Zitat: Asfa-Wossen Asserate – Manieren

„Wer einer Religion anhängt, tut dies im besten Fall, weil er von ihrer Wahrheit durchdrungen ist. Wer dieser Religion nicht folgt, muß sich also im Irrtum befinden. Wir machen es uns mit unserer inzwischen allgemeingültig gewordenen Auffassung des Begriffs der Toleranz etwas zu leicht, wenn wir diese Tugend als Konsequenz eines mild auf- und abgeklärten Indifferentismus pflegen. Ihre Stärke entfaltet die Duldsamkeit erst, wenn sie gegenüber dem als zutiefst irrig und falsch Erkannten geübt wird.“

 – Asfa-Wossen Asserate (Manieren, S.112)

Die Krise des guten Benehmens (Adab-أدب) der Muslime

„Hätte ich den Islam anhand der Muslime kennen gelernt, wäre ich kein Muslim geworden. Zum Glück habe ich den Islam aus dem Koran gelernt.“ -Yusuf Islam-

Der Regen peitschte auf Dächer, Giebel und Straßen der Elbmetropole. Starke Winde fauchten durch die Gassen und trieben die pulsierende Menschenmenge vor sich her bis sich die Masse bei verschiedenen Unterständen zusammentrollte. Erste Äste barsten und Bäume bogen sich bedrängt an den Wegen und in den menschenverlassenen Parks. Der Verkehr der Großstadt, anfänglich sich noch sträubend, kam zum erliegen. Züge fielen aus. Mittendrin meine zierliche Mutter, die umrahmt von einem Pulk an Menschen, an einer Bushaltestelle ausharrte. Endlich kam ein Bus und meine Mutter war im Begriff einzusteigen, als eine verhüllte Frau rücksichtlos den Ellenbogen in die Seite meiner 63 jährigen Mutter rammte. Meine Mutter schrie auf und rief: „Warum machen sie das?!“ Die Erwiderung kam triumphierend und unwirsch: „Ich kann, ich kann!“

Solche Geschehnisse sind symptomatisch für eine kränkelnde Umma, die sich selbstbemitleidet und jegliche Verantwortung auch im kleinsten Kleinen von sich weist. Doch die „Dawah“ vieler „Muslime“ geht noch weiter: Unhöflichkeiten, Respektlosigkeit und Kriminalität jeglicher Couleur sind an der traurigen Tagesordnung. Wie kann es also sein, dass sichtbare Muslime sich dermaßen daneben benehmen? Nicht nur Yusuf Islam, sondern auch große Denker wie Muhammad Asad und Murad Hofmann – allesamt Konvertiten – wundern sich über die große Diskrepanz von Theorie und gelebter „Nicht-Praxis“.

Neben den „großen Krisen“ im Islam existieren also auch gemeine Krisen bei den Muslimen. Der schlechte Adab wiegt vielleicht sogar schwerer als so manche makrosoziologische Konfliktlinie zwischen Gesellschaft und Staat! In Zeiten der politischen Verwerfungen und dem beständigen Dauerfeuer auf alles „islamisch“ anmutende, kommt es umso mehr darauf an, dem hohen ethischen Standard des Islams gerecht zu werden. Wer seine Religion in der Öffentlichkeit darbietet, trägt also eine große Verantwortung, da er schon allein mit einem simplen Kopftuch für den unwissenden deutschen Durchschnitt den Islam repräsentiert. Wir müssen zuallererst unsere Charaktereigenschaften verbessern – was für die meisten sicherlich schon viel zu mühselig ist – und sollten unserem Propheten Muhammad (s.) dem „wandelnden Quran“ nacheifern.- alles andere – wie beispielsweise ein islamisches Äußeres – kommt dann letztlich wie von selbst! Neben der Charakterschulung kommt sicherlich auch der Aspekt der mangelnden Bildung zu tragen: Wer sich nicht artikulieren kann, dem bleibt letztlich nur die Faust oder eben der Ellenbogen. Ansonsten lasst es doch einfach! Schmückt euch nicht mit dem Islam als wäre er ein profanes billiges Accessoire!

Es wird berichtet:

Abud-Darda‘ (r.) überliefert, dass der Prophet (s.) sagte: „Nichts wiegt am Tag des Gerichts in der Waagschale eines Gläubigen schwerer, als das gute Benehmen; denn Allah verabscheut denjenigen, der unanständig und schamlos ist.“ (At-Tirmidhi) (hasan sahih)

Und noch expliziter:

Abu Huraira (r.) berichtet, dass der Prophet (s.) sprach: „Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht! Bei Allah, er glaubt nicht.“ Er wurde gefragt: „Wer, oh Gesandter Allahs!?“ Er sagte: „Einer, dessen Nachbar nicht sicher ist vor seiner Bosheit.“ (Al-Bukhari und Muslim)

Diese gewaltigen Aussagen unseres geliebten Propheten (s.) sollten uns endlich mehr berühren und zum besseren verändern. Wenn wir uns als Muslime zum Guten wandeln wollen bedarf es einer schonungslosen Selbstanalyse und einer tiefgründigen Charakterreinigung. Dieses kommt primär erst mal Dir selber zu gute, mittelbar der Umma und letztlich eben auch dem richtigen Auftreten unter Nichtmuslimen.

Allah subhanahu wa ta’ala sagt im edlen Quran:

„Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah.“ (3:110)

Dieser herausfordernden Maxime müssen endlich Taten folgen. Jeder für sich. Kein Kollektiv wird Dich retten. Kein herbeigesehntes Kalifat. Du wirst alleine vor Deinem Schöpfer stehen.

Die blauen Flecken meiner Mutter tun ihr übrigens immer noch weh. Ich habe ihr „Die Gärten der Rechtschaffenen: Auszüge aus Riyadus Salihin“ von Imām an-Nawawī gegeben, um ihr nachzuweisen, dass der Islam ganz andere moralische Prinzipien besitzt und nicht die real praktizierte Unfähigkeit der Muslime ausschlaggebend ist. Vielleicht liest sie es.

Kurz gesagt: Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes

Diese geradezu religiöse Verehrung des Grundgesetzes ist in meinen Augen absolut widersprüchlich und basiert entweder auf Unwissenheit oder Geschichtsvergessenheit.

