Schlagwort-Archive: Tyrannen

Buchauszug: Erik von Kuehnelt-Leddihn – Demokratisches Verantwortungsgefühl

Wenn wir uns das politische Treiben in den Demokratien betrachten, fällt uns ein Mangel sofort auf: der Mangel an Verantwortlichkeit. Es ist dabei nicht uninteressant, sich zu erinnern, daß der Mangel an Verantwortlichkeit und an Verantwortungsgefühl die Hauptanklage gegen die Monarchen war, die sich »lediglich« Gott gegenüber als verantwortlich betrachtet hatte.

Auch religiös eingestellte Könige vernachlässigten oft ihre Pflichten oder wurden wirkliche Tyrannen. Doch gab es da immer noch eine »Sprache«, die sie selbst auf ihren Abwegen verstanden. Bossuet griff Ludwig XIV. in seinen Predigten in des Königs Privatkapelle an, und dies im Beisein des ganzen Hofes. Und ein Ludwig XV. starb voller Angst über das kommende göttliche Gericht.

Doch hat der Aufstieg der Demokratie das Element der Verantwortlichkeit kaum gestärkt, da das moderne demokratische Regime eine derartige Verteilung der Verantwortung angestrebt hat, so daß sie zwar einerseits überall in beschränktem Maße aufscheint, aber zum Schluß – dank dieser Atomisierung – nirgends mehr recht vorhanden ist.

Die Wähler , die ihre Stimme in unterschriftslosen Briefumschlägen abgegeben hatten, können ihre Missetat, ohne mit einer Wimper zu zucken, ableugnen, und die Abgeordneten, die nach einem anfänglichen Mißerfolg nicht wiedererwählt wurden, können sich darauf berufen, daß ihr Turnus nicht genügte, um ihre Pläne zu einem glücklicheren Abschluß zu bringen. […]

Und da außerdem der Richter und Zensor des Politikers (anscheinend) nicht mehr Gott ist, sondern eine Wählerschaft von Laien, deren Meinung zwar großen praktischen, aber wenig moralischen, geschichtlichen, wirtschaftlichen oder verwaltungstechnischen Wert besitzt, wird der Sinn für wahre Verantwortlichkeit beim Politiker in der Demokratie abgestumpft.

(Erik R. von Kuehnelt-Leddihn, Gleichheit oder Freiheit? / Demokratie – ein babylonischer Turmbau?, Seite 167f)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Das Knechtische an der Landwirtschaft sind die Abgaben

«Als Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – eine Pflugschar in einem der Häuser seiner Anhänger (in Medina) sah, sprach er:

„Nie kam ein solches Gerät in jemandes Haus, ohne dass mit ihm (zugleich) Unterwürfigkeit einzog.“

Al-Bukhari bezog dies auf eine übertriebene Landwirtschaft und überschrieb dementsprechend das Kapitel mit „Warnungen vor den Folgen bei der (übertriebenen) Betätigung landwirtschaftlicher Gerätschaften bzw. der Überschreitung der vorgeschriebenen Grenzen“.

Der Grund – Allah weiß es am besten – ist wohl der, dass hieraus (der Landwirtschaft) Abgaben (an den Herrscher) resultieren, die (wiederum) dazu führen, dass man beherrscht wird und sich in der Gewalt (anderer) befindet. Derjenige, der Abgaben leisten muss, ist unterwürfig und in elender Lage, da er sich der Gewalt und Macht (eines anderen) beugen muss.

Muhammad – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – sprach:

„Die (letzte) Stunde (der Welt) kommt nicht eher, bevor die Almosensteuer (Zakah) zu einer (willkürlichen) Abgabe geworden ist.“

Damit wies er auf einen (möglichen) tyrannischen Herrscher hin, der Gewalt gegen die Leute anwendet, der beherrschend und ungerecht ist, der die Rechte Allahs, des Erhabenen, die dieser gegenüber erworbenen Geldmengen besitzt, vergisst und der (schließlich) der Ansicht ist, dass alle (religiösen) Verpflichtungen (auch) Abgaben an die Herrscher und ihren Staat mit einschließen.»

(Ibn Khaldun / gest. 808 n.H., in al-Muqaddima, übersetzt von Mathias Pätzold, Übersetzung leicht redigiert)

Buchauszug: Ibn Khaldun – Die Besteuerung und Ursachen ihrer unterschiedlichen Höhe

In diesem kurzen »VIDEO« hört man, wie Ronald Reagan - der 40. Präsident der USA (von 1981-1989) - den großen muslimischen Gelehrten Ibn Khaldun zitiert. Folgend könnt ihr nun den gesamten Abschnitt in deutscher Übersetzung lesen, der auf diese kurze Phrase in der Muqaddima folgt.

