben, verwendet Ibn Taymiyyah den Begriff ‚Wunsch‘ im Sinne von ‚Nachfrage‘. Später benutzt er al-matlub und at-talibun für die nachgefragten Güter beziehungsweise die Nachfragenden. In seiner Analyse von steigenden und fallenden Preisen werden ökonomische und nicht-ökonomische Faktoren sowie individuelle und kollektive Handlungen gleichzeitig erwähnt.

Davon auszugehen, dass ein knappes Gut deutlich stärker nachgefragt wird als eines, das zur Genüge vorhanden ist, bedeutet, dass man sich Angebot und Nachfrage als voneinander abhängig vorstellt. Dies ist jedoch im Allgemeinen nicht der Fall. Ibn Taymiyyah verzeichnet dies als von ihm beobachteten psychologischen Fakt: Manche Menschen fragen ein Gut umso stärker nach, wenn es nur in geringer Menge vorhanden ist, weil sie davon ausgehen, dass es künftig noch knapper werden wird.

Ein Anstieg der Zahl der Nachfragenden, der einen Preisanstieg verursacht, ist ein ökonomisches Phänomen und ein Fall von einer Veränderung der Funktionen der Marktnachfrage. Die geringe oder starke Ausprägung eines Bedürfnisses kann – anders als seine Intensität – auf dessen Position im Gesamtbetrag des Warenkorbs, der vom Verbraucher benötigt wird, hinweisen. Falls diese Interpretation korrekt ist, so assoziiert Ibn Taymiyyah die Stärke eines Bedürfnisses, verbunden mit seinem relativ großen Ausmaß, als Anteil der Gesamtheit seiner Konsumausgaben, mit hohen Preisen. Im Gegensatz dazu ist ein weniger intensiv empfundenes Bedürfnis nach einer Ware, die im Verhältnis zur Gesamtheit der Bedürfnisse nur in geringen Mengen benötigt wird, eine Ursache für niedrige Preise.

Der nächste Punkt (d) bezieht sich auf Kreditverkäufe. Er behandelt einen speziellen Fall, der nicht sehr relevant ist für eine Analyse der Marktpreise, außer wenn dies zum Normalfall wird, so dass Verkäufer die Unsicherheit hinsichtlich der Bezahlung mit berücksichtigen müssen.

Dass die Preise niedriger sind, wenn in Silbermünzen bezahlt wird (Punkt e) ist eine Anspielung auf die eigentümliche monetäre Lage im Damaskus jener Zeit. Der Grund hierfür war möglicherweise ein Anstieg von Legierungen bei den Goldmünzen oder die häufigen unvorteilhaften Veränderungen im Verhältnis von Dinar zu Dirham, wie aus der Geschichte jener Zeit hervorgeht (Qalaqshandi, Bd. 3, S. 438; Maqrizi, Bd. 1, S. 899). Anzumerken ist, dass Nasir Muhammad ibn Qalawun – der Sultan, der zu Ibn Taymiyyahs Zeit regierte – den Leuten verbot, Gold zu verkaufen oder anzukaufen. Alle waren gezwungen, ihr Gold der Münzprägeanstalt zu übergeben und Dirham dafür entgegenzunehmen (Maqrizi, Bd. 2, S. 393). Dies mag ein weiterer Grund für die – relativ gesehen – höheren Preise in Dinar gewesen sein.

Der spezielle Fall, dass für eine sofort verfügbare Ware ein niedrigerer Preis verlangt wird als für eine Ware, die zum entsprechenden Zeitpunkt nicht auf dem Markt verfügbar ist (Punkt f) kann als eine zusätzliche Zahlung betrachtet werden, die für die Beschaffung eines schwer erhältlichen Produktes geleistet wird. Ibn Taymiyyah erwähnt diesen Fall gemeinsam mit dem Fall, dass der Preis für eine Ware günstiger ist, wenn sofort gezahlt wird, als wenn die Zahlung zunächst gestundet wird. Dies hat er bereits angemerkt (unter Punkt d).