Ohne die philosophische Konstruierung dieses „kältesten aller kalten Ungeheuer“ (Nietzsche) namens STAAT, wäre die Schaffung seiner verfassungsmäßigen Bändigung gar nicht nötig gewesen.

Die abendländische Aufklärung hat dem Staat (als Institution) sämtliche Gewalt und Macht (als Monopol) zugeführt und zur Grundlage seines Handelns eine wandelbare Ethik und ein positives (willkürliches) Recht zugelassen.

Das Grundgesetz ist ein Beleg für die gewaltige Gefahr, die von einem rechtspositivistischen Gewaltstaat ausgeht und es müsste uns mit Scham und Trauer schlagen, dass wir ein solches Konvolut an Reglementierungen brauchen um die Menschen vor der Willkür ihrer institutionaliserten Autorität zu schützen.

Buchauszug: Horkheimer & Adorno – Wie der gestürzte Gott in einem härteren Götzen wiederkehrt

«Die Familie, zusammengehalten nicht durch die romantische Geschlechtsliebe, sondern durch die Mutterliebe, die den Grund aller Zärtlichkeit und sozialen Gefühle bildet[193], gerät mit der Gesellschaft selbst in Konflikt.

„Bildet euch nicht ein, gute Republikaner zu machen, so lange ihr die Kinder, die nur dem Gemeinwesen gehören sollen, in ihrer Familie isoliert… Wenn es den größten Nachteil mit sich bringt, die Kinder so in ihren Familien Interessen einsaugen zu lassen, die häufig von denen des Vaterlands stark verschieden sind, so hat es also den größten Vorteil, sie davon zu trennen.“[194]

Die »Bande des Hymen« sind aus gesellschaftlichen Gründen zu zerstören, den Kindern ist die Kenntnis des Vaters »absolument interdite«, sie sind »uniquement les enfants de la patrie«[195], und die Anarchie, der Individualismus, die Sade im Kampf gegen die Gesetze verkündigt hat[196], mündet in die absolute Herrschaft des Allgemeinen, der Republik.

Wie der gestürzte Gott in einem härteren Götzen wiederkehrt, so der alte bürgerliche Nachtwächterstaat in der Gewalt des faschistischen Kollektivs.»

[193] Sade, La Philosophie dans le Boudoir a. a. O. S. 238
[194] A. a. O. S. 238-49
[195] A. a. O.
[196] Sade, Juliette a. a. O. Band IV. S. 240-44

(Max Horkheimer & Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Fischer Taschenbuch Verlag, Seite 125)

Buchauszug: Horkheimer & Adorno – Die Leugnung Gottes […] negiert das Wissen

«Kants Prinzip, „alles aus der Maxime seines Willens als eines solchen zu tun, der zugleich sich selbst als allgemein gesetzgebenden zum Gegenstand haben könnte“, ist auch das Geheimnis des Übermenschen. Sein Wille ist nicht weniger despotisch als der kategorische Imperativ.

Beide Prinzipien zielen auf die Unabhängigkeit von äußeren Mächten, auf die als Wesen der Aufklärung bestimmte unbedingte Mündigkeit. Indem freilich die Furcht vor der Lüge, die Nietzsche in den hellsten Augenblicken selbst noch als „Don-Quixoterie“ verschrien hat, das Gesetz durch die Selbstgesetzgebung ablöst und alles so durchsichtig wird wie ein einziger großer aufgedeckter Aberglaube, wird Aufklärung selbst, ja Wahrheit in jeglicher Gestalt zum Götzen […].

Die Leugnung Gottes enthält in sich den unaufhebbaren Widerspruch, sie negiert das Wissen selbst.»

(Max Horkheimer & Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung, Fischer Taschenbuch Verlag, Seite 122f)

Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 3)

Preisbildung aus der Sicht anderer muslimischer Denker

Die früheste mir bekannte Aufzeichnung zu Produktionssteigerungen und ‑rückgängen in Bezug auf Preisänderungen findet sich bei Abu Yusuf (731–798 n. Chr./113–182 n. H.). Doch statt eine theoretische Darstellung von Angebot und Nachfrage und deren Auswirkungen auf die Preise zu liefern, stellt er fest:

„Es lässt sich keine bestimmte Grenze von Billigkeit und Teuerung feststellen. Es ist eine Frage, über die vom Himmel aus bestimmt wird, ohne dass wir wissen, wie. Billigkeit kommt nicht dadurch zustande, dass Nahrung reichlich vorhanden ist, und Teuerung kommt nicht durch Knappheit zustande. Sie unterliegen den Befehlen und Entscheidungen Allahs. Manchmal sind reichlich Lebensmittel verfügbar, und dennoch sind sie teuer, und manchmal gibt es zu wenig, aber trotzdem sind sie billig“ (Abu Yusuf, S. 48)

In der zitierten Passage negiert Abu Yusuf die verbreitete Meinung, dass Angebot und Preis in einem negativen Verhältnis zueinander stehen. Es trifft zu, dass der Preis nicht nur vom Angebot abhängt. Genauso wichtig ist die Stärke der Nachfrage. Insofern hängen Preissteigerungen oder –senkungen nicht notwendigerweise mit steigender oder sinkender Produktion zusammen. Abu Yusuf verfolgt diesen Punkt weiter und schreibt, dass es weitere Gründe gibt, die er jedoch „der Kürze halber“ nicht erwähnt (Abu Yusuf, S. 48). Welche Faktoren sind dies? Woran dachte er dabei? Veränderungen in der Nachfrage, Veränderungen der Geldmenge des jeweiligen Landes, das Horten und Verstecken von Ware oder alles zusammen? Es bleibt zu untersuchen, ob er oder seine Zeitgenossen auf diese Punkte eingingen.

Siddiqis Ansicht nach machte der Kontext, in dem Abu Yusuf über Preise schrieb – nämlich dass proportionale Landwirtschaftssteuern (nizam al-muqasamah) besser und gerechtfertigter seien als feste Landsteuern (nizam al-misahah) – keine explizite und detaillierte Beschreibung aller beteiligten Faktoren notwendig (Siddiqi, 1964, S. 79 f. und S. 85–87).