«Wisse, daß die Besteuerung am Beginn der Dynastie aus wenigen Anteilen große Einnahmen erbringt. Am Ende der Dynastie bringen viele Anteile nur geringe Einnahmen.

Die Ursache hierfür ist darin zu suchen, daß die Dynastie, wenn sie sich an die Religion hält, nur die im religiösen Gesetz festgelegten Zahlungen erhebt, d. h. die Armensteuer, die Grund- und die Kopfsteuer. Dies sind nur wenige Steueranteile, denn der Anteil der Armensteuer, bezogen auf das Vermögen, ist bekanntlich gering. Ebenso verhält es sich bei der Armensteuer auf Getreide und Vieh, desgleichen bei der Kopf- und Grundsteuer und allen anderen vom religiösen Gesetz festgelegten Zahlungsverpflichtungen. Sie sind Festwerte, die nicht überschritten werden können.

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Der Gehorsam gegen den rechtmäßigen Amir ist kein Akt der absoluten Selbstaufgabe.

Der Gehorsam gegen den rechtmäßigen Amir, der uns vom Gesandten Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – höchstpersönlich auferlegt wurde, ist kein Akt der absoluten Selbstaufgabe.

Man muss sich als Bürger unter Islamischer Obrigkeit nicht auf Gedeih und Verderb und ohne jegliche Wahrung der eigenen Interessen dem alleinigen Willen des Imams unterwerfen.

Das Islamische Reich hatte von Anfang an einen föderalen Charakter und war nicht zentralistisch strukturiert wie viele heutige Nationalstaatsgebilde.

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Buchauszug: Ludwig Ferdinand Clauß – Das moderne westliche Staatsmodell und seine Einführung im ehemals freien Morgenland

Das moderne westliche Staatsmodell, mit seiner offensiven Besteuerungs- und Bevormundungsbürokratie, hat es bei seiner schrittweisen Einführung im freien und islamisch geprägten Morgenland nicht leicht gehabt. Erst versuchten sich (vergeblich) die Osmanen, die mit Beginn ihrer Tanzimat-Periode Teile des westlichen Staatssystems übernahmen und auch anwenden wollten. Dann kamen die europäischen Kolonialmächte in den Nahen und Mittleren Osten, jedoch ebenfalls nicht erfolgreich. Letztendlich war es erst die harte Knute der arabischen Despoten, die es – im Windschatten des Kalten Krieges und mit den abendländischen Ideologien des Nationalismus und Sozialismus im Handgepäck – vollbrachte, den westlichen Überstaat in seiner vollen Machtentfaltung in den arabischen Stammesgebieten zu etablieren.

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Bertrand de Jouvenel – Emirat vs. Republik

Die natürliche Evolution menschlicher Gesellschaften beginnt praktisch in einer Anarchie und endet in der sogenannten Tyrannis. Auf dem Weg dorthin gibt es einige Zwischenstufen, die sich – je nach Kulturraum – zwar manchmal unterscheiden, aber trotz alledem einen bestimmten Entwicklungsrahmen zumeist nicht verlassen.

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Buchauszug: Betrand de Jouvenel – Das Schicksal von Ideen (sprich: Ideologien)

Demokratie, Sozialismus, Kommunismus, Nationalismus usw, alles Namen für Ideologien, die teils schon sehr alt und teils noch sehr jung sind. Alle aber haben, als Ideologie, eines gemeinsam, sie sind Kopfgeburten, also allesamt das Resultat eines menschlichen Denkprozesses. Das Wort Ideologie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten idea und logos zusammen, bedeutet also soviel wie Die Lehre von der Idee.

Sicherlich kann man den (meisten) ‚Schöpfern‘ dieser Ideen nicht vorwerfen wissentlich böswillig gehandelt zu haben, als sie ihre Ideen zu Papier brachten und dazu aufriefen sie umzusetzen. Vielmehr glaube ich, dass sie häufig sogar von guten Motiven angespornt wurden. Aber die gute Absicht ändert nun einmal nichts daran, dass wir Menschen nur Geschöpfe, weder frei von Emotionen, noch frei von Fehlern sind.