Das unter Punkt g angeführte Beispiel zielt darauf ab zu zeigen, dass sämtliche Kosten, die der Käufer übernehmen muss, um das gemietete Objekt nutzen zu können, vom Vermieter des Objektes berücksichtigt werden müssen. Ibn Taymiyyah zeigt auf, was die Punkte d, e, f und g gemeinsam haben: Unsicherheiten oder anfallende Kosten bewirken, dass der Preis anders ausfällt als er es ohne diese Faktoren getan hätte. Dies allein ist ein bedeutender Beitrag zur ökonomischen Analyse. Dem kann sein Bewusstsein für die Auswirkungen von Veränderungen in Bezug auf Angebot und Nachfrage hinzugefügt werden. Insofern ist es interessant, seine Gedanken hierzu mit denen anderer islamischer Denker und westlicher Autoren zu vergleichen, die vor dem Aufkommen der Ökonomie in der Mitte des 18. Jahrhunderts wirkten.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2 / übertragen in die deutsche Sprache für al-adala.de von korrekturlesen-hh, leicht redigiert)

 

Abu Yusuf: Kitab al-Kharai. Beirut: Dar al-Ma’rifah, 1979
Gordon, B.: Economic Analysis Before Adam Smith. London: Lewes Reprint Ltd., 1979.
Ibn Khaldun: Al-Muqaddimah. Beirut: Dar al-Fikr, o. J.
Ibn Taymiyyah: Majmu’ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad b. Taymiyyah. Riyadh: Al-Riyadh Press, Bd. 8, 1381, Bd. 29, 1383.
Al-Hisbah fi’l Islam, Ed. Azzam, S., Kairo: Dar al-Sha’b, 1976.
Islahi, A. A.: Economic Views of Ibn Taymiyah, Aligarh Muslim University, unveröffentlichte Dissertation, 1980.
Kahf, Monzer: „Economic Views of Ibn Taymeyah“, in: Universal Message, Karachi, Ausg. 4, Nr. 2, Juli 1982; Ausg. 4, Nr. 3, erstmals veröffentlicht in al-Itthihad, Plainfield, Indiana, 1977.
al-Maqrizi, Taqiuddin, Ahmad b. Ali: Kitab al-Sulak li Ma’rifat al Duwal Wal Muluk. Ed. Ziadeh, M. M., Kairo: Lajnah, al-Ta’lif Wa’l-Tarjamah, 1956.
al-Mubarak, Muhammad: Ara’ Ibn Taymiyah fi’l Dawlah wa mada Tadakhkhulliha fi’l Majal al-Iqtisadi. Beirut: Dar al-Fikr, 1970.
al-Qalaqshandi, Abul Abbas Ahmad b. Ali: Subh al-A’sha. Kairo: Dar al-Kutub al-Khudaiwiyah, 1913.
Schumpeter, J. A.: History of Economic Analysis. London: George Allen and Unwin Ltd., 1972.
Siddiqi, M. N.: „Abu Yusuf ka Ma’ashi Fikr“ (Urdu), in: Fikr-o-Nazar, Aligarh, Ausg. 5, Nr. 1, Januar 1964, S. 79 f. und 85–87.
Speigel, H. W.: The Growth of Economic Thought. New Jersey: Prentice Hall Inc., 1971.

Kurz gesagt: Reine emotionale Masturbation / #Karlow #Breitscheidplatz usw

von Yahya ibn Rainer

Kopfloses und gegenwartsorientiertes Handeln. Reine emotionale Masturbation.

Was wir derzeit weltweit im aktionistischen Handeln vieler Muslime sehen, ist ein Resultat der Aufklärung. Die Pyramide der Hierarchie steht auf dem Kopf. Das gesellschaftlich vereinsamte und staatlich verwaltete Individuum handelt antiautoritär und selbstbestimmt, allein getrieben vom emotional getrübten Verstand, vollkommen auf die Befriedigung der eigenen emotionalen Verfasstheit fokussiert. Und die Politik (als auch die Köpfe des neuen Terrors) bedienen sich ungeniert am Buffet der bereiteten Schadtaten.