Auch Ibn Khaldun (1332–1404 n. Chr./732–806 n. H.) äußert sich in seinen Schriften zum Thema Angebot und Nachfrage mit Blick auf Preissteigerungen und ‑senkungen. In seinem berühmten Werk al-Muqqadimah unterscheidet er unter der Überschrift „Die Preise in Städten“ zwischen notwenigen und Luxusgütern. Wenn eine Stadt sich ausdehnt und ihre Bevölkerung zunimmt, sinken Ibn Khaldun zufolge die Preise notwendiger Dinge, während die Preise von Luxusgütern steigen. Als Grund dafür gibt er an, dass jedermann sein Hauptaugenmerk auf Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter richtet, so dass das Angebot an diesen Dingen zunimmt und die Preise sinken. Auf der anderen Seite interessiert sich nicht jeder für die Produktion von Luxus- und Komfortartikeln, während die Nachfrage hiernach entsprechend von Veränderungen im Lebensstil steigt und die Preise demzufolge ebenfalls steigen. Ibn Khalduns Darstellung von Angebot und Nachfrage und deren Auswirkungen auf die Preise ist durchaus sinnvoll und vernünftig. Außerdem erwähnt er die Rolle des Wettbewerbs zwischen den Nachfragenden und eine Kostensteigerung beim Angebot aufgrund von Besteuerung und anderer Verpflichtungen in der Stadt (Ibn Khaldun, S. 288 f.).

An anderer Stelle beschreibt Ibn Khaldun die Auswirkungen von steigender oder sinkender Nachfrage auf die Preise. Er schreibt:

„[…] Wenn es von Waren (die von auswärts herbeigeschafft werden) nur wenig gibt und sie selten sind, steigt ihr Preis. Wenn das Land jedoch nah ist und die Straßen sicher sind, wird es viele geben, die Waren transportieren. So werden diese Waren in größerer Menge verfügbar sein und ihr Preis sinken“ (Ibn Khaldun, S. 314).

Die angeführten Zitate zeigen, dass Ibn Khaldun ebenso wie Ibn Taymiyyah sowohl das Angebot als auch die Nachfrage für ausschlaggebend bei der Festlegung von Preisen erachtet. Im weiteren Verlauf führt Ibn Khaldun aus, dass ein moderater Profit den Handel fördert, wohingegen sehr niedrige Profite Händler und Handwerker entmutigen und sehr hohe Profite zu einer sinkenden Nachfrage führen (Ibn Khaldun, S. 315 f.).

Ibn Khaldun geht sogar noch weiter als Ibn Taymiyyah, indem er die Wettbewerbselemente und die unterschiedlichen Lieferkosten klar benennt, über die sich Ibn Taymiyyah nicht sehr explizit äußert. Nach seiner Aussage zu Angebot und Nachfrage führt Ibn Khaldun Beispiele für verschiedene Waren und die Versorgung damit in verschiedenen Ländern sowie deren hohen oder niedrigen Preis, entsprechend der Verfügbarkeit, an. Er stellt lediglich Beobachtungen an, ohne irgendeine Art von Preiskontrolle vorzuschlagen. Anscheinend beschäftigt er sich vor allem mit den Fakten, während Ibn Taymiyyah eher an Regeln interessiert ist. Ibn Taymiyyah beschränkt seine Analyse nicht auf eine Diskussion der Auswirkungen eines Anstiegs oder Sinkens von Angebot und Nachfrage auf die Preise, sondern spricht sich auch gegen jegliche Preisfixierung aus, solange die Marktkräfte normal funktionieren. Im Fall von Marktschwächen oder Ungerechtigkeit auf Seiten der Versorger empfiehlt er eine Preiskontrolle (Ibn Taymiyyah, 1976, S. 25–51, Islahi, S. 79–90, Kahf und Mubarak, S. 107–125).

An einer Stelle in der Muqaddimah untersucht Ibn Khaldun die preisdrückende Wirkung von staatlichem Handel auf Güter, die von privaten Wettbewerbern und Versorgern verkauft werden (Ibn Khaldun, S. 223 f.), doch dies hat nichts mit einer Politik der Preiskontrolle zu tun.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2 / übertragen in die deutsche Sprache für al-adala.de von korrekturlesen-hh, leicht redigiert)

Abu Yusuf: Kitab al-Kharai. Beirut: Dar al-Ma’rifah, 1979
Gordon, B.: Economic Analysis Before Adam Smith. London: Lewes Reprint Ltd., 1979.
Ibn Khaldun: Al-Muqaddimah. Beirut: Dar al-Fikr, o. J.
Ibn Taymiyyah: Majmu’ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad b. Taymiyyah. Riyadh: Al-Riyadh Press, Bd. 8, 1381, Bd. 29, 1383.
Al-Hisbah fi’l Islam, Ed. Azzam, S., Kairo: Dar al-Sha’b, 1976.
Islahi, A. A.: Economic Views of Ibn Taymiyah, Aligarh Muslim University, unveröffentlichte Dissertation, 1980.
Kahf, Monzer: „Economic Views of Ibn Taymeyah“, in: Universal Message, Karachi, Ausg. 4, Nr. 2, Juli 1982; Ausg. 4, Nr. 3, erstmals veröffentlicht in al-Itthihad, Plainfield, Indiana, 1977.
al-Maqrizi, Taqiuddin, Ahmad b. Ali: Kitab al-Sulak li Ma’rifat al Duwal Wal Muluk. Ed. Ziadeh, M. M., Kairo: Lajnah, al-Ta’lif Wa’l-Tarjamah, 1956.
al-Mubarak, Muhammad: Ara’ Ibn Taymiyah fi’l Dawlah wa mada Tadakhkhulliha fi’l Majal al-Iqtisadi. Beirut: Dar al-Fikr, 1970.
al-Qalaqshandi, Abul Abbas Ahmad b. Ali: Subh al-A’sha. Kairo: Dar al-Kutub al-Khudaiwiyah, 1913.
Schumpeter, J. A.: History of Economic Analysis. London: George Allen and Unwin Ltd., 1972.
Siddiqi, M. N.: „Abu Yusuf ka Ma’ashi Fikr“ (Urdu), in: Fikr-o-Nazar, Aligarh, Ausg. 5, Nr. 1, Januar 1964, S. 79 f. und 85–87.
Speigel, H. W.: The Growth of Economic Thought. New Jersey: Prentice Hall Inc., 1971.