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Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Revolutionen

Auch wenn ich das Rebellieren, Revoltieren und Revolutionieren gegen den Herrscher nicht kategorisch ablehne, so liegen in den zahlreichen Überlieferungen und Gelehrtensprüchen zu diesem Thema doch genug Beweiskraft dafür, dass diese Handlungen im Allgemeinen doch eher negativ zu beurteilen sind. Rebellionen, Revolten und Revolutionen sind fast immer äußerst gewalttätige Exzesse, die sich zudem nicht selten auch gegen die eigenen Leute (in Herkunft, Abstammung oder Religion) richten.

Auch die Revolutionen der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart warten in der Realität nicht unbedingt mit traumhaften Resultaten auf. Bertrand de Jouvenel, der französische Politologe und Ökonom, der 1949 sein großartiges Werk Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums herausbrachte, beschäftigte sich mit dem Wesen von Revolutionen und ihrem häufig ähnlichen Ausgang. Man sollte sich den folgenden Auszug mal objektiv zu Gemüte führen und ggf. ein wenig nachsinnen …

«Revolutionen

Gewaltsame Krisen in den Institutionen, die politischen Revolutionen, fesseln die Aufmerksamkeit des Historikers. Ein plötzlicher Ausbruch von Leidenschaften, die man nur geahnt hat; die explosionsartige Verbreitung von Ideen, die bisher im Untergrund zirkulierten; der meteorhafte Aufstieg neuer Führerpersönlichkeiten; die Veränderung der Charaktere in einer brutalen und sich überstürzenden Aktion; der Aufruhr einer entfesselten Menge, die ihr Alltagsgesicht verloren hat und sich die schreckliche Maske des Hasses und der tierischen Grausamkeit aufsetzt – hier ist Material, das einen Schriftsteller erregen und dem friedlichen Leser hinter dem Ofen angenehme Schauder vermitteln kann.

Diese Epochen sind literarisch am häufigsten behandelt, aber auch gründlich mißverstanden worden. Es steckt etwas Kindliches darin, wenn Forscher nach Fakten jagen, ohne den ernsthaften Versuch zu machen, sich von ihnen belehren zu lassen. Aufmerksam betrachten sie die Erscheinungen der Ereignisse und glauben darin ihr Wesen zu finden, sie halten die Welle bereits für die Bewegung des Meeres. Sie hören nur den zu Beginn jeder Revolution ertönenden Ruf nach Freiheit und kümmern sich nicht mehr darum, daß keiner unter ihnen war, die nicht zum Schluß die Staatsgewalt doch gestärkt hätte. […]

Das Phänomen ist eindeutig, aber es wird uminterpretiert. Es heißt dann, leider habe die Revolution ihr natürliches Bett verlassen, habe eine über die Ufer getretene antisoziale Bewegung eine disziplinierende Gewalt erfordert, habe die Revolution zu viele Ruinen hinterlassen, um nicht jetzt eines Baumeisters zu bedürfen. Ja, wenn dieser oder jener Fehler vermieden worden wäre! Es wird der sinnlose Versuch unternommen, den exakten Augenblick des Umschwungs, den selbstzerstörerischen Akt der Revolution und seinen Urheber zu finden.

Ein bedauernswertes Unverständnis und eine völlige Verkennung des revolutionären Phänomens! Nein, Cromwell und Stalin sind nicht zufällige Folgen, sind nicht die Unfälle eines sozialen Tornados. Sie sind der notwendige Abschluß, auf den hin sich die gesamte Umwälzung bewegt. Der Zyklus beginnt mit der Erschütterung einer unzureichenden Staatsgewalt und schließt mit der Errichtung einer starken Herrschaft.

Revolutionen beseitigen das Schwache und bringen das Starke hervor

Die Anfänge einer Revolution haben einen schwer faßbaren Charme. Die Situation ist offen und scheint alle Möglichkeiten in sich zu bergen. Sie verspricht jedem etwas: den unerfüllten Träumen, den verachteten Systemen, den unterdrückten Interessen, den enttäuschten Hoffnungen; sie wird alles zu einem guten Ende bringen; die strahlende Gewißheit der jungen Bewegung gewinnt ihr die Sympathien aller und verunsichert in ihrem Innern sogar die, die sie bedroht.

Diese glücklichen Stunden schreiben sich unauslöschlich in das Bewußtsein der Völker und werfen ihren Glanz noch auf die schrecklichen Folgen. In ihrem Enthusiasmus sucht die Nachwelt die eigentliche Bedeutung der Bewegung; als wenn die Menschen wüßten, was sie tun, und täten, was sie glauben.