Ich kann nicht anders, als auch dieses Mal mit fester Überzeugung zu sagen: Ja, die Ummah hat ihren Zustand verdient!

Wa Allahu 3alem.

Was dieser dumme Terrorismus wirklich anrichtet

Zitat: Ibn Hazm – Über Zölle, Mehrwertsteuer und andere Handelsabgaben

«Es besteht Konsens darüber, dass die Zollposten auf den Wegen und an den Toren der Städte, sowie das, was auf den Märkten an Abgaben auf die von Händlern und Vorbeikommenden herbeigeschafften Waren erhoben wird, gewaltiges Unrecht, Sünde und Frevel ist.»

 – Abū Muhammad `Alī Ibn Hazm (gest. 456 n.H.) in Maraatib al-Ijmaa

Ein herzlicher Dank - für Übersetzung/Unterstützung - geht raus an Taariq bin Lahsan.

Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 1)

Einleitung

Das Hauptziel dieser Arbeit soll es sein, das Konzept des Marktmechanismus zu studieren und zu analysieren, so wie er von Ibn Taymiyyah verstanden wurde. Zudem wird diese Abhandlung versuchen, seine Ansichten mit denen anderer muslimischer Denker und westlicher Autoren – bis Mitte des 18. Jahrhunderts – zu vergleichen. Der erste Abschnitt befasst sich mit der Analyse von Ibn Taymiyyahs Ansichten, die letzten beiden Abschnitte dienen zum Vergleich.

Die Konzepte von „Angebot und Nachfrage“ sind die grundlegendsten in der Wirtschaftswissenschaft, sie bilden die Essenz des Marktmechanismus. Die Idee jedoch, alle Kräfte des Marktes in diese beiden Hauptkategorien einzuteilen und dass die Preisbildung durch „Angebot und Nachfrage“ zustande kommt, war eine sehr späte Entwicklung in der Geschichte des ökonomischen Denkens.

Gemäß Schumpeter:

«Was die Theorie zum Mechanismus der Preisbildung angeht, so gibt es aus der Zeit vor der Mitte des 18. Jahrhundert nur sehr wenig zu berichten …»

(Schumpeter, S. 305)

Nun ist es aber (gerade in diesem Zusammenhang) interessant zu entdecken, dass bereits im 13. Jahrhundert der (muslimische Gelehrte) Ibn Taymiyyah (1263-1328 n.Chr./661-728 n.H.) ein solches Konzept des Marktmechanismus dargelegt hatte.

Das von Ibn Taymiyyah entwickelte Konzept des Marktmechanismus

Ibn Taymiyyah hatte eine klare Vorstellung von der Preisbildung in einem freien Markt, welche durch Marktkräfte zustande kamen, die wir heute Angebot und Nachfrage nennen. Er sagt:

«Das Steigen und Fallen der Preise ist nicht immer auf das Unrecht (zulm) einiger Menschen zurückzuführen. Manchmal ist der Grund ein(e Knappheit durch) Produktions- oder Importrückgang der nachgefragten Ware. Wenn also die Nachfrage nach einer (bestimmten) Ware steigt, während ihre Verfügbarkeit (durch Knappheit) sinkt, dann steigt ihr Preis. Anderseits, wenn die Verfügbarkeit der Ware sich erhöht und die Nachfrage danach sinkt, dann sinkt auch der Preis. Diese Form von Knappheit und Überfluss kann nicht durch menschlichen Eingriff verursacht werden; sie kann (entweder) auf eine Ursache zurückgeführt werden die frei von Unrecht ist, oder, in manchen Fällen auch Unrecht zum Anlass haben. Es ist Allah der Allmächtige, der die Wünsche in den Herzen der Menschen schafft …»

(Ibn Taimiyah, 1381, vol.8, p. 523)

Aus dieser Feststellung Ibn Taymiyyahs geht hervor, dass es zu seiner Zeit eine vorherrschende Meinung war, dass steigende Preise eine Folge des Unrechts (zulm) oder des Fehlverhaltens vonseiten der Kaufleute wäre. Das ursprüngliche Wort, das von ihm benutzt wird, ist „zulm“, was auch Überschreitung oder Ungerechtigkeit bedeuten kann. Hier wird es im Sinne von Manipulationen benutzt, die von Kaufleuten vorgenommen werden um den Markt zu stören/beeinflussen, beispielsweise durch Horten. Nach Ibn Taymiyyah ist das jedoch nicht immer wahr. Er macht hier für das Steigen und Fallen der Preise wirtschaftliche Gründe und die Marktkräfte verantwortlich.