Kurz gesagt: Das beschädigte Ansehen frommer Muslime innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands

Das Ansehen der Muslime, die äußerlich Merkmale religiöser Frömmigkeit aufweisen, hat innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands in den letzten 10-15 Jahren drastisch Schaden genommen.

Während (auch wenig religiöse) Muslime vor 15 Jahren noch großen Respekt vor dem Mann mit Vollbart, akkurat gekürzter Pluderhose und religiöser Kopfbedeckung hatten und sich vertrauensvoll in Fragen der Religion an einen solchen Muslim wandten, schaut man heute vielerorts eher misstrauisch und mitunter auch ablehnend auf solche Muslime.

Der Grund?

Früher waren die meisten Frommen nicht nur äußerlich tadellos, sondern auch innerlich wirkte der Islam, so dass sie einen vorzüglichen Charakter an den Tag legten, wenn sich ein weniger frommer Muslim an sie wandte.

Heute lassen sich die größten Rüpel den Vollbart wachsen und kleiden sich in fromme Tracht, aber die Umgangsformen sind die der Straße geblieben und ihr Umgang mit (äußerlich) weniger Frommen ist geprägt von unverhüllter Erhabenheit und selbstzufriedenem Hochmut.

Ich erinnere mich noch, dass mich 2007/2008 irgendwann ein türkischer Bruder mit zu sich nach Hause nahm. Ich war nicht einmal ein Jahr Muslim, aber hatte schon einen recht beeindruckenden Vollbart erlangt (da ich bereits vor der Konversion begann ihn wachsen zu lassen), und natürlich hatte ich ein akkurat gekürztes und weites Beinkleid sowie eine religiöse Kopfbedeckung auf.

Als er mich dann seinem Vater vorstellte (der vom Alter her auch mein Vater hätte sein können), nannte dieser mich tatsächlich „Yahya Effendi“ und senkte sein Haupt ein wenig, als er meine Hand schüttelte.

Mir wurde von diesem Muslim eine Art von Respekterweisung zuteil, die mir geradezu peinlich war, und das nur, weil ich für ihn den Anschein machte, ein sehr frommer Muslim zu sein.

Heute ernte ich (auch bei mir im Stadtteil mit sehr vielen Muslimen) häufig sehr vorsichtige Blicke und bekomme teils auch Gesten der Abneigung zu spüren.

Liebe Geschwister, was sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland als eine neue frömmelnde Bewegung etabliert hat, diese Resultate der massenhaften Laien-Dawa auf den Straßen der Republik, hat dem Ansehen des Islams und der praktizierenden Muslimen (in Teilen) mehr geschadet als mancher von uns Salafis es wahrhaben möchte.

Es braucht mehr Selbstreflexion bei Predigern und Anhängern, und wir müssen selbstkritisch die letzten 10-15 Jahre Revue passieren lassen. Wir haben eine Verantwortung.

Die Dawa der letzten 10 Jahre hat die Gemeinschaft in strenge und moderate/moderne Muslime gespalten. Diese Spaltung jedoch ist tragisch.

Wir können nur wie ein Körper sein, wenn wir uns gegenseitig Ermahnen lassen, so dass wir wieder die Mitte finden. Nicht die Spaltung in Sekten ist das Problem, sondern dass sich die Schwachen gegen die Frommen verbunden und andersherum.

Das nur als kurzes Wort zum Freitag.

Die Geschichte des mekkanischen Zuhälters

Der bekannte hanbalitische Gelehrte Ibn al-Jawzi (gest. 597 n. H.) schrieb in seiner Zusammenfassung Ahbar an-Nisa (Erzählungen über die Frauen) folgendes:

«Berichte über Kuppler [Zuhälter – Anm. d. Verf.] hat der Historiker al-Mada’ini [gest. 225 n. H. – Anm. d. Verf.] mitgeteilt. Er überlieferte beispielsweise folgende Geschichte:

In Mekka lebte vor einiger Zeit ein schamloser Kerl von niederer Gesinnung, der skrupellos und auf die unverschämteste Weise Frauen an Männer verkuppelte. Er gehörte zum Stamm Quraish, sein Name soll nicht erwähnt werden. Die Einwohner von Mekka beklagten sich bald über das Treiben dieses Mannes bei ihrem Statthalter, der ihn daraufhin … »

Hier stoppen wir vorerst die Erzählung und fragen uns: Was hat der Statthalter zu Mekka wohl mit diesem Zuhälter, seinen Dirnen und den Freiern machen lassen, die nahe der heiligsten Stätte des Islams gewerbsmäßig Unzucht bewerkstelligten und betrieben? Wie geht diese Geschichte wohl weiter?

Nicht wenige werden auf Anhieb wohl Vermutungen dahingehend anstellen, dass im damaligen (vermutlich umayyadischen) Kalifat die Dirnen und Freier erst einmal samt und sonders der schariarechtlichen Haddstrafe ausgeliefert und somit entweder der Auspeitschung oder Steinigung anheimfallen würden. Dem gewerbsmäßigen Zuhälter dürfte es wohl nicht viel besser ergehen.

Ahbar an nisa allerdings ist kein normatives Werk, dient also nicht dazu die Normen einer muslimischen Ordnung darzulegen, sondern es gibt in seinen historischen Berichten und Anekdoten vielmehr die Diskrepanz zwischen dem normativen Ideal und den tatsächlichen Realitäten wieder.

Während also zeitgenössische Romantiker „das Kalifat“ als scharia-perfekten Law-and-Order-Staat träumen, können wir in historischen Schilderungen und Anekdoten zahlreicher Historiker und Gelehrter nachlesen, wie ganz anders es im Kalifat sein konnte.

Nur ein kleines Beispiel ist hier der Ausgang dieser historischen Schilderung von al-Mada’ini, die Ibn al-Jawzi in seinem Werk zum Besten gibt. Ihr dürft euch wundern.

«Die Einwohner von Mekka beklagten sich bald  über das Treiben dieses Mannes bei ihrem Statthalter, der ihn daraufhin nach Arafat verbannte. In Arafat nahm sich der Kuppler eine Wohnung. Nach Mekka wagte er sich jedoch nur noch verkleidet, um seine zahlreichen Kunden – Männer und Frauen – zu treffen.