Sie glauben, gegen die Unterdrückung zu kämpfen, die Staatsgewalt zu begrenzen, die Willkür zu beseitigen, Freiheit und Sicherheit des einzelnen zu garantieren, der Ausbeutung des Volkes ein Ende zu setzen und von denen, die sich an ihm bereichert haben, die Zurückerstattung zu verlangen.

Sie wollen aufbauen, – aber diese Aufgabe ist niemals für sie bestimmt gewesen. Sie haben ihre historische Rolle vielmehr ausgespielt, sobald sie der Staatsgewalt getrotzt haben. Ihre Straflosigkeit ist der Beweis für die Schwäche des Staates und setzt das Signal für die Eröffnung der Jagd auf das ohnmächtige Ungeheuer. Es kommt die Stunde derjenigen, die bisher ihren Neid und ihren Machthunger unterdrücken mußten. Während die staatliche Autorität auseinanderbricht, fallen rings um sie herum auch die gesellschaftlichen Kräfte. Und die Woge, welche die neuen Männer an die Spitze trägt, brandet nur noch über Trümmer hinweg. Jetzt nach einem Programm zu fragen, wäre sinnlos.
Schließlich aber bleibt die Gesellschaft als plane Fläche zurück. Welche Chance eröffnet sich denjenigen, die sich jetzt in den Ruinen der Befehlszentrale einrichten, sie mit den Trümmern zerschlagener Institutionen befestigt und ihre Herrschaft auszudehnen vermögen, ohne auf Widerstand zu treffen.

Das ist der vorbestimmte Abschluß des Kataklysmus: Liquidation einer schwachen Staatsgewalt durch die Errichtung einer starken Herrschaft. […]

Revolution und Tyrannei

Revolutionen leben von der Absage an die Tyrannis. Aber an ihrem Anfang steht sie nicht, sie bringt die Tyrannis erst am Ende hervor. […]

Auf den Sockel einer bloßen Vogelscheuche pflanzt die Volksbewegung die Fahne ihres Enthusiasmus und ersetzt den müden Skeptiker durch den starken Sieger blutiger Ausscheidungskämpfe.»

(Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt – Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Seite 257-261)

 

Buchauszug: Bertrand de Jouvenel – Die Metaphysik der Staatsgewalt und das Einfallstor des Despotismus

Die beiden Auszüge, die gleich hier folgen, möchte ich nur ganz kurz versuchen einführend zu erklären. Bertrand de Jouvenel war ein anerkannter Gelehrter der politischen Philosophie und ein konservativer Liberaler. Im 1. Kapitel seines Werkes Über die Staatsgewalt, befasst er sich mit der Metaphysik der Staatsgewalt, also quasi mit der ersten und naturgemäßen Ursache derselben. Der Auszug ist eine finale Aussage des Kapitels.

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Buchauszug: Ghazanfar & Islahi – Al-Ghazali über Reichtum, Armut, Profit, Wohlfahrt und Voluntarismus

Imam Abu Hamid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazali – Allah sei ihm gnädig – war ein großer und anerkannter islamischer Gelehrter des 11. Jahrhunderts (christlicher Zeitrechnung). Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar und Prof. Dr. Abdul Azim Islahi sind zeitgenössische Gelehrte des Fachbereichs Islamische Ökonomie. Aus ihrem Buch stammt das folgende Zitat, welches von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde.

4. Reichtum und Armut

[…] Laut al-Ghazali ist das nach Profit strebende Verhalten der Menschen nicht grundsätzlich als verwerflich zu betrachten, denn der Wunsch Reichtum und Eigentum zu erwerben ist Teil der menschlichen Natur und ein Mittel um ein höheres Maß an materiellem Wohlergehen zu erreichen. Al-Ghazali erkennt diese Form der „Maximierung“ als menschliche Wesensart an, indem er sagt,

„Ein Mann liebt es den Wohlstand zu vermehren und seinen Besitz aller Arten von Eigentum zu vergrößern. Wenn er zwei Täler von Gold hätte, würde er gern auch ein drittes haben.“