Ibn Taymiyyah erwähnt zwei Quellen für das (Waren-)Angebot – lokale Produktion und Import der nachgefragten Waren (ma yukhlaq aw yujlab min dhali’k al mal al matlub). Die (Wort-)Wurzel von „Al matlub“ ist „t-i-b“, welches das Synonym des Wortes „Nachfrage“ im Deutschen ist. Um die Nachfrage nach einer Ware auszudrücken, benutzt er den Ausdruck „raghabat fi’l shai“, d.h. Verlangen nach der Ware.

Verlangen, welches Bedürfnisse oder „Geschmack“ reflektiert, ist eines der wichtigsten (und entscheidendsten) Faktoren der Nachfrage, der andere (Faktor) ist das Einkommen. Dieser zweite Faktor wird von Ibn Taymiyyah (allerdings) nicht erwähnt.

Eine Veränderung des Angebots, der anderen Marktkraft neben der Nachfrage, wird von ihm als eine Zunahme oder Abnahme der Verfügbarkeit der Ware beschrieben. Die beiden Quellen des Angebots bemerkte er bereits: lokale Produktion und Import.

Die oben zitierte Aussage deutet darauf hin, dass Ibn Taymiyyah sich auf etwas bezieht, was wir heute Angebots- und Nachfrageverschiebung nennen, auch wenn er es nicht explizit bei( diese)m Namen nennt.

Das heißt, es wird (entweder) mehr zum selben Preis nachgefragt und weniger zum selben Preis angeboten, oder umgekehrt, es wird weniger nachgefragt und mehr angeboten zum selben Preis, was letztendlich zu einem Preisverfall führt. Er kombiniert zwei verschiedene Änderungen in einem.

Ohne Zweifel ist es so, dass, wenn ein sinkendes Angebot durch eine Zunahme der Nachfrage begleitet wird, der Anstieg des Preises (natürlich) ausgeprägter sein wird. In ähnlicher Weise wird, wenn ein Anstieg des Angebots mit einer Abnahme der Nachfrage verbunden ist, der Preisrückgang (natürlich) größer sein, da beide Änderungen die Bewegung des Preises in die gleiche Richtung unterstützen. Es ist jedoch nicht notwendig, die beiden Änderungen zu kombinieren, da sie nicht zwingend gleichzeitig auftreten müssen. Unter sonst gleichen Bedingungen können wir also das gleiche Ergebnis haben, auch wenn sich nur eines von beiden ändert. Wenn z.B. die Nachfrage sinkt, während das Angebot gleich bleibt, wird der Preis sinken, und umgekehrt. Man kann sich eine Anzahl solcher Möglichkeiten vorstellen, die mit der obigen Aussage Ibn Taymiyyahs in Übereinstimmung zu bringen sind. In seinem Buch „Al Hisbah fi’l Islam“ beschreibt Ibn Taymiyyah die beiden Veränderungen separat, wie er sagt:

«Wenn die Leute ihre Waren nach allgemein anerkannter Art und Weise ohne jegliches Unrecht verkaufen und der Preis steigt aufgrund eines Warenrückgangs (qillat al shai‘) oder aufgrund einer Bevölkerungszunahme (kathrat al Khalq), dann ist dies auf die Bestimmung Allahs zurückzuführen»

(Ibn Taimiyah, 1976, p.24)