Bei solchen Treffen sagte er zu ihnen: „Warum kommt ihr nicht mehr zu mir, was hält euch fern?“ Sie antworteten: „Die weite Entfernung! Was nützt es uns denn, wenn du weit weg in Arafat wohnst?“ Er entgegnete darauf: „Nehmt euch doch für zwei Dirham einen Esel! Keinem Menschen kommt das verdächtig vor, ihr könnt euch ganz sicher fühlen! Macht euch einen schönen Spaziergang! Ihr erhaltet von mir die Gelegenheit zu einem Treffen und kommt so zu eurem Vergnügen!“ Da sprachen die Leute: „Das ist ein guter Gedanke! Wir müssen wahrlich bekennen, daß du da völlig im Recht ist!“

Bald zogen die Leute in Scharen hinaus nach Arafat. Der Zustrom der Menschen dorthin nahm bald überhand. Der schlechte Einfluß auf die Einwohner von Mekka, insbesondere auf die Jugendlichen, wurde immer sichtbarer, und erregte die moralischen Bedenken der ehrenhaften Bürger.

Aber auch die anderen Kuppler und gemeine Leute in Mekka sahen die Abwanderung ihrer Kunden nach Arafat mit dem größten Unbehagen. Sie führten deshalb erneut Klage bei ihrem Statthalter, der diesmal den Kuppler steckbrieflich suchen ließ. Sehr bald konnte man seiner habhaft werden.

Er wurde zum Statthalter gebracht, der ihn zur Rede stellte: „Du Feind Allahs! Da habe ich dich aus der Stadt Allahs – groß und erhaben ist Er! – ausgestoßen und dich bestraft. Trotzdem unterstehst du dich, an der erhabensten Kultstätte dein verruchtes Gewerbe weiter zu betreiben, ja es in noch größerem Ausmaß auszuüben! Ohne Scham und ohne ein mahnendes Gewissen machst du dir ein Geschäft, die Leute miteinander zu verkuppeln!“

Der Kuppler erwiderte darauf: „Allah möge dem Statthalter Glück verleihen! Aber die Leute, die mich beschuldigen, lügen und sagen überhaupt nicht die Wahrheit, weil sie mir nicht gut gesinnt sind und mich beneiden!“

Voller Empörung wiesen das die Mekkaner zurück und sprachen zum Statthalter: „Es ist ganz und gar deine Angelegenheit, wem du mehr Glauben schenkst: dem Kuppler oder uns ehrbaren Bürgern. Aber erlaube uns, daß wir einen Beweis für die Richtigkeit unserer Klage erbringen. Gestatte uns, daß wir eine Dirne auf einen Esel der Gauner und Spitzbuben setzen und ihn in Richtung Arafat in Trab bringen. Wenn dieser Esel, wie er es gewohnt ist, diese Dirne in das Haus des Kupplers in Arafat bringt, dann soll das der Beweis für die Richtigkeit unserer Aussagen sein! Wenn der Esel sich aber anders verhält, so soll der Kuppler sein Recht haben!“

„Sehr gut“, sagte der Statthalter, „darin liegt der Schlüssel der Wahrheit“

Ohne zu zögern befahl er, daß ihm ein Spitzbubenesel gebracht würde. Er ließ eine Dirne aufsitzen und brachte den Esel Richtung Arafat in Trab. Tatsächlich verhielt sich der Esel so, wie es die ehrbaren Mekkaner gesagt hatten, und lief direkt zum Haus des Kupplers.

Damit war der Beweis für die Berechtigung der Beschwerde gegen den Kuppler erbracht. Der Statthalter befahl, den Kuppler auf der Stelle auspeitschen zu lassen. Als dieser dann dem Auspeitscher übergeben wurde und ihm gegenüberstand, begann er laut zu weinen.

Da fragte ihn der Statthalter verwundert: „Was bringt dich denn, du Feind Allahs, zum Weinen?“ Da gab der Kuppler die folgende Antwort: „Bei Allah! Allah schenke dem Statthalter Glück! Ich habe überhaupt keine Angst vor den Schlägen. Angst habe ich nur davor, daß die Leute im Irak über uns lachen und spotten werden. Sie werden nämlich sagen, daß die Mekkaner dem Zeugnis eines Esels Glauben schenken und es als beweiskräftig ansahen!“

Da lachte der Statthalter und erließ dem gerissenen Kuppler die Strafe.»

(Ibn al-Jawzi, Über die Frauen / Ahbar an-Nisa, übersetzt von Dieter Bellmann, Verlag C.H. Beck, Seite 292ff.)

Ibn Taymiyyahs Konzept des Marktmechanismus (Teil 2)

In den vorangegangenen Abschnitten hat Ibn Taymiyyah unterschieden zwischen einem Preisanstieg aufgrund von Kräften des Marktes und einem durch menschliche Ungerechtigkeit (zulm) – z. B. Horten – verursachten Preisanstieg, eine Unterscheidung, die der Ordnungsmacht eine Grundlage für Preisregulierungen gibt. Ibn Taymiyyah war ein großer Befürworter von Preiskontrollen bei Marktschwächen, doch er war gegen solche Kontrollen, wenn Preiserhöhungen durch die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage zustande kamen (Islahi, S. 79–90, Kahf und al-Mubarak, S. 107–125).

An dieser Stelle ist anzumerken, dass Ibn Taymiyyah die Auswirkungen von Schwankungen bei Angebot und Nachfrage analysiert, aber nicht auf den Effekt eingeht, den hohe oder niedrige Preise auf die angebotene und nachgefragte Menge haben (d. h., eine Bewegung auf der gleichen Kurve, von einem Punkt zu einem anderen). In al-Hisbah erwähnt er die Ansicht eines früheren Juristen – Abu-l-Walid (1013–1081 n. Chr./403–474 n. H.), dass …

„ … die Vorgabe von zu niedrigen Preisen durch die Ordnungsmacht, die keinen Profit übrig lassen, zu einer Verfälschung der Preise führt sowie dazu, dass (Verkäufer) ihre Ware verstecken, und dazu, dass das Vermögen der Leute ruiniert wird“.