Dann erwähnt er einen klaren Grund für dieses Verhalten; er sagt,

„Ein Mann hat hohe Ambitionen. Er denkt immer daran, dass der momentan vorhandene Reichtum nicht ausreichen oder vernichtet werden könnte, und für diesen Fall benötigt er deshalb mehr. Er versucht also diese Ängste durch weitere Anhäufung zu überwinden. Jedoch werden diese Befürchtungen niemals enden – auch wenn er alle Besitztümer der Welt hat.“

Al-Ghazali scheint damit (allgemein) menschlich-materialistische Tendenzen zu beschreiben, wie sie in jeder Gesellschaft vorhanden sind, ob nun in seiner (damalig) eigenen oder jeder zeitgenössischen Industriegesellschaft. Er erkennt somit nicht nur das Begehren des Menschen an, Reichtum und Besitztum zu vermehren, sondern auch sein Bedürfnis sich achtsam auf die unbekannte Zukunft einzustellen.

5. (Ver-)Teilung und Gleichheit von Wohlstand

Al-Ghazali nimmt eine kritische Meinung zu allen Mitteln ein, die eine Gleichheit von Einkommen und Wohlstand in einer Gesellschaft erzwingen. Ebenso kritisiert er diejenigen die darauf bestehen, dass alle Menschen allgemein ein bestimmtes Existenzminimum zum Leben brauchen – ein solcher Ansatz wäre lediglich für jene Menschen geeignet, die fromm sind und ausschließlich das Jenseits begehren; es kann aber kein Rezept für eine Gesellschaft als Ganzes sein. Wäre dies ein allgemeingültiges Konzept, dann bietet es den Herrschern nämlich einen guten Grund zu Tyrannen und Dieben zu werden und den Menschen unter Zwang all jenes Abzunehmen, was ihrer Ansicht nach übrig und über den Bedürfnissen der Menschen ist. Darüber hinaus wird es zu einem Problem für den Staat, nicht nur in Bezug auf die Einziehung (Eintreibung) dieses „Überschusses“, sondern auch bezüglich der angemessenen Verteilung an diejenigen, über deren Bedürftigkeit ja auch noch geurteilt werden müsste.

Als Alternative, meint al-Ghazali, muss der Geist der islamischen Brüderlichkeit zu einem voluntaristischen (freiwilligen) Teilen des Reichtums leiten. Auch hier spricht al-Ghazali von drei Arten des Teilens und er ordnet sie im Hinblick auf ihre Erwünschtheit entsprechend der Scharia. Die unterste Stufe ist, wenn eine Person ihren Bruder als Helfer oder Diener betrachten kann und sie macht es sich ebenfalls zur Aufgabe, ihrem Not leidenden Bruder zu helfen, ohne zu erwarten um Hilfe gebeten zu werden.

Eine höhere Ebene ist, seinen Bruder wie sich selbst zu betrachten und es ihm zu erlauben Anteil am (eigenen) Eigentum zu haben, als ob auch er der Besitzer des selbigen sei.

Der höchste Rang ist es, den Bedürfnissen des Bruders einen größeren Vorzug einzuräumen als den eigenen. Laut al-Ghazali ist diese höchste Stufe des voluntaristischen (freiwilligen) Teilens und Gebens ein Kennzeichen des wahren islamischen Verhaltens.

Und er zitiert den quranischen Vers 42:38

„[…] und diejenigen, die […], ihre Angelegenheiten durch Beratung untereinander regeln und von dem ausgeben, womit Wir sie versorgt haben, […]“

, den er als Verweis auf die frühen Muslime interpretiert, die ihr Eigentum untereinander und miteinander teilten, manchmal sogar ohne zu unterscheiden was wem gehört, wie beim Reiten auf Tieren. Somit ist also klar, dass, soweit es das (Auf-)Teilen von Reichtum angeht, al-Ghazali es bevorzugt diese Handlung auf voluntaristischer (freiwilliger) Basis beruhen zu lassen, als Teil einer schariabedingten moralischen Verpflichtung und Neigung, anstatt durch autoritäre Vorschriften des Staates – obwohl diese letztere Vorgehensweise nicht vollkommen ausgeschlossen wird, für den Fall das es die Umstände erfordern, wie wir später entdecken werden.

(Prof. Dr. S. Mohammad Ghazanfar & Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Economic Thought of Al-Ghazali (Ökonomische Lehre des Al-Ghazali), Seite 11-12)

Hans-Peter Friedrich – Ein sozial-demokratistischer Demagoge par excellence

von Yahya ibn Rainer

„Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben – dies klarzumachen, ist die Aufgabe eines jeden.“

(Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am 01.03.12)

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