Hier nennt er als Gründe für ein Steigen des Preises entweder einen Rückgang der Waren oder eine Zunahme der Bevölkerung. „Warenrückgang“ können wir hier auch als Abnahme des Angebots übersetzen. Ebenso ist eine Zunahme der Bevölkerung im Grunde nichts anderes als eine Erhöhung der Nachfrage im Markt, kann also als Anstieg der Nachfrage übersetzt werden. Eine Preiserhöhung aufgrund eines Rückgangs des Angebots oder aufgrund einer Zunahme der Nachfrage wird zudem als ein Akt des allmächtigen Gottes gekennzeichnet, was impliziert, dass der Marktmechanismus (kein Resultat menschlichen Planens, sondern) unpersönlicher Natur ist.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2, pp. S. 51-52 / übertragen in die deutsche Sprache von Yahya ibn Rainer)

Referenzen:
Schumpeter, J.A. History of Economic Analysis, London, George Allen and Unwin Ltd., 1972.
Ibn, Taimiyah, Majmu' Fatawa Shaikh al Islam Ahmad b. Taimiyah, Riyadh, al Riyadh Press, vol. 8, 1381; vol. 29, 1383.
Ibn, Taimiyah, Al Hisbah fi'l Islam, ed. Azzam, S., Cairo. Dar al Sha'b, 1976.

Zitat: Ibn Taymiyya – Eigentumsrecht

«Individuen verfügen über ihr Eigentum, niemand kann es ihnen nehmen, weder komplett noch teilweise, ohne eine (gültige) Vereinbarung und ihre volle Zustimmung.¹ […] jemanden zu zwingen, etwas zu verkaufen – während er rechtlich nicht verpflichtet ist zu verkaufen – oder (jemanden zu zwingen) etwas nicht tun zu dürfen – wozu er rechtlich die Erlaubnis hätte – ist Unrecht; und Ungerechtigkeit ist eine (Form der) Unterdrückung die verboten ist.²»

¹ Ibn Taymiyah, Majmu‘ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad Ibn Taimiyah, Vol. 29, Band 29, Seite 522

² Ibn Taymiyah, Majmu‘ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad Ibn Taimiyah, Vol. 29, Band 29, Seite 521

Buchauszug: Ibn Khaldun – Bei der Beseitigung ungerechter Herrscher ist die Asabiya wichtiger als religiöser Eifer

«In dieses Kapitel gehören die Fälle von Rebellen aus dem gemeinen Volk und von den Rechtsgelehrten, die sich erhoben, um dem Übel zu begegnen. Denn viele religiöse Menschen, die sich dem Dienst an Allah widmen und auf den Pfaden der Religion wandeln, schicken sich an, sich gegen ungerechte Emire zu erheben und rufen in der Hoffnung auf Allahs Belohnung dazu auf, dem Übel zu begegnen, ihm zu entsagen und Gutes zu tun.

Zahlreich sind (gewöhnlich) ihre Gefolgsleute und Anhänger aus der breiten Masse, die dabei ihr Leben aufs Spiel setzen – und die meisten von ihnen kommen auf diese Weise unbelohnt und als Sünder um. Denn Allah, gepriesen sei er, hat sie hierzu nicht bestimmt! Er bewegt nur etwas, wo (ausreichend) Macht vorhanden ist.

Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – sagte:

«Wer von euch Übel erblicket, der soll ihm mit seiner Hand begegnen. Vermag er dies nicht, so tue er es mit seiner Zunge. Vermag er (auch) dieses nicht, so tue er es mit seinem Herzen.»

Herrscher und Staaten sind fest und stark gegründet. Ihre Grundlage kann nur durch starken Druck, der die Asabiya (Solidarität) von Stämmen und Sippen hinter sich weiß, erschüttert und zerstört werden, so wie wir es oben angeführt haben.

Auch die Propheten – Segen und Heil sei über sie – bedurften, wenn sie zu Allah aufriefen, der Sippen und Gruppen, wo sie doch (eigentlich) diejenigen sind, die die Unterstützung Allahs mit allem, was es gibt, hätten erhalten können, sofern Er gewollt hätte. Doch Er ließ vielmehr (selbst bei ihnen) die Dinge ihren üblichen Verlauf nehmen. Allah ist weise und allwissend.