Ibn Taymiyyah stimmt dieser Ansicht zu (Ibn Taymiyyah 1976, S. 41). Durch dieses Bewusstsein, dass das Angebot zurückgeht, wenn der Preis zu stark fällt, ist Ibn Taymiyyah nahe dran, auf eine direkte Beziehung zwischen der angebotenen Menge und dem Preis zu schließen.

In seinen Fatawa nennt er einige Faktoren, die die Nachfrage und somit auch die Preise beeinflussen. Er schreibt (Ibn Taymiyyah, 1383, Bd. 29, S. 523–525):

(a) „Die Wünsche der Menschen (ar-raghabah) sind unterschiedlich und verändern sich ständig. Sie verändern sich entsprechend dem reichlichen Vorhandensein oder der Knappheit der nachgefragten Ware (al-matlub). Wenn es nur wenig von einer bestimmten Ware gibt, wird sie stärker nachgefragt, als wenn sie reichlich verfügbar ist.“

(b) „Die Wünsche verändern sich auch in Abhängigkeit von der Zahl derjenigen, die das Produkt nachfragen (tullab). Wenn viele Personen das Produkt nachfragen, steigt dessen Preis. Im Gegensatz dazu sinkt er, wenn die Zahl der Nachfragenden gering ist.“

(c) „Auch die Stärke oder Schwäche des Bedürfnisses nach dem Produkt und das Ausmaß des Bedürfnisses beeinflussen die Wünsche – je nachdem, wie stark oder schwach das Verlangen danach ist. Wenn das Bedürfnis ausgeprägt und stark ist, wird der Preis stärker ansteigen, als wenn es gering ausgeprägt und schwach ist.“

(d) „(Der Preis unterscheidet sich auch) entsprechend (dem Kunden), mit dem der Handel getätigt wird (al-mu’awid). Wenn er reich und vertrauenswürdig hinsichtlich des Begleichens von Schulden ist, ist (für den Verkäufer) ein niedrigerer Preis akzeptabel als bei jemandem, der für Zahlungsunfähigkeit, verspätete Zahlungen oder Leugnung fälliger Zahlungen bekannt ist.“

(e) „Außerdem (wird der Preis beeinflusst) durch die Währung, in der er gezahlt wird. Wenn es eine gängige Währung ist (naqd ra’ij), sinkt der Preis, was bei einer weniger bekannten Währung nicht der Fall ist, wie es sich heutzutage in Damaskus mit Dirham und Dinar verhält, wobei es gängige Praxis ist, in Dirham zu zahlen.

(f) „Dies ist so, weil der Zweck des Vertrages (reziproker) Besitz beider Vertragsparteien ist. Wenn der Zahler in der Lage ist zu zahlen und man von ihm erwarten kann, dass er seine Zusage einhält, wird der Gegenstand des Vertrages mit ihm umgesetzt, anders als wenn er nicht vollkommen fähig oder nicht vollkommen vertrauenswürdig ist. Das Maß an Fähigkeit und Vertrauenswürdigkeit ist unterschiedlich. Dies gilt für Käufer und Verkäufer, Mieter und Vermieter, Braut und Bräutigam. Manchmal ist das Objekt des Verkaufes (physisch) verfügbar, manchmal nicht. Der Preis für etwas Verfügbares ist niedriger als der für etwas, das nicht (physisch verfügbar) ist. Das Gleiche gilt für den Käufer, der bisweilen in der Lage ist, auf einmal zu zahlen, weil er Geld hat, doch manchmal hat er kein (Bargeld) und möchte sich etwas leihen (um zahlen zu können) oder Waren verkaufen (um die Zahlung tätigen zu können). In ersterem Fall ist der Preis niedriger.

(g) „Das Gleiche gilt für jemanden, der (ein Objekt) vermieten möchte. Vielleicht ist er in der Lage, die Leistungen, die der Vertrag beinhaltet, in einer Weise zur Verfügung zu stellen, dass der Mieter ohne (weitere) Kosten davon Gebrauch machen kann. Es kann jedoch auch vorkommen, dass der Mieter die Leistungen nicht ohne (zusätzliche) Kosten in Anspruch nehmen kann. Dies kann zum Beispiel der Fall sein in Dörfern, die von tyrannischen Machthabern oder von Räubern heimgesucht werden, oder in Orten, an denen es Raubtiere gibt. Der (Miet-)Preis für solches Land entspricht natürlich nicht dem Nennwert von Land, in dem diese (zusätzlichen Kosten) nicht aufzubringen sind.

Wie wir bereits gesehen haben, verwendet Ibn Taymiyyah den Begriff ‚Wunsch‘ im Sinne von ‚Nachfrage‘. Später benutzt er al-matlub und at-talibun für die nachgefragten Güter beziehungsweise die Nachfragenden. In seiner Analyse von steigenden und fallenden Preisen werden ökonomische und nicht-ökonomische Faktoren sowie individuelle und kollektive Handlungen gleichzeitig erwähnt.

Davon auszugehen, dass ein knappes Gut deutlich stärker nachgefragt wird als eines, das zur Genüge vorhanden ist, bedeutet, dass man sich Angebot und Nachfrage als voneinander abhängig vorstellt. Dies ist jedoch im Allgemeinen nicht der Fall. Ibn Taymiyyah verzeichnet dies als von ihm beobachteten psychologischen Fakt: Manche Menschen fragen ein Gut umso stärker nach, wenn es nur in geringer Menge vorhanden ist, weil sie davon ausgehen, dass es künftig noch knapper werden wird.

Ein Anstieg der Zahl der Nachfragenden, der einen Preisanstieg verursacht, ist ein ökonomisches Phänomen und ein Fall von einer Veränderung der Funktionen der Marktnachfrage. Die geringe oder starke Ausprägung eines Bedürfnisses kann – anders als seine Intensität – auf dessen Position im Gesamtbetrag des Warenkorbs, der vom Verbraucher benötigt wird, hinweisen. Falls diese Interpretation korrekt ist, so assoziiert Ibn Taymiyyah die Stärke eines Bedürfnisses, verbunden mit seinem relativ großen Ausmaß, als Anteil der Gesamtheit seiner Konsumausgaben, mit hohen Preisen. Im Gegensatz dazu ist ein weniger intensiv empfundenes Bedürfnis nach einer Ware, die im Verhältnis zur Gesamtheit der Bedürfnisse nur in geringen Mengen benötigt wird, eine Ursache für niedrige Preise.

Der nächste Punkt (d) bezieht sich auf Kreditverkäufe. Er behandelt einen speziellen Fall, der nicht sehr relevant ist für eine Analyse der Marktpreise, außer wenn dies zum Normalfall wird, so dass Verkäufer die Unsicherheit hinsichtlich der Bezahlung mit berücksichtigen müssen.

Dass die Preise niedriger sind, wenn in Silbermünzen bezahlt wird (Punkt e) ist eine Anspielung auf die eigentümliche monetäre Lage im Damaskus jener Zeit. Der Grund hierfür war möglicherweise ein Anstieg von Legierungen bei den Goldmünzen oder die häufigen unvorteilhaften Veränderungen im Verhältnis von Dinar zu Dirham, wie aus der Geschichte jener Zeit hervorgeht (Qalaqshandi, Bd. 3, S. 438; Maqrizi, Bd. 1, S. 899). Anzumerken ist, dass Nasir Muhammad ibn Qalawun – der Sultan, der zu Ibn Taymiyyahs Zeit regierte – den Leuten verbot, Gold zu verkaufen oder anzukaufen. Alle waren gezwungen, ihr Gold der Münzprägeanstalt zu übergeben und Dirham dafür entgegenzunehmen (Maqrizi, Bd. 2, S. 393). Dies mag ein weiterer Grund für die – relativ gesehen – höheren Preise in Dinar gewesen sein.

Der spezielle Fall, dass für eine sofort verfügbare Ware ein niedrigerer Preis verlangt wird als für eine Ware, die zum entsprechenden Zeitpunkt nicht auf dem Markt verfügbar ist (Punkt f) kann als eine zusätzliche Zahlung betrachtet werden, die für die Beschaffung eines schwer erhältlichen Produktes geleistet wird. Ibn Taymiyyah erwähnt diesen Fall gemeinsam mit dem Fall, dass der Preis für eine Ware günstiger ist, wenn sofort gezahlt wird, als wenn die Zahlung zunächst gestundet wird. Dies hat er bereits angemerkt (unter Punkt d).

Das unter Punkt g angeführte Beispiel zielt darauf ab zu zeigen, dass sämtliche Kosten, die der Käufer übernehmen muss, um das gemietete Objekt nutzen zu können, vom Vermieter des Objektes berücksichtigt werden müssen. Ibn Taymiyyah zeigt auf, was die Punkte d, e, f und g gemeinsam haben: Unsicherheiten oder anfallende Kosten bewirken, dass der Preis anders ausfällt als er es ohne diese Faktoren getan hätte. Dies allein ist ein bedeutender Beitrag zur ökonomischen Analyse. Dem kann sein Bewusstsein für die Auswirkungen von Veränderungen in Bezug auf Angebot und Nachfrage hinzugefügt werden. Insofern ist es interessant, seine Gedanken hierzu mit denen anderer islamischer Denker und westlicher Autoren zu vergleichen, die vor dem Aufkommen der Ökonomie in der Mitte des 18. Jahrhunderts wirkten.

(Quelle: Prof. Dr. Abdul Azim Islahi, Journal of Research in Islamic Economics, Vol. 2, No. 2 / übertragen in die deutsche Sprache für al-adala.de von korrekturlesen-hh, leicht redigiert)

 

Abu Yusuf: Kitab al-Kharai. Beirut: Dar al-Ma’rifah, 1979
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Ibn Taymiyyah: Majmu’ Fatawa Shaikh al-Islam Ahmad b. Taymiyyah. Riyadh: Al-Riyadh Press, Bd. 8, 1381, Bd. 29, 1383.
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Speigel, H. W.: The Growth of Economic Thought. New Jersey: Prentice Hall Inc., 1971.

Kurz gesagt: Positive und negative Herzensbrecher

Es gehört zu meiner persönlichen Eigenheit, dass ich – auch für einen Deutschen – emotional recht kühl veranlagt bin.

Diese Eigenart kommt mir zugute, weil ich mich dadurch in die Lage versetzt sehe, meine negativen Emotionen im Zaum zu halten.

Bedauerlicherweise wirkt sich diese emotionale Kühle leider auch auf das Empfinden und Zeigen positiver Gefühle aus. Das ausgelassene und ausgiebige (Mit-)Freuen, Beglückwünschen, Begrüßen und Zuneigungzeigen liegt mir also nicht so sehr.

Was mich seit 2 Jahren überraschenderweise merkbar wärmer und emotionaler werden lässt, ist die Geburt und Gegenwart meiner kleinen Tochter (2).

Ich bin geradezu entsetzt davon, wie sehr dieses kleine Wesen – von meinem eigenen Fleisch und Blute – meine innersten Emotionen weckt und gedeihen lässt. Wenn ich sie auf den Schoß setze und meine Nase in ihre kleine weiche Haarpracht halte, nur um minutenlang ihren ganz eigenen Duft einzuatmen, dann zerspringt mir geradezu das Herz. Und wenn sie dann auch noch mit ihren kleinen Fingerchen meine Hand streichelt und am Nagelbett meines Daumens pult, dann bin ich nahe dran in Tränen auszubrechen und werde von unglaublichen Verlustängsten gepeinigt.

Dieses kleine Wesen hat mein Herz erobert und meine kalte Schale geknackt, allein durch ihre Existenz und ihre natürliche Zuneigung zu ihrem Vater.

Wenn ich daran denke und dann im selben Moment lesen muss, dass es anscheinend Väter gibt, die in der Lage sind ihr eigenes junges Töchterchen mit einem Messer niederzumetzeln, dann bricht für mich eine Welt zusammen.

Das ist so schrecklich. Wie kann man seine eigene 1-jährige Tochter mit einem Messer töten? SubhanAllah, mir liegen Schimpfwörter auf der Zunge, die seit 11 Jahren nicht mehr über selbige gekommen sind.