Schlägt nun ein Mensch einen solchen Weg ein und folgt dabei der (religiösen) Wahrheit, lässt ihn die Isolierung von der Asabiya (selbst) dabei fehlgehen, und er kommt um.

Benutzt ein solcher Mensch (außerdem noch) die Religion, um die Führerschaft zu erlangen, geschieht es zu Recht, dass er daran gehindert wird und ihn der Untergang ereilt. Denn ein solches Unterfangen ist eine Sache Allahs, die nur mit Seinem Wohlgefallen und Seinem Beistand sowie durch aufrichtige Ergebenheit gegenüber Ihm und Wohlwollen gegenüber den Muslimen Erfolg hat. Kein Muslim wird Zweifel, kein Mensch mit Einsicht wird Argwohn daran hegen.»

(Ibn Khaldun / gest. 808 n.H., Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 114-115, Übersetzung leicht redigiert)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Regierungsgesetze sind ungerecht und eine Hinterlist des habgierigen Herrschers

«Wenn der sesshafte Mensch ein großes Vermögen besitzt, viel Grund und Boden erworben hat, der Reichste in der Stadt geworden ist und man ihn als solchen ansieht, wenn er im Luxus lebt und sich dessen Gepflogenheiten hingibt, dann kann er mit den Emiren und Herrschern konkurrieren. Sie bedrängen ihn deshalb, denn die Feindseligkeit, die in der menschlichen Natur liegt, lässt sie nach seinem Besitz streben.

Sie streiten mit ihm um den Besitz und bedienen sich dabei aller möglichen Mittel, bis sie ihn in den Fallstricken des königlichen Gesetzeswerkes gefangen haben und einen Anlass finden, ihn zu bestrafen und ihm auf diese Weise das Vermögen zu entreißen. Die Mehrzahl der (weltlichen) Regierungsgesetze ist in den meisten Fällen ungerecht, denn die reine Gerechtigkeit gab es nur im legitimen Kalifat, das aber nur von kurzer Dauer war.

Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – sprach:

«Nach mir wird das Kalifat noch dreißig Jahre währen und dann wieder zu gemeiner königlicher Herrschaft werden.»

Deshalb braucht derjenige, der Geld und beträchtlichen Reichtum, von dem die Bevölkerung weiß, sein eigen nennt, unbedingt jemanden, der ihm Schutz bietet, und einen gesellschaftlichen Rang, der ihn abschirmt. Dies zu gewährleisten vermag jemand aus der Verwandtschaft bzw. der Umgang des Thrones oder auch eine asabiya (Solidarität eines Stammes), vor der sich der Herrscher in acht nehmen muss. So findet der Vermögende hinter ihrem Rücken Schutz und kann vor Feindseligkeiten sicher sein. Hat er diesen Schutz nicht, wird er zum Opfer aller erdenklichen Hinterlist und gesetzlichen Vorwände.

«Allah entscheidet. Und es gibt niemand, der seine Entscheidung revidieren könnte.» [Koran 13. 41]

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Seite 191-192)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe

«Wisse, dass Allah – gepriesen sei er – in der Natur der Menschen das Gute wie das Böse verankert hat, so wie Er, der Erhabene, sagt:

„ … und (Wir) zeigten ihm die beiden Wege … „ [Koran 90. 10]

und ferner:

„ … und Er hat ihr (d. h. der Seele) ihre Sündhaftigkeit und ihre Gottesfurcht eingegeben.“ [Koran 91. 8]

Das Böse steht dem Charakter des Menschen besonders nahe, wenn man versäumt hat, auf seine Gewohnheiten achtzuhaben, und der Mensch nicht dazu erzogen worden ist, der Religion zu folgen. So verhält es sich bei der Masse der Menschen, mit Ausnahme derer, denen Allah Erfolg beschied.