Ich verstehe die Welt nicht mehr …

 => https://www.focus.de/regional/hamburg/hamburg-mourtala-m-toetete-ex-frau-und-kind-1-das-ist-der-taeter-vom-jungfernstieg_id_8759544.html

Kurz gesagt: Ist das Kopftuch bei Kindern eine Sexualisierung?

Unsere kleine Tochter Jenna Luise ist jetzt 2 Jahre alt und beginnt langsam ihre Eltern in vielen Alltagssituationen zu imitieren. So hat sie bspw. beobachtet, dass wir uns gegenseitig die Schuhe bringen, wenn wir vorhaben gemeinsam raus zu gehen. Sobald sie also das Gefühl bekommt, dass wir uns bereit machen das Haus zu verlassen, stürmt sie sofort los und bringt meiner Frau und mir die Schuhe.

Sie hat jetzt auch einen Puppen-Kinderwagen bekommen, den sie in der Wohnung bereits fleißig spazieren fährt, ebenso wie es ihre Mutter oder ihr Vater mit ihrem Kinderwagen tut.

Und auch das Gebet, welches bis zu 5 mal am Tag in der Wohnung verrichtet wird, möchte sie schon mitmachen. Hierzu reicht es ihr nicht aus, dass wir ihr einen kleinen Gebetsteppich ausbreiten, nein, sie möchte auch (genauso wie Mama) einen Hijab tragen, also ein weites Gewand mit Kopftuch.

Bei uns zu Hause ist das etwas so normales, diesen Wünschen unserer kleinen Tochter nachzukommen, und niemals wären wir auf die Idee gekommen, dass dies einer Sexualisierung unseres kleinen Lieblings gleichkommen würde – wie es kürzlich die Staatssekretärin Serap Güler (CDU) in den Medien behauptete.

Die Verkürzung religiöser Handlungen auf einen zwingenden weltlichen Sinn ist eine oberflächliche Erscheinung. Viele Dinge tun wir Muslime auch einfach nur, weil es ein Gottesdienst ist. Hierzu gehört das rituelle Gebet ebenso wie das Tragen religiöser Kleidung.

Beides (Gebet und Hijab) ist für unsere kleine 2-jährige Jenna Luise keine religiöse Pflicht, das ist aber kein Grund für uns, ihr diese Gottesdienste zu verwehren. Wenn sie uns imitieren und mitbeten möchte, dann sei ihr das erlaubt, und wir freuen uns sogar sehr darüber. Und wenn sie dabei wie ihre Mutter aussehen möchte, nämlich mit Hijab, warum sollten wir ihr das verbieten?

Und sie sieht sooo süß aus mit dem Kopftuch – und dabei denkt keiner von uns an Sex oder ähnliches, Gott bewahre, das ist eine böse Unterstellung.

Buchauszug: Gustave le Bon – Hygiene und Heilmittelkunde bei den Arabern

«Die Bedeutung der Hygiene war den Arabern nicht unbekannt. Sie wußten, daß man durch Hygiene Krankheiten vorzubeugen vermag, welche die Medizin nicht heilen kann. Sehr weise sind die Vorschriften im Koran: häufige Waschungen, Verbot des Weintrinkens, in heißen Ländern Bevorzugung der Pflanzenkost vor der Fleischkost. An den hygienischen Empfehlungen, die dem Propheten zugeschrieben werden, gibt es nichts auszusetzen. […]

Die Heilmittelkunde verdankt den Arabern viele Medikamente, wie Kassia, Sennes, Rhabarber, Tamarinde, Brechnuß, Kampfer, Alkohol u. a.. Sie waren die eigentlichen Begründer der Pharmazeutik, die Erfinder vieler noch heute verwendeter Mittel: Sirup, Pflaster, Tinkturen, Salben, destilliertes Wasser usw.. Sie erfanden sogar Heilmethoden, die später, nachdem sie lange Zeit vergessen waren, als Neuentdeckung hingestellt wurden. Dazu gehört die Methode, Medikamente mit Früchten zu versüßen: Avenzoar kurierte Verstopfungen mit Weintrauben, die mit einem Abführmittelgetränkt waren.»

(Gustave le Bon, La civilisation arabe, 1884 / aus dem Französischen von Peter Aschner, Die mittelalterliche Welt der Araber, F.A. Herbig Verlagsbuchhaltung, München – Berlin ©1974, Seite 93f.)

Buchauszug: Gustave le Bon – Der arabische Chirurg Albukassis, die Quelle aus der alle Chirurgen nach dem 14. Jahrhundert schöpften

«Der berühmteste arabische Chirurg war Albukassis von Cordoba, gestorben 1107. Er hat viele chirurgische Instrumente erfunden, die in seinen Werken abgebildet sind. Im übrigen Europa wurde er erst im fünfzehnten Jahrhundert bekannt, dann aber wurde sein Einfluß überaus groß. Der große Physiologe Haller bemerkt, die Werke Albukassis‘ seien die Quelle gewesen, „aus der alle Chirurgen nach dem vierzehnten Jahrhundert schöpften“.»

(Gustave le Bon, La civilisation arabe, 1884 / aus dem Französischen von Peter Aschner, Die mittelalterliche Welt der Araber, F.A. Herbig Verlagsbuchhaltung, München – Berlin ©1974, Seite 92)

Buchauszug: Gustave le Bon – Die Werke des arabischen Mediziners Avicenna waren 600 J. der Universalkodex der Medizin

«Der berühmteste aller arabischen Mediziner war Avicenna. Mehrere Jahrhunderte lang war sein Einfluß so groß, daß man ihn den Fürsten der Medizin nannte. Er wurde 980 geboren und starb 1037. […] Sein medizinisches Hauptwerk, „Kanon“ genannt, umfaßt Physiologie, Hygiene, Pathologie, Therapeutik und Heilmittelkunde. Die Krankheiten sind darin viel besser beschrieben als je zuvor. Avicennas Werke wurden in die meisten Sprachen der Welt übersetzt und waren sechshundert Jahre lang der Universalkodex der Medizin. Bis zum siebzehnten Jahrhundert wurden sie immer wieder gedruckt.»

(Gustave le Bon, La civilisation arabe, 1884 / aus dem Französischen von Peter Aschner, Die mittelalterliche Welt der Araber, F.A. Herbig Verlagsbuchhaltung, München – Berlin ©1974, Seite 92)