Zu den Charaktereigenschaften des Bösen bei den Menschen zählen Ungerechtigkeit und Feindschaft untereinander. Denn wessen Auge auf das Hab und Gut des Nächsten fällt, dessen Hand streckt sich auch schon aus, um es zu ergreifen, es sei denn ein zügelndes Element hält ihn davor zurück, so wie es heißt:

„Ungerechtigkeit ist ein Wesenszug der Seelen. Wenn du einen tugendhaften Menschen findest, so gibt es einen Grund, warum er nicht ungerecht ist.“»

(Ibn Khaldun, Buch der Beispiele – Die Einführung/al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Reclam-Verlag Leipzig ©1992, Seite 76)

Buchauszug: Schmitz du Moulin – Der Muselman kennt und erkennt nur göttliches Gesetz (1904)

„Das persönliche Gefühl ist in Europa gänzlich versklavt, verknechtet und verdorben. Die Gesetze treten an die Stelle der Gerechtigkeit und die Regierungsmassregeln an die Stelle von Recht und Pflicht. Die meisten Völker Europas sind so an ihre Ketten gewöhnt, alle Menschenwürde ist so aus ihnen herausgequetscht, dass sie ihren Zustand weder fühlen noch einsehen. Sie sind den Ochsen gleich, die auch wohl denken mögen, der Wagen, den sie schleppen, sei ein nötiges Attribut zum Ochsen.

Buchauszug: Schmitz du Moulin – Der Muselman kennt und erkennt nur göttliches Gesetz (1904) weiterlesen

Buchauszug: Ibn Khaldun – Ungerechtigkeit, ein Merkmal des Herrschertums

„Du musst nicht glauben, dass durch die Ungerechtigkeit (lediglich) das Vermögen oder der Besitz ohne Entschädigung und ohne Grund aus der Hand seines Besitzers genommen wird, wie das (allgemein) bekannt ist. Vielmehr ist die Ungerechtigkeit umfassender als das.

Jeder nämlich, der jemandes Besitz an sich nimmt, diesen zwingt, für sich zu arbeiten, eine ungerechte Forderung an ihn stellt oder ihm eine Pflicht auferlegt, die vom (Scharia-)Gesetz nicht auferlegt wird, der tut ihm Unrecht.

Buchauszug: Ibn Khaldun – Ungerechtigkeit, ein Merkmal des Herrschertums weiterlesen

Buchauszug: Erik von Kühnelt-Leddihn – Soziale Gerechtigkeit

„Für Sünden wird im Jenseits gebüßt, für Dummheiten aber gleich hier auf Erden. Das zeigte sich in den Lehren von Karl Marx, der den Materialismus zur Grundlage seiner Philosophie gemacht hatte, und mit dem Materialismus sehr willkürlich den Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“, der dann mit der Demokratie kombiniert, zur wirtschaftlichen Gleichheit führen sollte. Da aber die Natur keine Gleichheiten kennt, haben diese „von oben her“, also vom Staat, geschafft zu werden. Zu diesem Zweck aber müssen neidmotivierte Massen oder Verschwörergruppen den Staat zuerst einmal erobern. Dann kann dieser die Gleichheit verordnen und zu großem Teil auch mit Gewaltmaßnahmen verwirklichen.

Der Neid aber ist nun nicht nur eine der häßlichsten, sondern auch eine der dynamischsten Leidenschaften. Er quält den Neider und den Beneideten gleichermaßen.Wir müssen uns da vor Augen halten, daß im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ – mit allen ihren Facetten in diesem Jahrhundert weit über hundert Millionen Menschen in Revolutionen, Ausrottungsmanüvern und Genoziden als auch in Kriegen zwischen Nationen zugrunde gegangen sind. Dazu zählen wir auch die Massenmorde nicht nur der internationalen, sondern auch der nationalen Sozialisten, denn – Hand aufs Herz! – wer wäre schon „Antisemit“ geworden, wenn die Juden ein dummes, armes, ehrgeizloses und untalentiertes Volk wären. Für Goebbels war der Nationalsozialist ein Antisemit, gerade weil er auch ein Antikapitalist war!“

(Erik Maria Ritter von Kuehnelt-Leddihn, Konservative Weltsicht als Chance – Entlarvung von Mythen und Klischees, Seite 25-26)